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Immer öfter haben Antibiotika keine Wirkung – die richtige Einnahme

Das Kind hat Scharlach, Keuchhusten oder Lungenentzündung? Krankheiten, die in früheren Zeiten besonders häufig tödlich verliefen, sind heute in der Regel schnell überstanden – dank Antibiotika. Doch die Gefahr, dass Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen, steigt.

Antibiotika haben immer öfter keine Wirkung
Antibiotika verlieren immer häufiger ihre Wirkung. Foto: djedzura, iStock, Thinkstock

Das Kind hat eine gefährliche Krankheit, doch die Medikamente versagen. Das ist eine erschreckende Vorstellung. Tatsächlich steigt die Zahl der Antibiotikaresistenzen. Immer mehr Bakterien trotzen den verabreichten Antibiotika. «Man kann heute wieder an Infektionen sterben, die vor 15 Jahren nicht tödlich verliefen», sagte der Mediziner Andreas Kronenberg vom Schweizerischen Zentrum für Antibiotikaresistenzen (Anresis)[6] im Jahr 2015 dem Beobachter.

Die Zeiten, in denen Infektionen wie Lungenentzündung, Keuchhusten und Scharlach mit akuter Todesgefahr einhergingen, sind noch nicht lange her. Keine hundert Jahre sind vergangen, seitdem der schottische Bakteriologe Alexander Fleming den Wirkstoff für das erste Antibiotikum entdeckte. Sporen eines Schimmelpilzes hatten eine seiner Bakterienkulturen befallen. Fleming staunte nicht schlecht, als er feststellte, dass die Bakterien sich nicht vermehrten und sogar eingingen. «Penicillin» nannte er das Stoffwechselprodukt des Schimmelpilzes, das er für die Wirkung als Bakterienkiller verantwortlich machte. 1945 erhielt Alexander Fleming zusammen mit Howard Florey und Ernst Chain, denen es gelang, reines Penicillin aus Schimmelpilzen zu gewinnen, den Nobelpreis für Medizin.

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien

Antibiotika töten Bakterien ab oder hemmen ihr Wachstum. Gegen Viren richten sie nichts aus. Eine Erkältung oder eine Grippe geht davon nicht weg. Und selbst bei einem bakteriellen Infekt braucht es nicht immer eines: Viele Infektionen heilen auch ohne Antibiotikum aus, weil die körpereigene Abwehr ausreicht. Fieber ist dabei häufig ein Zeichen dafür, dass diese Abwehr arbeitet.[3]

Wie oft Antibiotika bei Kindern trotzdem zum Einsatz kommen, zeigt eine Zahl des Bundesamts für Gesundheit: Etwa 70 Prozent der Antibiotikaverschreibungen bei Kindern betreffen Infektionen der oberen Atemwege.[4]

Ob eine Erkältung, eine Mittelohrentzündung oder Fieber ein Antibiotikum nötig macht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Für die Mittelohrentzündung gibt es dafür sogar eine eigene Entscheidungshilfe, die Vor- und Nachteile einer Antibiotikatherapie gemeinsam mit den Eltern durchgeht.[4]

Antibiotika Nebenwirkungen

Antibiotika zerstören im Darm nicht nur schädliche Keime, sondern auch nützliche Bakterien und schaden so vorübergehend dem Immunsystem. Aufgrund dieser und anderer Antibiotika Nebenwirkungen wie Allergien und Scheidenpilzinfektionen haben Antibiotika zwar oft einen zweifelhaften Ruf. Dennoch haben sie die Welt verändert, indem sie gefährliche Krankheiten heilten und die Lebenserwartung in die Höhe schnellen liessen. Die Sorglosigkeit gegenüber vielen Krankheiten, die sich dadurch eingestellt hat, bekommt allerdings Risse.

Treten während einer Behandlung Nebenwirkungen auf, gehört das in die Arztpraxis oder in die Apotheke. Was nicht dazugehört: das Medikament auf eigene Faust absetzen.[3]

Antibiotika Wirkung: Resistenzen nehmen zu

Die Antibiotika Wirkung lässt nach. Bei einigen gefährlichen Erregern hat der Anteil resistenter Keime in der Schweiz über die letzten zwanzig Jahre zugenommen. Hauptgrund ist der häufige und zum Teil unsachgemässe Einsatz von Antibiotika weltweit.[4] Überwacht wird die Resistenzlage vom Schweizerischen Zentrum für Antibiotikaresistenzen.[6]

Wie viele Menschen daran sterben, lässt sich heute beziffern. Modellrechnungen gehen für die Schweiz von rund 300 Todesfällen pro Jahr aus, für die europäische WHO-Region von 133 000 und weltweit von fast 1,3 Millionen.[2] Sind krankmachende Keime gegen Antibiotika unempfindlich, können sie sich ungehindert im Körper vermehren. Aus einer zunächst harmlosen Blasenentzündung können eine Nierenbeckenentzündung und später eine lebensgefährliche Blutvergiftung werden, weil das Antibiotikum ohne Wirkung bleibt.

