Gesundheit > KinderkrankheitenWickel selber machen: Welche Wickel bei Husten, Halsweh und Fieber helfen Anina Peter Wickel können auf natürliche Weise viele Beschwerden begleiten – von Schnupfen, Husten und Fieber über Ohrenschmerzen und Halsentzündungen bis hin zu Verspannungen und kleineren Verletzungen. Gerade wenn dein Kind krank ist, wünschen sich viele Eltern etwas, das schnell, sanft und ohne viel Aufwand entlastet. Wickel selber zu machen, ist meist einfach: Du brauchst Wickeltücher und – je nach Ziel – Wärme, Kälte oder einen Zusatz wie Quark, Zwiebeln oder Kartoffeln. In diesem Beitrag findest du sichere Schritt-für-Schritt-Anleitungen, klare Grenzen und Warnzeichen sowie eine Einordnung, was wissenschaftlich gut belegt ist und was vor allem als wohltuend gilt. Ausserdem spricht Pflegefachfrau HF Brigitte Witzemann im Interview darüber, warum die uralte Praxis für Kinder auch emotional so viel bedeuten kann. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ob bei Fieber oder starkem Husten – Wickel sind ein bewährtes Hausmittel, das auch bei Kindern Beschwerden lindert. Bild: GettyImages Plus, filadendron Das Wichtigste in Kürze und Übersicht Es gibt unterschiedliche Arten von Wickeln: Je nach Beschwerde hilft ein warmer, temperierter oder kalter Wickel am besten. Nicht nur die Temperatur des Wickels ist ausschlaggebend, sondern auch die Zutat Meist gibt es für eine Krankheit oder eine Beschwerde nicht nur eine passende Zutat. So kann bei Husten ein Brustwickel mit Kartoffen, aber auch einer mit Zwiebeln oder Lavendelöl helfen. Mehr über die Vielfalt und Wirkung von Wickeln. Wickel eignen sich wunderbar für Kinder – wenn du sie sicher anwendest. Achte besonders auf Temperatur, Anwendungsdauer und Abbruchkriterien. Bei Säuglingen und bei bestimmten Risiken (z.B. Kreislaufprobleme, Kälteempfinden, Hautkrankheiten) gilt: lieber zuerst ärztlich abklären. Ein Wickel hilft nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Er vermittelt das Gefühl von Geborgenheit und Umsorgtsein, erklärt Expertin Brigitte Witzemann im Interview. Worauf du darum besonders achten solltest, wenn du deine Kinder behandelst, erklärt sie hier. Diese Wickel helfen bei Husten, Halsweh, Fieber und Entzündungen. Am liebsten hättest du dein Kind vielleicht einfach eingepackt und wärst direkt zur Kinderärzt:in gefahren – gerade wenn Husten, Fieber oder Halsweh dich nachts wachhalten. Gleichzeitig kennen viele Eltern das Gefühl: «Ich möchte jetzt sofort etwas tun, das meinem Kind spürbar guttut.» Genau hier können Wickel eine hilfreiche Ergänzung sein – vor allem, weil sie Wärme, Kühle, Ruhe und Nähe verbinden. Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: Wickel ersetzen keine medizinische Abklärung, können aber Beschwerden lindern und das Wohlbefinden verbessern. Direkt zur Anleitung: Wickeln bei Halsschmerzen Direkt zur Anleitung: Wickel bei Husten Direkt zur Anleitung: Wickel bei Fieber Direkt zur Anleitung: Wickel bei Entzündungen Wenn du Wickel zum ersten Mal ausprobierst, ist Skepsis normal. Gute Nachricht: Mit ein paar Sicherheitsregeln ist die Anwendung unkompliziert. Du brauchst keine «Perfektion», sondern einen Wickel, der angenehm ist, der Haut nicht schadet und den Kreislauf deines Kindes respektiert. Besonders bewährt ist: langsam starten, Temperatur testen, gut beobachten – und sofort abbrechen, wenn es deinem Kind damit schlechter geht. Bevor