Gesundheit > KinderkrankheitenGrindflechte (Impetigo) bei Kindern: erkennen, behandeln und was für Kita und Schule gilt Aline Moser Erst juckt eine kleine rote Stelle neben der Nase. Am nächsten Morgen sitzt dort eine gelbliche Kruste, und über Nacht sind zwei weitere dazugekommen. Die Grindflechte gehört zu den häufigsten Hautinfektionen im Kindesalter. Sie ist stark ansteckend, sie sieht unangenehmer aus, als sie meistens ist, und sie wirft sofort die Frage auf, ob das Kind morgen in die Kita darf. Vorweg die Auskunft, die morgens am meisten drängt: Nach der Schweizer Empfehlung muss dein Kind wegen einer Grindflechte weder aus der Kita noch aus der Schule bleiben. Es zählt sein Allgemeinzustand. Warum das so ist und welche Ausnahme dazugehört, steht weiter unten. Davor kommt, woran du eine Impetigo erkennst, wann eine Creme reicht und wann es ein Antibiotikum zum Einnehmen braucht. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Salbe kommt mit sauberen Händen oder einem Wattestäbchen auf die Haut, danach wird gewaschen. © KI generiert von ChatGPT Woran du eine Grindflechte erkennst Am Anfang steht ein juckender, roter Ausschlag. Dann bilden sich Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und rasch aufplatzen. Zurück bleibt das eigentliche Erkennungszeichen: eine honiggelbe, festhaftende Kruste. Am häufigsten sitzen die Stellen im Nasen-Mund-Bereich, an den Händen und in Hautfalten wie Leiste, Achsel oder Gesässfalte. Zwischen Ansteckung und den ersten Anzeichen vergehen in der Regel zwei bis zehn Tage. Manchmal kommt leichtes Fieber dazu, den meisten Kindern geht es dabei aber sehr gut.[1] Die Krusten sehen nach schlechter Pflege aus. Das sind sie nicht. Verursacht wird die Grindflechte von Bakterien, meist von Staphylococcus aureus, seltener von A-Streptokokken. Typisch befallen sind das Gesicht rund um Mund und Nase, das Kinn, die Haut hinter den Ohren und die Windelregion.[2] Fachleute unterscheiden zwei Formen. Die kleinblasige Form ist die häufigere. Sie geht auf Staphylokokken, auf A-Streptokokken oder auf beide zusammen zurück. Die grossblasige oder bullöse Form entsteht durch Staphylokokken, die ein Gift bilden und damit die oberste Hautschicht ablösen. Die Blasen sind dünnwandig und schlaff, sie platzen leicht und hinterlassen einen schuppigen Rand. Gross müssen sie trotz des Namens nicht sein. Kinder mit dieser Form fühlen sich häufiger krank und haben eher Fieber und geschwollene Lymphknoten.[3] Wie ansteckend die Borkenflechte ist Die Übertragung läuft über eine Schmierinfektion, also über direkten Körperkontakt oder über Gegenstände, an denen die Erreger haften. Spielsachen, Handtücher und Geländer gehören dazu. In Kitas, Kindergärten und Schulen breitet sich die Borkenflechte deshalb rasch aus, in der Familie ebenso. Ansteckungsgefahr besteht so lange, bis die offenen Hautstellen abgeheilt und die Krusten abgefallen sind.