Zum Inhalt
Gesundheit > Kinderkrankheiten

Hausmittel vom Grosi: Diese Tipps helfen bei kleinen Wehwehchen – und wann dein Kind zur Ärztin gehört

Ob Halsschmerzen, Blähungen, Schürfungen oder Ohrenweh: Nicht jede Beschwerde braucht gleich ein Medikament. Viele Tipps vom Grosi lindern kleine Wehwehchen tatsächlich. Andere sind überholt, und einzelne gehören bei Kindern gar nicht angewendet. Wir haben die zehn bekanntesten geprüft und sagen bei jedem, was hilft, was du besser bleiben lässt und wann dein Kind in die Praxis gehört.

Oma kümmert sich mit Hausmitteln um kranke Enkelin
Vieles vom Grosi hilft. Manches ist überholt. © Getty Images / SDI Productions

Gegen kleine Wehwehchen wie Husten, Halsschmerzen, Blähungen oder gereizte Augen braucht es nicht immer ein Medikament aus der Apotheke. Vieles davon geht von allein vorbei, und ein Hausmittel macht die Zeit bis dahin erträglicher. Genau darin liegt sein Nutzen: Es lindert die Beschwerden, heilen tut es nicht.

Bei Kindern gilt das mit einer Einschränkung. Ihre Haut ist dünner, ihre Schleimhäute sind empfindlicher, und kleine Kinder können nicht sagen, wann etwas schlimmer wird. Manches, was Erwachsenen nichts ausmacht, ist für einen Säugling ungeeignet. Honig gehört dazu, ätherische Öle ebenfalls. Wir schreiben deshalb dazu, wo ein Tipp eine Altersgrenze hat und wo er an seine Grenzen kommt.

Wann Hausmittel nicht mehr genügen

Ein Hausmittel überbrückt die Zeit, es ersetzt keine Abklärung. Melde dich in der Kinderarztpraxis, wenn eines dieser Zeichen dazukommt:

  • Das Auge ist gerötet, verklebt oder schmerzt. Eine Bindehautentzündung verläuft meist harmlos, sollte bei Verdacht aber ärztlich angeschaut werden [2]. Hat ein Baby verklebte Augen, ruf direkt an [3].
  • Ohrenschmerzen lassen sich mit einem Schmerzmittel nicht stillen, dem Kind geht es trotz Schmerzmittel schlecht, es erbricht ständig, klagt über Kopfschmerzen oder hat eine Schwellung rund ums Ohr [4].
  • Eine Wunde klafft, ist tief oder verschmutzt, liegt im Gesicht oder stammt von einem Biss [5].
  • Eine Wunde wird nach einigen Tagen wieder rot, geschwollen und schmerzhaft, oder das Kind bekommt Fieber [5].
  • Ein Insektenstich schwillt stärker an als die Handfläche des Kindes, ein roter Strich zieht Richtung Herz, oder der Stich sitzt im Mund [6].
  • Der Tetanusschutz ist unklar oder die letzte Auffrischimpfung liegt mehr als fünf Jahre zurück [5].

Zehn Hausmittel, die schon unserem Grosi geholfen haben

1 Gereizte Augen: Was ins Auge darf und was nicht

Gerötete, brennende Augen kennt jeder. Zugluft, ein langer Bildschirmtag oder ein Infekt können dahinterstecken, und auch Babys und Kinder leiden unter tränenden Augen.

Das alte Grosi-Rezept lautete: zwei Esslöffel Salz in einem Glas warmem Wasser auflösen und davon einen Tropfen in den inneren Augenwinkel geben. Davon raten wir ab. Eine so angerührte Lösung ist weder steril noch richtig konzentriert, und unsaubere Flüssigkeiten am Auge können selbst Erreger einschleppen [2]. Willst du reinigen, nimm sterile physiologische Kochsalzlösung aus der Apotheke. Verwende für jedes Auge einen frischen Tupfer und wische von aussen zur Nase hin [3].

