Gesundheit > KinderkrankheitenAffektkrampf bei Babys und Kleinkindern: Wenn dein Kind plötzlich die Luft anhält Noemi Frei Dein Kind schreit vor Wut, holt Luft, und dann kommt nichts mehr. Die Lippen laufen blau an, der Körper wird steif, dann sackt es zusammen. Ein Affektkrampf, auch Schreikrampf genannt, sieht aus wie ein Notfall und ist trotzdem harmlos. Das Wichtigste für den Moment selbst: nicht schütteln, nicht beatmen, keine Herzdruckmassage. In aller Regel ist es nach weniger als einer Minute vorbei. Dauert es länger oder ist dein Kind danach nicht wach zu bekommen, ruf die 144. Was dabei im Körper passiert und wann dein Kind zum Arzt gehört, liest du hier. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ablenken und beruhigen, bevor sich die Wut hochschaukelt: Das ist der Teil, den du in der Hand hast. © KI generiert von ChatGPT Was bei einem Affektkrampf passiert Ein Affektkrampf ist eine kurze Episode: Dein Kind regt sich heftig auf, hört mitten in diesem Gefühl auf zu atmen und ist für ein paar Sekunden nicht mehr ansprechbar oder wird bewusstlos. Im Alltag heissen diese Anfälle auch Schreikrampf, Weinkrampf, Wutkrampf oder Wegschreien. Die Fachsprache nennt sie respiratorische Affektkrämpfe. So läuft die häufigste Form ab. Etwas bringt dein Kind aus der Fassung: Wut oder Ärger stehen bei rund der Hälfte der Anfälle am Anfang, Schmerz bei etwa jedem sechsten.[2] Das Kind schreit, hält nach dem Ausatmen unwillkürlich die Luft an, das Gesicht verfärbt sich. Dann kippt die Körperspannung: Der Körper versteift sich, wird schlaff, oder beides nacheinander, und das Kind sackt zusammen. Daneben gibt es eine zweite Form, die anders beginnt. Ausgerechnet der Moment, der Eltern am meisten erschreckt, ist der Ausweg des Körpers. Verliert dein Kind das Bewusstsein, löst sich die Anspannung, und die Atmung läuft von allein weiter. Danach wacht es rasch wieder auf, oft noch etwas erschöpft. Neurologische Spätfolgen hinterlässt das keine.[1] Ist dein Kind nach der Episode nicht wach zu bekommen, ruf die 144. Erholt es sich dagegen nur zögerlich oder wirkt danach verwirrt, erzähl das der Kinderärztin. Sie schaut dann genauer hin. Blaue und blasse Affektkrämpfe: zwei Formen, zwei Auslöser Nicht jeder Anfall folgt dem bekannten Bild. Rund zwei Drittel laufen als blauer, sogenannt zyanotischer Affektkrampf ab: Am Anfang stehen Wut oder Frust, das Kind hält nach dem Ausatmen die Luft an, Lippen und Gesicht verfärben sich. Dahinter steckt eine Fehlsteuerung des unwillkürlichen Nervensystems. Das Schreien presst Luft gegen den geschlossenen Kehlkopf, der Druck im Brustkorb steigt, und das Herz pumpt weniger Blut ins Gehirn. Weil die Lunge dabei nicht mehr belüftet wird, kommt zu wenig Sauerstoff dazu. Beides zusammen lässt die Körperspannung kippen.[1] Etwa jeder sechste Anfall ist ein blasser Affektkrampf, und der sieht ganz anders aus. Ausgelöst wird er von Schmerz oder Schreck, häufig von einem Sturz auf den Kopf. Das Kind schreit einmal kurz auf, dann bremst ein Reflex über den Vagusnerv den Herzschlag für wenige Sekunden bis zum Stillstand aus. Das Kind wird nicht blau, sondern blass, und kippt weg. Nach zehn bis dreissig Sekunden ist es wieder da, danach oft eine Weile müder als sonst. Rund sieben Prozent der Anfälle lassen sich keiner der beiden Formen eindeutig zuordnen, dort mischt sich beides.