Gesundheit > KinderkrankheitenKinderkrankheiten: Windpocken, Scharlach und Masern Sigrid Schulze Wenn dein Kind über Bauchschmerzen klagt, Fieber hat oder ein Hautausschlag auftaucht und sogar das Lieblingsessen stehen bleibt, ist das verunsichernd. Du musst nicht alles sofort «diagnostizieren» können: Dieser Überblick hilft dir, typische Anzeichen von Windpocken, Scharlach und Masern besser einzuordnen, die wichtigsten Schritte zu Hause zu kennen und Warnzeichen nicht zu verpassen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Hautausschlag: ein typisches Symptom für die Windpocken. Foto: iStock, Thinkstock Orientierung: Drei häufige Kinderkrankheiten – so kannst du sie grob unterscheiden Windpocken, Scharlach und Masern können alle mit Fieber und Ausschlag starten – und trotzdem steckt etwas sehr Unterschiedliches dahinter (Virus vs. Bakterium, Behandlung ja/nein, Impfschutz ja/nein). Wichtig: Ein Ausschlag bei Fieber gehört bei Kindern grundsätzlich ärztlich abgeklärt, besonders bei Säuglingen oder wenn dein Kind sehr krank wirkt. Die folgenden Hinweise ersetzen keine Diagnose, sie helfen dir beim Einordnen und beim nächsten sinnvollen Schritt. Windpocken (Varizellen): sehr juckende Bläschen in «Schüben» (gleichzeitig Flecken, Bläschen und Krusten), oft am Rumpf/ Kopfhaut; Kind wirkt müde, hat Fieber. Scharlach: Halsschmerzen, hohes Fieber, oft «Himbeerzunge», feinfleckiger Ausschlag (wie «Sandpapier»), gerötete Wangen; Ursache sind Bakterien, Antibiotika können wichtig sein. Masern: meist zuerst starker Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung und hohes Fieber, danach grossfleckiger Ausschlag; Masern sind extrem ansteckend und können schwere Komplikationen verursachen. Verbreiten sich in Windeseile: Windpocken Windpocken (Varizellen) werden vom Varicella-Zoster-Virus ausgelöst. Die Erkrankung ist bei vielen Kindern mild, kann aber Komplikationen wie bakterielle Hautinfektionen, Lungenentzündungen sowie Hirn- und Hirnhautentzündungen verursachen. Wer Windpocken einmal hatte, bekommt sie in der Regel nicht noch einmal – das Virus bleibt aber im Körper und kann später als Gürtelrose (Herpes Zoster) wieder aktiv werden. Gürtelrose zeigt sich in einem streifenförmigen Hautausschlag mit Blasen und kann mit anhaltenden Schmerzen einhergehen. Weiteres zur Gürtelrose findest du hier. Windpocken (Varizellen): die Symptome Typisch sind rote, stark juckende Flecken, die sich zu Bläschen entwickeln. Später trocknen sie ein und verkrusten. Viele Kinder haben zusätzlich Fieber, Kopf- oder Bauchschmerzen und wirken müde. Weil neue Bläschen nachkommen, sieht die Haut oft «bunt gemischt» aus: frische Flecken, Bläschen und Krusten gleichzeitig. Windpocken: der Krankheitsverlauf der Varizellen «Windpocken verlaufen in Schüben, sodass täglich neue Flecken zu den schon bestehenden Krusten dazukommen», erklärt Dr. med. Ursula Keicher. Der Juckreiz ist häufig das belastendste Symptom – für Kinder und Eltern. Windpocken (Varizellen): die Ansteckungsgefahr Bis die Krankheit nach einer Ansteckung ausbricht, vergehen meist zwei bis drei Wochen. Sehr ansteckend ist Windpocken über Tröpfchen (Husten/Niesen/Sprechen) und über den Kontakt mit dem Bläscheninhalt. In der Praxis bedeutet das: In Familien und in Kita/Schule steckt sich oft rasch jemand an. Die Ansteckungsgefahr bleibt bestehen, bis alle Bläschen verkrustet sind und keine neuen mehr auftreten. Windpocken: die Behandlungsmöglichkeiten Eine Therapie, die das Virus zuverlässig «abschaltet», gibt es bei sonst gesunden Kindern meist nicht – behandelt wird vor allem symptomlindernd. Du kannst deinem Kind helfen, indem du den Juckreiz reduzierst und das Aufkratzen verhinderst (so sinkt das Risiko für Narben und