Wichtiger als das Reinigen ist der Gang zur Ärztin. Eine Bindehautentzündung verläuft zwar meist harmlos, kann aber Komplikationen machen, und bei Verdacht gehört sie angeschaut. Bei Kindern stecken häufiger Bakterien dahinter als bei Erwachsenen, und dann helfen antibiotische Tropfen oder Salben, die es nur auf Rezept gibt [2].

2 Die Luft muss raus: Bauchmassage gegen Blähungen

Wenn sich Luft im Verdauungstrakt staut, quält das den Bauch. Vor allem Babys und Kleinkinder leiden darunter. Typische Zeichen sind plötzliches, schrilles Aufschreien ohne Hunger- oder Müdigkeitssignal, viel Windabgang, angezogene Beine und ein geblähter Bauch [3].

Hilfe kommt aus der elterlichen Hand. Massiere den Bauch sanft im Uhrzeigersinn. Auch Beckenkreisen mit angewinkelten Beinen, das Tragen im Tragetuch und ein warmer Bauchwickel tun gut. Wärmflaschen und Kirschkernkissen gehören dagegen nicht auf einen Babybauch, weil sie Verbrennungen verursachen können [3].

Kräftig kneten solltest du nicht. Der ältere Rat, die Luft regelrecht herauszukneten, hält sich hartnäckig, geht aber am Ziel vorbei, denn sanfter und gleichmässiger Druck genügt. Schreiphasen am Abend sind übrigens oft kein Bauchweh, sondern ein Zeichen von Überreizung oder Müdigkeit [3]. Wie du Bauchweh von anderen Ursachen unterscheidest, steht im Ratgeber Bauchschmerzen beim Baby erkennen und lindern.

3 Aufgeschürfte Knie: Kühlen ja, Teebeutel nein

Aufgeschürfte Knie sind bei Kindern keine Seltenheit. Der alte Tipp: einen Kamillenteebeutel ziehen lassen, zehn Minuten ins Eisfach legen und damit die wunde Stelle abtupfen. Die Kälte lindert den Schmerz tatsächlich. Der gebrauchte Teebeutel gehört trotzdem nicht auf die offene Stelle, denn er ist nicht steril.

Kühle stattdessen mit einem sauberen, kalten Tuch neben der Wunde. Die Schürfung selbst ist oberflächlich: Sie zu desinfizieren genügt, dazu bei Bedarf ein Pflasterverband [5]. Eine Kräuterauflage braucht sie nicht.

Behalte die Stelle ein paar Tage im Blick. Wird sie wieder rot, geschwollen und schmerzhaft, oder bekommt dein Kind Fieber, deutet das auf eine Wundinfektion hin [5]. Prüfe ausserdem den Impfschutz: Liegt die letzte Tetanusimpfung mehr als fünf Jahre zurück, sollte innerhalb von 24 Stunden aufgefrischt werden [5].

4 Ein süsses Schmiermittel gegen Heiserkeit

Wer sich eine Erkältung einfängt, verliert oft die Stimme. Gegen das Kratzen im Hals hilft ein selbst gemachter Sirup. Vermenge 200 ml Holundersaft mit 300 ml Honig und erwärme beides in einem Topf. Die Flüssigkeit darf dabei nicht kochen. Nimm sie vom Herd, sobald sie zu dampfen beginnt, und fülle sie in eine verschliessbare Flasche.

Lass stündlich einen Teelöffel auf der Zunge zergehen. Honig und Holunder legen sich beruhigend auf die gereizten Stimmbänder. Weil der Sirup sehr süss ist, gehören danach die Zähne geputzt.

Nicht für Babys: Kinder unter zwölf Monaten dürfen keinen Honig bekommen. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, die im Darm eines Säuglings auskeimen und dort Gift bilden. Das Bundesamt für Gesundheit rät deshalb ausdrücklich davon ab, die Nahrung von Säuglingen bis zwölf Monate mit Honig zu süssen [1]. Ab dem ersten Geburtstag spricht nichts gegen den Sirup.

