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Gesundheit > Kinderkrankheiten

Durchfall: Für dein Kind besonders gefährlich

Wenn ein Kind Durchfall hat, tauchen schnell viele Fragen auf: Was darf mein Kind essen und trinken? Was hilft wirklich? Und wann ist es Zeit für Ärzt:in oder Notfall? Verlässliche Informationen sind wichtig, denn Durchfall kann gefährlich werden – vor allem für Säuglinge, weil sie schneller austrocknen.

Durchfall kann bei Kindern gefährlich werden
Bei Säuglingen kann Durchfall schnell gefährlich werden. Foto: eldemir, E+, Getty Images Plus

Schon zum fünften Mal muss Noras Mutter heute ihrer Tochter eine frische Windel machen. Dabei stellt sie fest, dass der Stuhl deutlich wässriger als gewöhnlich und auch ein wenig schleimig ist. Keine Frage: Nora hat Durchfall.

Das Wichtigste zuerst: Austrocknung verhindern

Bei Durchfall verliert dein Kind Flüssigkeit – und damit auch Salze (Elektrolyte), die der Körper für Kreislauf und Stoffwechsel braucht. Je jünger ein Kind ist, desto schneller kann aus einem «harmlosen» Magen-Darm-Infekt eine gefährliche Austrocknung (Dehydration) werden. Priorität Nummer 1 ist deshalb: trinken ermöglichen und Flüssigkeit im Körper behalten.

Kurz-Check: Warnzeichen für Austrocknung

Hol dir medizinische Hilfe, wenn du eines oder mehrere dieser Zeichen bemerkst – bei Säuglingen besonders rasch:

Alarmzeichen (Dehydration / ernster Verlauf):

  • deutlich weniger nasse Windeln / deutlich weniger Urin (z.B. kaum noch Wasserlassen)
  • trockener Mund, trockene Lippen, keine Tränen beim Weinen
  • eingefallene Augen, auffallend blasse oder grau wirkende Haut
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit, Teilnahmslosigkeit oder schwer weckbar
  • starke Unruhe, ungewöhnliche Reizbarkeit
  • kalte Hände/Füsse, Kreislaufschwäche
  • bei Säuglingen: eingefallene Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf wirkt «eingesunken»)

So gibst du richtig zu trinken: kleine Mengen, aber häufig

Viele Kinder trinken bei Durchfall und Übelkeit nur ungern. Oft klappt es besser, wenn du sehr kleine Mengen in kurzen Abständen anbietest – zum Beispiel schluckweise, teelöffelweise oder mit einer Spritze/kleinem Becher. Wichtig ist, dass dein Kind überhaupt Flüssigkeit behält.

Medizinisch empfohlen ist bei akuten Durchfällen eine orale Rehydratationslösung (ORS, Elektrolytlösung) aus der Apotheke. Sie ist so zusammengesetzt, dass Wasser und Salze im Darm besser aufgenommen werden. Gerade wenn dein Kind zusätzlich erbricht, ist ORS oft hilfreicher als Tee oder Wasser allein. Lass dich in der Apotheke oder bei deiner Kinderärzt:in beraten, welche Lösung fürs Alter passt und wie du sie anwendest.

Stillkinder dürfen und sollen weiter gestillt werden. Muttermilch liefert Flüssigkeit und Nährstoffe und kann den Verlauf günstig beeinflussen.

Durchfall: die häufigsten Ursachen

Durchfall (Diarrhoe) ist ein Symptom – also ein Zeichen dafür, dass etwas den Darm reizt. Häufig steckt eine Infektion dahinter, vor allem ein Magen-Darm-Infekt durch Viren (z.B. Rota- oder Noroviren) oder seltener Bakterien (z.B. durch verunreinigte Lebensmittel). Der Darm transportiert dann schneller, damit Erreger und Entzündungsstoffe ausgeschieden werden.

Es gibt aber auch andere Auslöser: Manche Kinder reagieren empfindlich auf bestimmte Lebensmittel (z.B. im Rahmen einer Allergie), und auch Medikamente können Durchfall verursachen. Typisch sind Durchfälle während oder nach einer Antibiotika-Therapie, weil Antibiotika die Darmflora vorübergehend verändern können.