bakterielle Hautinfektionen): Juckreiz lindern: kühlende Umschläge, leichte Kleidung, lauwarme Duschen/Bäder; Lotio alba kann gegen Juckreiz helfen und ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Nägel kurz halten: Ursula Keifer: «Um Narben und Hautinfektionen zu vermeiden, solltest du deinem Kind die Nägel kurz schneiden, dann kann es sich die Windpocken nicht so leicht aufkratzen.» Fieber und Schmerzen: Fiebersenkende Mittel nur, wenn dein Kind deutlich leidet, und am besten nach Rücksprache mit einer Ärzt:in oder Apotheke (gerade bei kleinen Kindern sind Dosierung und Wirkstoffwahl wichtig). Auf Warnzeichen achten: Wenn Bläschen stark gerötet sind, nässen, schmerzen oder dein Kind wieder steigendes Fieber bekommt, kann eine bakterielle Superinfektion dahinterstecken – das sollte ärztlich beurteilt werden. Impfung (Schweiz): Die Empfehlungen zur Varizellen-Impfung haben sich in den letzten Jahren verändert. Orientiere dich am aktuellen Schweizer Impfplan des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und lass den Impfstatus deines Kindes in der Kinderarztpraxis prüfen (auch Nachholimpfungen sind möglich). Besonders wichtig ist ein guter Schutz im Umfeld von Neugeborenen, Schwangeren ohne Immunität und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Kann mehrmals auftreten: Scharlach Scharlach wird durch bestimmte Streptokokken ausgelöst (Bakterien). Anders als bei vielen Viruskrankheiten entsteht nach Scharlach keine verlässliche lebenslange Immunität – deshalb kann dein Kind Scharlach mehrmals bekommen. Scharlach tritt häufig zusammen mit einer Rachenentzündung auf, manchmal aber auch mit sehr wenig Halsbeschwerden – umso wichtiger ist eine ärztliche Abklärung, wenn Fieber, Ausschlag und deutliche Krankheitszeichen zusammenkommen. Scharlach: die Symptome Typisch sind starkes Krankheitsgefühl, hohes Fieber und Halsschmerzen. Viele Kinder essen und trinken dann schlecht, weil Schlucken weh tut. Der Hautausschlag ist oft rot und sehr fein (wirkt wie «Sandpapier») und kann am Oberkörper, in den Leisten oder in den Achseln ausgeprägt sein. Häufig sind die Wangen stark gerötet, der Bereich um den Mund kann auffallend blass wirken. Die Zunge ist anfangs weisslich belegt und wird später himbeerfarben. Scharlach: der Krankheitsverlauf «Die Krankheit beginnt mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und schnell ansteigendem Fieber», so Dr. med. Ursula Keicher, Kinderärztin und Autorin des Ratgebers «Kinderkrankheiten. Schnell erkennen – gezielt behandeln». «Zwei bis drei Tage nach den ersten Krankheitszeichen bildet sich der Hautausschlag, der innerhalb weniger Tage wieder verschwindet. Ein bis drei Wochen später schält sich die Haut, vor allem an Hand- und Fussflächen.» Komplikationen können Entzündungen des Mittelohrs sowie der Nebenhöhlen und der Lunge sein. In seltenen Fällen kann es zu akutem rheumatischen Fieber mit Entzündungen der Gelenke kommen. Scharlach: die Ansteckungsgefahr Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen meist zwei bis vier Tage. Wenn dein Kind ein Antibiotikum einnimmt, sinkt die Ansteckungsgefahr in der Regel deutlich – oft schon nach etwa 24 Stunden. Ohne Antibiotikum kann eine Ansteckung länger möglich sein. Dr. med. Ursula Keicher: «Auch Menschen, die selbst nicht erkrankt sind, können die Bakterien, die Scharlach verursachen, an andere weitergeben.» Für den Alltag heisst das: Informiere Kita/Schule, wenn Scharlach diagnostiziert wurde, und halte dich an die Vorgaben der behandelnden Ärzt:in, ab wann dein Kind wieder teilnehmen darf. Scharlach: die Behandlungsmöglichkeiten In der Regel verordnet die Ärzt:in ein Antibiotikum, meist Penizillin. Wichtig ist, dass dein Kind das Antibiotikum wie