du startest: Wann Wickel sinnvoll sind – und wann nicht Wickel sind Ergänzung, kein Ersatz bei Warnzeichen Bei unkomplizierten Infekten können Wickel das Wohlbefinden steigern, entspannen und bei Fieber das subjektive Hitzegefühl lindern. Fachlich wichtig ist: Fieber ist eine normale Abwehrreaktion. Im Vordergrund steht, wie es deinem Kind insgesamt geht (Allgemeinzustand, Trinken, Atmung) – nicht nur die Zahl am Thermometer. Wickle nicht (oder nur nach Rücksprache), wenn … dein Kind Schüttelfrost hat oder deutlich friert (Körper versucht dann, Temperatur zu erhöhen). Füsse und Beine kalt sind (erst wärmen, sonst kann der Kreislauf belastet werden). dein Kind sehr schlapp ist, ungewöhnlich schwer weckbar wirkt oder sich deutlich «anders» verhält als sonst. es Atemnot gibt (Einziehungen, pfeifendes Atmen, bläuliche Lippen) – dann zählt sofortige Abklärung. dein Kind austrocknet (sehr wenig Urin, trockener Mund, keine Tränen, auffallend durstig oder apathisch). offene Hautstellen, starke Ekzeme, frische Verbrennungen oder Allergien gegen den Wickelzusatz vorliegen. du dir unsicher bist – dann ist eine kurze telefonische Rücksprache (Kinderärzt:in/Notfallnummer) oft der beste nächste Schritt. Sicherheitsregeln, die wirklich zählen Temperatur-Test: Warm heisst nie «heiss». Teste warme Auflagen immer am eigenen Innenarm, bevor du sie auflegst. Hautschutz: Nie sehr kalte oder sehr heisse Komponenten direkt auf die Kinderhaut legen. Ein Innentuch schützt und verteilt Temperatur. Beobachten statt «durchziehen»: Wenn dein Kind jammert, zittert, blass wird, über Schmerzen klagt oder sich der Wickel «falsch» anfühlt: sofort abnehmen. Keine luftdichte Okklusion: Wickel sollen nicht «versiegelt» werden. Luftdichtes Abdecken kann Haut reizen und Wärmestau fördern. Das gilt besonders bei Zusätzen, die auf der Haut wirken (z.B. ätherische Öle). Ätherische Öle bei Kindern: Bei kleinen Kindern sehr zurückhaltend sein; bei Säuglingen grundsätzlich nicht experimentieren. Einige Öle können Atemwege reizen. Nutze sie nur, wenn du die Verträglichkeit kennst und die Dosierung wirklich kindgerecht ist. Wickel selber machen: Diese Wickel gibt es Es gibt nicht «den einen Wickel» – je nach Ziel kann Kälte, milde Wärme oder intensive Wärme passen. Dazu kommen Zusätze wie Quark, Kartoffeln oder Zwiebeln, die vor allem als traditionell wohltuend gelten. Wissenschaftlich gilt: Für viele Wickel-Anwendungen ist die Studienlage bei Kindern begrenzt. Praktisch berichten aber viele Familien von Erleichterung, vor allem durch Wärme/Kühle, Entspannung und das Ruhigwerden. Entscheidend ist deshalb eine sichere Anwendung und eine klare Grenze zur medizinischen Behandlung, wenn Warnzeichen auftreten. Grundsätzlich lassen sich Wickel in kalte, temperierte oder warme Auflagen einteilen. Der Temperatureffekt wirkt über Hautreize und Blutgefäss-Regulation (Kälte kann abschwellend und schmerzlindernd wirken, Wärme eher entspannend). Zusätze können Geruch, Hautgefühl und subjektives Empfinden verstärken – müssen aber besonders bei empfindlicher Kinderhaut vorsichtig dosiert werden. Wickel selber machen: Das brauchst du Ob warm oder kalt: Wenn du einmal alles griffbereit hast und das Grundprinzip kennst, ist der Aufwand klein. Je nach Wickel brauchst du: Wickeltücher – am besten aus natürlichen Materialen wie Baumwolle, Leinen oder Seide evtl. Befestigungsmaterial – elastische