Gesundheit > KinderkrankheitenChronische Krankheiten bei Kindern: Asthma, Diabetes und Neurodermitis – und was im Notfall zu tun ist Natascha Mahle Husten, Schnupfen und Bauchschmerzen gehen oft schnell vorüber. Dann sind Kinder wieder gesund und zurück im Alltag. Manche Krankheiten sind dagegen chronisch und begleiten Familien länger. Hier findest du einen praxisnahen Überblick zu Asthma, Diabetes Typ 1 und Neurodermitis (atopische Dermatitis): typische Symptome, Abklärung, Behandlung im Alltag, Warnzeichen und Notfälle, Schule und Kita sowie Anlaufstellen in der Schweiz. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Bei einem Asthmaanfall gehört das ärztlich verordnete Notfallspray als Erstes zum Einsatz. Foto: iStock, Thinkstock Chronische Krankheit in der Familie: Orientierung Vor allem für Eltern ist die Diagnose einer chronischen Krankheit oft ein Schock. Vielleicht fragst du dich: Was kommt auf uns zu, was müssen wir im Alltag ändern, wie sicher ist mein Kind in Schule, Kita und beim Sport? Wichtig ist: Du musst das nicht allein schaffen. Deine Kinderärzt:in ist in der Regel die erste Ansprechperson, erklärt die nächsten Schritte, ordnet Symptome ein und vermittelt bei Bedarf an Fachärzt:innen, Schulungen, Selbsthilfegruppen oder Elterninitiativen. Warum ein Plan hilft Ein Plan bringt Sicherheit. Bei chronischen Krankheiten helfen klare Absprachen, damit du im Ernstfall nicht lange überlegen musst: Welche Medikamente wann? Was sind Frühwarnzeichen? Wer wird informiert? Ein schriftlicher Aktionsplan oder Notfallplan sollte immer zusammen mit dem Behandlungsteam erstellt und regelmässig aktualisiert werden. Das ist besonders wichtig, wenn dein Kind betreut wird oder ohne dich unterwegs ist. Die drei Ebenen: Medizin, Alltag, Psyche Langfristig funktioniert es meist am besten, wenn ihr drei Ebenen gleichzeitig im Blick habt: die medizinische Behandlung (zum Beispiel Inhalation, Insulin, Hauttherapie), alltagstaugliche Routinen (Material dabei, Schlaf, Sport, Essen, Termine) und die psychische Ebene (Ängste, Selbstvertrauen, Entlastung). Eine chronische Krankheit ist damit kein reines Medizinthema, sondern Teamarbeit zwischen Familie, Schule oder Kita und Behandlungsteam. Wann sofort 144? Ruf sofort 144, wenn eines davon zutrifft: starke Atemnot (dein Kind bekommt kaum Luft, kann nur noch abgehackt oder gar nicht sprechen, zieht sichtbar zwischen den Rippen ein, die Nasenflügel bewegen sich mit, Lippen werden bläulich)[2], deutliche Verschlechterung trotz Notfallmedikament, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfall, Verdacht auf schwere Unterzuckerung mit Bewusstseinsstörung, dein Kind kann nicht sicher schlucken, oder wenn du das Gefühl hast, dass es akut lebensbedrohlich sein könnte. Bei Diabetes Typ 1 zusätzlich: wiederholtes Erbrechen, auffällig tiefe Atmung, Azetongeruch der Atemluft, ausgeprägte Erschöpfung oder Bewusstseinstrübung. Das sind die bedrohlichen Zeichen einer Ketoazidose, und sie gehören unverzüglich ärztlich behandelt, in der Regel im Spital.[3] Wann Kinderarzt kontaktieren? Kontaktiere deine Kinderärzt:in zeitnah bei häufigen oder zunehmenden Beschwerden, wiederkehrendem nächtlichen Husten, pfeifender Atmung, wiederholten Asthmaanfällen, auffällig starkem Durst mit häufigem Wasserlassen, unklarer Gewichtsabnahme, anhaltender Müdigkeit, wiederkehrenden Hautinfekten, sehr starkem Juckreiz nachts oder wenn die bisherige Therapie nicht (mehr) greift. 