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Franchise fürs Kind: 0 oder 600 Franken? So rechnest du richtig

Im Herbst liegt der Prämienbrief der Krankenkasse auf dem Tisch, und mit ihm die Frage: Franchise 0 oder 600 Franken fürs Kind? Die höhere Franchise senkt die Prämie, dafür zahlst du bei jedem Arztbesuch mehr selbst. Ob sich das am Ende des Jahres rechnet, hängt von wenigen Zahlen ab. Und die hast du schneller beisammen, als du denkst.

Kind inhaliert mit einer Atemmaske über einem Inhalationsgerät.
Wer regelmässig Medikamente braucht, rechnet anders. © Gemini / Google

Schon mal vorab: Für die meisten Kinder ist Franchise 0 die bessere Wahl. Zwei, drei Arztbesuche genügen, und die Ersparnis bei der Prämie ist weg. Franchise 600 kann aufgehen, aber nur unter engen Bedingungen.

Franchise und Selbstbehalt: Was bei Kindern gilt

Für Kinder bis 18 Jahre wird in der Grundversicherung keine Franchise erhoben.[1] Wer möchte, kann trotzdem eine Wahlfranchise von 100 bis 600 Franken wählen, in Schritten von 100 Franken.[2] Dafür wird die Prämie günstiger. Nicht jede Krankenkasse bietet allerdings alle Stufen an.[3]

Liegen die Kosten über der Franchise, zahlt dein Kind 10 Prozent davon selbst. Dieser Selbstbehalt ist bei Kindern auf 350 Franken im Jahr begrenzt, bei Erwachsenen auf 700 Franken.[2] Eine Ausnahme gibt es bei Medikamenten: Gibt es zu einem verschriebenen Präparat ein deutlich günstigeres, gleichwertiges Mittel, steigt der Selbstbehalt auf 40 Prozent, ausser die Ärztin verschreibt das Original aus medizinischen Gründen.[4]

Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel. Mit Franchise 0 zahlst du für dein Kind im Jahr höchstens 350 Franken selbst, mit Franchise 600 höchstens 950 Franken. Die Prämie kommt jeweils dazu. Muss dein Kind ins Spital, bleibt es bei diesen Beträgen: Den Spitalbeitrag von 15 Franken pro Tag zahlen Erwachsene. Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung sind davon befreit.[2]

Ab welchen Kosten kippt die Rechnung?

Für den Entscheid brauchst du zwei Zahlen aus der Offerte deiner Kasse: die Monatsprämie deines Kindes mit Franchise 0 und mit Franchise 600. Dazu eine ehrliche Schätzung, wie oft dein Kind im Jahr zum Arzt muss. Mit unserem Rechner siehst du für deine eigenen Zahlen, welche Franchise günstiger ist.

Es geht auch ohne Rechner. Nimm den Prämienunterschied zwischen den beiden Franchisen und rechne ihn aufs Jahr hoch. Teilst du diese Ersparnis durch 0,9, hast du die Grenze: Bleiben die Gesundheitskosten deines Kindes darunter, lohnt sich Franchise 600. Liegen sie darüber, ist Franchise 0 günstiger. Zu den Gesundheitskosten zählt alles, was über die Grundversicherung läuft, also Arzt, Medikamente aus der Apotheke, Therapien und Spital.

Der Grund für die 0,9: Bis 600 Franken zahlst du mit der hohen Franchise jede Rechnung ganz selbst, mit Franchise 0 nur 10 Prozent davon. Jeder Franken Kosten kostet dich mit Franchise 600 also 90 Rappen mehr.

  • Ersparnis 10 Franken im Monat (120 im Jahr): Franchise 600 lohnt sich nur bei Gesundheitskosten unter rund 135 Franken im Jahr.
  • Ersparnis 20 Franken im Monat (240 im Jahr): Franchise 600 lohnt sich nur bei Gesundheitskosten unter rund 270 Franken im Jahr.
  • Ersparnis 30 Franken im Monat (360 im Jahr): Franchise 600 lohnt sich nur bei Gesundheitskosten unter 400 Franken im Jahr.
  • Ersparnis 35 Franken im Monat (420 im Jahr): Franchise 600 lohnt sich nur bei Gesundheitskosten unter rund 470 Franken im Jahr.

Mehr als 35 Franken im Monat darf eine Kasse für Franchise 600 nicht nachlassen. Für Kinder liegt der gesetzliche Höchstrabatt bei 420 Franken im Jahr.[3] Kurzum: Kostet dein Kind mehr als rund 470 Franken im Jahr, ist Franchise 0 praktisch immer günstiger, egal bei welcher Kasse.

