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Long Covid bei Kindern: Wenn Kinder nach der Corona-Infektion weiter leiden – und was jetzt hilft

In den Pandemiejahren steckten sich Kinder und Jugendliche zeitweise besonders häufig an. Viele hatten eine Covid-Erkrankung mild oder sogar ohne deutliche Symptome. Trotzdem können nach der akuten Infektion anhaltende Beschwerden auftreten, häufig als Long Covid oder Post-Covid-Erkrankung bezeichnet. Diese Symptome können den Alltag und die Lebensqualität stark einschränken: Schule, Freizeit, Sport und Freundschaften werden plötzlich zur Herausforderung. Gleichzeitig ist es für Eltern oft belastend, wenn «eigentlich alles vorbei sein sollte», das eigene Kind aber nicht mehr richtig auf die Beine kommt.

Long Covid Kinder: Kleines Mädchen sitzt müde und energielos im Bett.
Keine Energie für Schule, Freunde oder zum Spielen: Ein häufiges Symptom von Long Covid bei Kindern ist Erschöpfung. Bild: Getty Images, StockPlanet

Long Covid bei Kindern: Das Wichtigste in Kürze

  • Für Kinder und Jugendliche gilt seit Februar 2023 eine eigene WHO-Falldefinition: Beschwerden, die innerhalb von drei Monaten nach der akuten Erkrankung begonnen haben und mindestens zwei Monate anhalten [1]. Warte trotzdem nicht auf ein Stichdatum. Mehr zu den Definitionen.
  • Long Covid kann auch Kinder treffen. Berichtet werden vor allem Erschöpfung (Fatigue), Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Belastungsintoleranz. Im Vergleich mit nicht infizierten Kindern treten laut WHO Erschöpfung, Geruchsstörungen und Ängstlichkeit häufiger auf [1]. So kann es sich zeigen.
  • Wenn Symptome länger als 4 Wochen anhalten oder Schule und Alltag klar beeinträchtigen: Lass dein Kind kinderärztlich abklären. Dabei werden auch andere Ursachen geprüft, zum Beispiel Eisenmangel, Schilddrüse, Schlafprobleme oder psychische Belastung. So läuft die Abklärung häufig ab.
  • Es gibt meist keine «eine» Therapie, die alles sofort löst. Bewährt sind Symptommanagement, ein gut dosierter Alltag (Pacing), Unterstützung in der Schule und je nach Beschwerden Physio- oder Atemtherapie, Schmerz- oder Schlafbehandlung sowie bei Bedarf Reha. Mehr zur Unterstützung.
  • Die Kosten notwendiger Abklärungen und Behandlungen übernimmt die Krankenversicherung [2]. Wo es in der Schweiz spezialisierte Sprechstunden gibt, führt das BAG in einer Liste mit einem eigenen Abschnitt für Kinder und Jugendliche [3].

Seit Beginn der Pandemie ist klar: Covid-19 kann nicht nur akut belasten, sondern bei einem Teil der Betroffenen auch längerfristige Folgen hinterlassen. Für Eltern ist dabei besonders schwierig, dass Long Covid nicht immer «sichtbar» ist. Ein Kind kann nach aussen gesund wirken und trotzdem innerlich mit Erschöpfung, Kopf- oder Bauchschmerzen, «Brain Fog» oder Kreislaufproblemen kämpfen. Gleichzeitig gilt: Anhaltende Beschwerden sind abklärungsbedürftig, aber sie bedeuten nicht automatisch, dass eine gefährliche Komplikation vorliegt. Wichtig ist ein ruhiger, strukturierter Weg: ernst nehmen, systematisch abklären, gezielt unterstützen.

