Gesundheit > FrauengesundheitTubenligatur: Sterilisation bei der Frau – der Weg zum Entscheid Jasmine Helbling Wenn du deine Kinderplanung abgeschlossen hast und dich für eine endgültige Verhütungsmethode entscheidest, kommt vielleicht eine Tubenligatur in Frage, die Sterilisation der Frau. Warum du dir für diesen Entscheid Zeit lassen solltest, wie sicher der Eingriff wirklich ist und was er kostet, erfährst du hier. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Vor der Tubenligatur klärt dich die Frauenärztin ausführlich über das Vorgehen auf. Foto: Comstock, Thinkstock Bei der Sterilisation der Frau werden beide Eileiter verschlossen, seltener auch teilweise oder ganz entfernt. Ei- und Samenzelle können sich dadurch nicht mehr treffen [3]. Der Eingriff gilt als risikoarm, führt aber zu dauerhafter Unfruchtbarkeit. Die Fachgesellschaft formuliert es deutlich: Die Eileiterunterbindung ist in der Regel ein endgültiger Eingriff, weil eine operative Wiedervereinigung der Eileiter wenig Erfolgsaussichten hat [1]. Der Entscheid will deshalb sorgfältig überlegt sein. Vor der Tubenligatur: Recht, Beratung und Bedenkzeit Das Schweizer Sterilisationsgesetz regelt, unter welchen Voraussetzungen der Eingriff zulässig ist. Er darf nur von einer Ärztin oder einem Arzt vorgenommen werden. Bei einer urteilsfähigen Person über 18 Jahren ist er nur erlaubt, wenn sie umfassend über den Eingriff informiert worden ist und ihm frei und schriftlich zugestimmt hat. Bei Personen unter 18 Jahren ist eine Sterilisation zu Verhütungszwecken verboten [2]. Die Entscheidung liegt damit rechtlich allein bei dir. Eine gesetzliche Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Bei sehr jungen Frauen wird eine Sterilisation aber zurückhaltend empfohlen, weil sich die Haltung zum Kinderwunsch später nicht selten wieder ändert – etwa in einer neuen Beziehung [4]. Zwischen der ausführlichen Aufklärung und dem Eingriff selbst sollte ein zeitlicher Abstand liegen, damit du in Ruhe über alle Alternativen nachdenken kannst. Eine Sterilisation sollte nur durchgeführt werden, wenn die Familienplanung wirklich abgeschlossen ist und keine sinnvollen Alternativen zur Verfügung stehen [3]. Sprich offen über deine Bedenken und stell alle Fragen, die dir wichtig sind. Neben der ärztlichen Beratung kannst du dich auch bei einer Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit informieren. Zu den Alternativen gehören langfristige, aber umkehrbare Methoden wie die Kupferspirale – und die Vasektomie beim Partner, der deutlich kleinere Eingriff. Besprich deine Überlegungen also auch mit ihm. Rechne nicht damit, den Schritt später rückgängig machen zu können. Eine Refertilisierung ist ein grösserer operativer Eingriff, teuer und wird von der Krankenkasse nicht bezahlt [1]. Die Erfahrung zeigt, dass sich der Kinderwunsch nach einer solchen Operation nur in den wenigsten Fällen erfüllt – deshalb gilt die Sterilisation als praktisch endgültig [3]. Sterilisation bei der Frau: Wie funktioniert es? Der häufigste Eingriff ist die laparoskopische Tubensterilisation, also eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über einen kleinen Hautschnitt in der Nähe des Nabels wird ein dünnes Röhrchen mit Kamera in den Bauchraum eingeführt. Unter Sicht auf einem Monitor werden die Eileiter erfasst und verschlossen – meist durch Verschweissen mit Schwachstrom (Koagulation), alternativ mit einem Clip oder einem Ring [3]. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und dauert etwa 15 bis 30 Minuten [3]. Er wird ambulant oder stationär durchgeführt; nach einer Bauchspiegelung kann ein Aufenthalt von ein bis zwei Tagen nötig sein [3]. Ideal ist die erste Hälfte des Menstruationszyklus, damit eine bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden kann. Statt die Eileiter zu verschliessen, können sie auch teilweise oder ganz entfernt werden. Auch ein Bauchschnitt ist möglich, etwa bei starkem Übergewicht oder Verwachsungen im Bauchraum – oder wenn die Sterilisation im Rahmen einer anderen geplanten Bauchoperation oder eines Kaiserschnitts erfolgt. In diesem Fall sollte der Entscheid schon