[4] Für Geschwister heisst das nicht automatisch, dass sie auch krank werden. Es heisst, dass jetzt jeder sein eigenes Handtuch braucht und dass die Hände öfter unter den Wasserhahn gehören. Ein Foto der Stelle am ersten Tag ist hilfreicher, als es klingt: Ob eine Rötung grösser geworden ist, lässt sich im Vergleich viel leichter beurteilen als aus der Erinnerung. Was sonst hinter juckenden Krusten stecken kann Gesunde Haut ist ein guter Schutz, die Bakterien brauchen meist eine Lücke. Kleine Schnitte, Schürfungen, Insektenstiche und Verbrennungen sind solche Lücken, ebenso ein Ekzem, eine Krätze oder Windpocken. Bei Neurodermitis kann sich das Ekzem mit denselben Bakterien infizieren. Fachleute sprechen dann von einer Impetiginisierung.[3] Wie du kleine Wunden bei Kindern versorgst, ist deshalb mehr als Kosmetik. Eine Krätze sieht anders aus und fühlt sich anders an. Dahinter stecken Milben, die Gänge in die oberste Hautschicht bohren. Der Juckreiz ist stark und wird nachts oder nach einem heissen Bad schlimmer. Betroffen sind vor allem Fingerzwischenräume, Handgelenke, Ellbogen, Achseln, Bauchnabel, Knie und Füsse.[5] Beides schliesst sich nicht aus: Aus aufgekratzter Haut kann zusätzlich eine Impetigo werden. Welche Diagnose zutrifft, entscheidet die Ärztin am Hautbild. Rund um den Mund sieht auch eine Herpes-Infektion ähnlich aus. Die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus findet fast immer vor dem fünften Geburtstag statt. Sie verläuft mal fast unbemerkt, mal als fiebrige Entzündung von Zahnfleisch und Mundschleimhaut. Die wunden Stellen können auf Lippen und Kinn übergreifen, dazu schwellen die Lymphknoten schmerzhaft an. Verkürzen lässt sich der Verlauf mit Aciclovir, einem Mittel gegen Viren, nicht mit einem Antibiotikum.[2] Wann du dich meldest Eine Grindflechte wird behandelt, und die Diagnose gehört in die Praxis. Bevor es um Cremes und Waschtemperaturen geht, deshalb zuerst die beiden Stufen, an denen du nicht abwarten solltest. Anzeige Zuerst die seltene Stufe. Ein Notfall ist es, wenn dein Kind schwer krank wirkt, hoch fiebert und dazu einen flächigen roten Ausschlag mit Kreislaufproblemen bekommt. Ebenso, wenn sich grossflächig Blasen bilden und die Haut sich ablöst. Das sind seltene, aber ernste Komplikationen einer Staphylokokken- oder Streptokokken-Infektion.[3] Die Hautablösung droht vor allem Neugeborenen, besonders wenn die Infektion vom Nabel ausgeht.[2] Dann wählst du in der Schweiz die 144. Hat dein Kind Salbe verschluckt, hilft Tox Info Suisse unter 145 weiter. Rasch melden solltest du dich bei der Kinderärztin oder beim Hausarzt. Geht es um ein Neugeborenes, meldest du dich noch am selben Tag, bei deiner Hebamme oder direkt in der Praxis. Besonders früh gilt das, wenn dein Kind eine Neurodermitis hat oder wenn seine Abwehr geschwächt ist, etwa durch eine Krankheit oder durch entzündungshemmende Medikamente. Auf vorgeschädigter Haut und bei geschwächter Abwehr verläuft eine Impetigo schwerer.[1][2] Diese drei Zeichen gehören ebenfalls am selben Tag in die Praxis: Fieber, Abgeschlagenheit oder geschwollene Lymphknoten eine Rötung rund um die Stellen, die rasch wächst, warm wird oder schmerzt keine Besserung unter der Behandlung oder laufend neue Stellen Sie deuten darauf hin, dass sich die Infektion ausbreitet, in tiefere Schichten oder über die Lymphbahnen. Eine seltene Spätfolge betrifft die Nieren: Zwei bis sechs Wochen nach einer Hautinfektion mit A-Streptokokken kann sich eine Nierenentzündung entwickeln.[3] Nach einer solchen Infektion wird empfohlen, nach zehn Tagen den Urin auf Eiweiss zu untersuchen.