Auch nach einer milden Infektion möglich

Lange hiess es, dass Kinder nur selten schwer an Covid-19 erkranken. Das stimmt in vielen Fällen für die Akutphase, sagt aber wenig darüber aus, wie es Wochen oder Monate später geht. Long Covid kann sich auch nach milden oder anfangs unbemerkten Infektionen entwickeln. Viele Eltern verunsichert das. Klar ist: Wenn ein Kind anhaltende Beschwerden hat, verdient es Aufmerksamkeit, eine gute Abklärung und Unterstützung – unabhängig davon, wie «mild» die Infektion anfangs war.

Rückblick: Was Elterngruppen 2021 gefordert haben

Dieser Artikel entstand Ende 2021, mitten in der Debatte um den Schutz von Kindern an Schulen. Die parteiunabhängige Arbeitsgruppe Kinder schützen – jetzt! forderte damals von Bund und Kantonen flächendeckende Schutzmassnahmen, solange es für schulpflichtige Kinder keinen zugelassenen Impfstoff gab. Eine zweite Gruppe, #ProtectTheKids, verlangte dasselbe.

Beide Forderungen beziehen sich auf eine Lage, die es so nicht mehr gibt. Ein für Kinder zugelassener Impfstoff existiert längst: Der Schweizerische Impfplan führt Comirnaty ab einem Alter von sechs Monaten gemäss Zulassung auf [4]. Die jüngsten datierten Beiträge auf der Website von «Kinder schützen – jetzt!» stammen von Anfang 2022. Wir lassen den Hinweis stehen, weil er die Entstehungszeit dieses Artikels erklärt. Als Handlungsaufforderung für heute taugt er nicht.

Long Covid bei Kindern: Begriffe und Definitionen

Long Covid, Post Covid, Post-Covid-19-Zustand: Warum die Begriffe verwirren

Im Alltag werden mehrere Begriffe gemischt. Häufig liest du «Long Covid», wenn Beschwerden länger als 4 Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 bestehen. Die WHO verwendet den Begriff «Post-Covid-19-Zustand». Ihre erste Falldefinition vom Oktober 2021 galt Erwachsenen. Für Kinder und Jugendliche hat die WHO am 16. Februar 2023 eine eigene Definition veröffentlicht, weil sich das Beschwerdebild von dem der Erwachsenen unterscheidet [1].

Die Kinderdefinition lautet sinngemäss: Beschwerden, die innerhalb von drei Monaten nach der akuten Covid-19-Erkrankung begonnen haben und mindestens zwei Monate andauern, bei nachgewiesener oder wahrscheinlicher Infektion [1]. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Erwachsenenfassung, die auf drei Monate nach der Infektion abstellt. Wer die Erwachsenenregel auf ein Kind überträgt, wartet unter Umständen länger als nötig.

Zwei Punkte aus der WHO-Definition sind für dich als Elternteil besonders praktisch. Erstens: Die Beschwerden dürfen schwanken, sich zurückbilden und wiederkehren. Zweitens: Wenn die Abklärung eine zusätzliche Diagnose zutage fördert, schliesst das Long Covid nicht aus [1]. In der Schweiz spricht das BAG von der «Post-Covid-19-Erkrankung» und meint damit dasselbe wie «Long Covid».

Für dich heisst das vor allem: Warte nicht, «bis es streng nach Definition passt». Wenn dein Kind über Wochen deutlich eingeschränkt ist, in der Schule oder beim Spielen, ist eine Abklärung sinnvoll.

Definition: Was ist Long Covid?

Von Long Covid spricht man, wenn nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 anhaltende Folgesymptome auftreten. Betroffene haben sich Wochen bis Monate nach einer Erkrankung noch immer nicht erholt und haben teilweise Mühe, ihrem gewohnten Alltag nachzukommen. Die Infektion ist überstanden, das Virus lässt sich in der Regel nicht mehr nachweisen, doch Beschwerden können weiterbestehen und schwanken. Das kann auch Kinder und Jugendliche betreffen.

Durch Post Covid werden Lebensqualität und Perspektiven von vielen jungen Menschen massiv eingeschränkt.