1. Asthma bei Kindern Bei Asthma sind die Atemwege chronisch entzündet und reagieren empfindlich auf Trigger. Es kommt zu Hustenanfällen, pfeifender Atmung oder Atemnot. In akuten Situationen wirken Kinder manchmal ängstlich, atmen schneller oder müssen sich zum Atmen sichtbar anstrengen. Asthma kann in jedem Lebensalter vorkommen, häufig beginnt es im Vorschulalter. Wie sich die Krankheit entwickelt, hängt stark davon ab, wie sie behandelt wird: Bei rund einem Drittel der Kinder verschwindet sie bis zum Erwachsenenalter, und die richtige Behandlung ermöglicht ein gutes Wachstum der Lunge.[1] Typische Symptome und Trigger Zu den typischen Asthma-Symptomen bei Kindern gehören: wiederkehrender Husten (oft nachts oder bei Belastung), pfeifende Geräusche beim Ausatmen, Engegefühl in der Brust, schnelle Erschöpfung beim Rennen sowie Atemnot. Häufige Trigger sind Atemwegsinfekte, körperliche Anstrengung, kalte und trockene Luft, Tabakrauch, Staub, Luftschadstoffe wie Ozon und Feinstaub sowie bei manchen Kindern Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilben.[1] Wenn Beschwerden häufiger werden, ohne klaren Infekt auftreten oder dein Kind regelmässig beim Sport abbricht, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Diagnostik und Verlauf Die Diagnose basiert auf der Vorgeschichte, einer Untersuchung und je nach Alter auf Lungenfunktionstests. Im Vorschulalter lässt sich frühkindliches Asthma oft nicht vom harmlosen Husten unterscheiden, deshalb bestätigt sich der Verdacht meist erst über den beobachteten Verlauf. Ab dem Schulalter braucht es für die Diagnose eine Lungenfunktionsuntersuchung.[2] Ein Symptomtagebuch hilft: Wann tritt Husten auf, wie oft braucht es ein Notfallspray, gibt es Auslöser wie Sport oder Pollenflug? Ziel ist nicht nur die Diagnose, sondern vor allem eine gute Kontrolle: möglichst keine nächtlichen Beschwerden, normale Belastbarkeit und seltene Notfallmedikamente. Anzeige Therapie-Bausteine im Alltag Die Behandlung setzt sich meist aus diesen Bausteinen zusammen: regelmässige Entzündungskontrolle mit einem inhalativen, kortisonhaltigen Medikament, ein Notfallspray für akute Beschwerden, Triggerreduktion und Verlaufskontrollen. Die klinische Kontrolle beim Kinderarzt findet in der Regel alle drei bis sechs Monate statt, nach Möglichkeit mit Lungenfunktion.[1] Besonders wichtig ist eine rauchfreie Umgebung: In der ganzen Wohnung sollte nicht geraucht werden. Sport ist grundsätzlich erwünscht, oft sogar hilfreich. Lehrperson oder Trainer:in sollten früh wissen, dass Asthmaanfälle auftreten können, wo das Notfallmedikament liegt und was im Ernstfall zu tun ist. Checkliste: Inhalator und Aktionsplan Inhalationstechnik prüfen: Viele Probleme entstehen durch eine unpassende Technik. Du kannst mit deiner Kinderärzt:in oder Apotheker:in regelmässig prüfen: Passt das Inhalationsgerät zum Alter? Wird ein Spacer verwendet, wenn empfohlen? Sitzt die Maske dicht? Atmet dein Kind ruhig ein und aus? Wird bei inhalativen Kortikosteroiden danach der Mund ausgespült oder werden die Zähne geputzt? Wird das Gerät korrekt gereinigt und getrocknet? Aktionsplan: Lass dir einen schriftlichen Plan geben, der festhält: Basistherapie, Notfallmedikation, Frühwarnzeichen, Schritte bei Verschlechterung und klare Kriterien, wann Kinderarzt und wann 144. Schulungen: Asthma-Schulungen in Spitälern, Praxen und bei den kantonalen Lungenligen helfen vielen Familien, sicherer zu werden. Themen sind Trigger, Inhalationstechnik und Notfallmanagement. Mehr zum Thema: Asthma: Wenn dem Teenager plötzlich die Luft weg bleibt Diabetes bei Kindern: «Kinder können und sollen ein normales Leben führen» Neurodermitis beim Baby: Was heute wirklich hilft Was bei einem Asthmaanfall zu tun ist Nicht jeder Hustenanfall ist mit Asthma gleichzusetzen. Wenn Husten aber immer wiederkehrt, ohne dass eine typische Erkältung dahintersteckt, oder wenn dein Kind bei Belastung schnell ausser Atem ist, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Bei einem akuten Anfall gilt: Bleib ruhig, setz dein Kind aufrecht hin und gib das ärztlich verordnete Notfallspray so, wie es im Aktionsplan steht, bei kleineren Kindern über einen Spacer. Bessert sich die Atemnot nicht oder verschlechtert sie sich, braucht dein Kind rasch ärztliche Hilfe; bei den oben genannten Warnzeichen sofort 144.