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Gesundheit > Kinderkrankheiten

Gute Nacht – trotz Bettnässen! Was bei Enuresis hilft

Nur Babys machen in die Hose? Keineswegs! Auch ältere Kinder können oft nicht den Urin halten und sind vom Bettnässen betroffen – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Bettnässen, auch Enuresis genannt, kommt auch bei älteren Kindern noch vor.
Wenn Kinder ab und zu den Urin nicht halten können, ist das ganz normal. Bild: Venimo, iStock, Getty Images Plus

Ach herrje, am Morgen ist das Bett schon wieder nass. Was tagsüber meist gut klappt, geht nachts oft in die Hose. Dabei ist Lasse doch schon vier Jahre alt. Die Eltern sind frustriert – Lasse auch. «Nur Babys machen noch in die Hose», glaubt er zu wissen.

Bettnässen – erst mal völlig normal!

Mit dieser Meinung liegt Lasse falsch. Im Alter von vier Jahren ist eine nasse Hose durchaus kein Problem, um das man viele Worte machen sollte. Sogar bis zum fünften Lebensjahr ist es noch völlig normal, dass ein Kind hin- und wieder einnässt – also am Tag oder in der Nacht unfreiwillig Urin verliert. Der Grund: Um trocken zu bleiben, müssen mehrere Fähigkeiten entwickelt sein. Zum einen muss das Kind merken, wann die Blase voll ist. Zum anderen muss es den Blasen-Schliessmuskel kontrollieren können. Und es braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden, damit es auch grössere Mengen Urin halten kann. Ein komplexer Entwicklungsvorgang also, der seine ganz individuelle Zeit braucht. Wie Kinder tagsüber trocken werden, folgt deshalb keinem Fahrplan.[2]

Handlungsbedarf frühestens ab 5. Geburtstag

Handlungsbedarf besteht frühestens ab dem fünften Geburtstag. Dann gilt häufiges und regelmässiges Einnässen als Krankheit. Bei Kindern ist das Einnässen die zweithäufigste Erkrankung nach Allergien. «Bis zu 13 Prozent aller Mädchen und Jungen zwischen fünf und 15 Jahren haben Schwierigkeiten, ihre Blasenfunktion zu kontrollieren. Sie nässen teils nicht nur nachts im Bett ein, sondern verlieren auch tagsüber unkontrolliert Urin», informiert das Inselspital Bern. «Im Schnitt sind in jeder Primarschul-Klasse ein bis zwei Kinder betroffen.»[1]

Eine Ausnahme ist wichtig. Verliert dein Kind auch tagsüber Urin, brennt oder schmerzt das Wasserlassen, muss es auffällig oft auf die Toilette, unterdrückt es den Harndrang mit Haltemanövern oder hat es wiederholt Harnwegsinfekte? Dann spricht man von kindlicher Harninkontinenz, und dahinter können körperliche Ursachen stecken.[2] Damit wartest du nicht bis zum fünften Geburtstag. Sprich deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt darauf an.

Hilfreich beim Einnässen: das Blasentagebuch

Besonders hilfreich ist es, ein Blasentagebuch zu führen und auf diese Weise Informationen über alltägliche Gewohnheiten zu sammeln. Wie, wann, wie viel und was trinkt das Kind? Wann, wie oft und wie viel Urin lässt es am Tag und in der Nacht? Die Antworten, die sich bei der Auswertung ergeben, sind später für die Kinderärztin oder den Kinderurologen hilfreich. Häufig zeigt sich dabei, dass die Trinkgewohnheiten eine Rolle spielen. Absichtlich nässt dagegen kaum ein Kind ein.[2]

Denn ein erheblicher Teil der betroffenen Kinder trinkt tagsüber zu wenig und hat abends entsprechend viel Durst. «Heute trinken viele Kinder erst am späten Nachmittag oder am Abend ihre Haupttrinkmenge», beklagt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft.[2] Doch: Drei, vier Gläser vor dem Zubettgehen – das kann die beste Blase nicht aushalten. Achte deshalb darauf, dass dein Kind bis zum Nachmittag einen Grossteil des Tagesbedarfs getrunken hat. In den letzten beiden Stunden vor dem Schlafengehen trinkt es dann wenig oder nichts mehr. Durstig ins Bett gehen muss es aber nicht.[3]

Ursachenforschung

Unerlässlich ist der Gang zum Kinderarzt oder Kinderurologen. Er unterscheidet bei der Ursachenforschung, ob das Kind nur im Schlaf oder auch tagsüber einnässt.