[1] Im Anfall selbst ändert das für dich nichts. Für die Kinderärztin schon: Sie fragt nach dem Auslöser, nach der Hautfarbe und nach dem Ablauf. Erst zusammen ergeben die drei ein Bild davon, welche Form vorliegt. Wie häufig Affektkrämpfe sind und wen sie treffen Betroffen sind 3 bis 5 Prozent aller Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren. Auch Babys gehören dazu: Die ersten Anfälle kommen meist zwischen dem sechsten und dem 18. Lebensmonat, den Höhepunkt erreichen sie um den zweiten Geburtstag. Bei einem Säugling unter sechs Monaten ist eine solche Episode dagegen untypisch und gehört immer ärztlich abgeklärt.[1] Wie oft es passiert, geht weit auseinander. Rund 38 Prozent der betroffenen Kinder haben insgesamt weniger als zwei Anfälle, 43 Prozent kommen auf drei bis neun, und bei einzelnen sind es mehrere am Tag.[2] Warum ein Kind so reagiert und das nächste nicht, ist bis heute nicht geklärt. Auffällig ist die familiäre Häufung: Bei etwa einem Viertel der betroffenen Kinder ist ein nahes Familienmitglied ebenfalls betroffen, oft ein Geschwister oder ein Elternteil, der als Kind selbst weggeschrien hat. Als begünstigende Faktoren gelten Eisenmangel und Schlafmangel.[1] Anzeige Was du im Anfall tun sollst und was nicht Der erste Affektkrampf ist für die meisten Eltern der schlimmste, weil ihn niemand angekündigt hat. Diese Punkte gelten unabhängig davon, ob dein Kind blau oder blass wird: Ruhig bleiben. Der Anfall geht von selbst vorbei. Für eine sichere Umgebung sorgen, damit dein Kind sich beim Zusammensacken nicht verletzt. Bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen. Nicht schütteln. Keine Wiederbelebungsmassnahmen beginnen, auch nicht beatmen. Wenn du magst: dem Kind ins Gesicht pusten oder eine kalte, feuchte Kompresse auflegen.[1] Über das Gesicht gelegt, unterbricht sie eine Episode manchmal sogar.[4] Der Verzicht auf Herzdruckmassage und Beatmung fällt schwer, ist aber richtig. Beim blauen Affektkrampf schlägt das Herz durchgehend weiter, beim blassen setzt es für ein paar Sekunden aus und springt danach von selbst wieder an. In beiden Fällen kommt die Atmung ohne dein Zutun zurück.[1] Ein Affektkrampf dauert in aller Regel weniger als eine Minute.[2] Zieht sich die Episode länger hin, kommt dein Kind nicht von selbst zu sich oder bist du unsicher, ruf sofort den Rettungsdienst unter 144 und mach, was die Notrufzentrale dir sagt. Sag auch den Grosseltern und anderen Betreuungspersonen, was bei einem Anfall zu tun ist und was nicht. Wer unvorbereitet zusieht, beginnt aus gutem Willen mit Wiederbelebungsmassnahmen.[2] Affektkrampf, Fieberkrampf oder Epilepsie? Für Eltern sehen alle drei gleich dramatisch aus. Am zuverlässigsten unterscheidet sie der Anfang: Ein Affektkrampf beginnt immer mit einem Gefühl. Es gibt eine Situation davor, eine Wut, einen Schreck, einen Schmerz. Aus dem Schlaf heraus tritt er nie auf. Dass sich der Körper dabei versteift und für ein paar Sekunden zuckt, kommt vor und macht daraus noch keinen epileptischen Anfall.