[2] Frag in der Praxis nach, ob diese Kontrolle für dein Kind vorgesehen ist. A-Streptokokken lösen auch Scharlach aus, ein anderes Krankheitsbild mit eigenem Verlauf. Wie die Grindflechte behandelt wird Meistens reicht eine lokale Behandlung. In der Schweiz wird dafür üblicherweise eine antibiotikahaltige Creme verschrieben, die auf die betroffenen Stellen kommt. Bei starkem Juckreiz kann zusätzlich ein Medikament verordnet werden. Ein Antibiotikum zum Einnehmen ist selten nötig.[1] Wie oft und wie lange die Salbe auf die Haut kommt, steht auf dem Rezept. Halte dich daran, auch wenn die Krusten früher verschwinden. International wird bei einzelnen, nicht bullösen Stellen zuerst ein Antiseptikum empfohlen, zwei- bis dreimal täglich über fünf bis sieben Tage. Ein Antibiotikum zum Auftragen kommt dann zum Zug, wenn das Antiseptikum nicht wirkt oder nicht passt, etwa bei Stellen rund um die Augen. Hintergrund dieser Zurückhaltung sind Resistenzen.[3] Welchen Weg deine Praxis wählt, entscheidet sie am Befund und daran, welche Erreger sie erwartet. Zum Antibiotikum zum Einnehmen wird geraten bei der grossblasigen Form, bei ausgedehntem Befall mit mehr als drei Stellen, wenn die lokale Behandlung versagt, wenn ein erhöhtes Komplikationsrisiko besteht oder wenn sich das Kind insgesamt krank fühlt. Mit Behandlung heilen die Stellen meist innerhalb von zehn Tagen ab, ohne Behandlung dauert es zwei bis drei Wochen. Narben bleiben selten zurück, eine vorübergehende Aufhellung oder Verdunkelung der Haut kommt vor.[3] Was du zu Hause tun kannst Die Hygiene zu Hause entscheidet mit, ob die Grindflechte in der Familie weiterwandert. Reinige die Krusten regelmässig sanft und löse sie dabei ab. Wasch dir die Hände, bevor und nachdem du die Creme aufträgst, und nimm jedes Mal ein frisches Tuch. Deck die betroffenen Stellen ab, damit sich die Bakterien nicht verteilen. Kleider und Bettwäsche wechselst du täglich und wäschst sie heiss.[3] Zwei Punkte kommen aus den Schweizer Merkblättern dazu. Die Fingernägel deines Kindes gehören kurz geschnitten, denn Kratzen verzögert die Heilung.[1] Und Handtücher werden nicht geteilt, weder zu Hause noch in der Kita. Einweg-Papierhandtücher sind dort die einfachste Lösung.[4] Praktisch heisst das: eine eigene Tube pro Kind, und ein benutztes Wattestäbchen wandert nicht zurück in die Tube. Notier dir ausserdem den Tag, an dem die Behandlung beginnt. Diese Angabe braucht die Praxis, wenn du nach ein paar Tagen anrufst, weil sich nichts bessert. Zum Waschen sagen die Schweizer Merkblätter zur Borkenflechte nichts. Die Anweisung, Kleider und Bettwäsche täglich zu wechseln und heiss zu waschen, stammt aus der neuseeländischen Fachinformation, und eine Gradzahl nennt auch sie nicht. Das Zürcher Infoblatt zur Krätze empfiehlt mindestens 60 Grad.[5] Als Faustregel taugt das auch hier. Manche Kinder trifft es immer wieder. Dann geht die Frage nach der Ursache zurück in die Praxis. Dort kann ein Abstrich aus der Nase gemacht werden, denn bei manchen Kindern sitzen die Bakterien dauerhaft dort. Bei wiederkehrendem oder ausgedehntem Befall ist zusätzlich ein Hautabstrich mit Resistenzprüfung sinnvoll.