Gesundheit > KinderkrankheitenDas sind die besten Hausmittel gegen Husten, Schnupfen und Erkältung Angela Zimmerling Hatschi! Dein Kind hat eine Erkältung? Viele Beschwerden lassen sich zu Hause gut lindern – oft reichen Ruhe, Flüssigkeit und ein paar sichere Hausmittel. Wichtig ist dabei: Nicht alles, was «traditionell» ist, ist auch für Kinder geeignet. Hier findest du alltagstaugliche Tipps, eine klare Einordnung (wie gut belegt und wie sicher etwas ist) und Warnzeichen, wann du ärztlichen Rat brauchst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Bei einer Erkältung sind Hausmittel eine gute Hilfe, um die Beschwerden zu lindern. Bild: GettyImages Plus, Nadezhda1906 Erkältungen gehören im Familienalltag dazu – vor allem bei Kindern, die viel in Kontakt mit anderen sind. Meist sind Erkältungen viral und klingen von selbst ab. Hausmittel können Symptome wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen spürbar erleichtern, aber sie «heilen» die Erkältung nicht. Erst prüfen: Ist es eher eine harmlose Erkältung? Typischer Verlauf Eine Erkältung startet oft mit Halskratzen, Müdigkeit oder leichtem Frösteln, danach kommen Schnupfen und Husten dazu. Fieber kann auftreten, muss aber nicht. Gerade bei Kindern ist es häufig so, dass die Nase zuerst läuft und der Husten vor allem nachts stört. Vieles ist unangenehm, aber nicht gefährlich – solange dein Kind insgesamt einen stabilen Eindruck macht, trinkt und ausreichend wach und ansprechbar ist. Warnzeichen: Dann bitte ärztlich abklären Hausmittel haben klare Grenzen. Lass dein Kind ärztlich beurteilen (Kinderärzt:in oder Notfall), wenn eines davon zutrifft: Atemprobleme: Atemnot, pfeifende Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen, bläuliche Lippen oder wenn dein Kind sichtbar «kämpft» beim Atmen. Sehr krankes Gesamtbild: ungewöhnliche Schläfrigkeit, schwer weckbar, auffällig apathisch oder stark gereizt. Trinken klappt nicht: deutliche Trinkverweigerung, Zeichen von Austrocknung (wenig nasse Windeln/seltenes Wasserlassen, trockener Mund, keine Tränen). Fieber: sehr hohes Fieber, Fieber über mehrere Tage oder Fieber bei sehr jungen Babys (bei Säuglingen besonders früh abklären). Die BZgA empfiehlt, bei Unsicherheit und kleinen Kindern lieber früher ärztlich nachzufragen. Starke Ohrenschmerzen, Nackenschmerzen, auffälliger Hautausschlag, anhaltendes Erbrechen oder wenn sich der Zustand nach kurzer Besserung wieder deutlich verschlechtert. Was bei Erkältung immer hilft ! Diese Basics sind oft wirksamer als einzelne «Spezial-Hausmittel»: Ruhe hilft: Plane ruhige Tage ein, reduziere Termine, sorge für Schlaf und Pausen. Flüssigkeit hilft: Wasser, ungesüsster Tee oder Bouillon – je nachdem, was dein Kind gut trinkt. Ziel ist nicht «extra viel», sondern ausreichend, damit Schleimhäute feucht bleiben und dein Kind gut hydriert ist. Luft hilft: Regelmässig lüften, Schlafzimmer eher kühl (nicht überheizt). Trockene Luft kann Husten reizen. Sanftes Fiebermanagement: Fieber ist eine normale Abwehrreaktion. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht (trinkt es, wirkt es stabil?). Bei hohem Leidensdruck oder Schmerzen: ärztlich empfohlene fiebersenkende Mittel können sinnvoll sein – Hausmittel ersetzen das nicht. Diese Hausmittel helfen bei ... ... Husten Evidenz-Check: Bei Husten sind vor allem einfache Massnahmen (Trinken, Ruhe, feuchte Schleimhäute, nachts Oberkörper leicht erhöht) gut verträglich. Für einige Hausmittel ist die Studienlage gemischt, und bei kleinen Kindern gelten klare Sicherheitsregeln. Honig bei Husten (ab 1 Jahr) Evidenz-Label: gut belegt (für Symptomlinderung), aber Altersgrenze wichtig. Honig kann Hustenreiz