Gesundheit > KinderkrankheitenDie besten Tipps gegen Sommergrippe Sigrid Schulze Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, vielleicht auch Fieber – ausgerechnet dann, wenn die anderen in der Badi liegen! Eine «Sommergrippe» ist in den allermeisten Fällen keine echte Grippe, sondern ein grippaler Infekt (Erkältung). Mit den richtigen Massnahmen kannst du Beschwerden lindern, Ansteckungen reduzieren und Warnzeichen rechtzeitig erkennen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Eine Sommergrippe ist unangenehm, doch es gibt Mittel, ihr entgegen zu wirken. Foto: Lisa5201, iStock, Getty Images Plus Die Sommergrippe: Das Wichtigste in Kürze Eine «Sommergrippe» ist meist ein grippaler Infekt (Erkältung) – also ein viraler Atemwegsinfekt, der auch im Sommer häufig vorkommt. Typische Symptome: Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal leichtes Fieber und Müdigkeit. Verlauf: Oft 7–10 Tage; der Husten kann länger anhalten. Wenn es deinem Kind deutlich schlechter geht, Fieber mehrere Tage anhält oder Atemnot dazukommt, lass es ärztlich abklären. Bei akuten Alarmzeichen: Notruf 144. Direkt zu Methoden, um das Immunsystem zu stärken. Eine Erkältung im Sommer fühlt sich unfair an – und ist trotzdem ganz normal. Akute Atemwegsinfekte können zu jeder Jahreszeit auftreten. Entscheidend ist nicht «Sommerkälte» an sich, sondern dass Viren durch Kontakte weitergegeben werden – in Familie, Kita, im ÖV, auf Reisen oder bei Veranstaltungen. Wichtig für dich als Elternteil: Du musst nicht perfekt «vorbeugen». Viel hilfreicher ist eine gute Einordnung (Was ist noch normal? Was braucht Abklärung?) und eine praxistaugliche Pflege zu Hause, damit dein Kind sich sicher erholen kann. Was ist eine «Sommergrippe»? Mit «Sommergrippe» ist im Alltag fast immer eine Erkältung gemeint – medizinisch ein grippaler Infekt. Auslöser sind verschiedene Erkältungsviren (z. B. Rhino-, Entero- oder Coxsackie-Viren). Eine echte Influenza («Grippe») ist etwas anderes: Sie beginnt typischerweise plötzlich und macht viele Betroffene rasch richtig krank. «Diese Infekte können auch einmal über mehrere Tage andauern, aber ihr Verlauf ist generell eher leichter als bei einer echten Grippe», erklärt PD Dr. Stefan Kuster, Infektiologe am Universitätsspital Zürich auf den Seiten der USZ. Symptome, Dauer, Ansteckung Sommergrippe ist keine Grippe Eine echte Grippe ist es glücklicherweise meist nicht, die im Sommer dich oder deine Kinder so quält, sondern ein grippaler Infekt. Denn hier sind keine Influenza-Viren am Werk, sondern andere Viren wie Coxsackie-Viren und Entero-Viren. Übertragung durch Tröpfcheninfektion Auch die Viren, die für eine Sommergrippe verantwortlich sind, werden durch Tröpfchen weitergegeben, die beim Husten oder Niesen eines Erkrankten in die Luft gelangt sind. Darüber hinaus wandern sie von Hand zu Hand. So breiten sie sich aus, auch durch Gegenstände wie Spielzeuge, Türklinken und Tastaturen, die viele Menschen berühren. In der Hand an sich können Erkältungsviren zwar keine Infektion verursachen, wohl aber, wenn sie dann – beim Kratzen an der Nase oder beim Essen – an die Schleimhäute von Nase, Rachen, Mund oder Augen gelangen. Dort dringen sie ein, um sich zu vermehren und führen zu einer Infektion. Eine vorbeugende Behandlung ist wichtig, denn wer will schon die Ferien im Bett verbringen oder den Urlaub wegen kranker Kinder absagen? Für die Einordnung zu Hause hilft dir diese Faustregel, wie sie auch in Elterninformationen beschrieben wird: Eine Erkältung startet oft schleichend (erst Halskratzen/Schnupfen), Fieber ist häufig mild oder fehlt, und der Verlauf zieht sich über mehrere Tage. Bei einer echten Influenza ist der Beginn meist plötzlich, mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Und: Auch Covid-19 kann mit Erkältungssymptomen starten – bei Unsicherheit (z. B. vor Kontakt zu vulnerablen Personen) ist eine Abklärung gemäss aktueller ärztlicher Empfehlung sinnvoll. Wie lange dauert das? Viele Erkältungen bessern sich nach einigen Tagen, sind aber oft erst nach 7–10 Tagen deutlich vorbei. Husten kann länger anhalten, obwohl das Kind sonst wieder fit ist. Das allein ist nicht automatisch ein Alarmzeichen – entscheidend sind Allgemeinzustand, Atmung und Trinkmenge. Was hilft zu Hause – praktische Checkliste für Familien Wenn dein Kind sonst gesund ist, kannst du eine Sommergrippe in der Regel gut zu Hause begleiten. Ziel ist nicht, Symptome «wegzuzaubern», sondern den Körper beim Gesundwerden zu unterstützen und Beschwerden zu lindern. Schonende, aber effektive Hausmittel Manchmal erwischt unseren Körper die Sommergrippe trotz aller Vorsichtsmassnahmen. Dann brauchst du zur Behandlung Mittel, die effektiv Symptome der Grippe lindern. Besonders schonend schaffen das Hausmittel wie warme Getränke, Suppe, Umschläge und Wickel sowie feuchte Raumluft. Wichtig: Bei kleinen Kindern sind Dampfbäder mit heissem Wasser wegen Verbrühungsgefahr ungeeignet – besser ist es, die Raumluft moderat zu befeuchten und regelmässig zu lüften. Viel trinken! Trinken hilft, weil Flüssigkeit Sekret in Nase und Bronchien verflüssigen kann. So kann es besser abfliessen und lässt sich leichter abhusten. Wasser, ungesüsster Tee oder stark verdünnte Getränke sind meist gute Optionen. Gerade im Sommer verlieren Kinder durch Schwitzen zusätzlich Flüssigkeit. Bei Babys gilt: öfter stillen oder Fläschchen anbieten. Wenn die Nase verstopft ist, trinken viele Babys schlechter – dann kann es helfen, vor dem Trinken die Nase sanft freizumachen (z. B. mit wenigen Tropfen Kochsalzlösung, altersgerecht angewendet). Fieber senken Fieber ist eine normale Abwehrreaktion. Es ist nicht die Zahl allein entscheidend, sondern wie es deinem Kind dabei geht: Trinkt es? Ist es ansprechbar? Atmet es ruhig? «Fieber sollte erst gesenkt werden, wenn der Allgemeinzustand schlechter wird und man merkt, dass das Kind unter dem Fieber zu leiden beginnt», informiert die Ärztegesellschaft Baselland. Erst ab 38 Grad bei Säuglingen und 38,5 Grad bei Kindern und Erwachsenen gilt eine erhöhte Temperatur als Fieber. Bei Babys und Kleinkindern gibt es verschiedene Methoden, mit dem Fieber umzugehen. Medikamente bei Kindern – sicher und zurückhaltend: Für Schmerzen oder belastendes Fieber werden in der Pädiatrie vor allem Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt (Dosierung nach Körpergewicht und Packungsbeilage bzw. ärztlicher Empfehlung). Gib keine Medikamente «auf Verdacht» und kombiniere Wirkstoffe nur, wenn eine Ärzt:in oder Apotheker:in das ausdrücklich empfiehlt. Wichtig: Acetylsalicylsäure (Aspirin) ist für Kinder und Jugendliche bei viralen Infekten nicht geeignet. Antibiotika: Eine Sommergrippe ist fast immer viral. Antibiotika helfen dann nicht – sie sind nur sinnvoll, wenn eine Ärzt:in eine bakterielle Komplikation (z. B. bestimmte Formen von Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung) diagnostiziert. Nur nicht auskühlen! Nicht nur im Winter, auch im Sommer können wir auskühlen. Dann ziehen sich die Blutgefässe der Haut zusammen, und die Schleimhäute, zum Beispiel in der Nase, werden schlechter durchblutet. Die Folge: Sie produzieren weniger Schleim, der als Schutzschild vor Krankheitserregern dient. Wichtig als Einordnung: Kälte allein macht nicht krank – aber sie kann Schleimhäute reizen und austrocknen, und das kann es Viren leichter machen. Das passiert zum Beispiel, wenn Klimaanlagen sehr kalt eingestellt sind oder wenn du länger in Zugluft sitzt. Achte deshalb auf eine angenehme Temperatur und vermeide direkte Kaltluft