1. Schritt bei Durchfall: Flüssigkeitsverlust ausgleichen

Durchfall führt oft zu einem gefährlichen Flüssigkeitsverlust. Darüber schwemmt er auch lebenswichtige Salze (Elektrolyte) aus. Wenn ein Kind oder Baby nicht nur Durchfall hat, sondern auch erbricht und fiebert, kann deshalb eine lebensgefährliche Situation entstehen.

Unbedingt notwendig ist es grundsätzlich, bei akutem Durchfall den Verlust von Flüssigkeit und wichtigen Salzen auszugleichen. In der Apotheke sind entsprechende Medikamente wie Elektrolyd-Lösungen erhältlich. 

Babys werden darüber hinaus weiter gestillt, denn die Muttermilch enthält bestimmte Immunstoffe, die gegen Durchfall helfen. Auch Flaschenkinder bekommen weiter ihre gewohnte Flaschennahrung. Viele Kinderärzte empfehlen allerdings, die Milchnahrung für jüngere Babys mit Wasser im Verhältnis 1:1 zu verdünnen.

Ältere Kinder trinken neben der Elektrolyd-Lösung am besten Tee. Besonders gut geeignet als Hausmittel sind Kamille-, Fenchel- oder Heidelbeer-Tee, weil er die Darmschleimhaut beruhigt. 

Was du besser vermeidest 

Bei Durchfall kursieren viele Tipps, die sich hartnäckig halten. Diese Punkte helfen dir, typische Fehler zu vermeiden:

  • Cola, Säfte, Eistee: enthalten oft viel Zucker und können Durchfall verstärken, weil sie Wasser in den Darm ziehen.
  • «Nur noch Salzstangen»: Salzstangen liefern zwar Salz, ersetzen aber keine ausgewogene ORS (es fehlen u.a. Kalium und das passende Zucker-Salz-Verhältnis für die Aufnahme im Darm).
  • Antibiotika «zur Sicherheit»: Bei den meisten Magen-Darm-Infekten (viral) helfen Antibiotika nicht und können Nebenwirkungen haben. Ob sie nötig sind, entscheidet immer die Ärzt:in.
  • Durchfall «sofort stoppen» um jeden Preis: Medikamente, die die Darmbewegung stark bremsen, sind für Kinder nicht grundsätzlich geeignet und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden.

Was dein Kind essen darf – und was besser nicht

Wenn dein Kind Hunger hat und nicht erbricht, darf es grundsätzlich essen. Viele Fachstellen raten heute eher zu einer leichten, gut verträglichen Kost statt zu strenger «Stopfdiät».

Gut geeignet sind zum Beispiel: Karotten, geriebener Apfel, Banane, Reis, Kartoffeln und Kartoffelstock ohne Butter, Zwieback, einfache Teigwaren, klare Suppen sowie mildes Brot. Fettiges, sehr Süsses oder stark Gewürztes ist oft schwerer verdaulich und kann vorübergehend Beschwerden verstärken.

Nachdem der Durchfall überstanden ist, will dein Kind meist rasch wieder normal essen. Das ist in aller Regel problemlos möglich. Nur sehr fettiges Essen wie Pommes und Pizza ist häufig noch ein, zwei Tage schlecht verträglich.

2. Wann du medizinische Hilfe holen solltest

«Soll ich mit dem Kind zum Arzt gehen?» Diese Frage ist absolut verständlich. Gerade bei Säuglingen gilt: Lieber einmal zu früh abklären als zu spät, weil sie schneller austrocknen. In der Schweiz kannst du je nach Situation die Kinderärzt:in, eine Notfallpraxis oder den Spitalnotfall kontaktieren. In lebensbedrohlichen Situationen rufst du direkt 144.