[1] Ein Fieberkrampf wird dagegen durch Fieber ausgelöst, meist zu Beginn einer fiebrigen Erkrankung. Das Kind wird bewusstlos und steif, zuckt rhythmisch am ganzen Körper, die Augen stehen offen und sind oft nach oben verdreht. Meist dauert das weniger als fünf Minuten, danach ist das Kind schläfrig. Vermutest du einen Fieberkrampf, ruf danach in jedem Fall die Ärztin an: Hinter dem Fieber kann eine ernste Erkrankung stecken. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, gehört er sofort in ärztliche Hände.[5] Ein epileptischer Anfall wiederum kommt ohne erkennbaren Anlass, auch mitten in der Nacht. Wie sich Epilepsie bei Kindern äussert, liest du im eigenen Artikel dazu. Eine Entwarnung vorweg: Affektkrämpfe führen nicht zu Epilepsie.[1] Ein Kind, das mit zwei Jahren wegschreit, hat deswegen später kein erhöhtes Risiko für ein Anfallsleiden. Sehr selten kann der Sauerstoffmangel während eines Affektkrampfs seinerseits einen epileptischen Anfall auslösen; der ist für Fachleute meist gut vom Affektkrampf zu unterscheiden.[2] Kommt dein Kind ungewöhnlich langsam zu sich, gehört die Episode trotzdem ärztlich angeschaut. Wann dein Kind ärztlich abgeklärt werden sollte Nach dem ersten grösseren Anfall gehst du mit deinem Kind einmal zur Kinderärztin. Der Affektkrampf selbst ist ungefährlich. In seltenen Fällen steckt aber etwas anderes dahinter: eine Herzrhythmusstörung, eine Epilepsie, ein Problem der Atemwege. Hellhörig wird die Ärztin, wenn der Anfall nicht ins Muster passt. Warnzeichen sind ein untypisches Alter des Kindes, eine fehlende auslösende Situation, ein komplexes Beschwerdebild, eine lange Dauer ohne rasche Erholung und körperliche oder neurologische Auffälligkeiten in der Zeit zwischen den Anfällen.[2] Untersucht wird dabei erstaunlich wenig. Die Diagnose stellt die Ärztin aus deiner Schilderung. Ein EEG oder ein EKG ist nur in Ausnahmefällen nötig: In einer Untersuchung an 519 Kindern bekamen 45 Prozent ein EKG, auffällig war es bei 0,9 Prozent, und ein Long-QT-Syndrom fand sich bei keinem einzigen Kind. Ein EEG bekamen 30 Prozent, auffällig war es bei 4 von 100 Untersuchten, und neun der 519 Kinder hatten am Ende doch eine Epilepsie.[2] Genau dafür sind die Warnzeichen da. Eine Ausnahme von dieser Zurückhaltung sind die blassen Anfälle: Da schaut die Ärztin eher einmal aufs Herz. Weil der Puls dabei für Sekunden einbricht, klärt sie bei unklarer Schilderung mit einem EKG ab, ob eine Rhythmusstörung dahintersteckt.[1] Eisenmangel: der eine Hebel, der belegt ist Lange galt: Affektkrämpfe lassen sich nicht behandeln. Für eine ursächliche Heilung stimmt das noch immer. Für die Häufigkeit der Anfälle stimmt es nicht mehr. Der Zusammenhang mit dem Eisen ergibt Sinn. Eisen braucht der Körper für die Botenstoffe, mit denen das unwillkürliche Nervensystem arbeitet, und für den Sauerstofftransport im Blut. Fehlt es, gerät genau die Steuerung durcheinander, die beim Affektkrampf aussetzt.[1] Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wertete zwei randomisierte Studien mit zusammen 87 Kindern aus. Wer Eisen bekam, hatte deutlich seltener Anfälle als die Vergleichsgruppe, und bei einem Teil der Kinder verschwanden sie ganz. Am stärksten profitierten Kinder mit einer Eisenmangelanämie. Ob auch Kinder ohne Blutarmut ansprechen, liess diese Übersicht offen.