Edith Leibundgut, Mitglied der Arbeitsgruppe «Kinder schützen – jetzt!», im Gespräch mit familienleben.ch, 2021

Symptome: Wie erkennt man Long Covid bei Kindern?

Long Covid kann sehr unterschiedlich aussehen. Das BAG nennt als häufigste Beschwerden einer Post-Covid-19-Erkrankung starke Müdigkeit, Erschöpfung und Belastungsintoleranz, Kurzatmigkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme [2]. Daneben werden bei Kindern und Jugendlichen unter anderem berichtet:

  • übermässige Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
  • kognitive Störungen wie Konzentrationsschwierigkeiten («Brain Fog»)
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Atembeschwerden, zum Beispiel Husten oder Kurzatmigkeit
  • Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Herzklopfen

Diese Liste ist unspezifisch. Genau das betont die WHO: Die meisten dieser Beschwerden kommen auch bei anderen Infekten und in der normalen Entwicklung vor. Vergleicht man infizierte Kinder mit nicht infizierten, treten nach heutigem Stand vor allem drei Beschwerden häufiger auf: Erschöpfung, Geruchsstörungen und Ängstlichkeit [1].

Typisch ist, dass Symptome schwanken können. Ein paar gute Tage, dann wieder ein deutlicher Einbruch. Für viele Familien ist genau diese Unvorhersehbarkeit besonders belastend.

Belastungsintoleranz (PEM): Wenn es nach Anstrengung deutlich schlechter wird

Ein zentraler Punkt, der im Alltag oft zu wenig beachtet wird, ist Belastungsintoleranz. Manche Kinder erleben nach körperlicher oder mentaler Anstrengung eine zeitverzögerte Verschlechterung: mehr Erschöpfung, Kopfweh, «Watte im Kopf», Schlafprobleme oder Kreislaufbeschwerden. Auslöser können Sport, ein langer Schultag, Tests, viel Bildschirmzeit oder eine Geburtstagsfeier sein. Dieses Muster wird häufig als «Post-Exertional Malaise (PEM)» beschrieben.

Praktisch heisst das: «Zähne zusammenbeissen» und «jetzt erst recht trainieren» kann bei einigen Betroffenen nach hinten losgehen. Stattdessen hilft ein dosierter Alltag. Aktivitäten kleiner portionieren, Pausen fix einplanen, Überlastung früh erkennen und rechtzeitig stoppen. Fachleute nennen das Pacing, also das Einhalten der eigenen Energiegrenzen [5]. Das ist nicht Faulheit, sondern ein sinnvoller Umgang mit begrenzter Energie.

Kopfschmerzen als Symptom von Long Covid bei Kindern?

Edith Leibundgut, Mitglied der Arbeitsgruppe «Kinder schützen – jetzt!», sagte uns 2021: Auch bei Kindern äussert sich Long Covid vor allem in anhaltender Erschöpfung, Störungen von Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit sowie wiederkehrendem Fieber und Schüttelfrost. Ein weiteres Symptom seien häufige Kopfschmerzen. «Es können zudem Atemnot, Husten, Brustschmerzen, Gelenks- und Muskelschmerzen, Ausschläge, Herzklopfen, Schlafstörungen und weitere Symptome auftreten», so Leibundgut. Andauernde Lungenbeschwerden, wie sie viele erwachsene Long-Covid-Betroffene erleben, seien bei Kindern eher selten. Häufiges Kopfweh hat allerdings viele mögliche Ursachen. Was sonst noch dahinterstecken kann, liest du im Beitrag Wenn Kinder über Kopfweh klagen.

Abklärung: wann und wie?

Wann du mit deinem Kind zur Kinderärzt:in solltest

Eine gute Faustregel: Wenn Beschwerden länger als 4 Wochen nach einer Covid-Infektion anhalten und dein Kind im Alltag spürbar einschränken, lohnt sich eine kinderärztliche Abklärung. Gemeint sind Schule, Schlaf, Stimmung, Sport und Freunde. Auch wenn du die Infektion nur vermutest, etwa aufgrund eines Ausbruchs in der Klasse, ist es sinnvoll, die Symptome ernst zu nehmen.