Ein zu häufiger oder falscher Einsatz beschleunigt die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen. Resistent werden dabei nicht die Menschen, sondern die Bakterien – und diese können sich von einer Person auf andere übertragen.[1]

Antibiotika Anwendung: so nimmt dein Kind sie richtig ein

Halte dich genau an die verordnete Dosierung und Behandlungsdauer. Das gilt bis zum letzten Tag. Brich die Behandlung nicht vorzeitig ab, auch wenn es deinem Kind nach ein paar Tagen schon besser geht. Und lass keine Einnahme aus: Eine vergessene Dosis kann die Infektion in die Länge ziehen und die Heilung beeinträchtigen.[3]

Übrig gebliebene Antibiotika gehören zurück in die Apotheke oder in die Arztpraxis. Nicht in den Hausmüll, nicht ins Abwasser und auch nicht in den Medizinschrank für das nächste Mal. Weitergeben darfst du sie ebenfalls nicht: Jede Verschreibung gilt für eine bestimmte Person und eine bestimmte Infektion.

Lies ausserdem die Packungsbeilage genau. Je nach Wirkstoff darf ein Antibiotikum nicht zusammen mit Milch oder Säften eingenommen werden, weil es dann schlechter wirkt. Auch die vorgegebenen Zeitabstände zwischen den Einnahmen sind wichtig, damit der Wirkstoffspiegel im Körper hoch genug bleibt. Manchmal müssen die kleinen Patientinnen und Patienten zudem die Sonne meiden, weil einzelne Antibiotika einen Sonnenbrand begünstigen.

Antibiotika: Vom Tier zum Menschen

Antibiotikaresistenzen sind nicht allein ein Thema der Humanmedizin. Sie bedrohen Mensch und Tier, und resistente Bakterien können zwischen beiden übertragen werden.[3] Auch in der Nutztierhaltung entwickeln sich Resistenzen. Über das Fleisch gelangen die Bakterien in die menschliche Darmflora. Beim Kochen sterben sie zwar ab, doch bei mangelnder Hygiene in der Küche kann ein Messer sie vom rohen Fleisch auf den Salat übertragen.

Antibiotikaresistenzen vorbeugen

Beim Kinderarzt

«So viel wie nötig, so wenig wie möglich» – so lautet der Grundsatz des Bundes beim Antibiotikaeinsatz.[1] Wichtig ist deshalb ein Kinderarzt, der sich kritisch mit Antibiotika auseinandersetzt und sie nicht leichtfertig verschreibt. Umgekehrt gilt genauso: Ist ein Antibiotikum nötig, soll es auch verschrieben werden.

Kläre die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie mit der Ärztin oder dem Arzt ab und frag im Zweifel nach, warum ein Antibiotikum sinnvoll ist – oder warum eben nicht.[3] Eine Übersicht dazu, welche Kinderkrankheiten wann in die Praxis gehören, hilft bei der Einordnung.

In der Küche

Wer zu Hause Fleisch zubereitet, muss auf die Hygiene achten. Das Fleisch gehört auf ein eigenes Brett und wird mit einem Extra-Messer geschnitten. Zwar sterben die Keime im Fleisch beim Kochen oder Braten ab, doch die Küchenutensilien können sie auf andere Lebensmittel übertragen.

Im Spital

Resistente Keime verbreiten sich auch von Mensch zu Mensch, und im Spital ist dieses Risiko höher. Ein bekanntes Beispiel ist der Erreger MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Wie stark Spitalkeime bei Kindern ins Gewicht fallen, hat die Schweizerische Pädiatrische Sepsis-Studie untersucht: Rund ein Drittel aller Sepsisfälle bei Kindern ging auf Bakterien zurück, die sich die Kinder während eines Spitalaufenthalts zugezogen hatten. Besonders häufig traf das Frühgeborene, Kinder unter Chemotherapie und schwerkranke Kinder auf der Intensivstation.[5]

Alternativen zu Antibiotika

Noch ist kein Medikament auf dem Markt, das Antibiotika ersetzen könnte. Berner Forschende stellten 2014 winzige Liposom-Partikel vor, die nicht die Erreger selbst unschädlich machen, wohl aber ihr Gift. «Wir haben einen unwiderstehlichen Köder für bakterielle Toxine kreiert. Darum attackieren sie die Liposomen und werden dort gezielt eingefangen und unschädlich gemacht, ohne dass sie Schaden an unseren Körperzellen anrichten können», sagte der Studienleiter Eduard Babiychuk damals. Ein zugelassenes Medikament ist daraus bis heute nicht geworden, der Ansatz wird weiterhin in klinischen Studien geprüft.

Für Eltern liegt die wichtigere Alternative ohnehin näher: Wo kein Antibiotikum nötig ist, geht es darum, der körpereigenen Abwehr Zeit zu lassen. Viele Infektionen heilen auch ohne aus.[3]

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit BAG: Antibiotikaresistenzen. Abgerufen am 24.08.2026.
  2. Bundesamt für Gesundheit BAG: Wieso betreffen Antibiotikaresistenzen auch mich? Abgerufen am 24.08.2026.
  3. Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) des Bundes: Antibiotika: Nutzen wir sie richtig, es ist wichtig. Abgerufen am 24.08.2026.
  4. Bundesamt für Gesundheit BAG: Infoblatt für Kinderärztinnen und Kinderärzte: Verschreibung von Antibiotika in der Schweiz (PDF, Stand Oktober 2023). Abgerufen am 24.08.2026.
  5. Insel Gruppe, Universitätsklinik für Kinderheilkunde Bern: Sepsis bei Kindern in der Schweiz (Schweizerische Pädiatrische Sepsis-Studie). Abgerufen am 24.08.2026.
  6. ANRESIS: Schweizerisches Zentrum für Antibiotikaresistenzen. Abgerufen am 24.08.2026.

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