Gesundheit > KinderkrankheitenWenn Kinder krank sind: Diese Heilkräuter können helfen – und ab welchem Alter Sigrid Schulze Dein Kind leidet unter Durchfall, Halsschmerzen oder einem Sonnenbrand? Nicht immer ist gleich ein Medikament nötig, um leichte Beschwerden zu lindern. Auch Heilkräuter können helfen – wenn du weisst, welches Kraut ab welchem Alter passt und wann Hausmittel nicht mehr genügen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken 1 von 6 Bei Erkältung, Durchfall oder Halsschmerzen können Heilkräuter wie Kamillenblüten (1.v.l.) oder Salbei (2.v.l.) leichte Beschwerden lindern – als traditionelle Hausmittel und nicht als Ersatz für eine ärztliche Abklärung, wenn die Beschwerden anhalten. Foto: vesmil, iStock, Thinkstock «Unser Herrgott hat für jedes Leiden ein Kräutlein wachsen lassen», dieser Satz wird dem Allgäuer Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) zugeschrieben. Jahrtausendelang vertrauten die Menschen der Wirkung von Heilpflanzen, heute setzen die meisten eher auf chemisch hergestellte Medikamente. Beides schliesst sich nicht aus: Kamille, Ringelblume und Co. können bei leichten Beschwerden gute Dienste leisten – als Tee, Salbe oder Öl. Das solltest du vorher wissen Heilkräuter sind traditionelle Hausmittel. Für die meisten Anwendungen bei Kindern gibt es keine ausreichenden Studiendaten – deshalb nennen die Zulassungsbehörden für viele Kräuter Altersgrenzen [1][2][3]. «Keine Daten» heisst nicht «gefährlich», aber es heisst: Ein Kraut ersetzt keine ärztliche Abklärung. · Bei Säuglingen gehört jede Beschwerde zuerst in die Kinderarztpraxis, bevor du etwas anwendest.· Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb einer Woche oder verschlimmern sie sich, gehört das abgeklärt [1][2][3].· Bei Verdacht auf eine Vergiftung hilft Tox Info Suisse rund um die Uhr unter 145 [4]. Gurgeln gegen Halsschmerzen Eine Halsentzündung kann richtig weh tun. Salbei gilt als bewährtes Hausmittel dagegen. Wenn du frische Heilpflanzen auf der Fensterbank hast, pflückst du einige Salbeiblätter und übergiesst sie mit einem halben Liter kochendem Wasser. Alternativ eignet sich ein Teelöffel getrockneter Blätter. Der Tee sollte zehn Minuten ziehen und vor dem Gurgeln abkühlen. Wichtig beim Alter: Gurgeln funktioniert erst, wenn ein Kind die Flüssigkeit sicher im Mund behalten und wieder ausspucken kann – das ist meist ab dem Kindergarten- oder frühen Schulalter der Fall. Jüngere Kinder verschlucken sich dabei. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hält in ihrer Monografie zu Salbeiblättern zudem fest, dass die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren mangels ausreichender Daten nicht belegt ist [1]. Halten die Halsbeschwerden länger als eine Woche an, gehört das ärztlich angeschaut [1]. In Schwangerschaft und Stillzeit wird von Salbeizubereitungen abgeraten, weil dazu Daten fehlen. Manche Kinder mögen den Geschmack von Salbei nicht. Du kannst ihn mit Pfefferminze oder Kamille mischen. Auch ein wenig Honig macht ihn schmackhafter – aber erst ab einem Jahr, davor ist Honig für Säuglinge tabu. Wer nicht gurgeln mag oder kann, ist mit einem Halswickel oft besser bedient. Öl aus Johanniskraut gegen Prellungen und Muskelkater Die gelben Johanniskrautblüten erinnern an die helle Sommersonne. So ist es kein Wunder, dass schon die Germanen die Pflanze als Symbol für die Sonne verehrten. Dein Kind hat sich gestossen, beim Sport einen Muskel gezerrt oder hat schweren Muskelkater? Johanniskrautöl, oft auch Rotöl genannt, ist in Drogerien fertig zu kaufen. Und jetzt die Einschränkung, die in vielen Ratgebern fehlt: Die EMA führt Johanniskraut-Öl zwar als traditionelles Mittel gegen leichte Hautentzündungen und zur Unterstützung der Wundheilung – aber ausdrücklich nicht für Kinder unter 12 Jahren, weil Daten zur sicheren Anwendung fehlen [2]. Als Hautöl für Babys ist es damit nicht die richtige Wahl, auch wenn man das immer wieder liest. Ausserdem gilt: Die behandelten Hautstellen gehören nicht in die pralle Sonne [2]. Wenn sich Zeichen einer Hautinfektion zeigen oder nach einer Woche nichts besser ist, gehört das abgeklärt. Auf