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Schweizer Hebamme gründet Stiftung: Damit Mütter und Kinder leben können

Ausgerechnet an Heiligabend starb das Waisenkind Nuru in Tansania an Malaria. Mit der richtigen medizinischen Behandlung hätte das kein Todesurteil sein müssen. Die Schweizer Hebamme Milena Schaller hat deshalb mit nur 22 Jahren eine Stiftung gegründet, um Kindern und Müttern zu helfen. 

Das Waisenkind Nuru starb an Weihnachten. Nun schenkt die Nuru-Stiftung der Schweizerin Milena Schaller Familien in Tansania Hoffnung.

Nuru ist aufgrund schlechter medizinischer Versorgung in Tansania gestorben - als sie 6 Monate alt war. Foto: Milena Schaller

Vor sechs Jahren verbrachte Milena Schaller Weihnachten weit weg von ihrer Familie – und trauerte um ein sechs Monate altes Baby in Tansania. Die Schweizerin war mit 20 Jahren als Praktikantin nach Afrika gereist, um in einem Kinderheim und in einem Spital auf der Geburtenabteilung zu arbeiten. Im Kinderheim betreute sie auch ein Baby, dessen Mutter bei der Geburt gestorben war.

Der Schock an Heiligabend

Weihnachten feierte Milena Schaller in jenem Jahr mit einer Freundin. Also verabschiedete sie sich kurz zuvor von dem kleinen Mädchen, das ihr so sehr ans Herz gewachsen war. «An Heiligabend habe ich dann die Nachricht bekommen. Es war ein Schock», erinnert sie sich. Das Baby war an Malaria gestorben.

Mit der richtigen medizinischen Behandlung hätte das kein Todesurteil sein müsse, ist sie überzeugt. Drei Tage lang weinte Milena Schaller um das Baby. 

Am dritten Tag aber fasste sie einen Entschluss: Sie wollte eine Stiftung gründen, um Müttern und Kindern in Tansania zu helfen. Nuru sollte nicht umsonst gestorben sein. Der Name bedeutet «Licht in der Dunkelheit» – und Milena Schaller sorgt nun dafür, dass Nuru nach ihrem Tod Müttern und Kindern in Tansania neue Hoffnung schenkt.

Viele Mütter und Kinder in Tansania sterben

Dass Nuru noch in ihrem ersten Lebensjahr gestorben ist, ist keine Ausnahme. Pro 1'000 Lebendgeburten sterben rund 38 Kinder im ersten Lebensjahr in Tansania. In der Schweiz sind es etwa drei. Dass Nurus Mutter bei der Geburt gestorben ist, ist ebenfalls kein Einzelfall. Pro 100'000 Geburten sterben in Tansania vor allem aufgrund schlechter medizinischer Versorgung 398 Frauen. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es fünf.

Milena Schaller hat die Stiftung Nuru gegründet.

Die Schweizerin Milena Schaller bei ihrem Praktikum in Tansania mit Nuru. Das Baby lebt nicht mehr, aber die Stiftung Nuru hilft heute Frauen und Kindern in Tansania. Foto: Milena Schaller

Milena Schaller hat mittlerweile geschafft, wofür sie seit Nurus Tod gekämpft hat: Sie hat im Jahr 2014 mit nur 22 Jahren eine Stiftung gegründet und seitdem unermüdlich Privatpersonen und Unternehmen um Geldspenden gebeten, damit sich das Schicksal der kleinen Nuru nicht mehr so oft wiederholen muss.

2016 hat sie das Nuru-Spital in Dar es Salaam eröffnet. 36 Angestellte betreuen dort jeden Tag rund 120 Patientinnen. Die Frauen kommen zur Kontrolle während der Schwangerschaft, zur Entbindung und zur Nachsorge.