Natürlich weisst du im Herbst nicht, ob dein Kind im nächsten Jahr 100 oder 1000 Franken kosten wird. Frag dich deshalb auch, was im schlechten Jahr passiert. Mit Franchise 600 zahlst du dann bis zu 600 Franken mehr selbst. Ziehst du die Ersparnis bei der Prämie ab, bleibt bei 240 Franken Ersparnis ein Verlust von bis zu 360 Franken.

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Drei Kinder, drei Rechnungen

Wie das im Alltag aussieht, zeigen drei Beispiele. Im Schweizer Durchschnitt kostete die Grundversicherung für ein Kind mit Franchise 0 im Jahr 2026 rund 142 Franken im Monat.[5] Wir rechnen mit diesen 142 Franken und nehmen für Franchise 600 eine Prämie von 122 Franken an. Das sind 240 Franken Ersparnis im Jahr. Die Jahreskosten sind jeweils die zwölf Prämien plus alles, was du an Franchise und Selbstbehalt bezahlst.

  • Gesundes Kind, zwei Konsultationen, 300 Franken Kosten im Jahr: Mit Franchise 0 kostet das Jahr insgesamt 1734 Franken, mit Franchise 600 sind es 1764 Franken.
  • Kind mit Asthma, 2500 Franken Kosten im Jahr: Mit Franchise 0 kostet das Jahr insgesamt 1954 Franken, mit Franchise 600 sind es 2254 Franken.
  • Armbruch mit Notfall und Gips, 4000 Franken Kosten im Jahr: Mit Franchise 0 kostet das Jahr insgesamt 2054 Franken, mit Franchise 600 sind es 2404 Franken.

In allen drei Fällen ist Franchise 0 günstiger, um 30, 300 und 350 Franken. Selbst beim gesunden Kind reichen zwei Besuche bei der Kinderärztin, etwa wegen Fieber und Ohrenschmerzen, und der Prämienvorteil ist aufgebraucht.

Beim Kind mit Asthma ist die Rechnung noch klarer. Kontrollen, Inhalationsmedikamente und ab und zu eine Notfallkonsultation kommen jedes Jahr zusammen. Wie viel genau, hängt vom Schweregrad ab. Bei chronischen oder wiederkehrenden Kosten fährst du mit Franchise 0 fast immer besser, und du kannst die Ausgaben besser planen.

Und der Armbruch? Zahlt den nicht die Unfallversicherung? Das gilt nur für Jugendliche, die über ihren Arbeitgeber auch in der Freizeit versichert sind, zum Beispiel in einer Lehre. Ein kleiner Nebenjob reicht dafür nicht. Alle anderen Kinder sind über die Krankenkasse gegen Unfall versichert.[1] Für einen Unfall gelten deshalb dieselbe Franchise und derselbe Selbstbehalt wie bei einer Krankheit. Ist dein Kind in der Lehre und damit über den Lehrbetrieb auch in der Freizeit versichert, zahlt bei einem Unfall dessen Versicherung. Die Unfalldeckung in der Krankenkasse kannst du dann sistieren lassen, das senkt die Prämie.[1]

Übrigens: Die Franchise wählst du für jedes Kind einzeln. Hat eines deiner Kinder Asthma, bleibt es bei Franchise 0. Für die gesunden Geschwister kannst du separat rechnen.

Geschwister: Was der gemeinsame Deckel bringt

Sind mehrere Kinder einer Familie bei derselben Kasse versichert, gibt es eine Obergrenze für ihre gemeinsame Kostenbeteiligung. Haben alle Franchise 0, zahlen sie zusammen höchstens 1000 Franken im Jahr. Das entspricht der ordentlichen Franchise und dem maximalen Selbstbehalt einer erwachsenen Person.[1] Bei einer Wahlfranchise liegt die Grenze beim Doppelten dessen, was ein einzelnes Kind höchstens zahlt, bei Franchise 600 also bei 1900 Franken. Haben die Geschwister unterschiedliche Franchisen, legt die Kasse die Grenze fest.[2]

Klingt nach viel, bringt aber wenig. Zwei Kinder mit Franchise 0 kommen im teuersten Jahr auf zweimal 350, also 700 Franken. Das liegt unter dem Deckel. Erst ab dem dritten Kind greift er. Bei drei Kindern spart er höchstens 50 Franken, bei mehr Kindern entsprechend mehr. Mit Franchise 600 ist es dasselbe: Zwei Kinder erreichen die 1900 Franken auch ohne Deckel.

Der Geschwisterdeckel ist deshalb kein Grund, bei zwei Kindern eine höhere Franchise zu wählen. Sieh ihn als kleinen Bonus für grosse Familien.

