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Gesundheit > Kinderkrankheiten

Erste Hilfe bei Nasenbluten

Nasenbluten ist häufig unangenehm, aber gerade bei Kindern in den meisten Fällen harmlos. Wichtig ist, dass du ruhig bleibst und die Blutung mit den richtigen Handgriffen stoppst. Gleichzeitig gibt es Warnzeichen, bei denen du ärztliche Hilfe holen solltest. Hier findest du eine sichere Schritt-für-Schritt-Anleitung für zu Hause in der Schweiz – plus Hinweise zu Ursachen, Vorbeugung und Notfallkriterien.

So leisten Sie erste Hilfe bei Nasenbluten.
Bei Kindern ist das Nasenbluten meist leicht zu stillen. Bild: PeopleImages, Getty Images

Nasenbluten entsteht bei Kindern oft im vorderen Nasenbereich: Dort verlaufen viele feine Blutgefässe direkt unter der Schleimhaut. Trockene Luft, kleine Reizungen oder ein Infekt reichen manchmal schon. Entscheidend ist: Mit konsequentem Druck an der richtigen Stelle hört die Blutung meist innerhalb weniger Minuten auf. Es ist wichtig, den Kopf nach vorne zu neigen und die Nase für mehrere Minuten durchgehend zu drücken, ohne zwischendurch zu kontrollieren.

Sofortmassnahmen: Nasenbluten sicher stoppen 

Wenn Blut aus der Nase läuft, wirkt es oft dramatischer, als es medizinisch ist. Diese Schritte helfen in den meisten Situationen zuverlässig:

3-Schritte-Plan bei Nasenbluten

  • Hinsetzen und nach vorne beugen: Oberkörper leicht nach vorne, Mund offen lassen, Blut ausspucken (nicht schlucken).
  • Nasenflügel fest zusammendrücken: Mit Daumen und Zeigefinger den weichen Teil der Nase (Nasenflügel, unterhalb des Nasenbeins) durchgehend 10 Minuten zusammendrücken. Nicht zwischendurch nachschauen.
  • Danach vorsichtig prüfen: Erst nach 10 Minuten loslassen. Wenn es noch blutet: nochmals 10 Minuten durchgehend drücken.

So drückst du richtig

Wichtig ist die Stelle: Drücke den weichen Teil der Nase zusammen, nicht den knöchernen Nasenrücken. Das Kind kann dabei normal durch den Mund atmen. Wenn möglich, lass es ruhig sitzen (nicht herumrennen), denn Bewegung und Aufregung können die Blutung verstärken.

Kühlen: Was bringt es wirklich?

Ein kühles Tuch auf Stirn oder Nacken empfinden viele Kinder als angenehm. Entscheidend für das Stoppen der Blutung ist aber vor allem der konsequente Druck auf die Nasenflügel. Kühlen kann als Zusatz helfen, ersetzt das Drücken jedoch nicht. Wenn du Eis verwendest, lege es nie direkt auf die Haut, sondern wickle es in Stoff.

Was du nicht tun solltest 

  • Kopf nicht nach hinten legen: Sonst läuft Blut in den Rachen, wird geschluckt und kann Übelkeit oder Erbrechen auslösen. 
  • Nicht ständig kontrollieren: Kurzes Loslassen nach 1–2 Minuten löst den frisch gebildeten Blutpfropf wieder und verlängert die Blutung.
  • Keine Wattetamponade ohne Anleitung: Wattestückchen können an der Schleimhaut festkleben und beim Entfernen erneut bluten. Wenn überhaupt, dann nur nach klarer ärztlicher Anweisung.
  • Nicht kräftig schnäuzen: Auch nicht direkt nachdem es aufgehört hat.

Wann du ärztliche Hilfe brauchst 

Auch wenn Nasenbluten meist harmlos ist: Es gibt Situationen, in denen du medizinisch abklären lassen solltest, was dahintersteckt oder in denen eine rasche Versorgung wichtig ist.

Sofort medizinische Hilfe holen

Rufe in der Schweiz den Notruf 144, wenn eines dieser Zeichen dazukommt:

  • starke Blutung, die das Kind sichtbar schwächt, oder deutliche Kreislaufprobleme (Blässe, Schwindel, Wegtreten)
  • Blutung nach einem Unfall mit Verdacht auf Kopf- oder Nasenverletzung (z.B. Sturz, Schlag), besonders wenn das Kind benommen wirkt, erbricht oder starke Kopfschmerzen hat
  • Blut kommt stark aus beiden Nasenlöchern und/oder läuft in den Rachen, obwohl das Kind nach vorne gebeugt ist
  • das Kind hat bekannte schwere Gerinnungsstörungen und die Blutung ist nicht rasch kontrollierbar

Heute noch ärztlich abklären lassen

  • die Blutung hält länger als 20 Minuten an, obwohl du zweimal korrekt je 10 Minuten gedrückt hast
  • Nasenbluten tritt wiederholt auf (z.B. mehrmals pro Woche) ohne klaren Auslöser
  • das Kind nimmt blutverdünnende Medikamente oder hat eine bekannte Blutgerinnungsstörung
  • zusätzlich gibt es viele blaue Flecken, häufiges Zahnfleischbluten oder sehr starke Blutungen bei kleinen Verletzungen

