Gesundheit > KinderkrankheitenInsektenstiche: Insekten fernhalten, Stiche und Bisse sinnvoll behandeln – und Warnzeichen erkennen Sigrid Schulze Picknick auf der Wiese, Zmorge im Garten, Ferien am See, Schlafen in der Hängematte – das ist Frühling, das ist Sommer! Leider vermiesen kleine stechende und beissende Insekten oft den Spass. Wer Insektenstiche richtig behandelt und die wenigen Warnzeichen kennt, kann die warmen Jahreszeiten trotzdem geniessen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Lästig, aber meist ungefährlich: Mückenstiche. (Bild: Parinyabinsuk/iStock, Thinkstock) Die einfachste Regel, um die Beschwerden von Insektenstichen in Grenzen zu halten, lautet: «Nicht kratzen!» Diese Regel zu befolgen, fällt allerdings vor allem Kindern schwer. Sie kratzen oft, ohne es zu bemerken. Doch beim Kratzen können Bakterien in die Wunde gelangen und eine Infektion auslösen. Ist ein Kind von Insekten arg zerstochen, lässt es sich vielleicht vom Juckreiz ablenken. Ein Buch lesen, zusammen malen, etwas bauen und konstruieren – all das kann so spannend sein, dass das Kind das Kratzen vergisst. Besser als Kratzen ist es, Insektenstiche zu kühlen: Das lindert den Schmerz und verringert die Schwellung [1]. Ein Kühlpack, geduldig angewandt, kann wahre Wunder wirken. Ersatzweise hilft auch ein mit kaltem Essigwasser getränkter Wattebausch oder ein Kühlgel. Zwiebel- und Zitronenscheiben sind ein altes Hausmittel – gegen den Juckreiz wirkt dabei vor allem die Kühlung. Wann ein Insektenstich zum Notfall wird Die allermeisten Stiche verlaufen harmlos: eine kleine Rötung und Schwellung rund um die Einstichstelle, dazu Juckreiz. Mehr als eine juckreizstillende Salbe braucht es dann in der Regel nicht [3]. Eine Schwellung bis etwa zehn Zentimeter Durchmesser gilt als normale Reaktion und klingt meist innerhalb von 24 Stunden wieder ab; der Juckreiz kann einige Tage anhalten [1]. Es gibt aber drei Situationen, in denen du nicht abwarten solltest. Diese drei Zeichen zählen Stich im Mund oder Rachen Ein Stich in Mund oder Rachen kann lebensbedrohlich werden, weil die Schwellung die Atemwege verlegt. Sofort die Ambulanz 144 rufen – und das Kind, wenn möglich, einen Eiswürfel lutschen lassen, um das Anschwellen zu verlangsamen [1]. Der häufigste Auslöser: eine Biene oder Wespe sitzt auf der Glace oder auf der Getränkeflasche [3]. Allergische Allgemeinreaktion Sie beginnt meist wenige Minuten nach dem Stich und beschränkt sich nicht auf die Einstichstelle: Nesselfieber, Schwellungen an Augen und Lippen, Übelkeit, Schluckbeschwerden, Atemnot, Schwindel bis hin zum Kreislaufschock. Dann gilt: das verschriebene Notfallset sofort anwenden, bei Atemnot oder Kreislaufproblemen den Adrenalin-Autoinjektor einsetzen – und in jedem Fall die 144 alarmieren [3]. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn jemand zum ersten Mal allergisch reagiert und noch gar keine Notfallmedikamente hat [2]. Entzündeter Stich nach zwei bis drei Tagen Wird ein Stich nach zwei bis drei Tagen plötzlich wieder stärker gerötet, geschwollen und schmerzhaft – und vor allem, wenn von der Stichstelle ein roter Strich in Richtung Herz zieht –, gehört das Kind in die Arztpraxis. Ebenfalls abklären lassen solltest du jede Schwellung, die grösser wird als die Handfläche deines Kindes [3]. Bienenstachel entfernen: darauf kommt es an Die Honigbiene verliert nach dem Stich ihren Stachel: Er hat einen Widerhaken und bleibt in der Haut stecken. Entferne ihn sofort – fasse ihn mit dem Fingernagel tief und drücke dabei den Giftsack nicht aus [3]. Wespen, Hornissen und Hummeln behalten ihren Stachel und können mehrfach zustechen [2]. Wie du einen Wespenstich behandelst, liest du in einem eigenen Beitrag. Hilfe aus der Natur gegen juckende Insektenstiche «Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen», sagte einst der Allgäuer Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 - 1897). Es tut gut, sich an diese Worte zu erinnern. Denn Heilpflanzen, auf deren Wirkung Menschen Jahrtausende lang vertrauten, können starke Wirkung haben. Gänseblümchen Gänseblümchen wachsen auf fast jeder Wiese - und sind somit zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. «Gänseblümchen helfen zum Beispiel gegen Juckreiz, etwa nach Insektenstichen», erklärt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Und so geht's: Die Blätter zwischen den Fingern zerreiben und den frischen Blättersaft auf die betroffene Stelle tupfen. Wegerich Auch der Wegerich und der Spitzwegerich sind im wahrsten Sinne des Wortes zur Stelle, wenn Juckreiz nervt. Denn sie wachsen an fast jedem Strassenrand. Auch hier gilt: «Einfach die Blätter zerdrücken, bis Saft herauskommt und auf die Stichstelle drücken», erläutert der gelernte Förster Sönke Hofmann auf den Internet-Seiten des Naturschutzbundes. «Bei sehr schmerzhaften Stichen kann man die Blätter zu einem Brei zerreiben und auftragen. Schon nach wenigen Stunden hat sich die Haut beruhigt und lästiger Juckreiz kommt gar nicht erst auf.» Mittel aus der Apotheke In Apotheke und Drogerie gibt es kühlende Gele und juckreizstillende Salben. Ihr wichtigster Zweck: Sie sollen verhindern, dass das Kind an den Stichen kratzt [3]. Manche Präparate enthalten Cortison – lass dich dazu in der Apotheke oder in der Kinderarztpraxis beraten. Was keines dieser Mittel ersetzt: das ärztlich verschriebene Notfallset, wenn eine Insektengiftallergie bekannt ist [2]. Insektenstiche können Allergien hervorrufen Manche Menschen, auch Kinder, reagieren allergisch auf Insektenstiche – ausgelöst werden Insektengiftallergien meist durch Bienen- und Wespenstiche. Anders als die meisten anderen Allergien ist eine Insektengiftallergie nicht vererbbar [4]. Bei Mückenstichen sind allergische Allgemeinreaktionen dagegen äusserst selten [3]. Bleiben die Beschwerden auf die Stichstelle beschränkt, steckt in der Regel keine Allergie dahinter: Man unterscheidet dann zwischen einer normalen Lokalreaktion (Schwellung bis zehn Zentimeter Durchmesser, Rötung, Juckreiz) und einer schweren Lokalreaktion (Schwellung über zehn Zentimeter, leichtes Fieber, Unwohlsein) [2]. Wer einmal allergisch auf einen Insektenstich reagiert hat, sollte sich ärztlich abklären lassen. Betroffene erhalten ein Notfallset, das sie immer bei sich tragen. Es enthält in der Regel ein Antihistaminikum sowie einen Adrenalin-Autoinjektor, je nach Fall zusätzlich ein Medikament auf Kortisonbasis. Nach einem Stich werden die verschriebenen Medikamente sofort angewendet, ohne auf Symptome zu warten [2]. Wichtig bei Kindern: Auch Grosseltern, Kita und Schule sollen wissen, dass die Allergie besteht und was im Ernstfall zu tun ist [4]. Die einzige Behandlung, die die Ursache angeht, ist die allergenspezifische Immuntherapie, auch Desensibilisierung genannt. Sie dauert drei bis fünf Jahre und führt bei 80 bis 85 Prozent der Menschen mit Bienengiftallergie und bei bis zu 95 Prozent der Menschen mit Wespengiftallergie zu einem vollständigen Schutz [2]. Bei Kindern kommt sie ab etwa sechs Jahren infrage [3]. Wer hat denn da gestochen? Mücken Steckmücken verursachen juckende Quaddeln. Grasmilben Bisse von Grasmilben treten oft gleich massenhaft auf. Grasmilben beissen gern da, wo es besonders juckt: in Hautfalten, unter den Achseln und zwischen den Beinen. Ameisen Wusstest du, dass Ameisen sowohl stechen als auch beissen können? Wer von Ameisen angegriffen wurde, leidet mehr unter nesselartigem Brennen als unter Jucken. Brämen Auch der Stich von einer Bräme schmerzt. Der oft blutende Einstich, der schnell anschwillt, ist deutlich zu sehen. Und Zecken? Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Für sie gelten eigene Regeln beim Entfernen und bei der Nachkontrolle – nachzulesen im Beitrag Gefahr im Gras: der Zeckenbiss und seine Folgen. Hände weg von elektronischen Insektenfallen! Zum Glück lässt sich mancher widerlich juckende Insektenstich verhindern. Doch wer Insektenstichen vorbeugen will, sollte sich das Geld für elektronische Insektenfallen sparen. Sie killen massenweise Insekten, die für eine intakte Umwelt notwendig sind. «Diese Fallen locken durch ihr UV-Licht eine Vielzahl von anderen Insektenarten an und töten diese durch das stromführende Drahtgeflecht der Lampen. Dadurch werden sogar Tiere getötet, die bei uns auf der Roten Liste stehen», so NABU-Insektenexperte Julian Heiermann. Auch Mücken und deren Larven sind wichtig für die Umwelt, denn von ihnen leben Tiere wie Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen und Vögel. Julian Heiermann: «Würden Mücken aus dem Ökosystem verschwinden, so hätte dies für eine Vielzahl von anderen Tieren gravierende Folgen.» Insektenstichen vorbeugen Lass Insekten möglichst nicht an dich und deine Kinder heran: Lange Kleidung Dünne Pullis mit langen Ärmeln und lange Hosen hindern manche Mücke am Stechen. Wer eine Wiese mit Grasmilben betreten muss, sollte Stiefel tragen oder die Hosenbeine in die Socken schieben. Fliegengitter Fliegengitter in Fenstern hindern Insekten daran, ins Haus zu fliegen, wenn sie am Abend dem Licht folgen. Fliegengitter sind im Handel auch als Rollo erhältlich. In Türöffnungen schützen herabhängende Stoff- oder Kunststoffstreifen vor den Plagegeistern. Moskitonetz Unter dem Moskitonetz lässt sich beruhigt schlafen – auch in der Schweiz ist es ein guter Schutz vor Mückenstichen [3]. Vor allem Kinder lieben oft die gemütliche Atmosphäre unter dem Netz. Moskitonetze für Kinder gibt es in vielen Gestalten, zum Beispiel als Traumschleier, Betthimmel und Burgturm. Decken Ein Picknick steht an und ihr wollt es euch am Fluss oder im Park bequem machen? Lass die Kinder den Boden nach Ameisennestern absuchen, bevor du die Decke ausbreitest. Am Tisch und im Garten Verscheuche Wespen und Bienen mit ruhigen Bewegungen statt mit hektischem Fuchteln. Lass die Kinder nicht barfuss laufen – Bienen lieben Klee, und viele Wespen bauen ihre Nester im Boden. Trinkt nie direkt aus Flaschen oder Getränkedosen, und haltet Essen und Essensreste verschlossen [3]. Insektenschutzmittel auf der Haut (Repellentien) In Drogerien und Apotheken sind Mittel erhältlich, die sich auf die Haut auftragen lassen und Insekten fernhalten sollen. Vollständig schützen können sie nicht – lange Kleidung und Netze bleiben die Basis. Für Kinder gelten laut Bundesamt für Gesundheit klare Regeln: sparsam verwenden, nicht bei Kleinkindern unter einem Jahr, nie auf die Hände von Kindern auftragen und nur auf unbedeckte Haut [5]. Bei Säuglingen ist mit Anti-Mückensprays ohnehin sehr grosse Vorsicht geboten [3]. Braucht dein Kind gleichzeitig Sonnenschutz, gilt die Reihenfolge: zuerst das Sonnenschutzmittel auftragen, 20 Minuten warten, danach das Repellent. Schwitzen und Baden verkürzen die Wirkdauer, und aufbewahrt werden die Mittel für Kinder unzugänglich [5]. Und wer schwanger ist, fragt vor dem Kauf in der Apotheke nach, ob das Produkt geeignet ist. Quellen aha! Allergiezentrum Schweiz: Insektengift: Allergie oder normale Reaktion? (abgerufen am 08.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Insektengiftallergie (abgerufen am 08.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Notfall-Elterninformation «Insektenstiche» (PDF, abgerufen am 08.08.2026) Luzerner Kantonsspital: Insektengiftallergie (abgerufen am 08.08.2026) Bundesamt für Gesundheit BAG: Biozide – Chemische Produkte gegen Schädlinge (abgerufen am 08.08.2026)