Gesundheit > Infektionen, Kinderkrankheiten & ImpfenWarum plötzlich so viele Kinder an Scharlach erkranken Anina Peter In Grossbritannien warnt die Gesundheitsbehörde nach mehreren Todesfällen bei Kindern vor einer Scharlach-Welle. Auch in der Schweiz beobachten Ärzt:innen eine Zunahme von Scharlach-Infektionen, die durch sogenannte A-Streptokokken ausgelöst werden. Die Bakterien werden durch Speicheltröpfchen übertragen und verursachen Halsschmerzen, Hautausschlag und Fieber. Typisch für eine Scharlach-Erkrankung ist die sogenannte Himbeerzunge und die Scharlach-Angina. Die Infektion wird je nach Situation mit Antibiotika behandelt. Warum die bakterielle Infektion wieder häufiger auftritt und wie du als Elternteil einen schweren Verlauf möglichst früh erkennst und verhindern kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Zuerst weiss belegt, danach knallrot: Eines der Hauptsymptome bei Scharlach ist die sogenannte Himbeerzunge. © GettyImages, angelsimon Scharlach bei Kindern: Das Wichtigste in Kürze Scharlach wird durch Bakterien (A-Streptokokken) ausgelöst. Diese werden durch Speichel übertragen. So verläuft die Ansteckung mit Scharlach. Die Symptome treten sehr plötzlich auf: Kinder haben hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Schluckbeschwerden oder leiden auch mal unter Bauchschmerzen und Erbrechen. Das sind die ersten Symptome bei Scharlach. Typisch für eine Scharlach-Infektion sind rote Wangen, ein Hautausschlag mit kleinen Flecken, die sich feuerrot färben und die sogenannte Himbeerzunge. Viele der Symptome können mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Mitteln behandelt werden. Dies reicht aber nicht immer. Wann Scharlach mit Antibiotika behandelt werden muss. Scharlach sollte unbedingt richtig behandelt werden, um Spätfolgen zu vermeiden. Das sind die häufigsten Komplikationen. Es gibt mehrere Scharlach-Erreger. Somit sind wiederholte Ansteckungen möglich. Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Im Winter haben nicht nur Viren ein leichteres Spiel, sondern auch Bakterien. So wie die Scharlach-Bakterien, sogenannte A-Streptokokken. Scharlach ist hochansteckend, kann aber wenn nötig, mit Antibiotika gut behandelt werden. Trotzdem kam es in den letzten Monaten in Grossbritannien zu mehren Todesfällen bei Kindern aufgrund von Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A. Die britische Gesundheitsbehörde warnt nun vor einer «Scharlach-Welle» und ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf. Auch Christoph Berger, Chefarzt Infektiologie am Kinderspital Zürich, und seine Kolleg:innen registrieren aktuell wieder etwas mehr Scharlach-Infektionen. Ein plausibler Grund: Nach den Pandemiejahren sind viele Infekte wieder «normaler» zirkuliert, weil Masken und Kontaktbeschränkungen wegfielen. Wichtig für dich als Elternteil: Ein Anstieg bedeutet nicht automatisch, dass Scharlach gefährlicher geworden ist. Entscheidend ist, typische Symptome rasch zu erkennen, dein Kind ärztlich abklären zu lassen und Warnzeichen ernst zu nehmen. Christoph Berger (Prof. Dr. med.) ist Chefarzt der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital in Zürich. Er ist auf Infektiologie sowie Kinder- und Jugendmedizin spezialisiert und zudem Mitglied der European Society for Paediatric Infectious Diseases. Was ist Scharlach – und was ist es nicht? Scharlach ist keine «Virus-Erkältung», sondern eine bakterielle Erkrankung: Auslöser sind Streptokokken der Gruppe A (auch «A-Streptokokken»). Manche dieser Bakterien bilden Toxine, die den typischen Ausschlag und die Veränderungen im Mund (zum Beispiel die Himbeerzunge) verursachen. Wichtig: Nicht jede Streptokokken-Halsentzündung ist automatisch Scharlach, und nicht jedes Kind mit Halsschmerzen braucht Antibiotika. Ob behandelt werden muss, hängt von Untersuchung, Testresultat und dem Zustand deines Kindes ab. Ein häufiger Stolperstein: Ein positiver Schnelltest kann sowohl eine echte akute Infektion als auch ein «Trägertum» anzeigen (Bakterien im Rachen ohne aktuelle Erkrankung). Darum ist die ärztliche Einordnung so wichtig – besonders, wenn die Symptome eher zu einem viralen Infekt passen. Symptome: So erkennst du Scharlach Kinder, die sich mit Scharlach angesteckt haben, haben meist sehr plötzlich starke Beschwerden. Die Symptome treten nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen auf. Viele Anzeichen sind unspezifisch und