Gesundheit > KinderkrankheitenMedikamente: So rutschen sie leichter hinunter – Zäpfchen, Sirup, Tropfen Sigrid Schulze Lippen zusammenpressen, Kopf wegdrehen: Wenn dein Kind die verordnete Arznei verweigert, fühlst du dich schnell machtlos. Mit ein paar Kniffen klappt die Einnahme trotzdem – und du erfährst hier auch, wo die Tricks aufhören und die Kinderarztpraxis übernimmt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Es gibt Motivationsmittel, damit Kinder Medikamente besser schlucken. Foto: Rednatt, iStock, Thinkstock «Bäh – das mag ich nicht!» Ein Gemüse wegzulassen und ein anderes anzubieten, ist leicht. Bei Medikamenten wird die Sache schwieriger. Denn manche Arzneien müssen nun mal geschluckt werden, damit dein Kind wieder gesund wird. Nicht nur Säfte, auch Tabletten, Zäpfchen, Augen- und Ohrentropfen können eine Flut von Tränen auslösen. Mit Geduld und etwas Fantasie machst du sie deinem Kind trotzdem schmackhaft. Bei leichten Beschwerden reichen manchmal auch bewährte Hausmittel für Babys und Kleinkinder. Eines vorweg: Wie du ein Medikament am sichersten gibst und ob du es mit Essen oder Getränken mischen darfst, weiss die Kinderarztpraxis oder die Apotheke. Diese eine Frage lohnt sich bei jedem neuen Präparat [1]. Tabletten schlucken lässt sich üben Ab drei Jahren können Kinder das Tablettenschlucken trainieren. Das Universitäts-Kinderspital Zürich empfiehlt sein Übungsprogramm ab diesem Alter – vorausgesetzt, das Kind ist gesundheitlich in der Lage mitzumachen. Kindern mit einer Schluckstörung rät die Klinik ausdrücklich davon ab [2]. «In der Realität hilft dem Kind und der Bezugsperson dieses Wissen aber wenig», hiess es dazu schon 2015 in der Hauszeitung der Stiftung Ostschweizer Kinderspital. «Denn das Kind weigert sich, die Medikamente zu schlucken, weil es oft nicht genau weiss, warum es die Tablette schlucken muss oder die Tablette zu gross ist». Astrid Koch, Pflegeexpertin MScN am Ostschweizer Kinderspital, hat dort ein Schulungsprogramm entwickelt. Geübt wird mit Smarties oder Tic Tacs. So läuft das Training am Kinderspital Zürich ab: Dein Kind nimmt das Bonbon in den Mund, bevor es den Kopf in die gewünschte Position bringt. Dann legt es das Bonbon hinten auf die Zunge, nimmt einen kleinen Schluck Wasser und schluckt. Zu viel Wasser ist eher hinderlich, weil die Tablette dann unkontrolliert im Mund kreist. Geübt wird täglich in fünf Kopfpositionen: geradeaus, nach links, nach rechts, nach oben, nach unten. Irgendwann zeigt sich eine Lieblingsposition, und mit dieser klappt dann auch die echte Tablette [2]. Zwei Wochen sind die Obergrenze. Gelingt die Einnahme bis dahin nicht, gehört die Frage in die Kinderarztpraxis oder in eine Pflegeberatung [2]. Weiterprobieren bringt dann nichts mehr. Tabletten teilen oder mörsern: erst fragen, dann handeln Eine grosse Tablette in der Mitte durchbrechen, damit sie leichter rutscht: Das liegt nahe und ist trotzdem oft falsch. Die meisten Tabletten und Kapseln sollen ganz geschluckt werden, weil sonst die Wirkung leidet [2]. Und die Speiseröhre ist dehnbar genug: Sie lässt auch Tabletten passieren, die grösser wirken, als der Schluckweg breit ist. Riskant wird es bei Tabletten mit einer besonderen Hülle oder Bauweise. Retardtabletten geben ihren Wirkstoff absichtlich langsam ab. Werden sie zerkleinert, kann die ganze Dosis auf einmal freigesetzt werden. Fachleute nennen das Dose Dumping; im schlimmsten Fall entsteht daraus eine Überdosierung [3]. Magensaftresistente Tabletten wiederum sollen sich erst im Darm auflösen. Ihr Überzug schützt entweder den Wirkstoff vor der Magensäure oder den Magen vor dem Wirkstoff – zerbrochen schützt er gar nichts mehr [3]. Deshalb gilt: Teilen und Mörsern nur, wenn die Packungsbeilage es vorsieht