verordnet und lange genug einnimmt – auch wenn es ihm schon besser geht. So sinkt das Risiko für Komplikationen. Zusätzlich helfen zu Hause: ausreichend trinken (kleine Schlucke, Tee/Wasser), weiche Speisen, Ruhe und – nach ärztlicher Empfehlung – Medikamente gegen Schmerzen und Fieber. Gefährlich: Masern Masern sind keine «harmlose Kinderkrankheit». Das Virus ist extrem ansteckend und kann schwere Komplikationen verursachen. Ausbrüche können auch in der Schweiz auftreten, vor allem dort, wo die Durchimpfung zu niedrig ist. Von tausend erkrankten Kindern erleidet etwa ein Kind eine Hirnentzündung. Darum ist es besonders wichtig, Masern rasch zu erkennen, Kontakte zu schützen (vor allem Säuglinge und immungeschwächte Personen) und den Impfschutz zu überprüfen. Masern: die Symptome Zu den Symptomen zählen starker Husten und Schnupfen, hohes Fieber, eine Bindehautentzündung, kleine, weisse Flecken an der Mundschleimhaut (Koplik-Flecken) und ein roter, fleckiger Hautausschlag. Masern: der Krankheitsverlauf «Masern verlaufen üblicherweise in zwei Krankheitsschüben: Ein erster Schub beginnt 7-18 Tage nach der Infektion mit Fieber, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Entzündung der Schleimhaut im Mund und ist oft begleitet von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen», klärt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf. Das zweite Stadium folgt zwei bis vier Tage danach mit einem erneuten Fieberanstieg. «Die bereits bestehenden Symptome verstärken sich und dazu tritt jetzt ein ausgeprägter Hautausschlag auf.» Masern: die Ansteckungsgefahr Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Infektionskrankheit vergehen zehn bis zwölf Tage. Dein Kind ist ansteckend, sobald erste Symptome auftreten. Die Ansteckungsgefahr endet erst dann, wenn der Hautausschlag verschwunden ist. Wer die Infektionskrankheit einmal duchgemacht hat, bekommt sie kein zweites Mal. Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr muss man mit fünf bis zehn Infekten pro Jahr rechnen. Da entsteht schnell einmal der Eindruck, die Kinder seien ständig verschnupft. Bei Erwachsenen gelten drei bis sechs Episoden noch als normal. Masern: die Behandlungsmöglichkeiten Eine Behandlung, die speziell das Masern-Virus bekämpft, gibt es nicht. Medikamente können nur die Symptome lindern – zum Beispiel mit Hilfe von Fieberzäpfchen und Augentropfen. Weil Masern so ansteckend sind, ist es sinnvoll, bei Verdacht vor dem Praxisbesuch telefonisch Kontakt aufzunehmen, damit die Praxis Schutzmassnahmen planen kann. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, Kinder gegen Masern impfen zu lassen, in Kombination mit einer Impfung gegen Röteln und Mumps. Weitere Informationen zu den Kinderkrankheiten Röteln, Mumps und Drei-Tage-Fieber findest du hier. Wann du medizinische Hilfe holen solltest (für alle drei Krankheiten) Vertraue deinem Gefühl: Wenn dein Kind «nicht wie sonst» wirkt, ist das ein guter Grund, ärztlichen Rat einzuholen. Lass dein Kind zeitnah beurteilen, wenn eines davon zutrifft: Säugling (besonders unter 6 Monaten) mit Fieber oder Ausschlag Atemnot, auffällige schnelle Atmung, Einziehungen, anhaltendes Stöhnen Zeichen von Austrocknung: sehr wenig Urin, trockener Mund, keine Tränen, starke Schläfrigkeit Benommenheit, starke Nackensteife, anhaltend starke Kopfschmerzen, Erbrechen Fieberkrampf oder Krampfanfälle Haut wirkt infiziert: stark gerötet, heiss, schmerzhaft, eitrig oder schnell zunehmend Immunschwäche oder schwere Grunderkrankung, oder wenn eine schwangere Person ohne sicheren Schutz im engen Umfeld Kontakt hatte (besonders relevant bei Windpocken/Masern) In einer akuten Notfallsituation (Atemnot, Krampf, Bewusstseinsstörung) gilt: Notruf 144.