Gesundheit > KinderkrankheitenWas bei Erkältung hilft Sigrid Schulze Wenn der Hals kratzt und die Nase läuft, stellt sich schnell die Frage: Was hilft am besten gegen Erkältung? Hier findest du evidenzorientierte Hausrezepte, sinnvolle Medikamente und klare Hinweise, wann du ärztliche Hilfe brauchst – für Babys, Kinder und Erwachsene. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Gute Arzneien helfen die Erkältung erträglich zu machen. Bild: Stockbyte-Thinkstock Und schon wieder läuft die Nase, kratzt der Hals, schmerzen die Glieder: Eine Erkältung (grippaler Infekt) ist unangenehm, aber meist harmlos. Wichtig zu wissen: Die meisten Erkältungen werden durch Viren ausgelöst. Du kannst die Dauer in der Regel nicht «wegmedizieren» – aber du kannst Symptome deutlich lindern und Komplikationen vorbeugen. Genau darum geht es in diesem Artikel. Erkältung oder etwas anderes? Kurzer Selbst-Check Eltern fragen sich oft: Ist das «nur» eine Erkältung oder etwas, das rasch abgeklärt werden sollte (z.B. Influenza, COVID-19, RSV, bakterielle Infektion)? Eine grobe Orientierung: Typische Erkältung: schleichender Beginn, Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, leichtes bis mässiges Fieber, insgesamt noch recht guter Allgemeinzustand. Grippe (Influenza) wahrscheinlicher: sehr plötzlicher Beginn, hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Bei Babys und kleinen Kindern: weniger «klassische» Beschwerden möglich; Warnzeichen sind hier besonders wichtig (siehe unten). Wenn du unsicher bist oder dein Kind sehr krank wirkt, gilt: lieber früh mit der Kinderärzt:in sprechen. Typischer Verlauf: Was ist normal (Tage 1–10)? Eine Erkältung verläuft oft in Wellen: In den ersten Tagen dominieren Kratzen im Hals und Schnupfen, danach Husten. Gerade der Husten kann länger anhalten, obwohl das Kind sonst wieder fit wirkt. Das ist häufig normal, solange es insgesamt besser wird und keine Warnzeichen dazukommen. Wichtig: Eine Erkältung kann sich auch «obendrauf» komplizieren (z.B. Mittelohrentzündung, Sinusitis, Lungenentzündung). Darum ist der Blick auf Warnzeichen so zentral. Wann du ärztliche Hilfe brauchst: Warnzeichen Hol dir medizinische Abklärung, wenn eines davon zutrifft: Babys unter 3 Monaten mit Fieber oder deutlich reduziertem Trinkverhalten. Atemnot, schnelles oder angestrengtes Atmen, Einziehungen zwischen den Rippen, bläuliche Lippen, pfeifende Atmung. Sehr schlechter Allgemeinzustand: ungewöhnliche Schläfrigkeit, Apathie, starke Reizbarkeit, dein Kind wirkt «nicht wie sonst». Brustschmerzen, anhaltender starker Ohrenschmerz, Nackensteifigkeit, wiederholtes Erbrechen oder Zeichen von Austrocknung (sehr wenig Urin, trockene Schleimhäute, keine Tränen). Hohes Fieber oder Fieber, das länger anhält bzw. nach kurzer Besserung wieder ansteigt. Keine Besserung nach etwa einer Woche oder klarer Verlauf «bergab». Auch im Original gilt: «Wenn sich eine Erkältung nach einer Woche nicht bessert, hohes Fieber hinzukommt oder der Patient einen apathischen Eindruck macht, solltest du die Ärzt:in aufsuchen», dazu rät Dr. med. Ursula Keicher in ihrem Ratgeber «Kinderkrankheiten. Schnell erkennen – gezielt behandeln». «Er wird feststellen, ob sich Zweiterkrankungen entwickelt haben.» Für Kinder in der Schweiz gilt zusätzlich: Wenn du das Gefühl hast, es könnte ein Notfall sein (insbesondere bei