Gesundheit > KinderkrankheitenGürtelrose hat eine Geschichte - und die heisst «Windpocken» Sigrid Schulze Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine mögliche Spätfolge einer früheren Windpocken-Infektion: Das Virus bleibt nach den Windpocken im Körper und kann Jahre oder Jahrzehnte später wieder aktiv werden. Dann entzünden sich Nerven und die Entzündung greift auf die Haut über – typisch sind einseitige Schmerzen und Bläschen. Wichtig ist, dass du bei Verdacht früh ärztlich abklären lässt, weil eine antivirale Therapie in bestimmten Situationen möglichst früh wirken kann und Komplikationen (wie lange anhaltende Nervenschmerzen) seltener werden. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Zunächst juckt es, dann wird's schmerzhaft: Die Gürtelrose ist eine ernstzunehmende Krankheit. Foto: Xanya69, iStock / Getty Images Plus Direkt zu: Ursache: Windpocken-Virus Auch Kinder sind betroffen Symptome der Gürtelrose Folgen der Erkrankung Behandlung der juckenden Bläschen Ansteckungsgefahr Vorbeugung durch Impfung Gürtelrose hat eine Geschichte – und die heisst Windpocken (Varizellen). Unter Windpocken können sich die meisten etwas vorstellen: ein Hautausschlag mit roten Pusteln, die sich zu juckenden Bläschen entwickeln. Wichtig zu wissen: Windpocken und Gürtelrose werden vom gleichen Virus ausgelöst (Varizella-Zoster-Virus, VZV) – aber sie zeigen sich in unterschiedlichen Lebensphasen. Windpocken sind hochansteckend und können – besonders bei Jugendlichen, Erwachsenen, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem – auch schwer verlaufen. Zu den möglichen Komplikationen gehören bakterielle Hautinfektionen, Lungenentzündungen sowie Hirn- und Hirnhautentzündungen. Wenn du Windpocken einmal durchgemacht hast, bekommst du sie in der Regel nicht ein zweites Mal – das Virus bleibt aber im Körper und kann später als Gürtelrose wieder auftreten. Das Risiko steigt mit dem Alter und bei Immunschwäche. Ursache: Windpocken-Virus Eine Ursache des Herpes Zoster ist der Varizella-Zoster-Virus. Selbst wenn die Windpocken abgeheilt sind, bleibt der Varizella-Zoster-Virus, das die Varizellen ausgelöst hat, im Körper. Es schlummert in Nervenknoten nahe der Wirbelsäule oder im Bereich bestimmter Hirnnerven. Kommt es später zu einer Reaktivierung, wandert das Virus entlang eines Nerven zur Haut: Dort entstehen Entzündung, Schmerzen und der typische Ausschlag. Eine Reaktivierung tritt laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor allem im höheren Alter und bei Immunschwäche auf. Typische Auslöser können starke Belastung, schwere Erkrankungen oder Medikamente sein, die das Immunsystem dämpfen – häufig lässt sich aber kein klarer Anlass finden. Der typische gürtelartige Ausschlag mit kleinen juckenden Bläschen. Bild: franciscodiazpagador, iStock, Thinkstock. Auch Kinder sind betroffen Auch Kinder können Gürtelrose bekommen. Bei ihnen ist der Verlauf oft milder als bei älteren Erwachsenen, aber: Auch bei Kindern ist es sinnvoll, früh hinzuschauen – besonders, wenn der Ausschlag im Gesicht liegt, starke Schmerzen auftreten oder dein Kind chronisch krank ist. Häufig beginnt es mit einer Überempfindlichkeit an einer bestimmten Hautstelle (Berührung tut weh oder kitzelt unangenehm). Danach entstehen kleine Bläschen, meist eng beieinander. Zusätzlich sind Fieber, Abgeschlagenheit