[2] Die Medikamente, die die verengten Atemwege erweitern, sind ausschliesslich auf ärztliches Rezept erhältlich, deshalb gehören sie vorausschauend besorgt und immer mitgeführt.[1] Wenn die Diagnose feststeht, sind fundierte Informationen ein wichtiger Faktor. In Kursen von Spitälern, Praxen und Lungenligen erfahren Eltern und Kinder Wichtiges zur Krankheit: Was begünstigt sie? Welche Atemtechniken helfen? Welche Sportarten sind geeignet? Wie reagiert man im Notfall? Ziel ist, ein möglichst normales Leben zu führen und dem Kind altersgerecht Eigenverantwortung im Umgang mit Asthma beizubringen. Auch Selbsthilfegruppen können entlasten: Der Austausch zeigt, dass ihr nicht allein seid. Behandlung von Asthma Bei milden Beschwerden kann ein Medikament ausreichen, das in Situationen mit erhöhtem Risiko eingesetzt wird (zum Beispiel vor dem Sportunterricht) oder bei Bedarf nach Plan. Bei häufigeren Symptomen wird meist eine Dauerbehandlung empfohlen, um die Entzündung in den Atemwegen zu kontrollieren. Dafür atmet das Kind ein kortisonhaltiges Medikament über ein Inhalationsgerät ein; ab etwa fünf Jahren kommen oft Kombinationspräparate zum Einsatz, die ein kortisonhaltiges und ein bronchienerweiterndes Medikament enthalten.[1] Entspannungstechniken können Stress reduzieren und damit indirekt helfen, sie ersetzen aber keine ärztlich verordnete Asthmatherapie. 2. Diabetes Typ 1 bei Kindern Der Blutzucker wird regelmässig kontrolliert, klassisch mit dem Messgerät oder laufend über einen Sensor. Foto: ©iStockphoto.com/Mark Hatfield Die «Zuckerkrankheit» ist kein Erwachsenenphänomen: Auch Kinder und Jugendliche können Diabetes Typ 1 bekommen, darunter Babys und Kleinkinder. Viele Eltern haben anfangs grossen Respekt vor der Krankheit. Das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig gilt: Mit moderner Behandlung ist vieles weiterhin möglich, von Kindergeburtstagen bis Sportverein. Entscheidend ist ein sicherer Alltag mit Insulin, Blutzucker-Monitoring und klaren Regeln für Unterzuckerungen. Warnzeichen und Diagnostik Erste Anzeichen können sein: extremer Durst, sehr häufiges Wasserlassen (bei kleinen Kindern auch wieder Einnässen), Müdigkeit und Gewichtsabnahme, dazu Kopfweh, ein trockener Mund, Bauchschmerzen oder Übelkeit. Bei Verdacht solltest du noch am gleichen Tag ärztlich abklären lassen. Der Grund: Ohne Behandlung entgleist der Stoffwechsel, meist über 12 bis 36 Stunden hinweg, bis hin zur schweren Ketoazidose.[3] Kommen Erbrechen, tiefe Atmung, Azetongeruch, Erschöpfung oder eine Bewusstseinstrübung dazu, ist das keine Frage von morgen mehr, sondern ein Notfall. Therapie im Alltag Die Behandlung wird an die Lebensumstände des Kindes angepasst: Blutzuckerwerte werden gemessen (klassisch oder laufend über einen Sensor), Insulin wird gespritzt oder über eine Pumpe abgegeben, und Mahlzeiten werden so geplant, dass Insulin und Kohlenhydrate zusammenpassen. Ob Pen oder Insulinpumpe sinnvoll ist und wie das in der Schule organisiert wird, besprecht ihr mit dem Diabetes-Team. Für die Ernährung gilt: Es geht nicht um Verbote, sondern um Routine und Wissen. Zu Beginn wird die Kohlenhydratmenge abgewogen, damit ihr sie richtig einschätzen lernt; später wird bilanziert, damit das Insulin passend dosiert werden kann. Wie ihr rechnet, in der Schweiz oft über den Brotwert, legt das Diabetes-Team mit euch fest. Bewegung ist wichtig und erwünscht, braucht aber Planung: Je nach Dauer und Intensität können Messungen, Snacks oder Dosisanpassungen nötig sein. Auch in der Nacht nach einer langen Aktivität besteht ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung.[3] Hypoglykämie: erkennen und handeln Unterzuckerungen gehören zu den wichtigsten Notfallsituationen im Alltag mit Diabetes. Von einer Hypoglykämie spricht man bei Blutzuckerwerten unter 3,5 mmol/l, mit spürbaren Zeichen bereits unter 4 mmol/l. Typische Zeichen sind Zittern, Schweiss, Heisshunger, Blässe, Konzentrationsprobleme, ungewohnte Gereiztheit oder plötzliche Müdigkeit. Kleine Kinder erkennen diese Zeichen oft noch nicht selbst und brauchen deshalb besondere Aufmerksamkeit.[3] Ist dein Kind wach und kann sicher schlucken, gilt: Blutzucker messen, schnelle Kohlenhydrate geben (Traubenzucker oder ungesüsster Fruchtsaft), 15 Minuten warten und erneut messen. Liegt der Wert weiter unter 4 mmol/l, wird der Schritt wiederholt, bis sich der Blutzucker normalisiert hat.[3] Ist dein Kind bewusstlos, krampft oder kann nicht sicher schlucken, darfst du ihm nichts zu essen und nichts zu trinken geben, weil es sich verschlucken könnte. Dann gilt: Ruhe bewahren, das Notfallmedikament Glukagon nach Schulung spritzen und sofort 144 rufen.[3] Deshalb ist die Schulung aller Betreuungspersonen so wichtig: Wer nicht weiss, was zu tun ist, verliert im Ernstfall Zeit. Schul- und Sport-Notfallblatt Ein einseitiges Blatt für Schule, Kita und Sport entlastet alle Beteiligten. Es kann enthalten: Diagnose, typische Hypo-Zeichen bei deinem Kind, Sofortmassnahmen Schritt für Schritt, wo Notfallmaterial liegt (Traubenzucker, Messgerät oder Sensor-Empfänger, Glukagon), Telefonnummern (Eltern, Behandlungsteam) sowie klare Kriterien für 144. Erstelle und prüfe dieses Blatt zusammen mit dem Behandlungsteam und aktualisiere es regelmässig. Sinnvoll ist zusätzlich ein Notfallausweis, den dein Kind auf sich trägt.[3] diabetesschweiz stellt für das Gespräch mit der Schule ein eigenes Merkblatt bereit.[4] Nach einiger Zeit werden das Insulinspritzen, das Monitoring und das Planen der Mahlzeiten zur Routine. Du und dein Kind werdet dabei nicht allein gelassen: Ärzt:innen, Schulungen, Fachliteratur sowie der Austausch mit anderen betroffenen Familien helfen, die Krankheit alltagstauglich zu machen. Behandlung von Diabetes Typ 1 Bestimmte Faktoren im Erbgut können zur Erkrankung beitragen, sind aber nicht allein verantwortlich. Bei Verdacht sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden. Bei Typ-1-Diabetes wird durch die Insulintherapie das fehlende körpereigene Insulin ersetzt. Diese Behandlung ist langfristig nötig. Körperliche Bewegung ist wichtig, sie beeinflusst die Insulinwirkung und trägt zum Wohlbefinden bei. 3. Neurodermitis Neurodermitis, medizinisch atopisches Ekzem, ist eine chronische Hautentzündung mit schubartigem Verlauf. Sie beginnt typischerweise im Säuglingsalter: Bei 85 Prozent der Betroffenen zeigen sich die Symptome in den ersten fünf Lebensjahren, und in der Schweiz sind rund 20 Prozent der Kinder betroffen. Symptome sind trockene, gerötete, teils nässende oder verkrustete Hautstellen. Zur sichtbaren Veränderung kommt ein oft quälender Juckreiz, besonders nachts. Bei Säuglingen sind vor allem Gesicht, Oberkörper, Hände und die Streckseiten von Armen und Beinen betroffen, bei Kleinkindern eher Kniekehlen, Ellenbeugen, Gesicht, Nacken und Hals.[5] Basistherapie Die wichtigste Grundlage ist die tägliche Basispflege aus Hautreinigung und Eincremen, auch in beschwerdearmen Zeiten. Das stärkt die Hautbarriere, reduziert Trockenheit und beugt Infekten vor. Ein Pauschal-Pflegeprodukt für alle gibt es nicht: Im Winter passen bei kalter, trockener Luft eher fetthaltige Produkte, im Sommer solche mit weniger Fett und mehr Feuchtigkeit.