Sofortige medizinische Abklärung ist wichtig bei Alarmzeichen wie deutlicher Atemnot, Brustschmerzen, Ohnmacht, anhaltend hohem Fieber, bläulichen Lippen, starken neurologischen Ausfällen wie Lähmungen oder Krampfanfällen, oder wenn dein Kind insgesamt schwer krank wirkt.

Was bei der Abklärung typischerweise geklärt wird

Ärzt:innen prüfen zuerst andere, häufigere Ursachen, die ähnliche Beschwerden machen können. Wichtig zu wissen: Findet sich dabei eine zusätzliche Diagnose, schliesst das eine Post-Covid-19-Erkrankung nicht aus [1]. Je nach Symptombild gehören zur Abklärung zum Beispiel:

  • Blutbild und Eisenstatus. Eisenmangel kann Müdigkeit, Kopfweh und Konzentrationsprobleme verstärken
  • Schilddrüsenfunktion, bei Verdacht auf hormonelle Ursachen
  • Entzündungszeichen oder Hinweise auf Infekte
  • Schlafmangel und Schlafstörungen, auch durch verschobenen Rhythmus, Stress oder Schnarchen
  • psychische Belastungen wie Angst, depressive Symptome, Schulstress oder soziale Isolation
  • Bewegungsmangel oder umgekehrt eine zu schnelle Rückkehr zu Sport und Training
  • Medikamente und Nahrungsergänzungen: Was wird eingenommen, was könnte Nebenwirkungen machen?

Hilfreich für den Termin: Notiere 1 bis 2 Wochen lang, wann welche Symptome auftreten, was dein Kind an dem Tag gemacht hat, wie der Schlaf war und ob es nach Belastung schlechter wurde. Das macht Muster wie Belastungsintoleranz oft erst sichtbar.

Behandlung und Unterstützung: was wirklich hilft

Realistische Erwartungen: Symptommanagement statt «Wunderheilung»

Bis heute gibt es keine einzelne Behandlung, die Long Covid bei allen Kindern «heilt». Es steht deshalb ein symptomorientierter Ansatz im Vordergrund. Das Ziel: Überlastung vermeiden, Beschwerden lindern und Schritt für Schritt wieder mehr Teilhabe ermöglichen.

Bausteine, die sich in der Praxis bewähren können

  • Alltag dosieren (Pacing): Energie einteilen, Pausen vor (!) der Erschöpfung setzen, anstrengende und ruhigere Tage abwechseln. Besonders wichtig, wenn Belastungsintoleranz im Spiel ist.
  • Schule anpassen: Kürzere Tage, Pausenraum, reduzierte Hausaufgaben, mehr Zeit für Prüfungen, etappenweise Rückkehr. Wenn nötig, kann ein Nachteilsausgleich geprüft werden. Wie der Weg dorthin in der Schweiz läuft, erklärt der Beitrag Abklärung, Förderplan & Co.. Ein gemeinsames Gespräch mit Klassenlehrer:in und Schulleitung entlastet oft alle.
  • Schlaf stärken: Regelmässige Zubettgehzeit, morgens Licht und Bewegung, abends weniger Bildschirmzeit. Schlaf ist keine «Nebensache», sondern oft der wichtigste Verstärker oder Entlastungsfaktor.
  • Bewegung individuell und vorsichtig: Nicht nach Plan «durchziehen», sondern an den Symptomen orientiert. Bei Belastungsintoleranz gilt die Energiegrenze vor dem Trainingsplan.
  • Physio-, Atem- oder Ergotherapie: Je nach Beschwerden können gezielte Übungen, Atemtechnik, Körperwahrnehmung und alltagsnahe Strategien helfen. Wichtig ist die Anpassung an die Tagesform.
  • Schmerz- und Kopfschmerzmanagement: Auslöser wie zu wenig trinken, zu wenig Schlaf oder Stress mitbeobachten. Medikamentöse Optionen besprichst du individuell mit der Kinderärzt:in.