oder Lymphknotenschwellungen möglich. Bei Kindern unter zehn Jahren zeigt sich der Ausschlag oft am Brustkorb, bei älteren Kindern eher auch am Kopf. Ein intensiver Juckreiz ist möglich. Viele Kinder bleiben jedoch von den starken Nervenschmerzen verschont, die bei Erwachsenen häufiger sind. Trotzdem gilt: Wenn die Beschwerden zunehmen oder dein Kind sehr leidet, lass es ärztlich beurteilen – nicht zuletzt, um Ansteckung im Umfeld (z.B. für ungeimpfte Kinder) besser einzuschätzen. Symptome des Herpes Zoster Gürtelrose ist eine Entzündung, die von den Nervenknoten auf die Haut übergreift. Häufig startet sie nicht «sofort mit Bläschen», sondern mit unspezifischen Beschwerden: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, manchmal Fieber – und vor allem mit einem auffälligen Gefühl in einem begrenzten Hautareal (Kribbeln, Brennen, stechender Schmerz oder Überempfindlichkeit). Viele Eltern beschreiben es so: «Schon das T-Shirt tut weh». Nach ein paar Tagen rötet und schwillt die Haut an. Dann entsteht ein band- oder gürtelförmiger Ausschlag mit kleinen Knötchen, aus denen Bläschen werden. Der Ausschlag tritt typischerweise nur auf einer Körperhälfte auf, oft am Rumpf/Brustkorb. Wenn die Bläschen nach einigen Tagen eintrocknen, bilden sich gelbliche Krusten. Bis alles vollständig abgeheilt ist, vergehen oft mehrere Wochen. Wenn Bläschen im Gesicht auftreten – besonders an Stirn, Nase oder rund ums Auge – ist das ein Warnsignal: Das kann auf eine Beteiligung von Augenstrukturen hinweisen und sollte noch am gleichen Tag ärztlich beurteilt werden. Die Erkrankung kann Folgen haben Aufgekratzte Bläschen können Narben hinterlassen. Möglich sind auch eine länger anhaltende Überempfindlichkeit der Haut und spätere Pigmentstörungen. Breitet sich das Virus im Gesicht aus, kann es – je nach betroffenen Nerven – zu Problemen mit dem Gehör oder zu Lähmungen kommen. Besonders belastend: Manche Betroffene haben weiterhin Schmerzen, obwohl der Ausschlag bereits verschwunden ist. Bei geschwächtem Immunsystem kann Gürtelrose schwerer verlaufen; dann steigt auch das Risiko für Organbeteiligungen (z.B. Lunge) oder eine Hirnhautentzündung. Wenn Monate nach der Erkrankung starke, brennende oder einschiessende Schmerzen bestehen bleiben, kann das eine Post-Zoster-Neuralgie sein – also anhaltende Nervenschmerzen nach Gürtelrose. Das ist behandelbar, aber oft nicht mit «Hausmitteln» zu lösen. Dann ist eine ärztliche Behandlung wichtig, je nach Situation auch bei einer Neurolog:in oder Schmerzexpert:in. Ansteckung im Alltag: Was bedeutet das für die Familie? Viele Eltern fragen sich: «Muss ich jetzt alle isolieren?» Die gute Nachricht: Gürtelrose verbreitet sich nicht so leicht wie Windpocken. Entscheidend ist, wie der Kontakt zustande kommt. Ansteckend ist vor allem die Flüssigkeit aus den Bläschen. Wer noch nie Windpocken hatte und nicht gegen Varizellen geimpft ist, kann sich durch Kontakt mit dem Bläscheninhalt mit Varizellen (Windpocken) anstecken – nicht mit «Gürtelrose». Sobald alle Bläschen verkrustet sind, ist die Ansteckungsgefahr in der Regel vorbei. Praktisch hilft im Familienalltag vor allem Folgendes: Bläschen möglichst abdecken (lockere Kleidung, sterile Abdeckung nach ärztlicher Empfehlung), häufiges Händewaschen (vor allem nach Eincremen oder Verbandswechsel), eigene Handtücher/Wäsche verwenden