am Abend lindern und den Schlaf verbessern – das zeigen mehrere klinische Untersuchungen. Gib Honig nie an Kinder unter 12 Monaten (Risiko für Säuglingsbotulismus). Für Kinder ab 1 Jahr kann ein halber bis ein Teelöffel Honig pur oder in lauwarmem (nicht heissem) Tee am Abend hilfreich sein. Kartoffelumschlag Evidenz-Label: eher unklar, aber oft gut verträglich – Achtung Verbrennungsgefahr. Das wird benötigt: 3-4 heisse gekochte Kartoffeln, ein altes Tuch, ein Handtuch So geht es: Die noch heissen gekochten Kartoffeln mit einer Gabel auf einem alten Tuch leicht zerdrücken. Die Kartoffeln im Tuch einwickeln und ein Handtuch herum wickeln. Vorsichtig das warme (nicht heisse) Tuch mit den Kartoffeln auf die freigelegte obere Brust legen. Teste die Temperatur immer zuerst an deinem Unterarm. Sollte es zu heiss sein, ein weiteres Handtuch unterlegen. Anschliessend warm mit Decken zudecken und eine halbe Stunde wirken lassen, bei Bedarf wiederholen. Tipp: Wenn die Kartoffeln auskühlen, können sie erneut erwärmt werden. Achte dabei besonders auf gleichmässige Wärme, damit es nicht zu heissen Stellen kommt. Zwiebelsaft als Hustensirup Evidenz-Label: eher unklar. Das wird benötigt 1 Zwiebel, 2 Teelöffel Honig (nur ab 1 Jahr) oder alternativ Zucker, 1 Teelöffel Zucker, 1 Tasse mit Untertasse So geht es: Die Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Abwechselnd Zwiebelwürfel und Honig und Zucker in eine Tasse füllen. Die Tasse auf den Kopf auf die Untertasse stellen. Zwei Stunden abwarten. Dann bildet sich ein Saft auf der Untertasse, der getrunken werden kann. Wichtig: Bei sehr kleinen Kindern ist das wegen Honig nicht geeignet. Zudem ist unklar, wie stark der Effekt ist. Wenn es deinem Kind hilft und es gut verträgt, spricht bei Kindern ab 1 Jahr meist nichts dagegen – solange du auf Hygiene achtest und es nicht als Ersatz für nötige medizinische Abklärung siehst. ... Schnupfen Evidenz-Check: Für Kochsalzlösungen gibt es gute fachliche Empfehlungen, weil sie Schleim lösen und die Nasenatmung erleichtern. Das ist besonders wichtig bei Babys, die noch nicht gut durch den Mund ausweichen können. Salzwasser Evidenz-Label: gut verträglich, Wirkung eher unterstützend. Das wird benötigt: 1 Prise Salz, Wasser So geht es: Eine Prise Salz im lauwarmen Wasser auflösen. Die Salzlösung zum Gurgeln nehmen, nicht trinken. Hinweis: Das eignet sich vor allem für ältere Kinder, die sicher gurgeln können. Für kleine Kinder ist das Gurgeln ungeeignet (Verschluckrisiko). Salzlösungen Evidenz-Label: gut verträglich und in Leitlinien häufig empfohlen. Das wird benötigt: 1 Prise Salz, Wasser, Pipette So geht es: Das Salz in lauwarmem Wasser auflösen. Mit einer Pipette das Wasser aufsaugen und einige Tropfen in die Nase geben. «Salzlösungen haben einen leicht abschwellenden Effekt und lösen vor allem zähen Schleim. Die Anwendung ist bedenkenlos und auch nicht eingeschränkt», meint Renato Kaiser, promovierter Apotheker, in einem Interview mit der Internetplattform Swissmom.ch. Praktisch für Eltern: Für Babys und Kleinkinder sind fertige sterile Kochsalz-Nasentropfen aus der Apotheke oft einfacher und hygienischer als selbst gemischte Lösungen. Wichtig ist vor allem die regelmässige Anwendung, besonders vor dem Stillen/Fläschchen und vor dem Schlafen. Speck- oder Quarkwickel Evidenz-Label: eher unklar; kann angenehm sein, aber nicht zwingend wirksam. Das wird benötigt: Speck oder Quark, Tuch, Schal So geht es: Den Speck in Scheiben schneiden und in ein Tuch legen. Das Tuch um den Hals legen. Zusätzlich einen Schal um das Tuch wickeln. Statt des Specks können Sie auch Quark auf ein Tuch streichen und mit einem Schal um den