Binden, Klammern, Sicherheitsnadeln evtl. Hilfsmittel zum Warmmachen oder Warmhalten Wickelzusatz (Kräuter, Zitronen, Zwiebeln, Kartoffeln usw) Die richtige Anwendungstechnik von Wickeln Wenn du den Wickel samt Zusatz bereit hast, lege ihn satt und faltenfrei auf. Dein Kind sollte bequem liegen oder sitzen. Plane Zeit ein: Hektik macht Wickel für Kinder schnell unangenehm. Das Anlegen eines Wickels vermittelt Geborgenheit und Fürsorge. Das ist wichtig, denn wer krank ist, ist besonders zuwendungsbedürftig. Das Gefühl, mit seinen Bedürfnissen ernst genommen, besser verstanden und umsorgt zu werden, hat einen besonderen Stellenwert für das Gesundwerden kranker Menschen, besonders bei Kindern. Brigitte Witzemann, Pflegefachfrau HF - zum Interview Gut ist auch, wenn der Wickel in einer ruhigen Umgebung aufgelegt wird und kein Zeitdruck herrscht. Die Anwendungszeit variiert je nach Wickel und Beschwerden. Wichtig: Bei warmen Wickeln für Kinder solltest du gut auf die Temperatur achten und diese vorerst an deinem eigenen Unterarm überprüfen. Weitere Tipps zu Wickeln bei Kindern gibt Brigitte Witzemann hier im Interview. Ob bei Fieber oder Husten: Ein selbstgemachter Wickel verschafft deinem Kind Linderung. GettyImages Plus, miljko Diese Wickel helfen bei Halsschmerzen und Angina Halsschmerzen sind bei Kindern häufig viral bedingt. Ein Wickel kann die Beschwerden lindern, ersetzt aber keine Abklärung, wenn z.B. starke Schluckschmerzen, hohes Fieber, Atemprobleme, ein auffälliger Ausschlag oder ein sehr schlechter Allgemeinzustand dazukommen. Wenn du unsicher bist, gilt: lieber frühzeitig ärztlich abklären. 1 Halswickel mit Quark Das brauchst du: Magerquark (zehn Minuten vor Gebrauch aus dem Kühlschrank nehmen, bei Milchallergie sollte eine Alternative verwendet werden, zum Beispiel Heilerde oder Zitrone.) Zellstoff-Vlies (Windeleinlage) Halswickelset oder Rohwolle und Halstuch So geht es: Streiche den Quark wenige Millimeter dick auf das Vlies. Schlage das Vlies zu einem länglichen Päckchen ein, das du nun in die Gazetasche des Halswickels legst. Binde das zubereitete Halswickelset oder Quarkrolle, Rohwolle und Halstuch um den Hals und lasse den Wickel etwa 20 Minuten wirken. Sicherheits-Tipp: Quarkwickel sollen angenehm kühl sein, nicht eiskalt. Wenn dein Kind friert, zittert oder den Wickel als unangenehm erlebt, nimm ihn ab. Kontrolliere die Haut: Rötung ist möglich, starke Reizung nicht. 2 Frischer Halswickel mit Zitrone Wichtig: Wende bei Kindern unbedingt verdünnten Zitronensaft an – Kinderhaut reagiert empfindlich. Dieser Wickel eignet sich dank seines frischen Gefühls besonders, wenn dein Kind Kühle als angenehm erlebt. Das brauchst du: 1 ungespritzte Zitrone dünnes Innentuch Woll- oder Halstuch So geht es: Schneide die Zitrone in Scheiben und lege diese in die Mitte des Tuchs. Falte den oberen und unteren Rand über die Zitronen, so dass ein Paket entsteht. Drücke mit der Faust auf die Zitronenscheiben bis Saft austritt. Lege den Wickel mit der unteren Seite auf die Haut von Ohr zu Ohr. Lege das Halstuch darüber und befestige den Wickel. Anwendungsdauer: Du kannst den Wickel rund eine Stunde aufgelegt lassen. Wenn die Zitrone Juckreiz auslöst, verdünne den Saft oder beende die Anwendung. Diese Wickel helfen bei Husten Bei Husten hilft häufig vor allem: Ruhe, ausreichend trinken, feuchte Luft (je nach Situation) und – wenn das Kind es angenehm findet – milde Wärme auf Brust oder Rücken. Wickel können das subjektive Druckgefühl lindern und beim Einschlafen helfen. Wenn dein Kind schnell atmet, Atemnot hat oder der Husten länger anhält, gilt: medizinisch abklären. 