Atemnot), zögere nicht, sofort Hilfe zu holen. Feuchtigkeit schützt Schleimhäute effektiv vor Keimen Feuchte Schleimhäute sind eine wichtige natürliche Schutzbarriere. Deshalb lohnt sich ein Blick auf das Raumklima: Zu trockene Luft kann Nase und Rachen zusätzlich reizen. Du kannst zum Beispiel nasse Handtücher über die Heizung hängen oder die Wäsche in der Wohnung trocknen. Auch ein Verdunster an der Heizung kann für ein angenehmes Raumklima sorgen. Viel trinken hilft ebenfalls: Flüssigkeit hält die Schleimhäute «in Bewegung» und kann zähen Schleim verflüssigen. Für erkältete Babys ist es sinnvoll, häufiger zu stillen oder häufiger Fläschchen anzubieten. Kleinkindern und älteren Kindern kannst du regelmässig Leitungswasser oder Tee anbieten. Hühnersuppe ist mehr als ein Wohlfühlklassiker: Sie liefert Flüssigkeit, Salz und Energie – und viele Familien essen sie auch dann, wenn sonst wenig Appetit da ist. Der grösste Nutzen ist praktisch: warm, gut verträglich, hydrierend. So kochen Sie eine feine Hühnersuppe: familienleben.ch Die Scheimhäute der Atemwege lassen sich auch mit Hilfe der Kapland-Pelargonie stärken, eher bekannt unter dem Namen Umckaloabo. Sie überzieht die Schleimhäute mit einer Art Schutzfilm. Die in Südwest-Afrika heimische Pflanze trainiert zudem das Immunsystem. Besonders in der Kinderheilkunde erfreut sich Umckaloabo aufgrund der guten Wirksamkeit und Verträglichkeit grosser Beliebtheit. Wenn du ihre Heilkräfte zu Beginn einer Erkältung nutzt, kannst du sie manchmal noch bremsen, bevor sie sich richtig ausbreitet. Was Eltern oft unterschätzen: Schlaf, Ruhe und «krank sein dürfen» Gerade Kinder möchten schnell wieder spielen oder in die Kita. Sinnvoller ist: ein paar Tage bewusst Tempo rausnehmen. Ruhe hilft dem Körper, Energie ins Immunsystem zu stecken. Für Eltern entlastet es oft schon, den Fokus zu wechseln: nicht «sofort wieder gesund», sondern «gut durch die nächsten Tage kommen». Mit Homöopathie gegen Erkältungen Viele Eltern wünschen sich sanfte Mittel. Gleichzeitig ist wichtig, die Erwartungen realistisch zu halten: Für Homöopathie gibt es nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keinen belastbaren Nachweis, dass sie Erkältungen über einen Placeboeffekt hinaus verkürzt oder zuverlässig lindert. Wenn du Homöopathie dennoch nutzen möchtest, achte darauf, dass du dadurch keine wirksamen Massnahmen (z.B. ausreichendes Trinken, Salzlösung für die Nase, sinnvolle fiebersenkende Behandlung bei Bedarf) ersetzt und Warnzeichen nicht übersiehst. Wichtig: Während sich schulmedizinische Arzneien und bewährte Hausmittel oft gut kombinieren lassen, können sie die Wirkung homöopathischer Mittel beeinträchtigen. Wer bei einer Erkältung zunächst auf die Homöopathie setzt, sollte deshalb den Homöopathen oder Apotheker fragen, ob sich die Behandlung mit anderen Rezepten verträgt. «Solltest du in einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung sein, meide bitte: Inhalationen, Bäder, Einreibungen mit Eukalyptus, Menthol und Pfefferminze, sie üben zu starke Reize aus», warnt zum Beispiel die Homöopathin Beatrice Stutz-Lämmli aus Adligenswil. Zu den Akut-Mitteln aus der Apotheke gehören: Nux-Vomica D12: ein Allroundmittel bei Erkältungen Gelsemium D12: bei leichter Grippe, Benommenheit und Zittrigkeit Echinacea D2: zur Stärkung des Immunsystems bei fieberhaften