Wenn das Kind gestürzt ist: In diesen Fällen braucht es einen Arzt

Ein Sturz vom Wickeltisch, von der Treppe oder auf dem Spielplatz gehört zu den häufigsten Kinderunfällen. Dabei ist es hinter nicht immer leicht, einzuschätzen, wie schwer das Kind verletzt ist. Wann Sie Ihr Kind besser von einem Arzt begutachten lassen sollten und wann Trost und ein Pflaster reichen.

Sturz: Kind stürzt auf den Inline Skates

Vorbeugen ist gut, verhindern kann man Stürze jedoch nicht. Foto: anatols, iStock, Thinkstock

In Kindern schlummert der wahre Entdeckergeist. Kaum können sie ein Stückchen robben oder sogar quer durchs Zimmer krabbeln, da kennt ihre Neugier keine Grenzen. Auf einen Stuhl, eine Treppe oder ein Balkongeländer zu klettern, ist für sie ein unwiderstehliches Abenteuer – ein Abenteuer, das mit einem Sturz enden kann.

Ein Sturz gehört zu den häufigsten Kinder-Unfällen

Stürze verursachen die meisten Verletzungen von Klein- und Vorschulkindern, obwohl sie oft nicht einmal tief fallen. «Meist stolpern sie beim Laufen und Rennen auf gleicher Ebene oder fallen aus geringer Höhe», so Dr. Guido Baumgartner, Facharzt der Chirurgie am Ostschweizer Kinderspital. «Bei Schulkindern und Jugendlichen stehen dagegen Stürze von einem Spielgerät, vom Fahrrad oder beim Sport im Vordergrund.» Zum Glück geht ein Sturz meist glimpflich aus. «Doch mancher Schmerz kann vermieden werden, wenn Säuglinge und Kleinkinder geschützt werden und grössere Kinder und Jugendliche lernen, mit Gefahren umzugehen», rät Dr. Guido Baumgartner

Besondere Sturzgefahr auf der Treppe

«Kopf- und Halsverletzungen sowie Knochenbrüche resultieren in vielen Fällen, wenn Kinder eine Treppe hinunterfallen», warnt der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. «Bei Säuglingen verschulden in der Regel die Betreuungspersonen, die das Kind auf dem Arm tragen, den Unfall auf der Treppe, wenn sie selbst stolpern.»

So lässt sich der Sturz von der Treppe vermeiden

Die amerikanische Gesellschaft der Kinder- und Jugendärzte, die American Academy of Pediatrics hat einige Tipps für Eltern gesammelt, die ihr Kind vor einem Sturz von der Treppe bewahren wollen:

  • Treppenschutzgitter vor einer Treppe anbringen
  • Treppen frei von Spielzeug und anderen Dingen halten, die zu Stolperfallen werden können
  • Für gute Beleuchtung der Treppen zu jeder Zeit sorgen
  • Kinder auf der Treppe nicht aus den Augen lassen
  • Kinder dazu ermahnen, nichts zu tragen, während sie die Treppen hinauf- oder hinuntergehen. Grössere Objekte können das Kind aus dem Gleichgewicht bringen und es stolpern lassen.
  • Eltern sollten soweit wie möglich vermeiden, ihr Kind die Treppen hinauf- oder hinunterzutragen. Wenn dies dennoch erforderlich ist, sollten sie zumindest nichts anderes in den Händen haben.
  • Als Vorbild sollten Eltern sich auch immer am Treppengeländer festhalten.

Strategien für eine sichere Babyschale

Eltern sollten ihr Baby nicht nur während der Autofahrt anschnallen, sondern auch dann, wenn sie die Schale tragen oder auf dem Boden abstellen. Auf dem Tisch steht die Babyschale gefährlich! Bei heftigen Strampelbewegungen kann sie bis zur Kante rutschen und kippen. Wer die Babyschale anhebt, sollte sich unbedingt vorher vergewissern, dass der Tragebügel fixiert ist!

Sturz-Gefahren leicht vermeiden

Balkon
Räumen Sie alle Gegenstände auf dem Balkon weg, auf die Ihr Kind klettern könnte. Zu gross ist die Gefahr, dass es von einer Kiste oder einem Blumenkübel aus über das Geländer fallen könnte.

Kabel
Kabel werden zu Stolperfallen, wenn sie auf dem Boden liegen. Darüber hinaus besteht Verbrennungsgefahr, wenn an den Kabeln elektrische Geräte wie Wasserkocher oder Bügeleisen hängen, die auf das stolpernde Kind stürzen könnten.

Ungesicherte Regale
Wenn oben im Regal ein verlockender Gegenstand liegt, zögern Kinder oft nicht, das Regal hochzuklettern. Gut, wenn es an der Wand befestigt ist und daher nicht auf das Kind kippen kann!

Bad
Ein Badvorleger schützt vor dem Ausrutschen auf nassen Fliesen, eine rutschsichere Einlage verhindert manchen Sturz in der Dusche oder Badewanne.

Auch ein kleiner Sturz kann Folgen haben

Trotz aller Vorsicht lässt sich nicht jeder Sturz vermeiden. Wenn das Kind weint, versuchen Eltern zuerst, den Grad der Verletzung einzuschätzen. «Gibt es nur einen blauen Fleck oder eine kleine Beule oder könnten innere Verletzungen entstanden sein?» fragen sich Eltern. Zum Glück tragen Kinder nach einem Sturz oft nur eine kleine Wunde oder Prellung davon.

Dennoch ist es wichtig, das Kind anschliessend zu beobachten, denn eine Blutung im Schädelinneren kann sich noch Stunden bis Tage nach dem Unfall bemerkbar machen. «Zu den Symptomen gehören Erbrechen, ein verändertes Wesen, Lust- und Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen sowie Erinnerungslücken an das Geschehen», weiss Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Ein Alarmzeichen seien unterschiedlich grosse Pupillen.

Sturz beim Kind: Jetzt ist ein Arzt wichtig!

Das Kind sollte sofort vom Arzt behandelt werden, wenn:

  • es beim Aufprall das Bewusstsein verloren hat,
  • es sich an nichts erinnert,
  • Blut oder Ausfluss aus Nase, Ohren und Mund kommt,
  • es nach dem Aufprall mehrmals erbricht,
  • es über anhaltende Übelkeit klagt,
  • es starke oder zunehmende Kopfschmerzen hat,
  • es apathisch oder kaum zu wecken ist,
  • es sehr reizbar und schwer zu beruhigen ist,
  • es verwirrt ist und unzusammenhängend spricht,
  • es Gleichgewichtsprobleme hat,
  • es (Krämpfe unkontrollierte Bewegungen von Armen oder Beinen) hat

(Quelle: Freiburger Spital)

Im Zweifelsfall sollten sich Eltern nicht scheuen, den Sanitätsnotruf 144 zu wählen. Die Mitarbeiter der Sanitätsnotrufzentralen sind gut geschult. So können sie die Verletzung gut einschätzen und den Eltern Anleitung bei erster Hilfe geben oder, wenn nötig, einen Krankenwagen schicken.

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