Psychische Gesundheit: ernst nehmen, ohne alles «psychisch» zu erklären

Viele Kinder sind nicht nur körperlich erschöpft, sondern auch emotional belastet. Sie vermissen Sport, Freund:innen und das Gefühl, etwas zu leisten, und sie spüren die Sorge der Erwachsenen. Angst, Traurigkeit, Reizbarkeit oder Rückzug können Folge der Erkrankung sein oder sie verstärken. Das ist kein Zeichen von «Einbildung», sondern ein häufiger Teil des Gesamtbilds. Wie verbreitet Stress und Erschöpfung unter Schweizer Jugendlichen generell sind, zeigt der Beitrag Stress, Erschöpfung, Angst.

Wenn du merkst, dass dein Kind stark leidet, etwa durch anhaltend gedrückte Stimmung, Panik, Schlaflosigkeit oder Schulangst: Sprich früh mit der Kinderärzt:in oder Hausärzt:in über Unterstützung. Manchmal helfen kurze psychologische Interventionen, ein Coaching für die Schule oder Familiengespräche, um Druck rauszunehmen und wieder Sicherheit aufzubauen.

Schweizer Versorgung: so kann der Weg aussehen

Die Betreuung beginnt bei der Kinderärzt:in oder Hausärzt:in. Das ist auch die erste Ansprechperson, die das BAG nennt [2]. Je nach Symptomen überweist sie weiter, etwa an eine spezialisierte Sprechstunde, an Physio- oder Ergotherapie, an Kinderkardiologie oder Pneumologie oder, bei ausgeprägter Einschränkung, an eine Kinder- und Jugendreha.

Welche spezialisierten Sprechstunden und Rehabilitationsangebote es in der Schweiz gibt, führt das BAG in einer nach Kantonen geordneten Liste. Sie hat einen eigenen Abschnitt für Kinder und Jugendliche [3]. Die Zuweisung läuft in der Regel über die Kinder- oder Hausärzt:in, nicht über eine Selbstanmeldung. Die Kosten notwendiger Abklärungen und Behandlungen übernimmt die Krankenversicherung [2].

Wenn du das Gefühl hast, «wir drehen uns im Kreis», darfst du aktiv nach einem koordinierten Vorgehen fragen: Wer führt, wer misst den Verlauf, was sind die nächsten Schritte?

Wo Familien Anschluss finden

Long Covid bei einem Kind belastet die ganze Familie, oft über Monate. Du musst das nicht allein tragen.

  • Long Covid Kids Schweiz ist die Patientenorganisation für betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Sie bietet Merkblätter zu Symptomen, Abklärung, Pacing, Schule und Versicherungsfragen sowie eine Austauschgruppe für Eltern [5].
  • Das BAG listet spezialisierte Sprechstunden und Rehabilitationsangebote, mit einem eigenen Abschnitt für Kinder und Jugendliche [3].
  • Die Kinderärzt:in bleibt die Drehscheibe. Sie kennt die Vorgeschichte deines Kindes und stellt die Zuweisung aus.

Was die Forschung heute weiss und was nicht

Die Datenlage ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Trotzdem bleibt Long Covid bei Kindern komplex. Nicht alle Studien verwenden dieselben Definitionen, und Symptome werden unterschiedlich erfasst. Vor allem aber unterscheiden sich die Studien darin, ob sie eine Vergleichsgruppe nicht infizierter Kinder einbeziehen. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht trennen, was auf die Infektion zurückgeht und was auch sonst vorgekommen wäre. Der WHO-Übersicht von 2023 lagen 60 Studien zugrunde, von denen 22 eine Kontrollgruppe hatten und 12 in die Metaanalyse eingingen [1].