und direkten Hautkontakt der Bläschen mit anderen vermeiden. Kratzen erhöht nicht nur das Risiko für Narben, sondern auch für bakterielle Zusatzinfektionen – kurze Nägel und ggf. dünne Baumwollhandschuhe nachts können bei Kindern helfen. Wenn in deinem Haushalt eine schwangere Person lebt oder ein Neugeborenes da ist, lohnt sich eine rasche telefonische Rücksprache mit Ärzt:in oder Hebamme – nicht aus Panik, sondern um das individuelle Risiko einzuordnen (z.B. ob eine Immunität gegen Varizellen besteht). Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem (z.B. nach Transplantation, unter Chemotherapie oder gewissen Immuntherapien) gilt ebenfalls: möglichst früh medizinisch beraten lassen. So behandelst du die juckenden Bläschen und Schmerzen am besten Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad, betroffener Körperregion und individuellen Risiken. Ärzt:innen entscheiden, ob eine antivirale Therapie sinnvoll ist (Medikamente, die die Virusvermehrung hemmen). Diese wirkt am besten, wenn sie früh nach Krankheitsbeginn gestartet wird – deshalb ist eine zeitnahe Abklärung wichtig, besonders bei starken Schmerzen, grossflächigem Ausschlag, Immunschwäche oder bei Befall im Gesicht. Gegen Schmerzen und Fieber gibt es wirksame Medikamente – du musst da nicht «durchhalten». Bei Kindern gehört die Dosierung in ärztliche Hände. Ergänzend kannst du die Hautpflege unterstützen: kühlende, juckreizstillende Lotionen oder Gele (nach Empfehlung der Apotheke/Ärzt:in), vorsichtiges Reinigen und luftige Kleidung. Vermeide aggressive Hausmittel, Alkohol auf der Haut oder stark parfümierte Produkte – das kann zusätzlich reizen. Vorbeugung durch Impfung: Was gilt in der Schweiz? Im Alltag ist die wichtigste Prävention, Windpocken zu verhindern – denn ohne Varizellen-Infektion kann später auch keine «klassische» Gürtelrose durch Reaktivierung entstehen. In der Schweiz ist die Varizellen-Impfung Teil der Impfempfehlungen des BAG (Schweizerischer Impfplan) und schützt zuverlässig vor Windpocken und damit auch vor vielen indirekten Folgen. Wenn du unsicher bist, ob du selbst Windpocken hattest oder ob dein Kind geschützt ist: Deine Kinderärzt:in oder Hausärzt:in kann das anhand des Impfbüchleins und der Vorgeschichte einschätzen. Zusätzlich gibt es eine Impfung speziell gegen Gürtelrose. Diese richtet sich in der Schweiz vor allem an ältere Erwachsene und bestimmte Risikogruppen. Ob sie für dich (oder für Grosseltern im Umfeld deines Kindes) empfohlen ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen und Immunsituation ab und sollte ärztlich besprochen werden. Auch wenn Impfungen sehr gut schützen, gibt es keinen «100%-Schutz» – die Impfung senkt aber das Risiko für Erkrankung und vor allem für Komplikationen deutlich. Service: Wann du sofort ärztlich abklären lassen solltest Du solltest rasch (bei Bedarf noch am gleichen Tag) ärztlich abklären lassen, wenn: der Ausschlag im Gesicht ist (insbesondere an Nase, Stirn, rund ums Auge), starke oder zunehmende Schmerzen auftreten, Fieber hoch ist oder der Allgemeinzustand deutlich beeinträchtigt ist, dein Kind sehr klein ist oder eine chronische Erkrankung/Immunschwäche hat, du selbst immununterdrückende Medikamente einnimmst, oder wenn eine schwangere Person oder ein Neugeborenes im Haushalt lebt und unklar ist, ob ein Varizellen-Schutz besteht.