Gesundheit > FrauengesundheitZyklus-Probleme: So regulierst du deine Hormone natürlich – von Stress bis Ernährung Sigrid Schulze Es gibt Phasen im Leben, in denen die Hormone durcheinander geraten. Zyklus-Probleme gehören zu den möglichen Folgen. Steckt keine Erkrankung dahinter, kann eine Änderung der Lebensgewohnheiten wie der Ernährung die Hormone natürlich regulieren und sie wieder ins Gleichgewicht bringen. Ab wann ein unregelmässiger Zyklus in die Sprechstunde gehört, liest du weiter unten. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Hormonelle Probleme können auch zu Hautproblemen wie Akne führen. Bild: PeopleImages, Getty Images Mal kommt sie überraschend, dann viel zu spät. Viele Frauen leiden unter einer unregelmässigen Periode und damit unter Hormonschwankungen, die sie körperlich und psychisch aus dem Gleichgewicht bringen. Der Hormonspiegel ist dann unausgeglichen und beeinflusst weitere hormonelle Funktionen im Körper. Hormone steuern Prozesse im Körper Wachstum, Fortpflanzung und Stoffwechsel: Verschiedene Drüsen – Hirnanhangdrüse, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse und Keimdrüsen – bilden Hormone wie Östrogen, Progesteron (Gelbkörperhormon) und Testosteron. Hormone sind chemische Botenstoffe, die die natürlichen Prozesse im Körper steuern und beeinflussen. Der Hypothalamus und die Hypophyse, Teile des Zwischenhirns, regulieren gemeinsam mit den Eierstöcken das weibliche Hormonsystem [2]. Besonders deutlich wird ihre Leistung in der Pubertät, der Schwangerschaft und den Wechseljahren. Wird ein Hormon über- oder unterproduziert, kann es zu Störungen im Stoffwechsel und im Hormonhaushalt kommen. Folgen von hormonellem Ungleichgewicht Eine Hormonproduktion, die nicht fein abgestimmt ist, kann sich bei Frauen in einem unregelmässigen Zyklus bemerkbar machen. Auch Gewichtsprobleme, Stimmungsschwankungen, Leistungsverlust, sexuelle Unlust, Hautunreinheiten und Haarausfall gehören zu den weiteren verbreiteten Folgen [2]. Besonders leiden Frauen mit Kinderwunsch, wenn sich die ersehnte Schwangerschaft einfach nicht einstellt. Wichtig zu wissen: Genau diese Kombination – unregelmässiger Zyklus, unreine Haut und Haarausfall – kann auch das Anzeichen einer behandelbaren Erkrankung sein [1]. Sie ist deshalb kein Fall für Selbstbehandlung, sondern für eine Abklärung. Woran du das erkennst, steht im Abschnitt «Mit hormonellen Problemen zum Arzt». Ursachen von Störungen im Hormonhaushalt Hormonelle Schwankungen haben häufig mit dem Lebensstil zu tun – dahinter kann aber ebenso eine Erkrankung stecken: Dauerstress gilt als ein besonderer Störenfried des Hormonhaushalts. Ein hoher Stresshormonspiegel hemmt langfristig die Produktion der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron. Stress kann bei Frauen den Eisprung beeinträchtigen und zu weiteren hormonellen Störungen führen. Zu langes und exzessives Belastungstraining kann ebenso den Hormonhaushalt beeinflussen. Doch sich zu wenig zu bewegen, beeinträchtigt ebenfalls den Hormonspiegel. Zu wenig Energie: Deutliches Untergewicht, stark eingeschränktes Essen und Essstörungen wirken sich unmittelbar auf den Zyklus aus – die Blutung kann schwächer werden oder ganz ausbleiben [2]. Wer viel Sport treibt und dabei zu wenig isst, ist besonders gefährdet. Viele Schadstoffe – wie zum Beispiel Weichmacher und Schwermetalle – stehen im Verdacht, in das fein ausbalancierte Hormonsystem einzugreifen. Wenn der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät, liegt oft eine unausgewogene Ernährung zugrunde. Denn der Körper braucht wichtige Vitamine und Mineralstoffe, um zu funktionieren, und ist auf einige Lebensmittel angewiesen. Zu wenig Licht kann zu einem Vitamin-D-Mangel führen. Streng