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Keine Angst vorm Wespenstich: Erste Hilfe und wann zum Arzt

Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen sind ausgesprochen nützliche Insekten. Trotzdem ist die Angst vor einem Stich gross, bei Kindern wie bei Eltern. Meist ist ein Wespenstich schmerzhaft, aber harmlos. Was sofort hilft, wann ein Stich zum Notfall wird und wie du deinem Kind die Angst nimmst.

Die fleissigen Bienen
Die fleissigen Bienen machen uns viel Freude. Dank ihnen können wir Früchte ernten und Honig essen. Foto: Stockbyte, John Foxx.

Sechs Hornissenstiche töten ein Pferd, heisst es im Volksmund. Der Schweizer Tierschutz nennt diesen Aberglauben ausdrücklich falsch. Die Hornisse ist zwar die grösste einheimische Stachelwespe, deswegen aber nicht gefährlicher als eine gewöhnliche Wespe. Und ein Wespen- oder Hornissenstich ist nicht schlimmer als ein Bienenstich.[3] Gefährlich wird ein Stich vor allem in zwei Situationen: bei einer allergischen Reaktion und bei einem Stich im Mund oder Rachen.[1]

Das hilft sofort beim Wespenstich

Ein Stich schmerzt, und für ein Kind ist er eine erschreckende Erfahrung. Gefährlich ist er in der Regel nicht.[3] Wichtig ist, dass du ruhig bleibst und der Reihe nach vorgehst.

Nach einem Bienenstich bleibt der Stachel in der Haut stecken, weil er einen Widerhaken hat. Wespen und Hornissen behalten ihren Stachel und können damit mehrfach zustechen.[1] Steckt ein Stachel in der Haut, entfernst du ihn vorsichtig mit einer Pinzette. Fasse dabei den Stachel selbst an und nicht die Giftdrüse, sonst presst du noch mehr Gift in die Stichstelle.

Der Schweizer Tierschutz empfiehlt danach diese Massnahmen:

  • Die geschwollene Stelle kühlen und Eis auflegen.
  • Eine Zwiebel halbieren und die frisch angeschnittene Hälfte mindestens 15 Minuten auf die Stichstelle drücken.
  • Insektenstichsalbe auftragen.

Geschwollene Stiche klingen in der Regel nach spätestens zwei bis drei Tagen vollständig ab.[3] Eine Schwellung bis rund zehn Zentimeter Durchmesser, dazu Rötung und Juckreiz, gilt als normale örtliche Reaktion und ist kein Zeichen für eine Allergie.[1]

Wann ein Wespenstich zum Notfall wird

Stich im Mund oder Rachen. Schwillt die Schleimhaut an, kann sie die Atmung behindern. Der Schweizer Tierschutz rät in diesem Fall unbedingt zu ärztlicher Hilfe.[3] Wähle sofort den Sanitätsnotruf 144.[4]

Allergische Reaktion. Rund 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung reagieren allergisch auf Insektenstiche. Erste Symptome zeigen sich bereits wenige Minuten nach dem Stich.[1] Die Reaktion tritt in der Regel innerhalb der ersten zwei Stunden auf.[2] Achte auf diese Warnzeichen:

  • Quaddeln und Juckreiz am ganzen Körper, nicht nur rund um die Stichstelle
  • Schwellungen im Gesicht
  • Atemprobleme
  • Bauchschmerzen
  • Herzrasen[1]

Im schlimmsten Fall führt das zu einem anaphylaktischen Schock. Zeigt dein Kind solche Zeichen, wähle sofort die 144.[4] Hat es ein ärztlich verschriebenes Notfallset, gibst du die Medikamente sofort, ohne auf weitere Symptome zu warten. Bei einer schweren Reaktion kommt der Adrenalin-Autoinjektor zum Einsatz. Das gilt besonders auch dann, wenn ein Kind zum ersten Mal allergisch reagiert und noch keine Notfallmedikamente hat.

Bleiben die Beschwerden auf die Stichstelle beschränkt, steckt in der Regel keine Allergie dahinter. Eine Schwellung über zehn Zentimeter Durchmesser, dazu leichtes Fieber und Unwohlsein, gilt als schwere örtliche Reaktion.[1] Sie wird mit Antihistaminika und Steroiden behandelt und gehört deshalb in ärztliche Hände.

Viele Stiche auf einmal. Wird ein Kind gleichzeitig von vielen Insekten gestochen, wirkt die Giftmenge selbst giftig. Lebensbedrohliche Reaktionen sind ab rund 50 Stichen beschrieben.[2] Auch dann brauchst du sofort den Notruf 144.[4]

Nach jeder allergischen Reaktion gehört das Kind abgeklärt. Leichtere Reaktionen kann die Kinderärztin oder der Kinderarzt übernehmen, nach einer schweren Reaktion braucht es eine allergologische Sprechstunde. Die Abklärung erfolgt frühestens sechs Wochen nach dem Ereignis. Eine Desensibilisierung ist ab dem fünften Lebensjahr möglich; bei Wespengift schützt sie zu rund 95 Prozent.[2]

So können Kinder einen Wespenstich vermeiden

Stechen können alle weiblichen Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen, also die Arbeiterinnen und die Königinnen. «Eigentlich dient der Stachel dazu, sich gegen andere Hautflügler zu verteidigen, die z.B. das Nest ausplündern oder erwachsene Tiere erbeuten wollen», schreibt der Schweizer Tierschutz. «Honigbienen können sich zum Beispiel gegenseitig die Vorräte klauen!»

