Gesundheit > KinderkrankheitenErbrechen beim Kind: So hilfst du deinem Kind, wenn ihm übel ist Sigrid Schulze Kreideweiss im Gesicht, das Kind wirkt elend: Ihm ist schlecht, es muss sich übergeben. Erbrechen beim Kind kann viele Ursachen haben – von harmlos bis dringend abklärungsbedürftig. Du kannst viel dazu beitragen, dass es deinem Kind rasch besser geht, und gleichzeitig gut einschätzen, wann ärztliche Hilfe nötig ist. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Magenberuhigende Tees helfen gegen Erbrechen beim Kind. Foto: grinvalds, iStock, Thinkstock Max ist schlecht. «Hoffentlich schläft er schnell ein», denken die Eltern. «Morgen früh ist die Übelkeit dann vielleicht überwunden.» Tatsächlich dämmert Max bald weg. Doch schon nach einer Stunde wacht das Kind wieder auf. Jetzt ist ihm noch mehr übel. Max muss erbrechen. Schnellcheck: Wann ist Erbrechen zu Hause ok – und wann brauchst du sofort Hilfe? Grün: Du kannst meist zu Hause beobachten Ein- bis wenige Male Erbrechen, das Kind ist zwischendurch wach und reagiert normal. Kein oder nur leichtes Fieber, keine starken Schmerzen. Es kann immer wieder kleine Mengen trinken (auch wenn es dazwischen nochmals erbricht). Gelb: Heute noch Kinderärzt:in/Notfallpraxis kontaktieren Erbrechen mit Durchfall und/oder Fieber, besonders wenn dein Kind sehr jung ist oder schnell schlapp wirkt. Dein Kind kann kaum Flüssigkeit bei sich behalten oder weigert sich konsequent zu trinken. Deutliche Zeichen von Austrocknung (siehe Checkliste unten). Starke Bauchschmerzen, wiederkehrendes Erbrechen über viele Stunden oder zunehmende Beschwerden. Rot: Sofort medizinische Hilfe (Notruf 144 in der Schweiz) Grünes Erbrechen (galliges Erbrechen) oder Blut im Erbrochenen. Sehr starke oder anhaltende Bauchschmerzen, harter Bauch oder Schmerz, der vor allem rechts unten stärker wird. Erbrechen nach Sturz/Unfall oder mit starkem Kopfweh, ungewöhnlicher Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Nackensteife. Dein Kind wirkt apathisch, kaum ansprechbar, oder du hast das Gefühl, «etwas stimmt nicht». Erbrechen beim Kind: Ein kühles Tuch auf der Stirn Übelkeit fühlt sich richtig mies an. Viele Kinder bekommen Angst, weil sie die Kontrolle verlieren oder sich schämen. Hilfreich ist, wenn du ruhig bleibst und vermittelst: «Ich bin da, und wir schaffen das zusammen.» Oft geht es Kindern bereits etwas besser, sobald der Magen leer ist. Eine grosse Schüssel, die Erbrochenes auffangen kann, sollte in Reichweite bereit stehen. Kleinen Kindern gelingt es nicht immer, zielsicher in die Schüssel zu spucken. Sinnvoll ist es deshalb, rund um die Schüssel sicherheitshalber ein paar Handtücher auszulegen, die im Zweifelsfall das Erbrochene auffangen. Oft fühlen sich Kinder, denen es schlecht ist, richtig schlapp. Dann brauchen sie beim Aufsetzen ein wenig Halt. Manche Kinder sind auch froh, wenn du ihnen beim Spucken den Kopf stützt. «Wenn sich dein Kind gerade erbrochen hat, kann ein kühles Tuch auf der Stirn die Übelkeit und das Schwindelgefühl verringern», erklärt die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). «Gegen den üblen Geschmack im Mund hilft das Ausspülen mit Wasser oder Tee». Erste Hilfe zu Hause 1) Trinken trotz Erbrechen: kleine Mengen, häufig Das Wichtigste ist, einen Flüssigkeits- und Salzverlust zu vermeiden. Gerade nach Erbrechen ist der Magen oft «gereizt» – grosse Schlucke können sofort wieder zurückkommen. In vielen Fällen klappt es besser, wenn du nach 10–15 Minuten Pause mit sehr kleinen Mengen startest und diese regelmässig wiederholst. Prinzip: lieber teelöffelweise oder in kleinen Schlucken alle paar Minuten als ein grosses Glas auf einmal. Geeignet: Wasser, ungesüsster Tee (z.B. Fenchel oder Kamille). Bei Verdacht auf Magen-Darm-Infekt sind orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke besonders sinnvoll, weil sie die passenden Elektrolyte enthalten. Stillkinder: weiter stillen, eher häufiger und dafür kürzer, wenn nötig. Flasche/Säuglingsmilch: Wenn dein Baby erbricht, kann eine ärztliche oder beratende Einschätzung sinnvoll sein. In vielen Fällen wird zunächst eine vorsichtige Flüssigkeitsgabe empfohlen; ob und wie stark verdünnt werden soll, klärst du am besten mit Kinderärzt:in oder Mütter- und Väterberatung, besonders bei Säuglingen. Wichtig: Auch wenn dein Kind nach kleinen Mengen nochmals erbricht, zählt jeder Schluck. Ziel ist, dass über die Zeit genug Flüssigkeit «drin bleibt». 2) Dehydration-Check: Woran du Austrocknung erkennst Austrocknung kann bei Kindern schneller gefährlich werden als bei Erwachsenen. Typische Warnzeichen sind unter anderem trockener Mund, blasse Haut und ungewöhnliche Schläfrigkeit. Achte zusätzlich auf: Wenig Urin: deutlich weniger nasse Windeln oder seltene Toilettengänge. Keine/kaum Tränen beim Weinen. Trockene Lippen/Zunge, eingesunkene Augen. Teilnahmslosigkeit, starke Müdigkeit, «schlaff» wirkender Körper. 3) Essen: Wann wieder starten und was gut verträglich ist Wenn dein Kind wieder Appetit signalisiert, darf es langsam anfangen. Zwinge es nicht zum Essen – Trinken ist wichtiger. Gut verträglich sind kleine Portionen, z.B. gekochter Reis, Zwieback, Kartoffeln, Banane oder milde Suppen. Fettiges, sehr Süsses und stark Gewürztes lässt du anfangs lieber weg. Wenn dein Kind nach dem ersten Essen wieder übel wird, gehst du einfach einen Schritt zurück: Pause, dann erneut kleine Schlucke. Mögliche Ursachen: Was steckt häufig dahinter? Magen verdorben oder «zu viel des Guten» Hat dein Kind am Tag besonders viele Süssigkeiten genascht? Dann ist sein Magen vielleicht so übersäuert, dass ihm schlecht geworden ist. Oder hat es etwas gegessen, was schlecht bekömmlich ist, vielleicht sogar verdorben war? Magen-Darm-Infekt (Viren/Bakterien) Häufig steckt eine Magen-Darm-Infektion dahinter. Typisch sind Erbrechen und Durchfall, manchmal auch Bauchkrämpfe und Fieber. «Häufigste Ursache des Durchfalls ist eine Entzündungsreaktion des Darms auf eine Infektion», erklärt der Schweizerische Samariterbund. In dieser Situation ist Trinken besonders wichtig, idealerweise mit einer Elektrolyt-Lösung. Quälen auch Husten, Schnupfen und Fieber das Kind, liegt wahrscheinlich ein grippaler Infekt zugrunde. Manche Kinder erbrechen bei Infekten auch ohne klassische Magen-Darm-Symptome, z.B. durch starken Hustenreiz oder Fieber. Reisekrankheit im Auto Manchen Kindern wird beim Autofahren schlecht. Schuld daran ist eine Überlastung des Gehirns, das die unterschiedlichen Informationen, die es von den Augen und den Gleichgewichtsorganen erhält, nicht koordinieren kann. Besser ergeht es dem Kind, wenn es zum Beispiel vom mittleren Sitz der Rückbank aus freien Blick nach draussen, vor allem nach vorn, hat. Spiele wie «Ich sehe was, was du nicht siehst» motivieren, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Ist deinem Kind bereits übel, sollte es einen bestimmten Punkt ausserhalb des Autos fixieren, bis der nächste Parkplatz angefahren ist und es frische Luft tanken kann. Eine Reisetablette aus der Apotheke kann der Übelkeit und dem Erbrechen vorbeugen. Darüber hinaus ist es wichtig, möglichst ausgeglichen zu fahren, das heisst, massvoll Gas zu geben und möglichst sanft zu bremsen. Erbrechen nach Sturz: Warnzeichen für Gehirnerschütterung Erbrechen nach einem Sturz kann auf eine Gehirnerschütterung hinweisen. Zu den weiteren charakteristischen Symptomen gehören laut Ostschweizer Kinderspital St. Gallen kurze Bewusstlosigkeit unmittelbar nach dem Ereignis, Erinnerungsverlust, leichte psychische Veränderungen, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen. «Im Zusammenhang mit der Kopfverletzung können sich im Verlauf schwerwiegende Zustände wie Hirnschwellungen oder Blutungen zeigen, welche rasch erkannt und behandelt werden müssen», betont das Spital. Dies sei meist in den ersten 24 Stunden der Fall. «Deshalb sollte dein Kind für 24 Stunden überwacht werden, auch wenn bei der Notfalluntersuchung keine wesentlichen Hirn- oder Schädelverletzungen festgestellt worden sind.» Erbrechen beim Kind: In diesem Fall solltest du eine Ärzt:in aufsuchen Bei bestimmten Symptomen oder Umständen solltest du mit deinem Kind unverzüglich die kinderärztliche Praxis aufsuchen: Wenn dein Kind erbricht und gleichzeitig Fieber und/oder Durchfall hat. Wenn dein Kind noch ein sehr junger Säugling ist und auch nach vier Stunden noch wiederholt erbricht. Wenn es dir nicht gelingt, dein Kind zum Trinken zu bewegen. Wenn es sich nach einem Sturz oder Unfall übergibt. Wenn gleichzeitig starke Bauchschmerzen vorliegen. Wenn dein Kind auffällig teilnahmslos und ruhig wirkt. Ansteckung in der Familie vermeiden Bei Magen-Darm-Infekten sind die Erreger oft hoch ansteckend. Gut zu wissen: Viren und Bakterien werden sehr häufig über die Hände weitergegeben. Regelmässiges Händewaschen (vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Wickeln und nach Kontakt mit Erbrochenem) ist eine der wirksamsten Massnahmen. Oberflächen, die mit Erbrochenem in Kontakt gekommen sind, solltest du gründlich reinigen. Weitere Erkrankungen, die abgeklärt werden sollten «Erbricht ein Säugling innerhalb der ersten drei Lebensmonate kurz nach der Mahlzeit im Schwall und gedeiht nicht richtig, liegt nicht selten eine Verengung des Magenausganges vor», darauf weisen die Kinder- und Jugendärzte im Netz hin. Erbrechen zusammen mit hohem Fieber kann auch auf eine Blinddarmentzündung hindeuten. Besonders ernst zu nehmen sind zudem grünes Erbrechen, Blut im Erbrochenen oder Erbrechen mit starker Benommenheit – hier solltest du sofort medizinische Hilfe holen. Wenn es wieder besser geht … Hat dein Kind wieder Appetit, starte mit kleinen, milden Portionen und mach Pausen dazwischen. Leicht bekömmlich sind gekochter Reis, trockener Zwieback und Salzstangen. Sobald es wieder stabil trinkt und der Kreislauf gut ist, darf es schrittweise zu seiner normalen Ernährung zurückkehren. FAQ: Häufige Fragen von Eltern Soll ich mein Kind «nüchtern lassen»? Wenn deinem Kind übel ist, ist eine kurze Esspause ok. Wichtig ist aber, dass es regelmässig trinkt – am besten in kleinen Mengen. Sobald Appetit da ist, sind leichte Speisen sinnvoll. Ist Cola mit Salzstangen eine gute Idee? Das gilt heute als veraltet: Cola enthält viel Zucker und kann die Beschwerden bei manchen Kindern eher verstärken. Besser sind Wasser/Tee und bei Magen-Darm-Infekt eine orale Rehydratationslösung aus der Apotheke. Was bedeutet grünes Erbrechen? Grünes (galliges) Erbrechen kann ein Warnzeichen für eine ernsthafte Störung im Magen-Darm-Trakt sein. Das solltest du sofort abklären lassen (Notruf 144 oder direkte Notfallabklärung).