[5] Schübe: was ärztlich verordnet wird Verschlechtert sich die Haut trotz guter Basispflege, ist meist eine antientzündliche Therapie nötig. Dafür stehen kortisonhaltige Cremes und Salben sowie Calcineurininhibitoren zur Verfügung, alle auf ärztliche Verordnung.[5] Viele Eltern haben Sorge vor Kortison. Nebenwirkungen treten nach heutiger Studienlage aber nur sehr selten auf, und vor allem bei falscher Dosierung oder Anwendungsdauer. Häufiger ist das Gegenteil: Aus Angst wird zu dünn, zu selten oder nicht lange genug aufgetragen. Führe das verordnete Behandlungsschema deshalb zu Ende und brich es nicht bei den ersten Erfolgen ab, sonst kann das Ekzem zurückkommen. Die Basispflege läuft während der Kortisonbehandlung weiter, allerdings nur auf den Stellen, die nicht mit Kortison eingecremt wurden.[6] Juckreiz und Schlaf Juckreiz in der Nacht ist oft das grösste Thema im Alltag. Die wichtigste Massnahme dagegen ist die Behandlung des Ekzems selbst. Zusätzlich helfen: kühlen, atmungsaktive Textilien wie Baumwolle, die unterste Kleiderschicht mit den Nähten nach aussen tragen, kurze Fingernägel, nachts nicht zu warm zudecken und auf Weichspüler verzichten.[5] Wenn dein Kind regelmässig schlecht schläft oder sich blutig kratzt, ist das ein wichtiger Grund für eine ärztliche Anpassung der Behandlung, weil Juckreiz oft ein Zeichen ungenügend kontrollierter Entzündung ist. Allergien und Ernährung: was gesichert sein muss Manche Kinder mit Neurodermitis haben zusätzlich Allergien. Trotzdem gilt: Pauschale Auslassdiäten ohne gesicherte Diagnose sind nicht empfehlenswert, weil sie Mangelrisiken erhöhen und Stress in der Familie verstärken können. Es gibt keinen Labortest, der ein atopisches Ekzem nachweist; die Diagnose stellt die Ärztin über Symptome, Gespräch und Untersuchung der Haut.[5] Wenn du einen konkreten Verdacht hast, etwa wiederkehrende, eindeutige Reaktionen nach bestimmten Lebensmitteln, ist eine strukturierte Abklärung mit Fachpersonen der richtige Weg. Alternative Mittel: was sie leisten und was nicht Viele Familien suchen nach «sanften» Alternativen. Komplementärmedizinische Verfahren werden zusätzlich zur ärztlichen Behandlung eingesetzt, nicht an ihrer Stelle. Für die Haut heisst das konkret: Die Basispflege und eine allenfalls verordnete antientzündliche Therapie laufen weiter. Pflanzliche Produkte können ausserdem Duftstoffe oder andere Auslöser enthalten und die Haut reizen. Sprich deshalb mit deiner Ärzt:in, bevor du zusätzlich etwas ausprobierst. Was einen Schub auslöst Neben der erblichen Veranlagung und der gestörten Hautbarriere spielen individuelle Auslöser eine Rolle: Klima und Wetter, psychischer Stress, chemische Reize wie Dusch- und Waschmittel, dazu Infekte, Reibung, Schweiss oder bestimmte Allergene. Sie sind von Person zu Person verschieden und können sich im Lauf des Lebens ändern, deshalb ist es oft schwierig, sie eindeutig zu bestimmen. Beobachte, was bei deinem Kind Schübe auslöst, ohne in eine strenge Verbotslogik zu rutschen. Ein liebevolles, verlässliches Zuhause und Entlastung der Familie helfen spürbar mit. Schule, Kita und Betreuung: gemeinsam planen Ob Kita, Kindergarten oder Klassenlager: Sobald dein Kind ohne dich betreut wird, braucht es klare Abmachungen. Wie ein Notfallplan für Betreuungspersonen aussehen kann, zeigt unser Beitrag zu Allergien, Diabetes und Asthma in der Kita. Welche Infos sind nötig? Betreuungspersonen müssen nicht alles wissen, aber das Entscheidende. Sinnvoll sind: kurze Beschreibung der Diagnose, typische Warnzeichen, klare