Das Computerspiel «Ricky und die Spinne»

Das Computerspiel Ricky und die Spinne will Kindern mit einer Zwangsstörung helfen.

Das verhaltenstherapeutische Computerspiel «Ricky und die Spinne» hilft dabei, Kindern ihre Zwangserkrankung zu erklären. Foto: UZH

Computerspiele können süchtig machen. Ist das wirklich ein geeignetes Instrument für eine Therapie?

Kommerzielle Spiele und der uneingeschränkte Zugang dazu haben ein Suchtpotential, ja. Aber sie sind anders aufgebaut als unsere therapeutischen Computerspiele. Mir war es wichtig, das Potential von Computerspielen positiv zu nutzen.

Was passiert in Ihrem verhaltenstherapeutischen Computerspiel?

Das Spiel hat acht Level und handelt von Ricky, dem Grashüpfer und Lisa, dem Marienkäfer. Der Zwang wird durch eine Spinne symbolisiert, die den Tieren merkwürdige Aufgaben erteilt. Ricky darf zum Beispiel nur in einem bestimmten Muster über die Wiese springen. Lisa muss jeden Abend vor dem Zubettgehen ihre Punkte zählen. Ricky erkennt, dass die Spinne immer mehr von ihm verlangt und bittet Dr. Eule um Rat. Die Eule schlägt vor, dass Ricky ein Kind findet, das bereit ist ihm zu helfen. Hier kommt das Kind als Helfer von Ricky und Lisa ins Spiel. Es muss mit Ricky und Lisa Aufgaben lösen wie zum Beispiel einen Spitznamen für die Spinne finden. Das hilft dem Kind, sich vom Zwang zu distanzieren und sich über ihn lustig zu machen. Im weiteren Verlauf wird das Kind aufgefordert, der Spinne beziehungsweise dem Zwang immer weniger zu gehorchen. Am Ende jedes Levels bekommt das Kind ein Blatt mit therapeutischen Hausaufgaben.

Woher kam Ihnen die Idee für die Geschichte mit den Tieren?

Ich habe etwas gesucht, was für Buben und Mädchen geeignet ist. In der klassischen Therapie werden bei Kindern häufig Puppen eingesetzt. Das ist ab einem gewissen Alter nichts für Buben. Ich wollte etwas finden, womit sie sich identifizieren können. Deshalb bin ich auf die Idee mit dem Computerspiel und der Tiergeschichte gekommen.

Das Spiel wurde unter anderem für die Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie entwickelt. Wie setzen Sie es dort ein?

Zunächst muss die Diagnose feststehen. Wir setzen es als Teil der verhaltenstherapeutischen Therapie ein, wenn ein erkranktes Kind zwischen 6 und 12 Jahren zu uns kommt. Bei schweren Zwängen kommen Medikamente hinzu. Pro Therapiestunde wird nur ein Level gespielt. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, die Inhalte des Spiels mit der spezifischen Situation des Kindes zu verbinden.

Können Eltern das Spiel kaufen?

Das Spiel ist kein Selbsthilfespiel. Es ist nicht anzuraten, dass Eltern das Spiel kaufen, denn man kann nicht erwarten, dass das Spiel allein eine Zwangsstörung heilt. Daher sollte es nur von einem Therapeuten für die Behandlung eingesetzt werden.

Interview: Angela Zimmerling im Februar 2012

Veronika Brezinka

Veronika Brezinka hilft Kindern mit Zwangsstörungen.Dr. Dr. Veronika Brezinka ist Psychologin und Verhaltenstherapeutin und arbeitet an der Spezialsprechstunde für Zwangserkrankungen des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich. Ausserdem ist sie als Supervisorin in der Ausbildung von Verhaltenstherapeuten tätig.

Foto: privat

 

Weitere Informationen zum Computerspiel und zu Zwangsstörungen

  • Weitere Informationen zum Computerspiel «Ricky und die Spinne» finden Sie unter www.rickyandthespider.uzh.ch
  • Für Kinder und Jugendliche mit Zwangs- und Ticstörungen wird in der Poliklinik des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich eine Spezialsprechstunde angeboten. Eltern erhalten unter der Telefonnummer 043 499 26 26 Auskunft.
  • Allgemeine Informationen zu Zwangsstörungen bietet die Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen unter www.zwaenge.ch

 

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