Gesundheit > KinderkrankheitenWie du Warzen richtig behandelst und entfernst – und wann zum ArztHuckleberry Finn und Tom Sawyer versuchten, Warzen mithilfe einer toten Katze und einem magischen Spruch zu beseitigen. Heute gibt es zum Glück wirkungsvollere Mittel, sie zu behandeln und zu entfernen. Wir haben die Tipps für dich – und die Punkte, bei denen du besser eine Ärztin fragst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken An Füssen tauchen Warzen häufig auf. Foto: smartboy10, Getty Images Plus Das Wichtigste in Kürze: Warzen werden durch Viren verursacht. Im Primarschulalter hat rund ein Drittel der Kinder welche, bei Erwachsenen sind es etwa 3,5 Prozent. Oft verschwinden die verhornten Hautstellen von selbst: bei 65 Prozent der unter 18-Jährigen innerhalb von zwei Jahren, bei 80 Prozent innerhalb von vier Jahren. Für die Behandlung zu Hause ist Salicylsäure (10 bis 15 Prozent) bei Kindern erste Wahl. Vereisen wirkt ebenfalls, ist aber schmerzhaft. Wann eine Warze in ärztliche Hände gehört – vor allem Warzen im Genital- oder Analbereich eines Kindes gehören immer abgeklärt. Direkt zu den Hausmitteln – und was du bei Apfelessig wissen solltest. Die bekannte Romanfigur Huckleberry Finn wollte seine Warzen mit einer toten Katze verschwinden lassen. Aber sein Freund Tom Sawyer schwor auf einen Zauberspruch: Schreit die Eule, quakt der Frosch, scheint der Mond darauf / Faules Wasser, Zauberwasser zehr' die Warzen auf! Die magische Warzenbehandlung auf der Haut wie in Mark Twains Roman «Die Abenteuer des Tom Sawyer» ist heute zum Glück nicht mehr nötig. Man kennt die Ursache mittlerweile gut und kann Warzen deshalb ganz ohne Zauberei behandeln – mit einem Mittel aus der Apotheke, mit Klebeband oder, wenn nötig, in der Arztpraxis. «Warzen sind gutartige, virusbedingte Wucherungen, die ausschliesslich an Haut und Schleimhaut vorkommen», erklärte 2019 Prof. Dr. med. Stephan Lautenschlager, damals Chefarzt des Dermatologischen Ambulatoriums am Stadtspital Zürich Triemli. Warzen-Viren im Schwimmbad Besonders betroffen sind Kinder. Der Grund liegt darin, dass ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Im Primarschulalter haben rund 33 Prozent der Kinder Warzen, bei Erwachsenen sind es 3,5 Prozent [4]. «Die Viren, die Warzen verursachen, werden in die Gruppe der humanen Papillomaviren eingeordnet. Davon gibt es über 120 verschiedene Typen, die je nach Typ auch unterschiedliche Formen auslösen können», erklärte Stephan Lautenschlager. Es sind dieselbe Virusfamilie – aber andere Typen – wie jene, gegen die die HPV-Impfung für Jugendliche schützt. Diese Viren lieben Orte, an denen es warm und feucht ist, zum Beispiel das Badezimmer oder das Schwimmbad. Und sie lieben aufgeweichte Haut, in die sie besonders gut eindringen können, wenn sie verletzt ist. Kleine Kratzer und Schnittwunden reichen aus – Dornwarzen entstehen typischerweise nach kleinen Fussverletzungen im Schwimmbad oder in der Turnhalle, Warzen rund um die Nägel nach dem Nägelkauen [4]. Bis sich die ersten Warzen bilden, vergehen oft Wochen, manchmal sogar bis zu zwei Jahre. Vorbeugen lässt sich einfach: Badeschuhe im Schwimmbad und Turnschuhe in der Halle, eine bestehende Warze vor dem Baden mit einem wasserfesten Pflaster überkleben, Handtücher, Schuhe und Handschuhe nicht teilen – und das Nägelkauen sein lassen [1]. «Um zu vermeiden, dass sich das Virus auch auf anderen Körperstellen ausbreiten kann, sollten Kinder besser nicht an Warzen zupfen, reiben oder kratzen», wies 2019 Dr. Ulrich Fegeler hin, damals Bundespressesprecher des deutschen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Wichtig