einen frischen Sonnenbrand oder eine Verbrennung gehört ohnehin kein Öl: Das Kinderspital Zürich rät ausdrücklich davon ab, Hausmittel wie Mehl, Zahnpasta oder Öl auf Brandwunden zu geben [5]. Was stattdessen hilft, liest du im Beitrag Was wirklich gegen Sonnenbrand hilft. Wer das Öl lieber selber macht, sammelt die Blüten, die sich von Juni bis August am Rande von Gebüschen und Wäldern, an Wegen und Böschungen finden. Stecke die gesammelten Blüten in eine helle Flasche, bis sie locker gefüllt ist, und giesse kaltgepresstes Olivenöl darüber. Wichtig ist, die Flasche gut zu verschliessen. An einem sonnigen, aber nicht heissen Platz lagert die Flasche sechs Wochen lang – dieses Ausziehen im Licht gehört zum Verfahren. Wichtig ist, sie jeden Tag einmal zu schütteln. Nach sechs Wochen lässt sich das Öl absieben und in eine dunkle Glasflasche füllen. Heilpflanzen: Inhalieren mit Kamillenblüten Kopfdampfbäder über einer Schüssel gelten als Klassiker bei verstopfter Nase. Für kleine Kinder sind sie es nicht. Das Kinderspital Zürich führt «Inhalieren mit heissem Wasser» in seinem Ratgeber ausdrücklich als eine der typischen Verbrühungsgefahren für Kinder unter fünf Jahren auf – neben Herdplatten, heissen Getränken und zu heissem Badewasser [5]. Eine umgestossene Schüssel verbrüht in Sekunden grossflächig; solche Verletzungen sind oft tief. Die sichere Variante: Lass in einem kleinen Bad heisses Wasser aus der Dusche laufen und setz dich mit deinem Kind für ein paar Minuten in den warmen Wasserdampf – ohne offenes Gefäss mit heissem Wasser in Reichweite. Bei verstopfter Nase ist ausserdem eine Nasenspülung oder ein Nasenspray mit Kochsalzlösung wirksamer, als Dampf einzuatmen. Mehr dazu findest du unter Erkältung bei Babys. Wenn ein grösseres Kind über einer Schüssel inhalieren möchte, dann nur unter Aufsicht, mit einer grossen, standfesten Schüssel weit weg von der Tischkante, mit heissem statt kochendem Wasser – und nie auf dem Schoss. Ein bis zwei Esslöffel Kamillenblüten reichen. Vorsicht bei Allergien: Kamille und Ringelblume gehören beide zu den Korbblütlern; wer darauf allergisch reagiert, sollte beide meiden [3]. Der Dampf kann zudem die Augen reizen. Heilkräuter-Salbe aus Ringelblumenblüten Ringelblumensalbe ist ein traditionelles Mittel bei leichten Hautentzündungen und kleinen Wunden. Sie wirkt entzündungshemmend und soll die Wundheilung unterstützen. Beim wunden Babypo ist sie allerdings nicht das Mittel der Wahl. Die EMA empfiehlt Ringelblumen-Zubereitungen auf der Haut erst ab sechs Jahren – für jüngere Kinder fehlen die Daten [3]. Und ein wunder Po, der nicht innert weniger Tage abheilt, sich ausbreitet, nässt oder kleine Pusteln am Rand zeigt, ist oft kein einfaches Wundsein mehr, sondern eine behandlungsbedürftige Windeldermatitis oder ein Hefepilz. Das gehört in die Kinderarztpraxis, nicht in die Salbendose. Auch sonst gilt: Zeigen sich Zeichen einer Hautinfektion oder ist nach einer Woche nichts besser, ärztlich abklären lassen. Hautreaktionen auf Ringelblume sind beschrieben [3]. Wer Ringelblumensalbe selbst herstellen möchte, braucht 150 g Schmalz, das in einem Topf bei leichter Hitze schmilzt. Dann gibst du eine Handvoll klein gezupfter Blüten in das Fett. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten verfärbt sich das Fett gelb-orange. Wichtig ist, die leicht köchelnde Masse ständig zu rühren. Das Fett darf nicht zu heiss werden, da die Hitze sonst empfindliche Inhaltsstoffe zerstört. Die Mischung nach etwa einer Stunde durch ein feines Sieb giessen, abkühlen lassen und in eine verschliessbare Dose füllen. Im Kühlschrank bleibt die Salbe mehrere Wochen haltbar. Selbst gerührte Salben sind allerdings nicht keimfrei – auf offene oder nässende Wunden gehören sie nicht. Heilkräuter-Tee aus Brombeerblättern gegen Durchfall Durchfall kann für ein Kind bedrohlich werden, weil sein Körper durch den Flüssigkeits- und Salzverlust rasch austrocknet. Gefährdet sind vor allem Säuglinge [6]. Genau deshalb ist Tee hier nicht das Wichtigste. Was zuerst kommt: Das Universitäts-Kinderspital beider Basel empfiehlt, den Flüssigkeits- und Salzverlust rasch