Wenn der Schuh drückt: Jedes zweite Kind trägt die falsche Schuhgrösse

An Schuhen soll man nicht sparen, sagt man. Denn für eine gesunde motorische Entwicklung ist ein gutes Schuhwerk wichtig. Dabei trägt kaum ein Kind die richtige Schuhgrösse, wie ein Forschungsprojekt zeigt. Wie Sie Kinderfüsse richtig messen.

Kinderfuss messen und richtige Schuhgrösse finden

(Bild: Rawpixel/iStock, Thinkstock)

Ein österreichisches Forschungsteam rund um das Projekt «Kinderfüsse - Kinderschuhe» untersuchte seit 2001 Kinderfüsse und -schuhe. Das Resultat der ersten Studie: 69 Prozent aller Kinder trugen zu kleine oder zu kurze Strassenschuhe. Bei Finken waren es sogar 88 Prozent.

Inzwischen hat das Forschungsteam zwar eine Verbesserung festgestellt, aber laut aktuellen Daten stecken immer noch 53 Prozent der Kinder in zu kleinen Schuhen.

Beabsichtigt ist das in den allerseltesten Fällen. Denn es ist gar nicht so einfach für Eltern, mit dem Wachstum von Kinderfüssen immer Schritt zu halten.

Gesundheitsfolgen von zu kleinen Kinderschuhen

Schuhe tragen uns durchs Leben. Umso besser also, wenn sie passen. Denn ein passender Schuh ist nicht nur täglicher Begleiter, er ist auch wichtig für eine gesunde Entwicklung der Haltung, der Gelenke und der Muskeln.

Drückt der Schuh, so entstehen schnell schmerzhafte Blatern und offene Stellen. Drückt er über längere Zeit, so versuchen die weichen Kinderfüsse der Druckstelle auszuweichen, beispielsweise durch Einrollen der Zehen. Folge davon können bleibende Fehlstellungen der Zehen, eine verkürzte Muskulatur und dauerhafte Gelenkproblem sein, die teilweise bis in die Knie- und Hüftregion ausstrahlen.

Warum Schuhgrössen der Kinder so oft falsch sind

Laut dem Forschungsprojekt «Kinderfüsse - Kinderschuhe» entspricht die Grössenangabe bei Kinderschuhen in 92 Prozent der Fälle nicht der eigentlichen Innenlänge des Schuhs. Das liegt wohl daran, dass es bei Kinderschuhen keine verbindliche Norm für die Schuhgrössen gibt. Die Grössen weichen damit je nach Hersteller, Schuhtyp und Marke ab. Vor allem wenn man Kinderschuhe online einkauft, führen die Grössenangaben schnell einmal in die Irre.

Wenn man das Kind selber fragt, ob der Schuh (noch) passt, so ist die Antwort meist ein zufriedenes «Ja». Was die Eltern freut, ist in Wahrheit trügerisch. Denn bei kleineren Kindern ist das Nervensystem gar noch nicht so weit entwickelt, dass sie die Passform richtig einschätzen können. Auch der alte Daumentrick, bei dem man den Finger vorne auf die Schuhkappe drückt, ist nicht zuverlässig. Eltern greifen daher besser auf andere Methoden zurück.

Wie Sie Kinderfüsse messen und die richtige Schuhgrösse finden

Tipp 1: Puffer bedenken

Damit die Kinderfüsse auch genügend Spielraum und Platz zum Wachsen haben, sollten von der längsten Zeh bis zur Schuhspitze zirka 12 bis 17 Millimeter übrigbleiben.

Tipp 2: Richtige Schuhgrösse ermitteln

Wenn der Schuh eine herausnehmbare Innensohle hat: Sohle herausnehmen und direkt am nackten Kinderfuss abmessen.

Für alle anderen Fälle: Anstelle der Innensohle hilft hier eine vorgezeichnete Schablone. Hierfür Kind barfuss auf einen Karton stellen, Fussumriss übertragen, Vorlage ausschneiden und in den Schuh hineinlegen. Passt die Vorlage ohne Quetschen in den Schuh, so passt auch der Schuh zum Fuss.

Achtung, bei beiden Varianten darf man den 12-Millimeter-Puffer nicht vergessen.

Tipp 3: Probetragen

Unsere beiden Füsse sind eigentlich so gut wie nie identisch. Es ist daher wichtig, dass man die neuen Schuhe immer an beiden Füssen anprobiert und einige Runden mit dem Schuhwerk dreht.

Tipp 4: Regelmässig messen

Kinderfüsse wachsen im Monat ungefähr einen bis eineinhalb Millimeter. Das sind umgerechnet eine bis zwei Schuhgrössen pro Jahr. Es lohnt sich also, den Kinderfuss regelmässig auzumessen und zu schauen, ob das aktuelle Schuhwerk auch wirklich noch das passende ist.

Hinweis: Füsse brauchen viel Bewegungsfreiheit und Reizeinwirkung. Kleine Kinder sollen daher wenn immer möglich barfuss gehen und in direktem Kontakt zum Boden sein.

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