genommen ist Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein Hormon. Den grössten Teil davon bildet der Körper über die Haut, sobald Sonnenstrahlung darauf trifft; über die Nahrung kommt nur ein kleiner Teil dazu [5]. Erkrankungen: Störungen der Schilddrüse, der Eierstöcke oder der Hirnanhangdrüse verändern den Zyklus ebenfalls – unabhängig davon, wie gesund du lebst [2][3]. Mit hormonellen Problemen zum Arzt Nicht jede Schwankung ist ein Fall für die Praxis: Einzelne unregelmässige Zyklen kommen bei fast jeder Frau vor. Es gibt aber Grenzen, ab denen eine gynäkologische Abklärung angezeigt ist. Lass deinen Zyklus anschauen, wenn [1][2]: der Abstand zwischen zwei Blutungen wiederholt mehr als 35 Tage beträgt, der Abstand wiederholt kürzer als 21 Tage ist, die Blutung ganz ausbleibt, die Blutung ungewöhnlich stark oder sehr schmerzhaft ist, sich dein Zyklus plötzlich deutlich verändert, oder zusätzlich Beschwerden wie Haarausfall, starke Akne, vermehrte Körperbehaarung oder eine ungewollte Gewichtsveränderung dazukommen. Bleibt die Periode aus, mach zuerst einen Schwangerschaftstest – eine Schwangerschaft ist der häufigste Grund für eine ausbleibende Blutung. Hinter Störungen im hormonellen Ablauf können körperliche Ursachen stecken, die sich mit einem gesünderen Lebensstil allein nicht beheben lassen [2]: das PCO-Syndrom (PCOS), eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen: Es tritt bei etwa 6 bis 18 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter auf und verbindet unregelmässige Zyklen typischerweise mit Akne, vermehrter Körperbehaarung oder Haarausfall [1]; Erkrankungen der Schilddrüse: Eine Unterfunktion führt unter anderem zu Zyklusstörungen und eingeschränkter Fruchtbarkeit, und Frauen sind häufiger betroffen als Männer [3]; Endometriose, wiederkehrende Eierstockzysten oder eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstöcke, die sogenannte prämature Ovarialinsuffizienz [2]; Erkrankungen der Hirnanhangdrüse oder der Nebenniere [2]. In der Sprechstunde lässt sich ein Hormonstatus erheben. Je nach Befund kommen die Behandlung der Grunderkrankung, hormonhaltige Präparate oder eine gezielte Anpassung des Lebensstils infrage; eine Hormonersatztherapie ist dagegen vor allem bei Beschwerden in den Wechseljahren ein Thema. Eine Abklärung lohnt sich auch deshalb, weil manche Hormonstörungen weitere Folgen haben: Beim PCOS steigt zum Beispiel das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken [1]. Ein Sonderfall ist die hormonelle Verhütung. Wer die Pille nimmt, hat keinen natürlichen Zyklus – die Blutung in der Pause ist eine Abbruchblutung und sagt wenig über den eigenen Hormonhaushalt aus. Wie sich der Zyklus nach dem Absetzen der Pille wieder einpendelt, braucht oft etwas Geduld. Hormone natürlich regulieren Ist eine Erkrankung ausgeschlossen, lässt sich mit dem Lebensstil viel bewegen. Und selbst wenn eine Diagnose vorliegt, ist er kein Nebenschauplatz: Beim PCOS können regelmässige Bewegung, eine angepasste Ernährung und – bei Übergewicht – eine Gewichtsreduktion die Beschwerden spürbar lindern [1]. Die folgenden vier Ansatzpunkte ersetzen also keine Abklärung, sie ergänzen sie. Stress reduzieren Durchatmen, entschleunigen, faulenzen – das hört sich gut an! Doch oft ist es gar nicht so leicht, den Stress zu reduzieren. Sich zu beeilen, um mehr Zeit zu haben, funktioniert nicht. Denn je schneller wir durch den Alltag düsen, umso geschaffter sind wir in der freien Zeit. Sinnvoll ist stattdessen, die Notbremse zu ziehen. Wie das geht? Immer öfter «Nein!» sagen. «Nein, das möchte ich nicht, weil …» «Nein!» lässt sich auch zu unseren eigenen Ansprüchen sagen: «Nein, der Garten muss nicht alle 14 Tage gemäht werden – wozu soll