Der Schweizerische Samariterbund gibt Anhaltspunkte:

Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn:

  • das Kleinkind jünger als zwei Jahre alt ist
  • das Kind oder Baby andere Krankheiten hat
  • das Kind oder Baby Bauchschmerzen hat
  • das Kind erbricht und keine Flüssigkeit mehr bei sich behalten kann
  • Sie Blut oder Schleim im Stuhl Ihres Kindes sehen
  • der Durchfall schlimmer wird
  • das Kind Fieber hat
  • das Kind sehr unruhig oder sehr schläfrig ist
  • Sie von einer Auslandreise zurückgekommen sind
  • Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Zeichen von Austrocknung hat. Anzeichen für Austrocknung sind trockene Lippen, tränenloses Weinen, blass-graue Haut, eingefallene Augen, Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit. Beim Säugling sinken die Fontanellen, die Lücken zwischen den Schädelknochen oben am Kopf, ein.

Zusätzlich gilt: Wenn dein Kind starke Bauchschmerzen hat, der Bauch hart wird, es apathisch wirkt oder du dir grosse Sorgen machst, lass es zeitnah anschauen. Vertraue deinem Bauchgefühl – du kennst dein Kind am besten.

Sinnvoll ist es aufzuschreiben, wie oft und wie viel Durchfall dein Kind hat, ob es erbricht, wie viel es trinkt, wann es zuletzt uriniert hat und ob Fieber dazugekommen ist. Diese Notizen helfen der Ärzt:in, den Schweregrad besser einzuschätzen. Häufig wird eine ORS empfohlen. Nur bei bestimmten Verläufen (z.B. blutiger Durchfall, lange Dauer, schwerer Allgemeinzustand) sind zusätzliche Blut- oder Stuhluntersuchungen sinnvoll.

Sofort in den Notfall / 144 

Ruf 144 oder geh direkt in den Notfall, wenn dein Kind sehr schläfrig oder kaum weckbar ist, Anzeichen einer starken Austrocknung zeigt, wiederholt erbricht und nichts bei sich behalten kann, oder wenn du Blut im Stuhl zusammen mit einem deutlich schlechten Allgemeinzustand bemerkst.

3. Wenn der Durchfall anhält: Weiterer Arztbesuch

Das Symptom Durchfall verschwindet, sobald die Ursache verschwunden ist. Das heisst bei einer Infektion: Ist der Erreger ausgeschieden, stellt sich der Darm nach und nach wieder um. Viele Infektionen bessern sich innerhalb weniger Tage deutlich.

Wenn der Durchfall aber nicht abklingt oder immer wiederkehrt, ist es sinnvoll, nochmals zur Ärzt:in zu gehen. Dann muss abgeklärt werden, ob eine andere Ursache als eine akute Infektion vorliegt. Möglich sind zum Beispiel eine Nahrungsmittel-Allergie oder – bei starken, zunehmenden Schmerzen, die vom Nabel in den rechten Unterbauch wandern – eine Blinddarmentzündung. Auch Medikamente wie Antibiotika können Durchfall auslösen.

4. Durchfall: Diät halten

Trotz Durchfall haben Kinder oft Hunger. Solange der Durchfall anhält, kann leichte, gut verträgliche Kost helfen. Du kannst zum Beispiel folgende Nahrungsmittel anbieten: Karotten, geriebenen Apfel, Bananen, Reis, Kartoffeln und Kartoffelstock ohne Butter, Zwieback und Salzstangen.

Nachdem der Durchfall überstanden ist, wird dein Kind rasch wieder normal essen wollen. Das ist in aller Regel problemlos möglich. Nur allzu fettiges Essen wie Pommes und Pizza sollte zunächst tabu sein.

FAQ: Häufige Fragen von Eltern

Wie lange ist Durchfall bei Kindern «normal»?

Bei einem typischen Magen-Darm-Infekt bessert sich der Durchfall oft innerhalb weniger Tage. Wenn es länger dauert, sehr häufig ist oder dein Kind insgesamt abbaut, ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.

Wann darf mein Kind wieder in die Kita/Schule?

Das hängt vom Allgemeinzustand und den Regeln der Betreuungseinrichtung ab. Praktisch bewährt: Dein Kind sollte sich wieder ausreichend fit fühlen, normal trinken können und keinen wässrigen Durchfall mehr haben. Bei sehr ansteckenden Erregern kann es zusätzliche Empfehlungen geben – frag bei Unsicherheit deine Kinderärzt:in oder die Einrichtung.

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