Wichtig für dich: Lass dich nicht von einzelnen Prozentzahlen verunsichern. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht und ob es im Alltag wieder Tritt fasst.

Statistik: Wie viele Kinder betroffen sind

Wie viele Kinder nach einer Infektion Long Covid entwickeln, war lange unklar. Als dieser Artikel entstand, rechneten Schweizer Fachleute laut Edith Leibundgut mit drei Prozent der erkrankten Kinder und Jugendlichen.

Es könnten bis zu 36'000 Kinder und Jugendliche an Long Covid erkranken.

Edith Leibundgut, Mitglied der Arbeitsgruppe «Kinder schützen – jetzt!», 2021

Diese Hochrechnung stammt aus dem Jahr 2021 und beruht auf einer Schätzung, nicht auf einer Erhebung. Auch die damals oft zitierten Zahlen aus England (rund sieben Prozent) und Kanada (rund sechs Prozent) stützten sich auf Befragungen ohne Vergleichsgruppe.

Inzwischen liegen Schweizer Daten vor. In der Zürcher Schulstudie «Ciao Corona» berichteten 39 von 1120 Kindern und Jugendlichen mit nachgewiesener Infektion, also 3,5 Prozent, Beschwerden über mehr als zwölf Wochen. 20 von ihnen wurden anschliessend strukturiert befragt. Ein Fachgremium hielt Long Covid danach bei 13 dieser 20 für unwahrscheinlich, bei 7 für möglich und bei keinem für wahrscheinlich [6].

Das Fazit der Studie: Wer sich allein auf Fragebögen stützt, überschätzt Long Covid bei Kindern und Jugendlichen. Das heisst nicht, dass es Long Covid bei Kindern nicht gibt. Es heisst, dass hohe Prozentzahlen aus Selbstauskünften mit Vorsicht zu lesen sind und dass eine sorgfältige ärztliche Einordnung den Unterschied macht.

Ältere Kinder scheinen häufiger betroffen

Nach bisherigen Erkenntnissen haben Kinder und Jugendliche über zehn Jahren offenbar ein höheres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Jüngere Kinder waren seltener betroffen. Möglich ist aber auch, dass ihre Beschwerden schlechter erkannt oder von ihnen selbst weniger gut beschrieben werden.

PIMS und Long Covid sind zwei verschiedene Krankheiten

Oft wird Long Covid im selben Atemzug wie PIMS genannt oder sogar mit PIMS verwechselt. Aber: «Long Covid und PIMS sind zwei unterschiedliche Erkrankungen», erklärt Leibundgut. «PIMS ist eine akute und schwerwiegende Entzündungsreaktion des Körpers, welche einen Spitalaufenthalt notwendig macht.» Vor allem in der zweiten Corona-Welle stellten die Kinder-Intensivstationen in der Schweiz eine Zunahme an PIMS-Fällen fest.

Symptome von PIMS sind unter anderem:

  • hohes Fieber
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Hautausschläge

PIMS setzt akut ein und braucht sofort Hilfe. Long Covid entwickelt sich schleichender. Harmlos ist es deswegen nicht: Die Alarmzeichen weiter oben gelten unverändert, und bei starker Einschränkung im Alltag gehört ein Kind ärztlich begleitet.

Impfung und Prävention

Was über Impfungen und das Risiko für Post Covid bekannt ist

Laut BAG zeigen Studien, dass geimpfte Personen im Fall einer Ansteckung ein geringeres Risiko für eine Post-Covid-19-Erkrankung haben als ungeimpfte [2]. Ob eine Impfung eine bereits bestehende Post-Covid-19-Erkrankung behandeln kann, ist laut BAG nicht erwiesen.

Was in der Schweiz für Kinder empfohlen ist

Wichtig für die Einordnung: Die Covid-19-Impfung wird in der Schweiz heute nur Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko empfohlen. Ab 16 Jahren ist das eine jährliche Dosis. Für Kinder und Jugendliche von sechs Monaten bis unter 16 Jahren gilt die Empfehlung nur bei schwerer Immundefizienz [4].