kommen auch bei anderen Krankheiten vor. Es gibt aber typische Kombinationen, die klar in Richtung Scharlach weisen. Eltern-Checkliste: Wann Scharlach wahrscheinlich ist plötzliches Fieber plus deutliche Halsschmerzen und Schluckbeschwerden geröteter Rachen, geschwollene/gerötete Mandeln (Scharlach-Angina) feinfleckiger, «sandpapierartiger» Ausschlag, häufig am Oberkörper und in Hautfalten (Achseln, Leisten) rote Wangen, das Mund-Kinn-Dreieck bleibt oft auffällig blass weiss belegte Zunge, die nach einigen Tagen knallrot wird (Himbeerzunge) bei Kindern zusätzlich möglich: Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen Wenn du diese Kombination siehst, lohnt sich eine zeitnahe Abklärung in der Kinderarztpraxis (oder je nach Tageszeit in einer Notfallpraxis). Häufige Symptome: So fängt Scharlach an Fieber Halsschmerzen Schluckbeschwerden Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost Abgeschlagenheit Bauchschmerzen und Erbrechen – diese beiden Symptome betreffen vor allem Kinder Hauptsymptome: Diese Symptome hat man bei Scharlach eine weisslich belegte Zunge, die nach einigen Tagen rötlich wird – die sogenannte Himbeerzunge gerötete und geschwollene Mandeln – die sogenannte Scharlach-Angina Rote Wangen Hautausschlag: Viele kleine Flecken, die sich flammend rot färben. Sie treten meist um die Achseln, in der Brust- und Leistengegend sowie den Innenseiten der Oberschenkel auf und jucken kaum. Das Mund-Kinn-Dreieck ist nie betroffen. Nach etwa drei Wochen verblasst der Ausschlag und die Haut beginnt sich zu schälen. Vor allem bei Erwachsenen gibt es immer wieder Infektionen, die symptomlos oder sehr mild verlaufen und somit nicht erkannt werden. Ansteckend ist man trotzdem. Himbeerzunge: Warum verfärbt sich bei Scharlach die Zunge? Eine Scharlach-Infektion sorgt für Veränderungen der Schleimhaut: Zuerst wird der Rachen feuerrot (darum sagt man auch scharlachrot), dazu kommen fleckige Verfärbungen auf der Mundschleimhaut und den Mandeln. Diese Verfärbung zeigt sich auch auf der Zunge. Zuerst ist sie von einem weissen Belag überzogen, der nach einigen Tagen abgestossen wird. Da die Geschmackspapillen darunter entzündet sind, hat die Zunge ein ganz spezielles Rot und sieht himbeerartig aus. Rote Wangen, ein nicht juckender Ausschlag und ein geröteter, entzündeter Rachen gehören zu den Hauptsymptomen bei Scharlach. © GettyImages, ttsz Scharlach Ansteckung: So werden A-Streptokokken übertragen Scharlach ist eine von vielen Krankheiten, die durch Streptokokken der Gruppe A ausgelöst werden. Die Bakterien werden über Speicheltröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel beim Husten, Niesen, Sprechen oder durch engen Kontakt im Familienalltag. Bei einer Übertragung kann es neben Scharlach auch «nur» zu Entzündungen im Rachen und an den Mandeln kommen. Muss es aber nicht. Wie Christoph Berger sagt, sind die Bakterien zwar weit verbreitet, werden aber oft nicht wahrgenommen. «Viele Kinder und Erwachsene tragen solche A-Streptokokken im Rachen, ohne deswegen Symptome zu haben.» Aber: A-Streptokokken können in seltenen Fällen auch sehr schwere Infektionen verursachen. Darum gilt: Lieber einmal zu früh ärztlich abklären lassen als zu spät. Wichtig zu wissen ist, dass Scharlach ohne Behandlung über längere Zeit ansteckend sein kann – auch wenn die Infektion mild oder symptomlos verläuft. Es sei denn, die Patientin oder der Patient wird mit Antibiotika behandelt. In der Regel ist man innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Einnahme des Antibiotikums nicht mehr ansteckend. Darf ein Kind mit Scharlach in die Kita, den Kindergarten oder die Schule? Da Scharlach sehr asteckend ist, sollten Kinder während der Infektion nicht in den Hort oder die Kita und werden auch vom Kindergarten und der Schule ausgeschlossen. Chinderarzt.ch empfiehlt diese Isolation für mindestens zwei Wochen. Anders ist es, wenn das Kind Antibiotika erhält. «24 Stunden nach Behandlungsbeginn mit Antibiotika besteht keine Ansteckungsgefahr mehr und das Kind kann bei gutem Allgemeinzustand in die Schule, den Kindergarten oder die Kita zurückkehren», heisst es auf der Seite. Praktisch hilft oft diese Faustregel für den Alltag: Zurück in die Betreuung erst dann, wenn (1) die 24 Stunden nach Antibiotika-Start vorbei sind (falls Antibiotika verschrieben wurden), (2) Fieber und starke Schmerzen deutlich besser sind und (3) dein Kind genug trinkt und wieder am Alltag teilnehmen kann. Kläre im Zweifel die Vorgaben deiner Einrichtung und die Empfehlung deiner Ärzt:in. Scharlach behandeln: Mit Kindern im Zweifelsfall immer zur Ärzt:in Viele der Scharlach-Symptome können gut mit schmerzlindernden und fiebersenkenden Mitteln behandelt werden, sagt Christoph Berger. Auch Hausmittel und Wickel bringen bei einigen der Beschwerden Linderung. Wichtig ist auch, viel zu trinken: Biete häufiger kleine Mengen an (Wasser, Tee, Suppe) und achte auf genügend nasse Windeln bzw. regelmässiges Wasserlassen. Berger rät dringend dazu, dich bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu melden, sobald dein Kind stärkere Symptome und vor allem hohes Fieber hat. Der Arztbesuch ist auch aus einem zweiten Grund wichtig: Scharlach sollte richtig eingeordnet und je nach Situation gezielt behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden und die Ansteckungszeit zu verkürzen. In der Praxis läuft es meist so ab: Ärzt:innen beurteilen Allgemeinzustand, Hals/Rachen und Haut, tasten Lymphknoten ab und entscheiden, ob ein Rachenabstrich (Schnelltest und/oder Labor) sinnvoll ist. Je nach Befund wird dann symptomatisch behandelt oder ein Antibiotikum verschrieben. Warnzeichen: Dann solltest du noch am selben Tag medizinisch abklären lassen dein Kind wirkt sehr krank, ungewöhnlich schläfrig, verwirrt oder reagiert kaum Atemnot, schnelles Atmen, Einziehungen, bläuliche Lippen starke Schluckbeschwerden mit Speichelfluss oder Unfähigkeit zu trinken Zeichen von Austrocknung: sehr trockener Mund, kaum Tränen, deutlich weniger Urin sehr starke Schmerzen (Hals, Ohr, Nacken) oder steifer Nacken rasch zunehmender, stark schmerzhafter Hautausschlag oder hohes, anhaltendes Fieber trotz Fiebersenkung Scharlach bei Kindern: Ist Antibiotika wirklich nötig? Eine Scharlach-Infektion wird häufig mit Antibiotika, meist Penicillin, behandelt. Berger erklärt: «Infektionen mit Streptokokken sprechen sehr gut auf eine Antibiotikatherapie an.» Antibiotika können die Symptomdauer etwas verkürzen und senken vor allem die Ansteckungsgefahr deutlich. Trotzdem ist die Einnahme nicht in jeder Situation zwingend nötig. «Verschreibt die Kinderärztin ein Antibiotikum, erklärt sie dir auch warum», sagt Berger. «Die Ärzt:innen wissen genau, wann Antibiotika angezeigt sind und wann es auch ohne geht.» Wichtig ist, die verschriebene Dauer einzuhalten, auch wenn es deinem Kind wieder gut geht. Bei Scharlach beträgt die Therapie-Dauer je nach Schema mehrere Tage. Das ist nötig, um die Bakterien zuverlässig abzutöten. Sonst besteht das Risiko, dass die Krankheit wieder aufflammt oder dass sich Erreger an das Antibiotikum «gewöhnen» und Resistenzen begünstigt werden. Wenn dein Kind das Antibiotikum nicht verträgt (zum Beispiel Ausschlag, Durchfall, Erbrechen) oder wenn sich der Zustand trotz Behandlung verschlechtert, melde dich zeitnah wieder in der Praxis. Gibt es eine Impfung gegen Scharlach? Gegen Scharlach kann man sich nicht impfen lassen. Es gibt bisher keinen Impfstoff. Aber eine Infektion sorgt für eine gewisse Immunität. Da es jedoch verschiedene Typen von Scharlach gibt, können Kinder mehrere Male erkranken. Zudem können auch noch andere Infektionen, die durch Streptokokken ausgelöst werden, auftreten. Spätfolgen und Komplikationen bei Scharlach Nach Infektionen im Rachen mit Gruppe-A-Streptokokken (wie Scharlach) wurden früher häufiger Spätfolgen und Komplikationen beschrieben. «Diese Komplikationen treten bei uns eigentlich kaum mehr auf», beruhigt Berger. Es gilt darum heute auch keine generelle Empfehlung einer Antibiotikatherapie mehr. Gleichzeitig ist es sinnvoll, Warnzeichen zu kennen und bei ungewöhnlichem Verlauf erneut ärztlich nachzufragen. Mögliche Komplikationen: akutes rheumatisches Fieber Entzündungen des Herzmuskels und der Herzinnenhaut (Scharlachherz) Blutvergiftung Nierenentzündung neuropsychiatrische Autoimmunerkrankungen Meist verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen. Sehr selten und sehr schwer ist ein septischer Verlauf der Streptokokken-A-Infektion, der mit schwerer Herzschädigung und Schock sogar zum Tod führen kann. Wenn du nach einer überstandenen Scharlach-Erkrankung in den folgenden Wochen neue, auffällige Beschwerden bemerkst (zum Beispiel erneutes Fieber, starke Müdigkeit, Schwellungen, auffälliger Urin, Atemnot oder Brustschmerzen), lass das unbedingt zeitnah abklären.