oder die Apotheke es ausdrücklich erlaubt [3]. Oft gibt es ohnehin eine bessere Lösung: denselben Wirkstoff als Saft, als Brausetablette oder als Zäpfchen. Fieberzäpfchen: handwarm und mit Wasser abgespült Zäpfchen, die schlecht gleiten, sind unangenehm. Der einfachste Kniff kommt ohne Hilfsmittel aus: Zäpfchen gleiten besser, wenn du sie kurz in der Hand anwärmst und mit etwas Wasser abspülst. Etwas Vaseline darf zusätzlich zum Einführen dienen. Cremes und Öle dagegen nicht, weil sie die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigen. So beschreibt es das Portal kindergesundheit-info.de der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [1]. Auch die Grundmasse spielt mit: Fetthaltige Zäpfchen lassen sich leicht anwärmen, wasserlösliche mit warmem Wasser befeuchten [4]. Wichtig ist ausserdem, das Zäpfchen tief genug einzuführen – hinter den Schliessmuskel. Sonst rutscht es zurück, und genau deshalb muss man hinterher die Pobacken zudrücken. Üblich ist, das spitze Ende voran einzuführen; so sehen es auch die meisten Hersteller vor [4]. Zwei Dinge sind heikler, als sie aussehen. Zäpfchen zu halbieren, um eine kleinere Dosis zu erhalten, ist von den Herstellern nicht vorgesehen: Der Wirkstoff kann ungleichmässig verteilt sein [4]. Und wenn ein Zäpfchen gleich wieder herausrutscht, gib nicht einfach ein zweites – frag in der Praxis nach, wie viel dein Kind tatsächlich bekommen hat. Wie du das Fieber sonst noch senken kannst, liest du separat. Fieberzäpfchen – so geht es am besten Wasch dir die Hände mit Seife. Wärm das Zäpfchen kurz in der Hand an und spül es mit etwas Wasser ab. Leg dein Kind auf die Seite oder auf den Rücken, die Beine angezogen. Führ das Zäpfchen mit dem spitzen Ende voran ein, bis es hinter dem Schliessmuskel liegt. Drück die Pobacken einen Moment zusammen, damit das Zäpfchen nicht herausrutscht. Wasch dir danach wieder die Hände. Medikamente mit Saft versüssen Dein Kind will den Arzneisaft nicht schlucken? Das Kindermädchen Mary Poppins wusste Rat: «Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittre Medizin versüsst, rutscht sie gleich noch mal so gut …» Heute nehmen Eltern dafür eher etwas Saft oder Tee. Der Geschmack lässt sich damit tatsächlich überdecken [1]. Aber nicht mit allem. Milch, Muttermilch und Milchprodukte wie Joghurt eignen sich in der Regel nicht: Sie können Aufnahme und Wirkung bestimmter Wirkstoffe verändern, etwa bei Antibiotika. Grapefruitsaft ist ebenfalls ungeeignet, weil er die Wirkung von Medikamenten erheblich verstärken kann [1]. Ob dein konkretes Präparat den Mix verträgt, klärst du am besten beim Termin in der Kinderarztpraxis oder in der Apotheke. Zwei praktische Punkte noch. Rühr das Medikament nur in eine kleine Menge, nie in eine ganze Flasche oder einen vollen Teller. Sonst weisst du nicht, wie viel dein Kind wirklich bekommen hat. Und lass es möglichst aufrecht sitzen, damit es sich nicht verschluckt [1]. Ein Tabu bleibt: Nenn ein Medikament nie Bonbon, Zückerli oder Fruchtsaft. Dein Kind könnte das wörtlich nehmen und sich in einem unbeobachteten Moment selbst bedienen [1]. Aus demselben Grund gehören Arzneien ausser Reichweite von Kindern, am besten verschlossen [4]. Passiert doch etwas, hilft Tox Info Suisse rund um die Uhr unter der Nummer 145. Wenn das Kind ausspuckt oder erbricht Der Sirup landet auf dem Pyjama, oder das Kind übergibt sich zehn Minuten nach der Einnahme. Dann ist die entscheidende Frage nicht, wie du es beim nächsten Mal netter verpackst, sondern wie viel Wirkstoff angekommen ist. Das kannst du zu Hause nicht abschätzen. Frag in der kinderärztlichen Praxis nach, wie du weiter vorgehen sollst – das gilt auch, wenn eine Gabe vergessen ging. Auf keinen Fall darfst du beim nächsten Mal die doppelte