Hals wickeln. Am besten ist es ,wenn du die Wickel über Nacht einwirken lässt. Wichtig: Achte darauf, dass dein Kind nicht friert und der Wickel nicht zu kalt ist. Bei Hautreizungen, Unwohlsein oder wenn dein Kind es nicht mag: abbrechen. Bei sehr kleinen Kindern sind Wickel am Hals oft unpraktisch (Strangulations- oder Verrutschrisiko) – dann lieber auf sichere Basics wie Kochsalz, Trinken und Ruhe setzen. ... Fieber Evidenz-Check: Kühlende Massnahmen können unterstützen, wenn dein Kind warm und unwohl ist. Sie ersetzen aber keine Abklärung, wenn Warnzeichen vorliegen. Laut BZgA zählt nicht nur die Zahl am Thermometer, sondern auch der Allgemeinzustand des Kindes. Wadenwickel Evidenz-Label: kann unterstützend sein, wenn richtig angewendet. Das wird benötigt: Mehrere Handtücher, Wasser So geht es: Einige Handtücher als Unterlage auf das Bett legen. Weitere Tücher in kühles Wasser tauchen, leicht auswringen und um die Waden des Kindes wickeln. Marion Risler, Wickelfachfrau, empfiehlt die Wadenwickel nicht mit kaltem Wasser zu machen, sondern mit Wasser, welches ca. 5 Grad kälter ist als die aktuelle Körpertemperatur des Patienten. Ein trockenes Handtuch über die nassen Wickel legen. Den Vorgang bis zu 3 Mal wiederholen, bis die Temperatur ein wenig nach unten gegangen ist. Statt die Wickel um die Waden zu legen, kann auch ein feuchtes Tuch auf die Stirn aufgelegt werden. Wichtig: Wadenwickel sind nicht geeignet, wenn dein Kind friert, kalte Füsse hat oder Schüttelfrost. Dann wärmen statt kühlen. Beende die Anwendung, wenn dein Kind sich unwohl fühlt. Essigsocken Evidenz-Label: eher unklar; bei empfindlicher Haut mögliches Reizrisiko. Das wird benötigt: Lange Wollsocken, Essig, Wasser, Handtücher So geht es: Die Wollsocken in kaltes Essigwasser tauchen und auswringen. Dem Kind die Socken bis über die Waden ziehen und mit Handtüchern umwickeln. Hinweis: Essig kann die Haut reizen. Wenn du es ausprobieren möchtest, verwende eine milde Mischung, achte auf Hautreaktionen und brich bei Rötung, Brennen oder Unwohlsein ab. Für viele Familien sind lauwarme Wadenwickel (ohne Essig) die sanftere Alternative. Sicherheits-Check für Eltern: Was lieber lassen Ätherische Öle bei Babys und Kleinkindern: Einige ätherische Öle (z.B. Menthol/Eukalyptus) können bei kleinen Kindern problematisch sein und Atembeschwerden auslösen. Nutze solche Produkte nur altersgerecht und im Zweifel nach Rücksprache mit Ärzt:in oder Apotheker:in. Inhalieren mit heissem Wasser: Heisswasser-Inhalationen sind bei Kindern wegen Verbrühungsgefahr eine häufige Unfallquelle. Wenn Inhalation empfohlen wird, dann am ehesten mit einem dafür vorgesehenen Gerät und unter Aufsicht. Alkoholreibungen: Nicht empfohlen, da Alkohol über die Haut aufgenommen werden kann und bei Kindern riskant ist. FAQ: Häufige Fragen im Alltag Honig: Ab wann ist er sicher? Erst ab 12 Monaten. Für Säuglinge ist Honig tabu (Säuglingsbotulismus-Risiko). Für Kinder ab 1 Jahr kann Honig bei Husten am Abend helfen. Wie lange darf Husten nach einer Erkältung dauern? Ein Reizhusten kann länger nachklingen. Wenn Husten jedoch deutlich schlimmer wird, dein Kind Atemprobleme hat, starke Schmerzen bekommt oder der Husten über längere Zeit anhält und euch im Alltag stark belastet, lass es ärztlich abklären. Laut BZgA kann sich eine Erkältung insgesamt über ein bis zwei Wochen ziehen, einzelne Symptome wie Husten können länger bestehen. Was hilft nachts bei Husten am schnellsten? Oft hilft eine Kombination: etwas trinken, die Nase mit Kochsalz befreien, Schlafzimmer lüften und den Oberkörper leicht erhöht lagern. Bei Kindern ab 1 Jahr kann Honig vor dem Schlafen zusätzlich beruhigen.