Wie sich das Nuru-Spital finanziert

Einfach war der Weg zur Gründung des Spitals nicht: «Am Anfang dachte ich, jeder wird das Projekt unterstützen, wenn ich erzähle, wie sehr die Mütter und Kinder in Tansania leiden», sagt Milena Schaller. «Aber das ist nicht so.» Damit Nurus Licht die Dunkelheit erleuchten kann, muss Milena Schaller in Konkurrenz mit anderen Hilfsorganisationen in der Schweiz um Spendengelder bitten.

Mehr als 100'000 Franken erhält sie nach eigener Aussage mittlerweile pro Jahr von Privatpersonen und Unternehmen. Damit und mit den Abrechnungen über die Krankenkasse in Tansania deckt sie die laufenden Kosten des Spitals.

Ärzte aus Tansania kommen in die Schweiz

Seit der Gründung der Stiftung ist Milena Schaller schon oft zwischen den beiden Welten Schweiz und Tansania hin und her gereist. In diesem Jahr hat sie in der Schweiz ihre Hebammenausbildung abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie im Nuru-Spital in Tansania mit.

Im Wechsel mit schwangeren Frauen in Afrika und Europa zu arbeiten ist geradezu ein Spagat. Die einen kämpfen mit medizinischer Unterversorgung, die anderen werden eher überversorgt: «Wir führen in der Schweiz oft eine völlig übertriebene medizinische Betreuung durch. Die Geburt hat hier in vielen Fällen nicht mehr viel mit einem natürlichen Prozess zu tun», sagt Milena Schaller.

Dennoch hat sie dafür gesorgt, dass in diesem Jahr Ärzte aus Tansania in Schweizer Spitälern hospitieren dürfen, um dazu zu lernen – «und weil es gut ist, wenn sie sehen, wie es bei uns läuft», sagt sie. Sie möchte, dass die Ärzte aus Tansania die Abläufe in Schweizer Spitälern kennen lernen, um in ihren Berufsalltag in Tansania das zu integrieren, was im tansanischen Kontext sinnvoll ist. Sie betont: «Einerseits ist unsere Medizin sehr fortschrittlich, andererseits wird tendenziell zu viel gemacht. Für Schweizer Mütter ist es oft schwierig, sich von den vielen Möglichkeiten der Medizin abzugrenzen und ihren eigenen Weg zu finden.»

Derzeit plant Milena Schaller, das Nuru-Spital in Dar es Salaam zu erweitern. «Im Moment haben wir keinen Operationssaal, weil wir nicht genügend Platz haben», sagt sie. Deshalb dürfen Erstgebärende und Frauen mit Risikofaktoren ihre Kinder nicht in ihrem Spital zur Welt bringen.

Grosse Pläne für die Zukunft

Wenn während einer Geburt Komplikationen auftreten, muss eine Ambulanz die schwangere Frau ins nächstgelegene, 5 Minuten entfernte, öffentliche Spital bringen. «Es tut mir weh, Frauen immer wieder transferieren zu müssen, obwohl wir sie doch vor den schlechten Bedingungen in anderen Spitälern schützen wollen», sagt Milena Schaller. Deshalb sammelt sie weiter Geld und plant, das vergrösserte Spital mit Operationssaal im kommenden Jahr zu eröffnen.

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit denkt Milena Schaller besonders oft an die kleine Nuru. «Sie ist immer noch die treibende Kraft», sagt sie. «Das ist nicht irgendein Spital. Wir haben eine Geschichte, die alle Mitarbeiter kennen. Die Erinnerung an Nuru macht mir jeden Tag aufs Neue bewusst, weshalb ich meine Arbeit tue.»

Milena Schallers Stiftung Nuru

Die Schweizer Hebamme Milena Schaller hat die Stiftung Nuru im Jahr 2014 im Alter von 22 Jahren gegründet. Stiftungsziel ist, Müttern und Kindern in Tansania eine gute medizinische Versorgung bereitzustellen. 2016 hat sie das Nuru-Spital in Tansanias Hauptstadt Dar es Salaam eröffnet, in dem Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und zur Nachsorge betreut werden. 

Hier finden Sie weitere Informationen über die Stiftung Nuru.