1 Einnässen nur in der Nacht 

In den meisten Fällen sind Kinder, die regelmässig einnässen, reine Bettnässer. Bettnässen, auch Enuresis genannt, liegt vor, wenn das Kind nachts im Schlaf mindestens zwei Mal pro Monat nach dem 5. Lebensjahr einnässt, obwohl kein Harnwegsinfekt vorliegt. Psychiatern und Neurologen aus der Schweiz und aus Deutschland zufolge haben viele Kinder die Veranlagung zum Bettnässen von ihren Eltern geerbt: «Hat ein Elternteil als Kind eingenässt, nässen die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent ebenfalls ein. Waren beide Eltern betroffen, steigt das Risiko auf 75 Prozent.»[5]

Am häufigsten ist das Bettnässen auf eine verzögerte Reifung der Blasenkontrolle im Gehirn zurückzuführen. Eine Ultraschalluntersuchung kann darüber hinaus Aufschluss geben, ob eine Fehlbildung der Blase vorliegt. Möglicherweise ist die Blasenkapazität nicht altersentsprechend ausgebildet und die Harnspeicherung zu gering. Eine andere Ursache kann darin liegen, dass die Hirnanhangdrüse zu wenige antidiuretische Hormone bilden. Dadurch wird die nächtliche Harnproduktion nicht wie bei gesunden Menschen gedrosselt. Vielleicht aber schläft das Kind einfach so tief, das der Reiz der vollen Blase das Kind nicht weckt – Folge einer mangelnden Reife der Nervenbahnen. Verhaltenstherapien und medikamentöse Behandlungen können helfen.

2 Einnässen am Tag und in der Nacht

Ein kleinerer Teil der Kinder, etwa 15 bis 20 Prozent, die einnässen, kann den Urin sowohl in der Nacht als auch am Tag nicht zurückhalten. Dann spricht man von «kindlicher Harninkontinenz». «Dies hat ganz andere Ursachen als das alleinige Bettnässen», erklärt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft.[2] Zwar ist möglicherweise auch hier die Blasenkontrolle einfach noch nicht ausgereift. Doch darüber hinaus können Harnweginfektionen, Fremdkörper in Blase und Scheide, Reizungen durch Waschmittel oder Seifen, Wurmbefall oder eine Verstopfung das Einnässen auslösen.

In vielen Fällen lässt sich die Blase nicht füllen, sodass das Kind oft Harndrang spürt, die Harnmengen aber gering sind. Darüber hinaus ist es möglich, dass hinter dem Einnässen Blasenentleerungsstörungen stecken, ausgelöst durch Verengungen der Harnröhre oder des Harnröhrenausganges oder durch eine funktionelle Störung der Blasenentleerung. Eltern, die früh und rigoros mit ihrem Kind ein Toilettentraining durchführen, erreichen oft das Gegenteil: Das Beckenbodenkneifen führt zu einem abgeschwächten Harnstrahl, abgehacktem Wasserlassen und unvollständiger Blasenentleerung – und damit zu einer Neigung zum Einnässen.

3 Psychische Ursachen?

War das Kind mindestens schon ein halbes Jahr lang trocken, bevor es mit dem Einnässen wieder begann? Dann liegt die Ursache vielleicht in der Psyche. Konkret: Im Leben des Kindes hat es wahrscheinlich eine Veränderung gegeben, die es belastet. Vielleicht hat es ein neues Geschwisterchen bekommen und fühlt sich nun zu wenig geliebt? Oder die Eltern haben sich getrennt, die Familie ist umgezogen? In diesen Fällen gibt sich das Bettnässen meist von allein, wenn die Eltern ihrem Kind mit Aufmerksamkeit und Liebe begegnen. Psychische Ursachen gelten heute allerdings als eher selten. 