sei auch, dass das Kind ein separates Handtuch verwendet und eigene Cremes benutzt. Warzen sind klein und manchmal unscheinbar, aber unter dem Fuss können sie sehr unangenehm sein. Bild: ttsz, iStock, Getty Images Plus Von Dornwarzen und Dellwarzen «Am häufigsten finden sich Warzen, Dornwarzen, als verhornte Stellen an den Füssen oder an den Händen», sagte der Arzt Stephan Lautenschlager. Grundsätzlich könne jedoch die ganze Hautoberfläche betroffen sein. «Je nach Virustyp können auch die planen Warzen speziell im Kindesalter entstehen, diese finden sich vor allem im Gesicht.» Sie sind flach, weich und hautfarben. Warzen an der Fusssohle heissen Plantar- oder Dornwarzen; sie wachsen nach innen und tun beim Gehen weh. Die meisten Warzen heilen spontan nach unterschiedlich langem Verlauf von Wochen bis zu Jahren narbenlos ab. Darüber hinaus gibt es die genitalen Warzen, die Kondylome, die durch die HPV-Subtypen 6 und 11 verursacht werden. Prof. Stephan Lautenschlager: «Andere Viren, zum Beispiel das Molluscum contagiosum Virus, verursachen Dellwarzen, die speziell im Kindesalter auftreten und meist mit guter Hautpflege spontan verschwinden.» Wichtig zu wissen: Dellwarzen und die gewöhnlichen Warzen haben zwar einen ähnlichen Namen, aber unterschiedliche Erreger. Hinter Dellwarzen steckt kein humanes Papillomavirus, sondern ein Virus aus der Familie der Pockenviren [4]. Was gegen das eine hilft, hilft deshalb nicht automatisch gegen das andere. Dellwarzen sind 2 bis 3 Millimeter grosse, hautfarbene oder weissliche Knötchen mit glatter, oft glänzender Oberfläche und einer Vertiefung in der Mitte [2][5]. Bei Kindern sitzen sie bevorzugt am Oberkörper sowie an Armen und Beinen, oft in Gruppen. Sie jucken häufig, und wenn Kinder sie aufkratzen, verteilen sie die Viren auf weitere Körperstellen und auf andere Menschen [5]. Besonders zahlreich und hartnäckig treten sie bei Kindern mit Neurodermitis auf [4]. Ohne Behandlung heilen sie innerhalb von 12 bis 24 Monaten ab [4]. Vom Kindergarten, von der Schule oder vom Schwimmunterricht muss ein Kind mit Dellwarzen nicht ferngehalten werden [5]. Einfach abwarten – aber wie lange? Was tun, wenn sich die verhornten Stellen auf der Haut bilden? «Die meisten Warzen heilen spontan nach unterschiedlich langem Verlauf von Wochen bis zu Jahren narbenlos ab», beruhigte Stephan Lautenschlager. Eine aufwändige Behandlung ist also gar nicht immer nötig. Konkret heisst das: Mit oder ohne Behandlung sind gewöhnliche Warzen bei 65 Prozent der unter 18-Jährigen nach zwei Jahren verschwunden, bei 80 Prozent nach vier Jahren [4]. Abwarten ist damit eine echte Option – aber eine, die Monate bis Jahre dauern kann. Wer sich dafür entscheidet, gibt dem Immunsystem des Kindes die Zeit, selbst mit den Erregern fertig zu werden. In manchen Fällen fehlt aber die Zeit abzuwarten. Zum Beispiel dann, wenn das Kind selbst unter der betroffenen Stelle leidet, weil es sie hässlich findet. Oder weil sich Dellwarzen auf der Haut zu stark vermehren. Oder weil eine Dornwarze unter dem Fuss sitzt und weh tut, wenn sie beim Gehen und Laufen unter Druck gerät, zumal an den Füssen eine spontane Abheilung seltener vorkommt. Dann ist es sinnvoll, die Stellen gezielt zu behandeln. Wann Warzen in ärztliche Hände gehören Warzen sind in aller Regel harmlos. Es gibt aber Situationen, in denen du nicht selbst behandeln, sondern eine Kinderärztin oder eine Dermatologin beiziehen solltest: Warzen im Genital- oder Analbereich eines Kindes gehören immer abgeklärt. Bei Kleinkindern unter zwei Jahren entstehen sie in der Regel