auf Gesicht und Hals – vor allem im Auto, Hotelzimmer oder Büro. Zu kalt kann uns auch werden, wenn Badehosen und Badeanzüge nach dem Planschen bzw. Schwimmen nicht gewechselt werden. Und wer Eiswürfel lutscht, geht das Risiko ein, dass die Mundschleimhaut so stark abkühlt, dass sie Krankheitserreger nicht abwehren kann. Wann zum Arzt / Notfall? Vertrau deinem Gefühl: Wenn dein Kind «nicht wie sonst» wirkt, ist eine Abklärung sinnvoll – auch wenn das Fieber nicht extrem hoch ist. Für die Orientierung im Alltag helfen dir diese Warnzeichen, wie sie in der Elterninformation kindergesundheit-info.de (BZgA) beschrieben werden. Sofort abklären (Notruf 144 in der Schweiz), wenn: dein Kind sichtbar schlecht Luft bekommt, sehr angestrengt oder deutlich schneller als sonst atmet, blau/grau um die Lippen wirkt, nicht mehr richtig aufwacht oder sehr teilnahmslos ist, Zeichen von Austrocknung zeigt (z. B. sehr trockener Mund, kaum Urin/kaum nasse Windeln), oder wenn ein Säugling deutlich trinkschwach ist. Ärztlich abklären lassen (Kinderarztpraxis / hausärztliche Praxis / Apotheke zur Ersteinschätzung), wenn: Fieber länger als 3 Tage anhält, sich die Symptome nach einigen Tagen nicht klar bessern oder sich deutlich verschlechtern, starke Ohrenschmerzen, auffällige Brustschmerzen, anhaltendes Erbrechen, oder sehr starke Halsschmerzen mit schlechtem Allgemeinzustand dazukommen. Ein starkes Immunsystem ist wichtig Zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten ist es sinnvoll, das Immunsystem im Alltag zu unterstützen – ohne Druck. Die ganze Familie profitiert, wenn ihr auf ausgewogene Ernährung, Bewegung und Schlaf achtet. «Täglich fünf Portionen in verschiedenen Farben, davon drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Früchte», empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Darüber hinaus helfen moderate Bewegung und frische Luft, das Immunsystem fit zu halten. Sonnenlicht unterstützt die körpereigene Bildung von Vitamin D. Vitamin D ist wichtig für Knochen und spielt auch für das Immunsystem eine Rolle. Gleichzeitig gilt: Im Sommer sind Sonnenschutz und vernünftige Aufenthaltsdauer im direkten Sonnenlicht zentral – besonders bei Kindern. Also raus in den Park und Federball oder Fussball spielen oder mit der ganzen Familie joggen! Auch Kneippen – auch für Kinder geeignet – hilft, Erkältungskrankheiten vorzubeugen, wenn ihr es gut vertragt und langsam steigert. Ansteckung vermeiden Wer Kinder hat, kann sie und sich nicht immer vor einer Ansteckung der Erkältung schützen. Kinder sind impulsiv und brauchen körperliche Nähe, sodass es nicht lange dauern wird, bis Krankheitserreger übertragen werden. Du kannst aber das Risiko senken: regelmässig Händewaschen (beim Heimkommen, vor dem Essen, nach dem Naseputzen), Husten/Niesen in die Armbeuge und möglichst Einwegtaschentücher verwenden. Ist Händewaschen gerade nicht möglich, ist es sinnvoll, die Hände möglichst von Augen und Nase zu lassen, damit Krankheitserreger nicht in deren Schleimhäute und somit in den Körper gelangen. Praktisch im Sommer: In Ferienwohnungen oder Hotels Klimaanlagen so einstellen, dass keine kalte Luft direkt aufs Bett oder den Esstisch bläst, und – falls möglich – auf gute Wartung/saubere Filter achten. Das ersetzt keine Hygiene, kann aber gereizte Schleimhäute vermeiden helfen. Mit Sommergrippe zum Arzt? Wenn sich eine Erkältung nach einer Dauer von drei Tagen nicht bessert oder hohes Fieber hinzukommt, ist es Zeit, zum Arzt zu gehen. Er kann untersuchen, ob sich eine Zweitkrankheit wie zum Beispiel eine Bronchitis entwickelt hat und kann sie behandeln. Für Eltern ist zusätzlich wichtig: Je jünger das Kind, desto früher solltest du bei Unsicherheit fachlichen Rat einholen – in der Kinderarztpraxis oder in der Apotheke.