Menschen stechen die Tiere nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Deshalb gilt: ruhig verhalten und nicht herumfuchteln. Kinder müssen sich vor einem Wespenstich nicht fürchten, wenn sie die Tiere in Ruhe lassen.

Zwei Sätze helfen im Alltag: «Draussen trinke ich nur mit dem Strohhalm» und «Essen bleibt abgedeckt». Zu gross ist die Gefahr, versehentlich eine Wespe zu verschlucken. Der Schweizer Tierschutz rät ausdrücklich dazu, bei süssen Getränken Trinkhalme zu verteilen, und empfiehlt einen prüfenden Blick vor dem Zubeissen.

Wie Eltern einem Wespenstich vorbeugen können

Auch Eltern können viel tun. Ein Moskitonetz im Fensterrahmen oder ein spezieller Vorhang hält Insekten aus der Wohnung.[3] Sinnvoll ist es ausserdem, kleinen Kindern nach dem Essen den Mund abzuwischen, damit süsse Reste keine Wespen anlocken.

Lassen euch Wespen beim Essen im Garten nicht in Ruhe, kann eine Ablenkungsfütterung helfen. Stell eine Schale mit sehr reifen, aufgeschnittenen Weintrauben oder etwas Marmelade rund fünf bis zehn Meter vom Tisch entfernt hin, rät der deutsche Naturschutzbund NABU. Wespen sind übrigens nicht grundlos aggressiv: Ausserhalb ihres Nests suchen sie schlicht Nahrung. Sie stechen erst, wenn wir nach ihnen schlagen oder sie sich gefangen fühlen.

Ein Nest im Garten musst du nicht sofort entfernen lassen. Hältst du rund zwei Meter Abstand und versperrst die Flugbahn nicht, fühlen sich die Tiere nicht bedroht.[5] Hornissen sind zudem stark bedroht und sollen auf keinen Fall bekämpft werden.

Warum Bienen und Wespen so wichtig sind

Kinder verlieren ihre Angst vor einem Wespenstich, wenn sie begreifen, wie wichtig diese Tiere für unser Leben sind. Hast du mit deinem Kind schon einmal beobachtet, wie die Insekten die Blüten anfliegen, um süssen Nektar aufzusaugen? Erklär ihm, dass dabei Blütenstaub an den haarigen Körpern hängen bleibt. Beim Besuch der nächsten Blüte fällt dieser Pollen auf die klebrige Narbe und befruchtet sie. So entsteht eine Frucht: eine Erdbeere, ein Apfel, eine Tomate. Aus den Samen wachsen neue Pflanzen.

Auch Wespen sind nützlich. Ein Wespenvolk fängt in einem Sommer mehrere Kilogramm Insekten und verfüttert sie an seine Larven, vor allem Fliegen. Hornissen leisten das erst recht, weil sie auch nachts ausfliegen. In der Schweiz leben zudem über 300 Wildbienenarten. Die meisten leben solitär, sind sehr klein und können mit ihrem Stachel die menschliche Haut nicht durchdringen.

So unterscheiden sich Wespen und Bienen

Bienen:

Bienen sind meist unauffällig und bräunlich gefärbt. Gut erkennbar sind sie an den vielen feinen Haaren und am langen, dünnen Rüssel, mit dem sie den Nektar der Blüten aufnehmen. Hummeln zählen ebenfalls zu den Bienen; sie fallen durch ihre Grösse und ihre starke Bepelzung auf. Bienen und Hummeln sind Vegetarier und füttern ihre Larven mit Blütenstaub und Nektar. Beim Grillieren mit Kindern musst du vor Bienen deshalb keine Angst haben.

Wespen:

Wespen tragen die deutlichen Warnfarben Gelb und Schwarz. Sie sind nicht behaart und wirken dadurch viel schlanker als Hummeln; typisch ist die lange, schmale «Wespentaille». Hornissen zählen zu den Wespen und fallen durch ihre Grösse auf. Sie sind die grösste einheimische Stachelwespe und bringen in guten Sommern Völker mit bis zu 1000 Tieren hervor.

Wespen sind im Gegensatz zu Bienen keine Vegetarier. Erwachsene Wespen fressen selber hauptsächlich pflanzliche Nahrung, im Herbst zum Beispiel überreifes Fallobst. Ihre Larven füttern sie dagegen mit tierischer Nahrung. «Sie erbeuten andere Insekten und zerkauen diese für die Larven zu einem Fleischbrei», schreibt der Schweizer Tierschutz.[3]

Quellen

  1. aha! Allergiezentrum Schweiz: Insektengiftallergie (abgerufen am 23.08.2026)
  2. Kispi-Wiki, Kinderspital Zentralschweiz: Insektengiftallergie, Version 04/2024 (abgerufen am 23.08.2026)
  3. Schweizer Tierschutz STS: STS-Merkblatt «Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen» (PDF, abgerufen am 23.08.2026)
  4. ch.ch, Bund, Kantone und Gemeinden: Notfälle in der Schweiz (abgerufen am 23.08.2026)
  5. NABU, Deutschland: Keine Panik: NABU-Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen (abgerufen am 23.08.2026)

Wurdest du schon einmal von einer Wespe gestochen? Schreib es uns im Kommentarbereich.

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