durch Übertragung während Schwangerschaft oder Geburt. Sind ältere Kinder betroffen, wird die Ansteckungsquelle zuerst bei Angehörigen oder Betreuungspersonen mit Handwarzen gesucht; in etwa 5 Prozent der Fälle muss an sexuellen Missbrauch gedacht und eine Abklärung durch Kinderschutz-Fachleute veranlasst werden [4]. Du bist dir nicht sicher, ob es überhaupt eine Warze ist. Die Diagnose stellt die Ärztin am klinischen Bild; sie grenzt dabei andere Hautveränderungen wie Hühneraugen ab [1]. Das Kind hat ein geschwächtes Immunsystem – angeboren, nach einer Transplantation oder unter einer immunsuppressiven Therapie. Dann sind Warzen häufiger und hartnäckiger [1], und es lohnt sich, früh zu behandeln. Die Warze schmerzt, blutet, entzündet sich oder breitet sich rasch aus. Warzen im Gesicht, besonders in Augennähe, und Warzen direkt am Nagelrand. Bei Dellwarzen: wenn der Befall gross wird oder das Kind ständig kratzt [5]. Auch sonst gilt: Bei Kinderkrankheiten ist die Frage «wann zum Arzt?» oft wichtiger als die Diagnose selbst. Die richtige Warzenbehandlung «Wenn kosmetisch störende Formen, seltener schmerzhafte Warzen im Fussbereich oder stigmatisierende Warzen an den Händen bestehen, sollte eine Therapie erfolgen», riet Stephan Lautenschlager. «Therapien können mit Ätzmitteln, die in unterschiedlichen Formen rezeptfrei angeboten werden oder mit aufweichenden und schälenden Substanzen (häufig Salicylsäure-haltig) durchgeführt werden.» Bei Kindern ist die topische Salicylsäure in einer Konzentration von 10 bis 15 Prozent das Mittel der ersten Wahl [4]; auch sonst gilt sie in der Fachliteratur als die am besten belegte Behandlung. Salicylsäure gibt es vorgefertigt in Pflastern, was die Handhabung einfach macht. Die verhornte Haut lässt sich dann nach einem Bad vorsichtig abtragen. Danach wird das Mittel erneut aufgetragen. Der ganze Vorgang muss über Wochen mehrmals wiederholt werden. Wichtig: Ätzmittel dürfen nicht auf die gesunde Haut rundherum und nicht in die Augen gelangen – die Umgebung schützt du mit Pflaster oder Salbe [2]. Auch eine Vereisung ist eine Möglichkeit, die unliebsamen Gäste loszuwerden: «Alternativ können Kältebehandlungen oder bei ganz hartnäckigen Fällen auch immunologische Behandlungen zum Beispiel mit Diphenylcyclopropenon (DCP) erfolgen», sagte Stephan Lautenschlager. Bei der Vereisung, auch Kryotherapie genannt, wird die Warze mit flüssigem Stickstoff vereist, sodass das Warzengewebe abstirbt. Sie wirkt – gilt aber allgemein als schmerzhaft. Bei kleinen Kindern ist sie deshalb nicht der erste Griff; die Fachliteratur empfiehlt, den Stickstoff in Intervallen über zehn Sekunden aufzutragen, um den Schmerz zu dämpfen. Die im Handel erhältlichen Vereisungs-Sets für zu Hause erreichen nur rund minus 56 Grad statt minus 196 Grad, sind weniger wirksam und werden als schmerzhafter empfunden, weil der Applikator auf die Warze gedrückt werden muss [4]. Da keine Narben entstehen sollen, sei von chirurgischen Behandlungen abzusehen, sagte Lautenschlager: «Selten kann einmal eine Behandlung mit einem Kohlenstoffdioxidlaser hilfreich sein.» Auch die Laserbehandlung ist schmerzhaft und wird von den Krankenkassen nicht vergütet [4]. Ein Wort zur Schöllkraut-Tinktur, die oft als Warzenmittel empfohlen wird: In der Volksmedizin wird gegen Warzen der frische Milchsaft der Pflanze auf die Warze getupft [3]. Die Tinktur aus der Apotheke ist etwas anderes – sie ist zum Einnehmen bei Gallen- und Verdauungsbeschwerden gedacht, kann in höherer Dosierung die Leber schädigen und ist für Kinder unter sechs Jahren ausdrücklich nicht zugelassen [3]. Verwechsle