Dosis geben, um etwas auszugleichen: Daraus kann eine gefährliche Überdosierung werden. Und Medikamente für Erwachsene sind für Kinder tabu, weil sie anders wirken [1]. Auch sonst gibt es einen Punkt, an dem Tricks nicht mehr weiterhelfen. Verweigert dein Kind ein wichtiges Medikament über Tage, verschlechtert sich sein Zustand oder steigt das Fieber stark an, gehört das ärztlich abgeklärt. Medikamente: Ein Gummibärchen für jeden Augentropfen Schon kleine Kinder bekommen häufig eine Bindehautentzündung. Verschreibt die Kinderärztin dann Tropfen, wird es heikel: Das Fläschchen so nah über dem offenen Auge macht vielen Kindern Angst. Mit dieser Methode wird das Tropfen angenehmer: Dein Kind legt sich flach auf den Rücken, zum Beispiel auf den Wickeltisch oder das Sofa. Leg eine Hand auf seine Stirn, damit der Kopf nicht wackelt. Nun schliesst es die Augen. Mit der anderen Hand lässt du einen Tropfen in den Innenwinkel des Auges fallen. Öffnet dein Kind die Augen, rutscht der Tropfen von selbst hinein. Erst dann nimmst du die Hand von der Stirn. Ein Gummibärchen oder eine Rosine pro Tropfen versüsst das Verarzten. Drei Details entscheiden über Hygiene und Wirkung. Wasch dir vorher und nachher die Hände. Die Spitze des Fläschchens darf weder Auge noch Lid noch eine andere Oberfläche berühren, sonst verkeimt der Inhalt. Und mehr als ein bis zwei Tropfen nimmt ein Auge gar nicht auf. Nachlegen bringt nichts [5]. Ist dein Kind gross genug mitzumachen, lass es nach dem Tropfen die Augen schliessen und drück eine Minute leicht auf den inneren Augenwinkel: Das hält den Wirkstoff dort, wo er hingehört [5]. Ohrentropfen: Erst das Kuscheltier, dann das Kind Dass viele Kinder Ohrentropfen nicht mögen, hat einen handfesten Grund: Kalte Flüssigkeit im Gehörgang fühlt sich unangenehm an. Dagegen hilft ein Handgriff. Wärm das Fläschchen vor dem Eintropfen auf Körpertemperatur, indem du es kurz in der Hand hältst oder in die Hosentasche steckst. Direkt an eine Wärmequelle gehört es nie [6]. Ein Punkt ist wichtiger als jeder Trick: Die meisten Ohrentropfen dürfen bei einem verletzten oder durchlöcherten Trommelfell nicht angewendet werden [6]. Einzelne Wirkstoffe können das Gehör schädigen, wenn sie durch ein beschädigtes Trommelfell ins Mittelohr gelangen [6]. Ob das Trommelfell intakt ist, siehst du zu Hause nicht – das prüft die Ärztin mit dem Otoskop. Wende Ohrentropfen deshalb nur nach ärztlicher Anweisung an, erst recht nach einer Ohrenoperation oder bei akuten Ohrenschmerzen. Und so wird das Tropfen zum Spiel: Lass dein Kind zuerst das Kuscheltier verarzten. In die Rolle der Tierärztin schlüpfen die meisten gern. Heb dafür ein leeres Fläschchen oder eine ausgespülte Pipette auf und füll Wasser hinein – nie das echte Medikament. Danach ist dein Kind an der Reihe. Wenn es auf der Seite liegt, streich ihm die Haare hinter das Ohr und träufle die vorgeschriebene Zahl Tropfen in den Gehörgang. Die Tropferspitze darf das Ohr dabei nicht berühren [6]. Anschliessend bleibt dein Kind einige Minuten liegen, damit die Flüssigkeit nicht gleich wieder ausläuft [6]. Eine kleine Geschichte verkürzt die Wartezeit. Quellen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Arzneimittel kindgerecht verabreichen, kindergesundheit-info.de (Deutschland; keine gleichwertige Schweizer Elternhandreichung verfügbar). Abgerufen am 19.08.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Tabletten schlucken leicht gemacht – ein Trainingsprogramm für Kinder und Jugendliche (PDF, Ausgabe 06/22). Abgerufen am 19.08.2026. PharmaWiki: Mörsern von Tabletten. Abgerufen am 19.08.2026. PharmaWiki: Suppositorien. Abgerufen am 19.08.2026. PharmaWiki: Augentropfen. Abgerufen am 19.08.2026. PharmaWiki: Ohrentropfen. Abgerufen am 19.08.2026.