Erkältungen Wer häufig erkältet ist, kann in einer homöopathischen Praxis eine Konstitutionsbehandlung zur Stärkung der Abwehrkräfte machen. Mehr zur homöopathischen Behandlung von Kindern: familienleben.ch Es gibt viele Hausmittel um der Erkältung den Garaus zu machen. Bild: iStockphoto-Thinkstock So wird die Nase frei Eine zugeschwollene Nase nervt jung und alt – sie stört beim Trinken, Essen und Schlafen. Bei Kindern kann eine verstopfte Nase ausserdem das Risiko für Ohrenschmerzen erhöhen, weil das Mittelohr schlechter belüftet wird. Erste Wahl: Salzlösung und sanfte Pflege Für Babys und Kinder ist isotone Salzlösung (Nasen-Tropfen oder -Spray) meist die beste Basis: Sie befeuchtet, hilft beim Lösen von Sekret und ist bei korrekter Anwendung gut verträglich. Bei Babys kannst du danach Sekret sehr vorsichtig entfernen (z.B. mit einer geeigneten Nasensauger-Lösung nach Anleitung), ohne die Schleimhaut zu reizen. Abschwellende Nasentropfen und -sprays: kurz und korrekt Nasentropfen und -sprays bewirken, dass sich die Adern in der Schleimhaut zusammenziehen. Dadurch wird die Schleimhaut dünner und der Platz in der Nase für Atemluft grösser. Wichtig ist, beim Gebrauch genau auf Dosierung und Altersfreigabe zu achten. Verwende für Kinder ausschliesslich Präparate, die ausdrücklich für das jeweilige Alter zugelassen sind, und nutze sie nur so kurz wie nötig. Denn bei längerem Gebrauch kann die Nasenschleimhaut geschädigt werden und es kann ein Gewöhnungseffekt entstehen. Nebenwirkungsfreie Nasentropen lassen sich selbst herstellen. Das brauchen Sie: ¼ Liter Wasser ½ Esslöffel Kochsalz So geht es: Zunächst kochst du das Wasser auf und lässt es so lange abkühlen, bis es nur noch lauwarm ist. Nun fügst du das Kochsalz zu und rührst es um, bis es sich aufgelöst hat. Mit einer Pipette, in der Apotheke erhältlich, lässt sich die Lösung in die Nase träufeln. Die Nasentropfen sollten alle zwei Tage neu hergestellt werden. Wichtig für die Sicherheit: Achte sehr genau auf sauberes Arbeiten (sauberes Gefäss, saubere Pipette). Bei Babys und Kindern sind Fertigpräparate aus der Apotheke oft praktischer, weil sie hygienisch und korrekt dosierbar sind. Was gegen Husten hilft Husten kann lästig sein – und ist gleichzeitig eine Schutzfunktion: Der Körper versucht, Schleim zu lösen. Hilfreich ist, zwischen trockenem Reizhusten und verschleimtem Husten zu unterscheiden. Viele Kinder husten vor allem nachts stärker, weil Schleim im Liegen schlechter abfliesst. Was du zu Hause tun kannst Trinken anbieten: regelmässige kleine Mengen sind oft leichter als «viel auf einmal». Zimmer nicht überheizen und für angenehme Luftfeuchtigkeit sorgen. Oberkörper leicht hochlagern (bei grösseren Kindern und Erwachsenen), damit Sekret besser abfliesst. Honig kann bei Kindern ab 1 Jahr Reizhusten lindern. Honig ist für Kinder unter 12 Monaten nicht geeignet (Risiko für Säuglingsbotulismus). Die Bronchien sind entzündet? Husten kann unangenehm sein – jedenfalls dann, wenn man oft und vergeblich husten muss. Hustenlöser lassen sich selbst herstellen: Das brauchen Sie: 1-2 Zwiebeln 2 Esslöffel Zucker Glas mit Schraubverschluss So geht es: Zuerst die Zwiebeln schälen, würfeln und in ein sauberes Glas mit Schraubverschluss legen. Zucker darüber streuen, Glas verschliessen und schütteln. Der Zwiebelsirup bildet sich nach etwa zwei