das gut sein?» «Nein, ich muss nicht shoppen gehen, das alte Kleid tut es auch.» «Und nein, ich muss heute nicht länger arbeiten.» Weitere Ideen findest du in unseren Tipps, wie sich im Familienalltag Stress abbauen lässt. Sport treiben Beim Sport schüttet der Körper verstärkt fehlende Botenstoffe aus, während er gleichzeitig die Ausschüttung überschüssiger Botenstoffe bremst. Doch wie viel Sport ist gesund? Die Schweizer Bewegungsempfehlungen des Netzwerks hepa.ch raten Erwachsenen [4]: zu 2½ bis 5 Stunden Bewegung pro Woche mit mittlerer Intensität – etwa zügiges Gehen, Velofahren oder Gartenarbeit, oder zu 1¼ bis 2½ Stunden mit hoher Intensität, dazu an mindestens zwei Tagen pro Woche zu muskelkräftigender Bewegung, die alle grossen Muskelgruppen einbezieht, und dazu, langes Sitzen zu begrenzen und regelmässig zu unterbrechen. Mittlere und hohe Intensität lassen sich kombinieren: Eine Minute mit hoher Intensität zählt so viel wie zwei Minuten mit mittlerer. Die frühere Vorgabe, dass Bewegung erst in Abschnitten von mindestens zehn Minuten zählt, wurde aufgegeben – heute lautet der Grundsatz «Jede Bewegung zählt» [4]. Ausgewogene Ernährung Wer sich ausgewogen ernährt, kennt das Wohlgefühl, sich leistungsfähig und fit zu fühlen. Ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Hormonen sind Eiweisse: Aus ihnen entstehen Muskeln, Blut, Gewebe, Enzyme und weitere Hormone im Körper. Zum Glück ist es nicht schwer, sich ausgewogen zu ernähren und auf diese Weise die Hormone natürlich zu regulieren. Wie es geht, veranschaulicht die Ernährungspyramide. Auf der untersten Stufe beinhaltet sie die Lebensmittel, die möglichst reichhaltig auf dem Speiseplan stehen sollten. Weiter oben präsentiert sie Lebensmittel, die weniger Anteil in der Ernährung haben sollten. Ganz oben an der Spitze enthält sie nur noch die Lebensmittel, die der Körper nur in geringer Menge verträgt. Mit diesem einfachen Raster lässt die Ernährungspyramide ausreichend Freiraum, lustvoll zu essen und kreativ zu kochen. An die frische Luft gehen Den grössten Teil des Vitamin D bildet der Körper selbst – dafür muss Sonnenstrahlung auf die Haut treffen [5]. Viel Zeit braucht das nicht: Im Sommer genügen laut Bundesamt für Gesundheit rund zehn Minuten Mittagssonne für Menschen mit heller Hautpigmentierung, bei dunkler Hautpigmentierung sind es 20 bis 60 Minuten [5]. Länger in der prallen Sonne zu bleiben, ist deshalb kein guter Tausch: Das BAG rät grundsätzlich zu einem vorsichtigen Umgang mit der Sonne, weil Sonnenbrände Hautkrebs verursachen können – in den Jahren 2008 bis 2012 war das Hautmelanom die vierthäufigste Krebsart der Schweiz [5]. Sonnenschutz und Vitamin D sind also kein Widerspruch. Über die Nahrung lässt sich nur ein kleiner Teil des Bedarfs decken [5]. Vitamin D steckt unter anderem in Hering, Aal, Lachs und Makrele, in Pilzen wie Champignons, Steinpilzen oder Eierschwämmen sowie in Eiern, Butter und Margarine. In der sonnenarmen Jahreszeit kann ein Vitamin-D-Präparat einen Mangel entschärfen – ob eines für dich sinnvoll ist, besprichst du am besten in der Arztpraxis [5]. Quellen Universitätsspital Zürich: PMOS – Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (ehemals PCOS). Abgerufen am 12.08.2026. Universitätsspital Zürich, Klinik für Reproduktions-Endokrinologie: Gynäkologische Endokrinologie / Hormonstörungen – Sprechstunde. Abgerufen am 12.08.2026. Universitätsspital Zürich: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Abgerufen am 12.08.2026. Netzwerk hepa.ch / Bundesamt für Sport BASPO: Bewegungsempfehlungen Schweiz – Grundlagen (PDF, 2023). Abgerufen am 12.08.2026. Bundesamt für Gesundheit BAG: Vitamin D und Sonnenstrahlung (Faktenblatt, 09.06.2021). Abgerufen am 12.08.2026.