Für gesunde Kinder sieht der Schweizerische Impfplan 2026 also keine Covid-19-Impfung vor. Ob dein Kind zu einer Risikogruppe gehört, klärst du mit der Kinderärzt:in. Sie kennt die aktuellen Empfehlungen und die Vorgeschichte deines Kindes.

Die Schutzdebatte an Schulen: der Stand von damals

Als dieser Artikel entstand, wurde heftig über Masken, Reihentests und Quarantäne an Schulen gestritten. Einigen gingen die Massnahmen zu weit, andere wünschten sich strengere Regeln. Diese Massnahmen bestimmen den Schulalltag längst nicht mehr. Für Familien ist heute eine andere Frage wichtiger: Was tun, wenn nach einer Infektion Beschwerden bleiben? Genau darum geht es in den Abschnitten zu Abklärung und Unterstützung weiter oben.

FAQ: Häufige Fragen von Eltern

Wie lange dauert Long Covid bei Kindern?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Laut BAG können Beschwerden Wochen bis Monate anhalten, unterschiedlich stark sein und sich über die Zeit verändern oder wiederkehren [2]. Viele Kinder erholen sich schrittweise, bei einem Teil dauert es länger. Hilfreich ist eine Verlaufskontrolle: Was wird besser, was bleibt gleich, was verschlechtert sich, und welche Unterstützung braucht es jetzt?

Darf mein Kind Sport machen?

Das hängt stark von den Symptomen ab. Wenn dein Kind nach Belastung deutlich schlechter wird (Belastungsintoleranz/PEM), steht nicht der Trainingsaufbau im Vordergrund, sondern das Einhalten der Energiegrenze [5]. Sport wird dann nicht nach Plan gesteigert, sondern an der Tagesform ausgerichtet, am besten gemeinsam mit der Kinderärzt:in.

Treten unter Belastung Brustschmerzen, Herzklopfen, Atemnot oder Ohnmacht auf, gehört das vor der nächsten sportlichen Belastung ärztlich abgeklärt. Zeigt dein Kind keine Belastungsintoleranz, kann sanfte Bewegung helfen, wieder Vertrauen in den Körper zu bekommen, ohne Leistungsdruck.

Was kann ich als Elternteil konkret heute tun?

  • Schaffe Entlastung: weniger Termine, mehr Erholung, klare Tagesstruktur.
  • Beobachte Muster: Wird es nach Schule, Sport oder Stress schlechter?
  • Führe 1 bis 2 Wochen ein kurzes Symptomtagebuch für den Arzttermin.
  • Sprich mit der Schule früh über Anpassungen, statt «durchzuhalten».
  • Hol dir Unterstützung: Die Kinderärzt:in ist die erste Anlaufstelle, Long Covid Kids Schweiz die Anlaufstelle für den Austausch mit anderen Familien.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): A clinical case definition for post COVID-19 condition in children and adolescents by expert consensus, 16. Februar 2023 (abgerufen am 18.08.2026)
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Informationen zur Post-Covid-19-Erkrankung (abgerufen am 18.08.2026)
  3. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Post-Covid-19-Erkrankung: Sprechstunden und Rehabilitationsangebote (abgerufen am 18.08.2026)
  4. Bundesamt für Gesundheit und Eidgenössische Kommission für Impffragen: Schweizerischer Impfplan 2026, Stand Februar 2026 (abgerufen am 18.08.2026)
  5. Long Covid Kids Schweiz (Patientenorganisation, Teil von Long Covid Schweiz): Informationen für betroffene Kinder und ihre Familien (abgerufen am 18.08.2026)
  6. Raineri A, Rueegg S, Zimmermann P et al.: Long COVID in children and adolescents: results from three cross-sectional school-based cohorts with adjudication, Swiss Medical Weekly 2025;155:4337, publiziert am 20.10.2025 (abgerufen am 18.08.2026)

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