Wann Franchise 600 passen kann

Es gibt Familien, für die die höhere Franchise trotzdem aufgeht. Dafür sollten alle drei Punkte zutreffen:

  • Dein Kind war über mehrere Jahre kaum beim Arzt, und du erwartest das auch für das nächste Jahr. Ein ruhiges letztes Jahr allein reicht nicht.
  • Du hast eine Reserve und kannst in einem Jahr mit Unfall oder vielen Infekten ein paar hundert Franken mehr bezahlen, ohne dass es eng wird. Wie du so ein Polster aufbaust, steht in unserem Familienbudget in 60 Minuten.
  • Der Prämienunterschied ist gross, eher 30 als 10 Franken im Monat. Spart die höhere Franchise übers Jahr kaum mehr als ein Termin bei der Kinderärztin kostet, lohnt sie sich nicht.

Stürze, Infekte und Sportverletzungen kommen bei Kindern ohne Vorwarnung. Wer lieber mit festen Kosten plant, ist mit Franchise 0 auf der ruhigeren Seite. Das ist keine schlechte Entscheidung, sondern oft die vernünftigste.

Tipp: Wenn dir die Prämien insgesamt zu hoch sind, lohnt sich ein Blick auf die Prämienverbilligung für Familien. Bei unteren und mittleren Einkommen verbilligen die Kantone die Prämien von Kindern um mindestens 80 Prozent.[1] Das senkt die Prämie, nicht die Franchise.

Franchise ändern: Diese Fristen gelten

Die Franchise gilt immer für ein ganzes Kalenderjahr. Ändern kannst du sie jeweils auf den 1. Januar.[2] Willst du die Franchise senken, etwa von 600 auf 0, muss deine Mitteilung bis am 30. November schriftlich bei der Kasse sein.[4] Fällt der 30. November auf ein Wochenende, gilt der Freitag davor. Schick den Brief am besten früh im November und eingeschrieben.

Eine höhere Franchise kannst du auch im Dezember noch wählen. Am besten teilst du es der Kasse bis Mitte Dezember schriftlich mit.[4] Wechselst du die Kasse, gibst du die gewünschte Franchise direkt bei der Anmeldung an. Wie die Kündigung abläuft, liest du im Artikel Krankenkasse wechseln: Fristen, Kündigung, Musterbrief.

Die neuen Prämien werden jeweils Ende September veröffentlicht, deine Kasse schreibt dir bis Ende Oktober. Rechne deshalb jedes Jahr im Oktober neu. Und falls du von einer höheren Mindestfranchise gelesen hast: Der Bundesrat will die ordentliche Franchise für Erwachsene von 300 auf 400 Franken erhöhen. Kinder bleiben von der Franchise befreit.[6] In Kraft ist die Änderung noch nicht. Welche Franchise und welches Modell für die ganze Familie passen, zeigt dir unser Überblick Krankenkasse verstehen.

Häufige Fragen

Zählen Zahnarztkosten zur Franchise?

Meist nicht. Die Grundversicherung zahlt Zahnbehandlungen nur in Ausnahmefällen, etwa bei schweren Erkrankungen des Kausystems oder nach einem Unfall.[1] Nur dann zählen die Kosten zur Franchise. Kontrollen, Füllungen und die meisten Zahnspangen zahlst du selbst oder über eine Zusatzversicherung.

Kann ich die Franchise fürs Kind unter dem Jahr wechseln?

Nein. Die Franchise gilt fürs ganze Jahr und lässt sich nur auf den 1. Januar ändern. Willst du sie senken, muss deine Mitteilung bis am 30. November bei der Kasse sein.

Was gilt ab 19 Jahren?

Dann gelten die Regeln für Erwachsene: eine ordentliche Franchise von 300 Franken und ein Selbstbehalt von bis zu 700 Franken im Jahr. Auch der Geschwisterdeckel fällt weg, er gilt nur für Kinder bis 18.

Quellen

  1. Bundesversammlung: Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), SR 832.10, Stand 1. Juli 2026, Art. 1a, 8, 31, 64, 65. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  2. Bundesrat: Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), SR 832.102, Stand 1. Juli 2026, Art. 93, 94, 103, 104. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  3. Bundesamt für Gesundheit (BAG), priminfo: Sparen bei der Grundversicherung. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Prämien und Kostenbeteiligung. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  5. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Kantonale monatliche Durchschnittsprämien 2025 und 2026, September 2025. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  6. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Bundesrat schickt Erhöhung der Mindestfranchise in die Vernehmlassung, Medienmitteilung vom 13. März 2026. Abgerufen am 6. Oktober 2026.

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