1 Brustwickel mit Lavendelöl Wichtig: Nicht geeignet für Säuglinge und Kleinkinder, da das ätherische Öl in untenstehender Konzentration zu stark ist! Das brauchst du: 1 Baumwolltuch, das rund um die Brust reicht Lavendelöl zehn Prozent Backtrennpapier Wärmeflasche Rohwolle oder Watte in Gaze eingewickelt Aussentuch aus Schurwolle, Innentuch aus Baumwolle. Die Tücher sollten so gross sein, dass sie rund um die Brust reichen und die Brust bis zur Magengrube bedecken. So geht es: Schneide das Baumwolltuch brustbreit zu und beträufle es sparsam mit Lavendelöl, bevor du es in Backtrennpapier einschlägst und mit der Wärmeflasche auf Körpertemperatur erwärmst (ca. zehn Minuten). Dann nimmst du das ölgetränkte Tuch aus dem Backtrennpapier und legst es rasch auf die Brust. Bedecke den Wickel mit der in Gaze eingewickelten Rohwolle oder Watte und befestige es straff mit Innen- und Aussentuch rund um den Körper. Wenn du kein extra Wickeltuch mit Klettverschluss besitzt, befestige das Wolltuch mit zwei Baby-Sicherheitsnadeln. Anwendungsdauer: Tagsüber eine Stunde oder während der ganzen Nacht. Sicherheits-Tipp: Wenn dein Kind über Brennen, Kribbeln, Kopfschmerzen oder Übelkeit klagt oder sich die Atmung verschlechtert: Wickel sofort entfernen, Haut waschen und die Anwendung nicht wiederholen. 2 Einfacher warmer Brustwickel mit Kartoffeln Das brauchst du: ca 5 Kartoffeln Wickeltücher – Innentuch/vlies und ein langes, dickeres Aussentuch Wärmeflasche So geht es: Kartoffeln mitsamt Schale kochen und auf ein Tuch legen. Die Kartoffeln ins Tuch einpacken. Zerdrücke nun den Inhalt mit der Faust. Kinder dürfen hierbei gerne helfen! Verschliesse dieses «Päckli» nun gut. Lege ein langes, dickeres Aussentuch aufs Bett und lasse dein Kind (oder die zu behandelnde Person) darauf liegen. Lege dem Patienten ein feines Innentuch auf die Brust. Prüfe die Temperatur des Kartoffelpäcklis und lege es auf die Brust. Ist die Temperatur angenehm, wickel binde das dickere Aussentuch über der Brust und der warmen Auflage zu. Durch das Anziehen und den Druck breitet sich die Wärme richtig schön aus. Wenn nötig, halte die Kartoffeln von aussen her mit einer Wärmeflasche warm. Anwendungsdauer: Dieser Wickel eignet sich wunderbar vor dem Einschlafen. Lasse ihn so lange aufliegen, bis er abkühlt. Du kannst ihn auch über Nacht auflassen. Sicherheits-Tipp: Kartoffeln speichern Wärme lange. Lieber etwas weniger heiss starten und nachwärmen, statt zu heiss aufzulegen. 3 Temperierter Brustwickel mit Zwiebeln Das brauchst du: 2 Zwiebeln Tuch oder Gaze Feines Wickeltuch evlt. Befestigungsmaterial und Material zum Zukleben So geht es: Hacke oder schneide die Zwiebeln und lege sie auf das Tuch. Klebe das Tuch zu oder falte es so, dass ein kompaktes Paket entsteht. Dieses wärmst du nun an, in dem du es auf den umgekehrten Deckel einer Pfanne mit kochendem Wasser legst. Lege das warme Zwiebelpaket auf die Brust. Anwendungsdauer: So lange sich der Wickel warm anfühlt und als angenehm empfunden wird. Sicherheits-Tipp: Zwiebeln können Haut und Augen reizen. Wenn dein Kind über Brennen klagt oder die Haut stark gerötet ist: Wickel abnehmen und die Haut mit lauwarmem Wasser reinigen. Diese Wickel helfen bei Fieber Fieber macht Eltern oft am meisten Sorge. Gleichzeitig gilt: Fieber an sich ist nicht «gefährlich», sondern meist Teil der Immunantwort. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht: trinkt es, ist es ansprechbar, atmet es ruhig? Wadenwickel & Co. können sinnvoll sein, wenn … dein Kind warm ist (nicht friert), die Füsse warm sind, kein Schüttelfrost besteht und dein Kind Kühle als angenehm erlebt. Starte immer mit milden, handwarmen Anwendungen. Eiskalte Wickel sind bei Kindern nicht empfohlen. 1 Essigsöckli: Wadenwickel mit Essig Zitronensaft Wichtig: Wickel werden nur bei warmen Füssen angewendet und in der Regel nicht unter 39 Grad Körpertemperatur. Das gilt vor allem für grippale Infekte, da die Viren erst ab einer Temperatur von 39 Grad zugrunde gehen. Einordnung: Die Aussage, Viren gingen «erst ab 39 Grad» zugrunde, ist so allgemein nicht korrekt. Fieber kann die Immunantwort unterstützen, aber Viren verhalten sich je nach Erreger unterschiedlich. Das brauchst du: Essig oder Saft einer ungespritzten Zitrone 1 Schüssel mit handwarmem Wasser (ca. zwei Grad unter der Körpertemperatur) 2 Wickeltücher zum Beispiel Gazewindeln Frotteetuch als Bettschutz Kniesocken So geht es: Gib den Zitronensaft oder den Essig in das lauwarme Wasser. Falte die Wickeltücher in Wadenbreite, rolle ein und tauche sie in die Flüssigkeit. Wenn du die Bettdecke von unten her zurück geschlagen hast, kannst du das Frotteetuch unter die Beine legen. Die eingerollten Wickeltücher auswringen und jeweils vom Fuss bis zum Knie um das Bein wickeln. Mit Kniesocken fixieren. Anwendungsdauer: Bei hohem Fieber können die Wickel alle zehn Minuten erneuert werden. Nach dreimaligem Wechsel ein bis zwei Stunden Pause einlegen. Abbruchkriterien: Wenn dein Kind friert, zittert, blass wird, kalte Hände/Füsse bekommt oder sich unwohl fühlt: Wickel sofort entfernen, wärmen, trinken anbieten. 2 Fusssohlenwickel mit Zwieblen Das brauchst du: 2 x2 Zwiebeln dünnes Baumwolltuch 1 Paar Baumwollsocken evtl. Wärmeflasche So geht es: Schneide die Zwiebeln in grobe Stücke und lege sie auf das Tuch. Falte die Ränder darüber, dass eine Kompresse entsteht. Diese wärmst du nun an, in dem du sie auf den umgekehrten Deckel einer Pfanne mit kochendem Wasser legst. Zerquetsche die Zwiebeln und lege die Kompresse auf die Fusssohlen. Ziehe die Socken darüber, damit das Paket schön anliegt und die Füsse warm gehalten werden. Anwendungsdauer: Der Wickel kann gut die ganze Nacht über anbehalten werden. Sicherheits-Tipp: Wenn dein Kind empfindliche Haut hat, lege zusätzlich ein sehr dünnes Innentuch dazwischen und kontrolliere die Haut nach 10–15 Minuten. Diese Wickel helfen bei Entzündungen 1 Wickel mit intensiver Kältewirkung bei Entzündungen in Gelenken oder Verletzungen Wichtig: Bei akuten Entzündungen hilft ein kalter Wickel. Er ersetzt aber nicht den Arztbesuch. Bei Gelenkschmerzen, Verbrennungen, aber auch hohem Fieber solltest du dich an die Kinder- oder Hausärzt:in wenden. Wickel mit intensiver Kältewirkung sind tiefgekühlte Salzwasserkompressen, Eiswickel und Eisbeutel oder auch Gelbeutel. Du kannst diese bis zu achtmal täglich anwenden, indem du sie auf die betroffene Stelle auflegst. Sicherheits-Tipp: Kälte nie direkt auf die Haut legen (Frostschaden-Risiko). Immer ein Tuch dazwischen und die Haut regelmässig kontrollieren (Taubheit, starke Blässe, Schmerzen = sofort stoppen). 