[3] Kita, Kindergarten und Schule: was in der Schweiz gilt Die Schweizer Empfehlung fällt milder aus, als der Anblick der Krusten vermuten lässt. Die Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz führt Impetigo in ihren Empfehlungen zum vorschulischen und schulischen Ausschluss als Krankheit, bei der keine spezifische Präventionsmassnahme empfohlen wird. Die Zeile gilt für Impetigo durch Streptokokken und durch gewöhnliche Staphylokokken. Ausgenommen sind Erreger, gegen die die üblichen Antibiotika nicht mehr wirken, sogenannte MRSA. Zu ihnen sagt die Tabelle nichts. Ob dein Kind fehlt, hängt einzig von seinem klinischen Zustand ab. Bei der Rückkehr in die Einrichtung soll es mindestens einen Tag lang fieberfrei gewesen sein. Und wenn nicht nur Einzelfälle auftreten, sondern ein Ausbruch, ist Rücksprache mit dem Kantonsärztlichen Dienst nötig.[6] Die Merkblätter der Kantone sagen dasselbe. Der Schulärztliche Dienst der Stadt Zürich hält fest, dass erkrankte Kinder nicht von der Schule ausgeschlossen werden müssen. Eine Ausnahme gibt es: Am Schwimmunterricht darf dein Kind erst wieder teilnehmen, wenn die offenen Hautstellen abgeheilt und die Krusten abgefallen sind.[4] In Basel-Stadt heisst es, erkrankte Kinder dürften bei gutem Allgemeinzustand Schule, Kindergarten und Kita besuchen. Meldepflichtig ist die Impetigo contagiosa nicht.[1] Im Ausland wird die Frage teils strenger beantwortet. Neuseeländische Fachinformationen empfehlen, Kinder zu Hause zu behalten, bis die Stellen verkrustet sind oder mindestens 24 Stunden behandelt wurde.[3] Einzelne Einrichtungen halten es ähnlich, und eine Kita darf eigene Hausregeln haben. Ein Anruf dort klärt das schneller als eine Diskussion an der Garderobe. Beim Anruf hilft eine konkrete Auskunft mehr als der Name der Krankheit: welche Stellen betroffen sind, ob sie abgedeckt werden können und seit wann behandelt wird. Danach lässt sich in Ruhe klären, worauf beim Wickeln und beim Essen zu achten ist. Das gemeinsame Spielzeug ist der Punkt, der dabei meist als Letztes auftaucht. Quellen Kanton Basel-Stadt, Gesundheitsdepartement, Schulärztlicher Dienst: «Impetigo contagiosa (Borkenflechte). Besuch von Kindergarten, Schule und Tagesstätten», Merkblatt, Schweiz, Stand 2024, abgerufen am 23.08.2026. media.bs.ch Marie-Anne Morren, Sarah Ventéjou, Sandra Asner, Stéphanie Christen-Zaech: «Bakterielle und virale Hautinfektionen im Kindesalter», Paediatrica, pädiatrie schweiz, Schweiz, publiziert am 16.09.2019, abgerufen am 23.08.2026. paediatrieschweiz.ch Kate Quirke: «Impetigo», DermNet, Neuseeland, aktualisiert im März 2022, abgerufen am 23.08.2026. dermnetnz.org Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich, Schulärztlicher Dienst: «Borkenflechte (Impetigo contagiosa)», Infoblatt zu ansteckenden Krankheiten im Kindesalter, Schweiz, Stand 03/2025, abgerufen am 23.08.2026. stadt-zuerich.ch Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich, Schulärztlicher Dienst: «Scabies (Krätze)», Infoblatt zu ansteckenden Krankheiten im Kindesalter, Schweiz, Stand 04/2025, abgerufen am 23.08.2026. stadt-zuerich.ch Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz VKS: «Empfehlungen für den (vor)schulischen Ausschluss bei übertragbaren Krankheiten und Parasitosen», Schweiz, Stand Mai 2020, abgerufen am 23.08.2026. vks-amcs.ch