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Was gegen Bettnässen hilft

Vor dem fünften Geburtstag wird Bettnässen normalerweise nicht behandelt. Danach raten Kinderärztinnen und Kinderärzte zu einer Abklärung, um körperliche Ursachen auszuschliessen. Ob eine Behandlung folgt, hängt vor allem davon ab, wie stark dein Kind leidet – und ob es mitmachen will.[3] Drei Wege sind etabliert.

Urotherapie. Dahinter stehen Aufklärung, Beratung und Blasentraining: regelmässiges Trinken über den Tag verteilt, feste Toilettenzeiten, eine entspannte Haltung beim Wasserlassen.[2] Die Kinderurologie des Inselspitals Bern hat dafür eine eigene Urotherapie-Sprechstunde aufgebaut.[1] Auch die Kontinenzberatung des Kinderspitals Zürich begleitet Familien beim Einnässen.[4]

Alarmsystem. Eine Klingelhose oder eine Klingelmatte meldet die ersten Tropfen mit Ton, Licht oder Vibration. So soll das Kind lernen, rechtzeitig aufzuwachen. In der Zusammenschau mehrerer Studien blieben mit einem Wecksystem rund 22 von 100 Kindern mindestens 14 Nächte am Stück trocken, ohne Wecksystem etwa 3 von 100. Bis das gelingt, vergehen Wochen; länger als 16 Wochen wird das Gerät in der Regel nicht eingesetzt.[3] In der Schweiz gehört die Behandlung mit dem Weckapparat zum Angebot spezialisierter Kontinenzberatungen.[4]

Medikament. Am häufigsten wird Desmopressin verordnet. Der Wirkstoff ähnelt einem körpereigenen Hormon und drosselt die nächtliche Harnproduktion. In Studien blieben damit 32 von 100 Kindern mindestens 14 Tage trocken, ohne das Mittel 10 von 100. Es wirkt schnell und hilft deshalb über ein Klassenlager oder eine Übernachtung bei Freundinnen hinweg. Nach dem Absetzen kehrt das Bettnässen bei vielen Kindern aber zurück.[3]

Verwechsle das Alarmsystem nicht mit dem nächtlichen Wecken nach der Uhr. Ein Weckruf zu einer festen Zeit holt das Kind aus dem Schlaf, ohne dass es dabei etwas lernt. Das Alarmsystem meldet sich genau in dem Moment, in dem die Blase sich entleert.[3]

Bei Enuresis nicht schimpfen, sondern Mut machen!

Gleichgültig, welche Ursache das Bettnässen hat: Wichtig ist, dem Kind Mut zu machen und ihm zu zeigen, dass es das schaffen wird. Vorwürfe verstärken dagegen das Problem immens – sie greifen das Selbstwertgefühl des Kindes an. Nächtliches Wecken quält das Kind und wird leicht als Strafe verstanden. Doch das Kind braucht viel Zuversicht, um das Problem schnell und dauerhaft loszuwerden.

Quellen

  1. Inselspital – Universitätsspital Bern: «Bettnässen: ein unterschätztes Problem?», 29.05.2018. insel.ch (abgerufen am 23.08.2026)
  2. Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.: «Einnässen beim Kind. Ein Leitfaden für Eltern bei kindlichem Einnässen», Ausgabe 03/2023. kontinenz-gesellschaft.de (PDF) (abgerufen am 23.08.2026)
  3. IQWiG, Gesundheitsinformation.de: «Wie lässt sich Bettnässen behandeln?». gesundheitsinformation.de (abgerufen am 23.08.2026)
  4. Kinderspital Zürich: «Kontinenz- und Stomaberatung». kispi.uzh.ch (abgerufen am 23.08.2026)
  5. Neurologen und Psychiater im Netz: «Ursachen: Bettnässen (Enuresis)». neurologen-und-psychiater-im-netz.org (abgerufen am 23.08.2026)

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