2 Wickel mit Leinsamen bei Nasen-, Stirnhöhlen oder Zahnentzündungen Das brauchst du: ca. 300 Gramm Leinsamen diverse kleine dünne Tüchlein Woll- oder Seidentüchlein 2 Wärmeflaschen So geht es: Bringe die Leinsamen in etwas Wasser zum Kochen. Streiche den heissen Brei fingerdick auf die dünnen Tüchlein und forme diese zu kleinen «Päckli», indem du die Ränder umlegst. Diese kleine Kompresse legst du nun mit der unteren Seite direkt auf die Haut an der betroffenen Stelle an der Nase, Stirnhöhle oder um den Kiefer. Halte die restlichen zwischen den beiden Wärmeflaschen warm. Decke die Kompresse im Gesicht mit dem Wolltuch ab. Sobald die Wärme nachlässt, ersetze das «Päckli» mit einem neuen. Anwendungsdauer: Bis die Wärme nachlässt und alle Kompressen abgekühlt sind. Wichtig bei Zahn- oder Nebenhöhlenbeschwerden: Wenn starke Schmerzen, Gesichtsschwellung, hohes Fieber oder eine Verschlechterung auftreten, sollte dein Kind ärztlich beurteilt werden. Es gibt Kinder, die keine Wickel mögen - wenn es der Teddy vorzeigt, machen sie trotzdem mit, so der Tipp unserer Expertin. Bild: GettyImages Plus, AngelinaDimitrova Wann du ärztliche Hilfe holen solltest Sofort (Notfall): Atemnot, bläuliche Lippen, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit, sehr starke Schläfrigkeit/Unansprechbarkeit, Verdacht auf schwere Austrocknung. Heute noch abklären: anhaltend sehr schlechter Allgemeinzustand, Fieber bei sehr jungen Säuglingen, starke Schmerzen (z.B. Ohr, Bauch), Hautausschlag mit Fieber, deutliche Verschlechterung trotz Ruhe/Trinken. Bei Unsicherheit: Lieber einmal mehr kurz telefonieren (Kinderärzt:in/Notfallnummer). Dein Gefühl zählt – du kennst dein Kind am besten. «Wickel wecken die körpereigenen Selbstheilungskräfte» Die Natur als Heilmittel zu nutzen – unsere Vorfahren wussten wie es geht. Wickel wurden schon vor Jahrunderten angewandt. Brigitte Witzemann beschäftigt sich beruflich wie auch privat mit dem Thema. Im Interview erklärt sie uns mehr über die heilende Wirkung der Kompressen. Im Video zeigt sie ausserdem, wie sie die gängigsten Wickel selber machen. Das Wissen, das unsere Grosseltern noch über Wickel hatten, ist in der breiten Bevölkerung verloren gegangen. Was glaubst du, woran das liegt? Brigitte Witzemann: Wickel und Kompressen gehören zu den klassischen Naturheilverfahren, die über Jahrhunderte in Europa als Gut der Volksmedizin überliefert wurden. Doch die Entwicklung der modernen Pharma-Industrie hat die bewährten Anwendungen in Vergessenheit geraten lassen. Heute aber gibt es wieder viele Menschen, die gesundheitliche Beschwerden auf natürliche Weise behandeln wollen. Besonders junge Eltern sind dafür offen! Ihr Alltag dreht sich um gesunde Wickel Brigitte Witzemanns Alltag dreht sich um die Wirkung von Wickeln. Die Pflegefachfrau HF teilt ihr Wissen in Seminaren und mit ihrer selbst gegründeten Firma WIWO-Tex vertreibt sie Wickeltücher und speziell für Kinder entwickelte Gesundheitswickel-Taschen. Welchen Vorteil haben Wickel im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten der Pharma-Industrie? Wickel eignen sich hervorragend bei einfachen gesundheitlichen Beschwerden. Sie unterstützen den Heilungsprozess schnell und auf natürliche Weise. Ausserdem sind sie ungeheuer praktisch, weil sie sich überall und jederzeit anwenden lassen, auch mitten in der Nacht oder am Wochenende, wenn ein Hausarzt gerade nicht erreichbar