Hyperaktive Kinder: Hilft der Waldkindergarten?

Sie schlagen als Lösung für Kinder, die hyperaktiv sind, ausserdem Waldschule und Waldkindergärten vor. Warum?

Mir ist etwas aufgefallen: Im Waldkindergarten sind die Kinder ruhig. Sie unterhalten sich völlig normal. Es ist, als ob die Situation im Wald eine natürliche Zivilisiertheit in den Kindern hervorruft. Sie arbeiten an etwas, das sie sinnvoll finden, sie graben Löcher oder schnitzen. Sie bewegen sich frei. Was mich immer wieder überrascht hat, ist, wie erwachsen diese Kinder sind.

Finden diese Kinder beim Übertritt in die obligatorische Schule den Anschluss?

Laut einer aktuellen Studie aus Deutschland, sind Kinder schon in der Grundschule sehr gestresst. Der Effekt des Waldkindergartens mag in der Vorschule abgeschmirgelt werden. Ich kann mir aber vorstellen, dass Waldkindergärten ADHS vorbeugen. Es könnte sein, dass es den Waldkindergarten-Kindern hilft, den Stress im Schulalltag besser zu verarbeiten. Es gibt aber dazu keine Studien.

Aber wie ist das mit den schulischen Leistungen? Manche Eltern haben Angst, dass ihr Kind in der obligatorischen Schule nicht mit den anderen Kindern mithalten kann.

Ja, diese Angst kann ich verstehen. Man könnte ja meinen, dass «Kinder aus dem Wald» in der Leistungsschule nicht bestehen können. Glücklicherweise gibt es aber genau darüber Studien. Die Kinder, die im Waldkindergarten waren, sind den anderen Kindern, was soziales Verhalten betrifft, überlegen und was Leistungen betrifft, vollkommen gleichwertig. Die Stärke des Waldkindergartens scheint zu sein, dass diese Kinder eine Ruhe und innere Kraft haben, die bei der Stressbewältigung hilft.

Hyperaktiv: Waldspaziergänge helfen gleich viel wie RitalinHelmut Schreier, geboren 1941 ist emeritierter Professor für Hochschulpädagogik. Er ist Autor und Co-Autor von über 30 Büchern zu den Themen Erziehungsphilosophie und Umwelterziehung. Er war Gastprofessor in den USA und Kanada und war pädagogischer Berater in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern. Bei Rogner & Bernhard erschien 2004 sein Buch «Bäume. Ein Streifzug durch eine unbekannte Welt.» Voriges Jahr, im August 2012 erschien sein Buch «Krise der Kindheit. Warum wir in die Natur zurückfinden müssen», ebenfalls bei Rogner & Bernhard. Zusammengefasst beschreibt das Buch, wie wir durch die Nähe zur Natur eine bessere Lebensqualität für uns und vor allem für unsere Kinder erreichen können.
Foto: privat.

 

Interview: Anita Stalder im Januar 2013

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