Warum Nasenbluten passiert: häufige Ursachen bei Kindern

Meist liegt die Blutungsquelle vorne in der Nase, wo die Schleimhaut empfindlich ist. Typische, eher harmlose Auslöser sind:

  • trockene Luft (Winter, geheizte Innenräume), dadurch rissige Schleimhaut
  • Infekte wie Erkältung, gereizte Schleimhaut und häufiges Schnäuzen
  • Nasebohren oder Reiben (bei Kindern sehr häufig, oft unbewusst)
  • kleine Verletzungen (Ball, Sturz, Zusammenstoss)

In der Pubertät kann Nasenbluten ebenfalls gehäuft auftreten, unter anderem weil Schleimhäute empfindlicher reagieren und der Kreislauf sich in Wachstumsphasen umstellt. Wiederholtes Nasenbluten sollte trotzdem kritisch eingeordnet werden – nicht, um Angst zu machen, sondern damit eine behandelbare Ursache (z.B. ausgeprägte Schleimhauttrockenheit oder selten eine Gerinnungsstörung) nicht übersehen wird.

Wenn Nasenbluten ein Symptom sein kann

Nasenbluten ist selten ein Hinweis auf eine ernste Erkrankung, aber möglich. Abklärungsbedürftig wird es besonders, wenn es häufig, lang anhaltend oder untypisch stark ist. Dann schauen Ärzt:innen unter anderem nach:

  • ausgeprägter Schleimhautschädigung (z.B. durch häufiges Schnäuzen, Kratzen, trockene Luft)
  • Blutdruckproblemen (bei Jugendlichen und Erwachsenen relevanter als bei kleinen Kindern)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Blutverdünner)
  • selten: Gerinnungsstörungen oder andere internistische Ursachen

Wichtig: Wenn ein Verdacht auf eine ernsthafte Ursache besteht oder wenn Nasenbluten immer wiederkehrt, ist eine Abklärung in der kinderärztlichen Praxis oder bei einer HNO-Ärzt:in sinnvoll.

Besondere Vorsicht: Von-Willebrand-Syndrom

Das Von-Willebrand-Syndrom ist eine häufige angeborene Blutgerinnungsstörung. Sie kann sich im Alltag durch wiederkehrendes Nasenbluten, auffällig viele blaue Flecken oder längere Blutungen nach kleinen Verletzungen zeigen. 

Wenn eine Gerinnungsstörung bekannt ist, lass dir in der Praxis erklären, welche Erste-Hilfe-Schritte für dein Kind gelten, welche Medikamente im Notfall hilfreich sein können und ab wann du sofort in den Notfall sollst. So gewinnst du Sicherheit – und dein Kind auch.

Nach der Blutung: So beugst du erneutes Nasenbluten vor

Wenn die Blutung gestoppt hat, bleibt die Schleimhaut für einige Stunden empfindlich. Das reduziert das Risiko eines erneuten Blutens:

  • 12–24 Stunden schonen: kein heftiges Schnäuzen, nicht bohren, nicht stark pressen
  • Schleimhaut feucht halten: regelmässig lüften, auf angenehme Luftfeuchtigkeit achten; bei trockener Nase kann eine fetthaltige Nasenpflege sinnvoll sein – am besten nach Empfehlung aus der Apotheke oder durch eine Ärzt:in, besonders bei kleinen Kindern
  • Trigger reduzieren: Nägel kurz halten, bei Allergien oder Infekten die Nase möglichst sanft reinigen

Wenn Nasenbluten in eurer Familie häufig vorkommt oder dein Kind sehr oft betroffen ist, lohnt sich eine kurze Besprechung in der kinderärztlichen Praxis: Oft reichen kleine Anpassungen im Alltag und gezielte Schleimhautpflege, um die Häufigkeit deutlich zu senken.

Erste-Hilfe-Massnahmen bei Nasenbluten

  • Setze dich hin und beuge den Oberkörper nach vorne, damit das Blut aus der Nase laufen kann. Lege den Kopf nicht nach hinten, sonst läuft Blut in den Rachen.
  • Drücke die Nasenflügel (weicher Teil der Nase) mit Daumen und Zeigefinger 10 Minuten durchgehend zusammen. Schaue in dieser Zeit nicht nach.
  • Wenn es nach 10 Minuten noch blutet, drücke nochmals 10 Minuten durchgehend.
  • Kühle bei Bedarf Stirn oder Nacken mit einem kalten Tuch oder einem Eisbeutel. Lege Eis nie direkt auf die Haut. Wickle es in einen Stoff ein.
  • Wenn du einen Schutzhandschuh hast, kannst du ihn anziehen. So schützt du dich vor möglichen übertragbaren Krankheiten.

Achtung: Hole ärztliche Hilfe, wenn die Blutung nach insgesamt 20 Minuten korrekt ausgeübtem Druck nicht stoppt, wenn dein Kind nach einem Sturz oder Schlag auf Kopf/Nase blutet oder wenn Kreislaufprobleme auftreten. In der Schweiz gilt im Notfall: 144.

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