auszugleichen – mit häufigen kleinen Mengen, etwa löffel- oder schluckweise alle fünf bis zehn Minuten, und mit einer Rehydratationslösung aus der Apotheke, die Salze und Zucker im richtigen Verhältnis enthält [6]. Kleinkinder über einem Jahr bekommen rund vier Stunden lang ausschliesslich diese Lösung; Tee oder Wasser kommen erst danach. Bei Säuglingen unter sechs Monaten gehört die Rehydratationslösung nur nach ärztlicher Rücksprache gegeben. Fruchtsäfte und Süssgetränke sind ungeeignet – sie können den Durchfall verstärken. Durchfall: Wann du nicht zuwarten solltest Sofort ärztlich abklären lassen, wenn [6]: · dein Kind die Flüssigkeit verweigert oder sich sein Zustand verschlechtert· es blutig erbricht oder Blut im Stuhl ist Am Folgetag ärztlichen Kontakt aufnehmen, wenn dein Kind ausschliesslich erbricht, ohne Durchfall oder Fieber. Ausführlich haben wir das im Beitrag Durchfall beim Kind beschrieben. Ergänzend – nicht ersatzweise – ist Brombeerblätter-Tee ein altes Hausmittel bei Durchfall. Für einen halben Liter sind zwei Teelöffel getrocknete Brombeerblätter nötig, die mit kochendem Wasser übergossen zehn Minuten ziehen. Wenn der Tee ausreichend abgekühlt ist, sollte er in kleinen Schlucken getrunken werden. Hast du Teeblätter schon einmal selbst getrocknet? Schneide im Sommer Brombeerblätter ab. Brause sie vorsichtig mit kaltem Wasser ab, schüttle das Wasser ab und lass die Blätter in einem luftigen Korb draussen an einem schattigen Platz trocknen. Gut getrocknet sind sie, wenn sie rascheln. Dann kannst du sie in licht- und luftundurchlässige Behälter füllen und nach Bedarf aufbrühen. Von Nebenwirkungen und Giften der Heilkräuter Wie von der Pharmaindustrie hergestellte Arzneimittel können auch Heilpflanzen Nebenwirkungen haben. Vor allem dann, wenn ein Kraut zu oft oder in zu hoher Dosis eingesetzt wird, drohen unerwünschte Folgen. «Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist», sagte schon der Arzt und Philosoph Paracelsus – und das gilt eben auch für Heilpflanzen. Manche Heilkräuter haben genauso schwere Neben- wie erwünschte Wirkungen. Darüber hinaus gibt es Pflanzen, die ausgesprochen giftig sind und in einem Garten mit kleinen Kindern nichts verloren haben. Eisenhut kann das Leben kosten. Schon das Naschen weniger Tollkirschen-Früchte kann tödlich enden. Auch von den Nadeln der Eibe kann man sterben – während dieselbe Pflanze in der Krebstherapie Wirkstoffe liefert, die Leben retten. Dass einige dieser Giftpflanzen auch in stark verdünnter, homöopathischer Form angeboten werden, ändert daran nichts: Die Wirksamkeit homöopathischer Zubereitungen ist wissenschaftlich umstritten, und bei ernsten Erkrankungen wie Asthma ersetzen sie eine ärztliche Behandlung nicht. Verdacht auf Vergiftung? Das ist zu tun · Vergiftungsnotruf 145, rund um die Uhr und kostenlos, Tox Info Suisse· Bei Bewusstlosigkeit oder Atem- und Kreislaufstillstand: 144 alarmieren· Kein Erbrechen herbeiführen und keine Flüssigkeit einflössen· Halte bereit: Alter und Gewicht des Kindes, welche Pflanze oder Substanz, wie aufgenommen, welche Menge, wann, welche Symptome· Nimm die Pflanze oder ein Foto davon mit, wenn eine ärztliche Kontrolle nötig wird [4] Weiterführender Buchtipp zu Heilpflanzen · «Kinder sanft und natürlich heilen mit Schweizer Hausmitteln» von Ruth Jahn, Beobachter-Edition, 3. Auflage 2017 Quellen European Medicines Agency (HMPC): European Union herbal monograph on Salvia officinalis L., folium, EMA/HMPC/277152/2015 (abgerufen am 12.08.2026) European Medicines Agency (HMPC): European Union herbal monograph on Hypericum perforatum L., herba, EMA/HMPC/7695/2021 (abgerufen am 12.08.2026) European Medicines Agency (HMPC): European Union herbal monograph on Calendula officinalis L., flos, EMA/HMPC/437450/2017 (abgerufen am 12.08.2026) Tox Info Suisse: Vergiftungsnotruf 145 (abgerufen am 12.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Verbrennungs- und Verbrühungsgefahren – Ratgeber für Eltern (abgerufen am 12.08.2026) Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): Patienteninformation «Akuter Durchfall und Brech-Durchfall» (abgerufen am 12.08.2026)