Stunden. Er schmeckt selbst Kindern besser, als die Zusammenstellung vermuten lässt! Wichtig: Zwiebelsirup ist ein traditionelles Hausmittel, aber die Wirksamkeit ist nicht so gut belegt wie z.B. Honig bei Kindern ab 1 Jahr. Wenn dein Kind sehr klein ist, wenig trinkt oder empfindlich reagiert, setze lieber auf Salzlösung, Flüssigkeit und Ruhe. Medikamente bei Husten: worauf du achten solltest Auch die Ärzt:in kann schleimlösende Medikamente verschreiben. Wurde der Husten von Bakterien verursacht, hält sie es möglicherweise für sinnvoll, Antibiotika zu verschreiben. Gleichzeitig gilt: Bei Erkältungen sind Antibiotika in den meisten Fällen nicht sinnvoll, weil Viren die Ursache sind. Nach dem Abendessen sollte auf Hustenlöser verzichtet werden, damit ständiges Husten nicht beim Einschlafen stört. Wadenwickel senken Fieber Fieber zeigt, dass das Abwehrsystem auf Hochtouren läuft. Es ist nicht automatisch «schlecht». Entscheidend ist, wie es deinem Kind dabei geht: Trinkt es, ist es ansprechbar, erholt es sich zwischendurch? Dann darf Fieber oft auch eine Weile beobachtet werden. Im Original steht: «Weil höheres Fieber gesundheitsschädlich sein kann, sollte es ab 39 Grad C gesenkt werden.» Praktisch hat sich bewährt: Nicht nur die Zahl, sondern vor allem der Zustand zählt. Wenn dein Kind leidet, nicht schlafen kann oder kaum trinkt, kann Fiebersenken sinnvoll sein. Wadenwickel sind ein effektives Mittel, die Körpertemperatur zu senken. Marion Risler, Wickelfachfrau, empfiehlt die Wadenwickel nicht mit kaltem Wasser zu machen, sondern mit Wasser, welches ca. 5 Grad kälter ist als die aktuelle Körpertemperatur des Patienten. Eine Anleitung dafür finden Sie hier: familienleben.ch Wichtig für Wadenwickel: Sie sind nicht geeignet, wenn dein Kind kalte Hände und Füsse hat, stark friert oder sehr schlapp wirkt. Dann lieber Wärme, Ruhe, Trinken und ärztlichen Rat. Manche Kinder wehren sich gegen die kalten Wadenwickel. Eine einfachere Lösung stellen in diesen Fällen Paracetamol-Fieberzäpfchen dar. Wichtig ist es auch hier, sich an die empfohlene Dosierung zu halten. Aufgrund des geringen Körpergewichts kann eine zu hohe Dosis bei Kindern schnell zu lebensbedrohlichen Leberproblemen führen. «Auf Nummer sicher geht, wer sich von seinem Kinder- und Jugendarzt die Menge und die Verabreichungsform empfehlen lässt», so Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. «Über mehrere Tage sollten Kinder das Präparat auf keinen Fall ohne ärztliche Überwachung einnehmen, denn eine Paracetamol-Vergiftung kommt schleichend.» FAQ: Häufige Fragen von Eltern Hilft Luftbefeuchtung wirklich? Sie kann Symptome wie trockenen Reizhusten oder gereizte Nasenschleimhäute lindern. Entscheidend ist, dass die Luft nicht zu trocken ist und dass Geräte hygienisch sauber gehalten werden, damit sich keine Keime vermehren. Wann darf mein Kind wieder in die Kita oder Schule? Wenn es fieberfrei ist, wieder genug trinkt/isst, sich erholt wirkt und den Alltag schafft. Ein leichter Resthusten oder Schnupfen kann länger bleiben. Bei Unsicherheit hilft ein kurzer Check mit der Kinderärzt:in. Was ist bei mehreren Kindern zu Hause sinnvoll? Priorisiere das, was wirklich hilft: Trinken, Schlaf, Salzlösung für die Nase, Ruhe und gute Handhygiene. Du musst nicht alles gleichzeitig machen. Oft ist «weniger, aber konsequent» die beste Strategie.