die beiden also nicht. Ein bisschen Magie bleibt Wer sich dafür entscheidet, die Warze des Kindes zunächst gar nicht zu behandeln, sondern auf die Arbeit zu vertrauen, die das Immunsystem leistet, hat gute Erfolgschancen: «Zwei Monate nach der Diagnose sind 25 Prozent der Warzen spontan verschwunden, nach zwei Jahren sind es bis zu vier Fünftel der Fälle», berichtete Stephan Lautenschlager. Genau darin liegt aber auch die Falle für jedes Warzenmittel: Weil so viele Warzen von selbst abheilen, sieht am Ende fast alles wirksam aus, was man vorher aufgetragen hat – der Zauberspruch so gut wie die Zwiebelscheibe. Ein Verfahren, das bei einem Kind «geholfen» hat, ist deshalb noch kein Beleg dafür, dass es wirkt. Und trotzdem hat die Magie ihren Platz. Die Genfer Kinderdermatologin Dr. med. Anne-Marie Calza riet an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie ausdrücklich dazu, das magische Denken kleiner Kinder nicht zu unterschätzen: eine passende Geschichte erzählen und das Kind aktiv in die Behandlung einbeziehen. Kinder seien gut hypnotisierbar und sprächen auf suggestive Warzenbehandlungen an [4]. Der Zauberspruch ersetzt keine Salicylsäure – aber er macht das Kind zum Mitspieler statt zum Patienten. In diesem Sinne: «Warze alt, Warze kalt, Warze ab!» Hausmittel gegen Warzen: das Klebeband Das am besten untersuchte Hausmittel ist verblüffend simpel: Klebeband. In einer randomisierten Studie mit 51 Kindern (Durchschnittsalter 9 Jahre) wurde ein kleines Stück Klebeband für sechs Tage auf die Warze geklebt, danach die Warze nach dem Entfernen mit einem Bimsstein abgeschabt und über Nacht offen gelassen. Am nächsten Morgen ging es von vorne los – bis zu zwei Monate lang. Ergebnis: Nach zwei Monaten waren die Warzen in der Klebebandgruppe bei 85 Prozent der Kinder abgeheilt, in der Vergleichsgruppe mit Vereisung bei 60 Prozent [4]. Die Methode ist praktisch nebenwirkungsfrei, kostet fast nichts und tut nicht weh – gemeldet wurden nur vereinzelt leichte Hautreizungen und Klebeband, das zu früh abfiel. Warum sie wirkt, ist nicht restlos geklärt; möglicherweise reizt das Klebeband die Haut und regt so das Immunsystem an [4]. Und was ist mit Apfelessig? Der Tipp, einen Wattebausch mit Apfelessig zu tränken und über Nacht mit einem Pflaster zu fixieren, kursiert seit Jahren. Ein Wirksamkeitsnachweis dafür fehlt, und der Essig ist nicht harmlos: Apfelessig ist verdünnte Essigsäure, und Essigsäure wird gerade wegen ihrer ätzenden Wirkung als Warzenmittel eingesetzt – auch in tieferer Konzentration bleibt sie reizend bis ätzend [6]. Ein Pflaster über Nacht hält die Säure genau dort fest, wo sie nicht hingehört: auf der gesunden Haut rundherum [1]. Auf Kinderhaut, im Gesicht oder in der Nähe der Augen hat Apfelessig deshalb nichts zu suchen. Wenn du ein Hausmittel probieren willst, ist das Klebeband die bessere Wahl. Quellen PharmaWiki: Gewöhnliche Warzen. Letzte Änderung 9.4.2026, abgerufen am 11.08.2026. PharmaWiki: Molluscum contagiosum (Dellwarzen). Letzte Änderung 23.3.2026, abgerufen am 11.08.2026. PharmaWiki: Schöllkraut. Letzte Änderung 23.2.2026, abgerufen am 11.08.2026. Lienhard, A.: Mollusken und Warzen – dem Alter angepasste Therapieform wählen (PDF). Bericht über den Vortrag von Dr. med. Anne-Marie Calza, Genf, an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV). Pädiatrie 5/2018, Rosenfluh Publikationen, abgerufen am 11.08.2026. Schulärztlicher Dienst der Stadt Zürich: Infoblatt Dellwarzen (Mollusken) (PDF), Stand 07/2025, abgerufen am 11.08.2026. PharmaWiki: Essigsäure. Letzte Änderung 28.2.2024, abgerufen am 11.08.2026.