ist. Darüber hinaus vermittelt das Anlegen eines Wickels, wenn er richtig gemacht wird, Geborgenheit und Fürsorge. Das ist wichtig, denn wer krank ist, ist besonders zuwendungsbedürftig. Das Gefühl, mit seinen Bedürfnissen ernst genommen, besser verstanden und umsorgt zu werden, hat einen besonderen Stellenwert für das Gesundwerden kranker Menschen, besonders bei Kindern. Wickel ersetzen aber auf keinen Fall die ärztliche Behandlung! Mit dem Auftreten von Antibiotika-Resistenzen können Wickel wieder an Wichtigkeit zunehmen. Auf welche Weise wirken Wickel? Wickel wecken die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Kalte Wickel wirken durch den Wärmeentzug abschwellend, entzündungshemmend, fiebersenkend, hemmen das Bakterienwachstum und lindern oder stillen Schmerzen durch ihre leicht betäubende Wirkung. Sie helfen deshalb bei Verstauchungen, Prellungen und akuten Entzündungen. Wickel, die intensive Wärme ausstrahlen, fördern dagegen die Durchblutung, erweitern die Gefässe, entspannen und lösen so Krämpfe. Sie sind bei Bronchitis, Verspannungen, Bauch- oder Nierenproblemen sinnvoll. Milde Wärme eignet sich dazu, zum Beispiel Hustenreiz und Ohrenschmerzen zu mildern. Öle, Heilpflanzen und Kräuter können die Wirkung eines Wickels verstärken. Es begeistert mich immer wieder zu sehen, wie leicht sich mit den Mitteln der Natur gesundheitliche Störungen beheben lassen! Es gibt Kinder, die keine Wickel mögen, wenn sie krank sind. Wie lassen sie sich zum Mitmachen animieren? Ja, es gibt Kinder, die Wickel nicht mögen. Da hilft es dann, die Fantasie anzustrengen und herauszufinden, wie sie sich begeistern lassen. Sinnvoll ist es, Kindern vorzuleben, dass Wickel der Gesundheit nutzen und selbst Wickel und andere Naturheilverfahren bei gesundheitlichen Beschwerden anzuwenden. Besonders schön ist es, mit Kindern im Sommer gemeinsam Heilkräuter für den Winter zu sammeln oder – wenn möglich – die Anwendungen gemeinsam zuzubereiten. Wenn das Kind dann krank ist, können die Eltern es auch mit Hilfe einer Geschichte oder eines Gesundwerde-Püppchen auf den Wickel vorbereiten. Wichtig ist grundsätzlich, genügend Zeit einzuplanen und für eine ruhige und entspannte Umgebung zu sorgen. FAQ: Häufige Fragen zu Wickeln bei Kindern Wie lange soll ein Wickel draufbleiben? So kurz wie nötig und so lange wie angenehm. Bei Kindern gilt: lieber kürzer starten und gut beobachten. Warme Wickel werden oft bis zum Abkühlen als angenehm erlebt, milde Wadenwickel werden eher in kurzen Intervallen gewechselt. Was ist wichtiger: Temperatur oder Zutat? Für die unmittelbare körperliche Wirkung ist die Temperatur oft entscheidender als der Zusatz. Zusätze können das Wohlgefühl beeinflussen, aber auch Hautreizungen auslösen. Wenn dein Kind empfindliche Haut hat, ist ein einfacher Wärme- oder Temperierwickel häufig die beste Wahl. Darf ich Wickel bei Säuglingen anwenden? Bei sehr jungen Babys sollte das Vorgehen immer mit der Kinderärzt:in besprochen werden, besonders bei Fieber. Säuglinge können schneller auskühlen oder Kreislaufprobleme bekommen. Wenn du überhaupt wickelst, dann nur sehr mild, kurz und unter enger Beobachtung. Kann ein Wickel Fieber «wegmachen»? Wickel können das Hitzegefühl lindern und damit das Wohlbefinden verbessern. Sie behandeln aber nicht die Ursache. Wenn du Fieber senkst, beurteile weiterhin den Allgemeinzustand deines Kindes und halte die Trinkmenge im Blick.