Sofortmassnahmen, Aufbewahrungsort von Medikamenten und Notfallmaterial sowie Kontaktwege. Je nach Krankheit sind ein Asthma-Aktionsplan oder ein Hypo-Plan die wichtigste Grundlage. Medikamenten- und Notfallplan in der Betreuung Besprich frühzeitig, wer was machen darf und kann: Wer gibt bei Bedarf den Inhalator? Wer hilft beim Messen oder beim Umgang mit dem Sensor? Was gilt im Schulsport, auf Ausflügen oder im Klassenlager? Je klarer die Abmachungen, desto sicherer fühlt sich dein Kind und desto entspannter ist der Alltag. Stigmatisierung vermeiden Kinder wollen nicht auf ihre Krankheit reduziert werden. Hilfreich ist eine Sprache, die Sicherheit vermittelt und gleichzeitig Normalität betont: «Wir wissen, was zu tun ist, und du kannst ganz normal mitmachen.» Beziehe dein Kind altersgerecht ein: Was möchte es selbst erklären, was lieber nicht? Das stärkt die Selbstwirksamkeit und reduziert Scham. Checkliste für das Elterngespräch mit Betreuungspersonen 1) Kurz erklären: Was bedeutet die Diagnose im Alltag? 2) Warnzeichen: Woran merkt man bei meinem Kind eine Verschlechterung? 3) Sofortmassnahmen: Was ist Schritt 1, 2, 3? 4) Material: Wo sind Inhalator und Spacer, Traubenzucker und Glukagon, Cremes? 5) Sport und Ausflüge: Was muss mit, was wird angepasst? 6) Kommunikation: Wann anrufen, wann 144? 7) Rückmeldung: Wie informiert ihr mich, wenn etwas auffällig war? Psychische Gesundheit und Entlastung der Familie Eine chronische Krankheit kostet Kraft, und zwar nicht nur das kranke Kind. Wer über Jahre Pläne führt, Material nachfüllt und nachts wach liegt, braucht selbst Entlastung. Belastungszeichen Du bist vielleicht ständig in Alarmbereitschaft, und dein Kind kann genervt sein von Regeln oder Behandlungen. Warnzeichen für Überlastung sind zum Beispiel Schlafprobleme, dauernde Anspannung, Rückzug, häufige Konflikte, Schuldgefühle oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Entlastung ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Teil der Versorgung. Anlaufstellen in der Schweiz Sprich mit deiner Kinderärzt:in über passende Angebote: Patient:innenschulungen, psychologische Beratung, Familienberatung, Sozialdienst im Spital oder regionale Elternangebote. Daneben gibt es krankheitsspezifische Anlaufstellen: Asthma: Die kantonalen Lungenligen beraten Betroffene und Angehörige und bieten Schulungen sowie Instruktionen zur Inhalationstechnik an.[1] Diabetes Typ 1: Die regionalen Diabetesgesellschaften und Swiss Diabetes Kids organisieren Aktivitäten für betroffene Kinder, darunter medizinisch betreute Diabetes-Sommerlager. In vielen Regionen bestehen ausserdem Elterngruppen.[4] Neurodermitis: aha! Allergiezentrum Schweiz führt Elternschulungen für Kinder bis 10 Jahre sowie Kinderschulungen durch und berät kostenlos über die aha!infoline (031 359 90 50).[5] Jugendliche: Die Beratung von Pro Juventute unter 147 ist rund um die Uhr erreichbar und ein niederschwelliger erster Schritt. Quellen Lungenliga Schweiz: Asthma bei Kindern (abgerufen am 24.08.2026) Kinderspital Zentralschweiz (KidZ), Kispi-Wiki: Obstruktive Bronchitis und Asthma-Anfall, Version 04/2017, aktualisiert 12/2025 (abgerufen am 24.08.2026) Kinderspital Zentralschweiz (KidZ), Pädiatrische Klinik: Diabetes Typ 1. Ein Leitfaden für Kinder und ihre Eltern (PDF, abgerufen am 24.08.2026) diabetesschweiz (Schweizerische Diabetesgesellschaft): Diabetes bei Kindern und Jugendlichen (abgerufen am 24.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Neurodermitis (atopisches Ekzem), letzte Aktualisierung 27.02.2024 (abgerufen am 24.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Atopisches Ekzem: Kortisoncreme richtig anwenden, 26.10.2022 (abgerufen am 24.08.2026)