5 Hausmittel gegen Husten: Sirup selber machen oder inhalieren

Dieser Sirup lindert den Hustenreiz

Du brauchst etwa 50 g getrockneten oder frischen Thymian, den Saft von zwei Zitronen, vier Esslöffel Honig und einen viertel Liter Wasser. Gib die Thymianblätter mit dem Wasser in einen Topf und lass alles 20 Minuten köcheln. Nimm den Topf vom Herd, lass ihn abgedeckt abkühlen und seihe die Flüssigkeit durch ein Mulltuch oder einen Kaffeefilter ab. Rühre Honig und Zitronensaft darunter und stell den Sirup kühl.

Nimm dreimal täglich oder bei Bedarf einen Teelöffel davon. Thymian enthält ätherische Öle und wird traditionell bei festsitzendem Husten eingesetzt. Auch dieser Sirup enthält Honig und ist damit für Kinder unter zwölf Monaten tabu [1].

Heisse Dämpfe als schnelle Hilfe gegen Reizhusten

Das zweite Hausmittel gegen Husten ist eine Lösung zum Inhalieren. Die heissen Dämpfe lösen festsitzenden Schleim und sorgen bei Schnupfen für eine freiere Nase. Giess einen gehäuften Löffel Kamillenblüten mit einem Liter kochendem Wasser auf und atme die aufsteigenden Dämpfe rund zehn Minuten ein. Halte die Augen dabei geschlossen.

Für kleine Kinder eignet sich das Inhalieren über einer Schüssel nicht. Das kochende Wasser ist zu gefährlich, und Verbrühungen sind der häufigere Schaden als der Nutzen.

6 Ohrenschmerzen: Ein Zwiebelsäckchen kann lindern

Zu einer Erkältung gehören leider oft Ohrenschmerzen. Ein Zwiebelsäckchen kann sie lindern. Würfle eine Zwiebel und erwärme sie kurz im Topf, ohne dass sie kocht oder brät. Gib die Würfel auf ein Baumwolltuch, binde es zu einem Säckchen zusammen und leg es auf das betroffene Ohr. Prüfe die Temperatur vorher am eigenen Handgelenk.

Das Säckchen ersetzt keine Abklärung. Eine Mittelohrentzündung heilt zwar meist von selbst, und im Vordergrund steht eine gute Schmerzbehandlung. Sofort zum Arzt musst du aber, wenn sich die Schmerzen nicht stillen lassen, es deinem Kind trotz Schmerzmittel schlecht geht, es ständig erbricht, über Kopfschmerzen klagt oder rund ums Ohr eine Schwellung auftritt [4].

Läuft Eiter aus dem Ohr, ist das Trommelfell gerissen. Dann wird direkt mit Antibiotika behandelt. Und wenn dein Kind sechs bis acht Wochen nach der Entzündung noch schlecht hört oder reizbar wirkt, gehört es zur Kinderärztin [4]. Woran du eine Mittelohrentzündung erkennst, liest du im Ratgeber Mittelohrentzündung: Wenn die Ohren schmerzen.

7 Halsschmerzen? Dieser Quarkwickel hilft bei Schluckbeschwerden

Wickel sind ein gutes Hausmittel mit grosser Wirkung. Gegen Halsschmerzen hilft ein Wickel mit Quark. Du brauchst Magerquark, den du zehn Minuten vor Gebrauch aus dem Kühlschrank nimmst, ein Vlies oder eine Windeleinlage, ein Halswickelset oder Rohwolle und ein Halstuch. Bei einer Milchallergie nimmst du eine Alternative, zum Beispiel Heilerde oder Zitrone.

So geht es: Streiche den Quark wenige Millimeter dick auf das Vlies. Schlag das Vlies zu einem länglichen Päckchen ein und leg es in die Gazetasche des Halswickels. Binde den Wickel um den Hals und lass ihn etwa 20 Minuten wirken.

Nicht jeder Wickel passt zu jedem Alter. Welcher Wickel wann sinnvoll ist, steht im Ratgeber Wickel selber machen. Und wenn dein Kind kaum noch schlucken kann oder es ihm zusehends schlechter geht, ruf in der Praxis an.