lange vor dem Operationstermin feststehen [3]. Eine Sterilisation «von unten» durch die Scheide ist technisch möglich, wird heute aber nur noch in Ausnahmefällen angewandt [1]. Anzeige Nicht mehr zur Verfügung steht das Essure-Verfahren, bei dem Mikrospiralen über die Gebärmutter in die Eileiter eingesetzt wurden: Der Hersteller stellte den Vertrieb dieser Produkte in Europa 2018 ein [5]. Wenn dir eine ältere Broschüre oder Website diese Methode noch anbietet, ist die Information veraltet. Nach der Tubenligatur Die empfängnisverhütende Wirkung setzt unmittelbar nach der Operation ein [4]. Trotzdem solltest du dich einige Tage schonen, bevor du sexuell wieder aktiv wirst. Rund drei Monate nach dem Eingriff sollte eine Kontrolluntersuchung stattfinden, um zu prüfen, ob die Eileiter tatsächlich verschlossen sind [3]. Die Sterilisation der Frau ist sehr sicher, aber nicht hundertprozentig. Auch bei technisch einwandfreier Durchführung liegt die Versagerquote bei 3 bis 7 Schwangerschaften pro 1000 Operationen [1]. In seltenen Fällen kann sich an der verschlossenen Stelle mit der Zeit ein neuer Kanal bilden [3]. Auch deshalb ist die Kontrolle nach dem Eingriff wichtig. Wichtig: Bleibt deine Periode nach der Sterilisation aus oder hast du Unterbauchschmerzen, lass das rasch ärztlich abklären. Bei 30 bis 60 Prozent der Schwangerschaften, die trotz Sterilisation eintreten, handelt es sich um eine Eileiterschwangerschaft, die meist operativ behandelt werden muss [1]. Auf den Hormonhaushalt und das Lustempfinden hat die Tubenligatur im Normalfall keinen Einfluss. Die Eierstöcke arbeiten weiter: Hormonproduktion und Periode bleiben erhalten [1]. Ein Eisprung findet weiterhin statt, das Ei gelangt jedoch in die Bauchhöhle, wo es abgebaut wird. Auch der Beginn der Wechseljahre verschiebt sich dadurch nicht. Mögliche Komplikationen der Tubenligatur Obwohl die Tubenligatur als risikoarm gilt, ist sie ein grösserer Eingriff als die Vasektomie. Möglich sind [1][3]: Allgemeines Narkoserisiko Blutungen und Schmerzen im Operationsgebiet, Wundheilungsstörungen Infektionen Verletzungen von Nachbarorganen, etwa des Darms Postoperative Verwachsungen Thrombosen und Embolien Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft, falls es trotz Eingriff zu einer Schwangerschaft kommt Späteres Bedauern des Entscheids, vor allem wenn sich die Lebensumstände ändern Nach einer Bauchspiegelung sind leichte Schmierblutungen sowie Beschwerden im Unterleib und im Schulterbereich normal; sie verschwinden meist nach 24 bis 48 Stunden [1]. Treten bei der Bauchspiegelung stärkere Blutungen oder Darmverletzungen auf, kann ein Bauchschnitt nötig werden. Kosten der Tubenligatur Eine Tubenligatur kostet in der Schweiz rund 1000 bis 2500 Franken und ist damit deutlich teurer als eine Vasektomie [4]. Plane diesen Betrag als Grössenordnung ein – verbindlich ist die Offerte deiner Klinik. Eine Sterilisation zu Verhütungszwecken ist keine Pflichtleistung der Krankenkasse. Es kann sein, dass du sämtliche Kosten selbst tragen musst. Kläre eine mögliche vollständige oder teilweise Übernahme deshalb vorab mit deiner Krankenkasse und mit der Klinik ab [1]. Eine spätere Refertilisierung wird von der Krankenkasse nicht bezahlt [1]. Quellen Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), FMH und Schweizerische Patientenorganisation (SPO): Aufklärungsprotokoll über die Eileiterunterbindung (PDF). Abgerufen am 10.08.2026. Schweizerische Eidgenossenschaft: Bundesgesetz über Voraussetzungen und Verfahren bei Sterilisationen (Sterilisationsgesetz, SR 211.111.1), Stand am 1. Januar 2013. Abgerufen am 10.08.2026. Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kantonsspital St.Gallen: Sterilisation der Frau. Abgerufen am 10.08.2026. Lilli.ch: Sterilisation der Frau: Unterbindung der Eileiter. Abgerufen am 10.08.2026. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, Deutschland): Vertriebseinstellung des CE-gekennzeichneten Medizinproduktes ESSURE zur dauerhaften Empfängnisverhütung, 3. Mai 2018. Ausländische Behörde, da für die Schweiz keine gleichwertige Publikation vorliegt. Abgerufen am 10.08.2026.