[3] Seither ist die Datenlage breiter geworden. In einer Studie von 2021 verschwanden die Anfälle unter einer dreimonatigen Eisengabe bei 96 Prozent der Kinder mit Blutarmut und bei 74 Prozent der Kinder ohne.[1] Für dich heisst das etwas sehr Konkretes. Ab dem dritten schweren Affektkrampf empfehlen die Schweizer Fachleute einmal eine Blutuntersuchung mit Ferritinwert und ab derselben Schwelle auch eine Eisentherapie über 16 Wochen.[2] Ein normaler Ferritinwert ändert daran nichts: Auch bei normalem Eisenstatus kann die Kinderärztin einen Therapieversuch machen, wenn die Anfälle hartnäckig wiederkehren.[1] Über Präparat und Dosis entscheidet sie. Woran du einen Eisenmangel sonst noch erkennst und welche Lebensmittel viel Eisen enthalten, steht im Artikel dazu. Ruhig bleiben, ohne nachzugeben Nach dem ersten Anfall setzt bei vielen Eltern ein Reflex ein: bloss kein Streit mehr, bloss keine Wut. Wer aus Angst vor der nächsten Episode nachgibt, wo er sonst nicht nachgeben würde, riskiert allerdings, dass sich das Muster festsetzt und die Anfälle nicht seltener werden. Das liegt nicht daran, dass dein Kind den Krampf steuern könnte. Es sind die Situationen drumherum, die sich wiederholen. Fachleute empfehlen deshalb den schmalen Grat dazwischen: Auslöser reduzieren, wo es geht, und unangemessenen Wünschen trotzdem konsequent Grenzen setzen, damit sich das Verhalten nicht festfährt. Was hilft, ist die Kombination aus Ablenken, Beruhigen und Deeskalieren, bevor sich die Wut hochschaukelt.[2] Ein Kind für einen Affektkrampf zu bestrafen, ergibt keinen Sinn. Es hat den Anfall nicht in der Hand. Der Rest ist Geduld. Mit der Zeit lernt dein Kind, seine Gefühle anders zu regeln als über den Atem. Was bei Wutanfällen im Kleinkindalter sonst noch hilft, steht in unserem Artikel zur Trotzphase. Wann die Anfälle aufhören Bei den meisten Kindern verschwinden Affektkrämpfe von selbst, bis sie fünf oder sechs Jahre alt sind.[1] Über die Hälfte ist schon mit vier Jahren so weit, und bis zum achten Geburtstag hat es sich bei fast allen erledigt. Bei einem kleinen Teil bleiben solche Episoden bis ins Erwachsenenalter.[4] Auch sonst bleibt eine Spur: Jugendliche und Erwachsene, die als Kleinkind Affektkrämpfe hatten, neigen etwas häufiger zu Ohnmachtsanfällen.[2] Gefährlich ist auch das nicht. Es erklärt nur, warum manche später beim Blutabnehmen umkippen. Bist du unsicher, ob das, was du gesehen hast, wirklich ein Affektkrampf war, hilft ein einfacher Trick: Film die nächste Episode mit dem Handy. Eine gute Beschreibung oder eine solche Aufnahme bringt der Kinderärztin mehr als ein EEG.[2] Quellen Kinderspital Zentralschweiz (KidZ), Luzern: Affektkrampf: Prozedere auf der Notfallstation, Version 04/2026. Abgerufen am 10.09.2026. Otten, Karoline: Affektkrämpfe – wie kann man vorgehen?, in: Pädiatrie 2/2024, Rosenfluh Publikationen AG, Schweiz. Abgerufen am 10.09.2026. Zehetner, A. A. et al.: Iron supplementation for breath-holding attacks in children, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2010. Abgerufen am 10.09.2026. MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise (US-Verlag): Schrecksynkopen durch Atemanhalten. Abgerufen am 10.09.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Was ist ein Fieberkrampf?, Elterninformation, Stand 8/2023. Abgerufen am 10.09.2026.