8 Mitesser: Warum Backpulver keine gute Idee ist

Kleine schwarze Punkte auf Nase, Stirn und Kinn sind Mitesser. Entzünden sie sich, entstehen Pickel. Der Grosi-Tipp lautete: ein Päckchen Backpulver mit einem Esslöffel Wasser anrühren, einmal pro Woche in die betroffenen Stellen einmassieren und abspülen.

Diesen Tipp haben wir gestrichen. Backpulver wirkt nicht wie ein enzymatisches Peeling, auch wenn das oft behauptet wird. Es reagiert alkalisch und arbeitet damit gegen den Säureschutzmantel der Haut. Ein Nutzen bei Mitessern ist nicht belegt.

Besser sind warmes Wasser, eine milde Reinigung und etwas Geduld. Halten die Entzündungen an oder bleiben Narben zurück, ist die Hautärztin die richtige Adresse.

9 Schuppen und gereizte Kopfhaut: Eine Spülung mit Thymian

Wenn der Kopf juckt oder zu schuppen beginnt, hat sich unser Grosi früher diese Spülung gebraut. Eine Handvoll frischer Thymianzweige mit 200 ml heissem Wasser aufgiessen und 20 Minuten ziehen lassen. Die abgekühlte Kräuteressenz kommt in eine Sprühflasche und wird regelmässig auf die Kopfhaut gesprüht.

Angenehm ist das allemal, und Feuchtigkeit tut trockener Haut gut. Eine Wirkung gegen Schuppen ist damit allerdings nicht belegt. Bleibt die Kopfhaut gerötet, schuppt sie stark oder bilden sich Krusten, schau in der Praxis vorbei.

10 Moskitozeit? So linderst du den Juckreiz

Ist der Stich einmal da, hilft Kühlung. Eine aufgeschnittene Zwiebel auf dem Stich ist der klassische Grosi-Trick, und kühlend wirkt sie auf jeden Fall. Einfacher und erprobt ist eine juckreizstillende Creme aus der Apotheke [6].

Vom alten Vorbeugetrick raten wir dagegen ab. Er lautete: Bodylotion mit ein paar Tropfen Nelkenöl mischen und grosszügig auf dem ganzen Körper verteilen. Ätherische Öle grossflächig auf Kinderhaut sind kein harmloser Duftstoff. Bei Säuglingen ist selbst mit fertigen Anti-Mückensprays sehr grosse Vorsicht geboten [6]. Der bessere Schutz ist mechanisch: Ein Moskitonetz schützt auch in der Schweiz zuverlässig vor Mückenstichen [6].

Ein Stich, der juckt, ist harmlos. Zum Arzt gehört dein Kind, wenn Rötung und Schwellung grösser werden als seine Handfläche, wenn zwei bis drei Tage später alles wieder rot, geschwollen und schmerzhaft wird, oder wenn ein roter Strich Richtung Herz zieht. Ein Stich im Mund ist ein Notfall [6]. Mehr dazu im Ratgeber Insektenstiche sinnvoll behandeln.

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit BAG: «Was ist Botulismus?», Stand April 2023. bag.admin.ch (PDF) (abgerufen am 19.08.2026)
  2. Universitätsspital Zürich, Augenklinik: «Bindehautentzündung (Konjunktivitis)», zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2026. usz.ch (abgerufen am 19.08.2026)
  3. Universitäts-Kinderspital Zürich, Neonatologie: «Elterninformation zu Säuglingspflege und Entwicklung». kispi.uzh.ch (PDF) (abgerufen am 19.08.2026)
  4. Universitäts-Kinderspital Zürich, Notfallstation: «Mittelohrentzündung. Notfall-Elterninformation». kispi.uzh.ch (PDF) (abgerufen am 19.08.2026)
  5. Universitäts-Kinderspital Zürich, Notfallstation: «Hautverletzungen. Notfall-Elterninformation». kispi.uzh.ch (PDF) (abgerufen am 19.08.2026)
  6. Universitäts-Kinderspital Zürich, Notfallstation: «Insektenstiche. Notfall-Elterninformation». kispi.uzh.ch (PDF) (abgerufen am 19.08.2026)

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren