Zum Inhalt
Gesundheit > Kinderkrankheiten

Brustkrebs: Was Mammographie und gesunde Ernährung nützen

«Mammographie nützt Frauen zu wenig.» «Gesunde Ernährung schützt vor Krebs.» «Stress erhöht das Risiko für Brustkrebs nicht.» Jedes Jahr sorgen Studien für neue Schlagzeilen – und das kann verunsichern. In diesem Beitrag findest du eine Entscheidungshilfe: Was Mammographie-Früherkennung leisten kann (und was nicht), welche Vor- und Nachteile in der Schweiz besonders wichtig sind und was du mit Lebensstil wirklich beeinflussen kannst – ohne falsche Versprechen.

Zur Früherkennung von Brutskrebs kann eine Mammographie sinnmvoll sein.
Der Nutzen von Mammographie-Screenings  zur Früherkennung von Brustkrebs ist nicht unumstritten. Foto: Frans Rombout, iStock, Thinkstock

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart und eine der häufigsten Krebstodesursachen bei Frauen. Rund 1400 Frauen sterben jedes Jahr daran. Gibt es trotz dieser Statistik etwas, das optimistisch stimmt?

Dr. Karin Huwiler: Ja. Heute sterben weniger Frauen an Brustkrebs als vor 20 Jahren. Das ist vor allem der Entwicklung neuer Therapien und der früheren Diagnose zu verdanken. Und wir gehen davon aus, dass diese Zahl durch weitere Fortschritte weiter sinken wird.

Mammographie-Früherkennung: Worum geht es?

Eine Mammographie zur Früherkennung hat ein klares Ziel: Brustkrebs früher zu entdecken – nicht zu verhindern. Das kann bedeuten, dass ein Tumor gefunden wird, bevor du selbst etwas spürst. Wichtig ist die Unterscheidung:

  • Früherkennung (Screening): Untersuchung ohne Beschwerden.
  • Abklärung: Untersuchung, weil du etwas bemerkst (z. B. Knoten, Einziehung, Sekret) oder weil eine Ärzt:in etwas Auffälliges sieht.

Beides ist sinnvoll – aber mit unterschiedlichen Erwartungen. Screening richtet sich vor allem an Menschen ohne Symptome, die eine informierte Entscheidung treffen möchten.

Welche Vorteile kann Screening haben?

Wie hoch sind heute die Überlebenschancen bei Brustkrebs?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Insgesamt sind fünf Jahre nach der Diagnose mehr als 80 Prozent der Frauen am Leben.

Liegt das daran, dass je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser die Prognose ist?

Ja, unter anderem. Auch die besseren Therapien haben dazu beigetragen. Mit den heute verfügbaren Therapien ist es auch in fortgeschrittenen Stadien, wenn schon Ableger vorhanden sind, oft möglich, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und Symptome zu lindern.

Ein möglicher Vorteil der Mammographie-Früherkennung ist, dass Krebs in einem früheren Stadium entdeckt wird. Das kann die Behandlung weniger belastend machen (z. B. brusterhaltend statt grosse Operation) – und je nach Altersgruppe und Ausgangslage kann Screening auch die Brustkrebssterblichkeit senken. Wie gross dieser Nutzen im Einzelfall ist, hängt stark von Alter und individuellem Risiko ab.

Entscheidungshilfe: Was du über Nutzen und Nachteile wissen solltest

Möglicher Nutzen

  • Brustkrebs kann entdeckt werden, bevor du etwas spürst.
  • Je nach Situation sind frühere, oft weniger aggressive Behandlungen möglich.
  • In Screening-Programmen gibt es standardisierte Abläufe und Qualitätsanforderungen.

Mögliche Nachteile

  • Falsch-positiver Befund: Ein auffälliges Resultat, obwohl kein Krebs vorliegt. Das führt zu zusätzlichen Untersuchungen (z. B. Zusatzaufnahmen, Ultraschall, manchmal Biopsie) und kann psychisch stark belasten.
  • Überdiagnose: Es werden Tumoren gefunden, die sehr langsam wachsen und im Leben nie Beschwerden gemacht hätten. Weil man im Voraus nicht sicher weiss, welche Tumoren harmlos geblieben wären, kann das zu Überbehandlung führen.
  • Strahlenbelastung: Eine Mammographie arbeitet mit Röntgenstrahlen. In Screening-Programmen ist die Dosis niedrig und wird streng kontrolliert, aber sie ist nicht null.

Diese Fragen helfen bei der Entscheidung

  • Wie wichtig ist mir, «möglichst früh» zu wissen, auch wenn es zu Fehlalarmen kommen kann?
  • Wie gehe ich mit Ungewissheit und Abklärungen um?
  • Gibt es in meiner Familie Brust- oder Eierstockkrebs (besonders in jüngerem Alter)?
  • Hatte ich schon einmal auffällige Befunde oder Biopsien?
  • Welche Empfehlung gibt mir meine Ärzt:in, basierend auf meinem Risiko?

Welche Nachteile/Risiken gibt es? Einfach erklärt

Frauen wird immer wieder empfohlen, die eigene Brust regelmässig selbst zu untersuchen.

Die Selbstuntersuchung der Brust ist eine Methode, um Veränderungen der Brust wahrzunehmen. Sie ist jedoch kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung oder für eine Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs. In Studien konnte nämlich nicht gezeigt werden, dass damit Todesfälle verhindert werden können. Wenn du einen Knoten spürst, solltest du diesen ärztlich abklären lassen.

Viele Eltern fragen sich: «Will ich dieses Risiko einer Überdiagnose wirklich eingehen?» oder «Wie gross ist die Gefahr eines Fehlalarms?» Wichtig ist: Beides sind reale Nachteile, und beides darf in einer Entscheidung Platz haben. Ein falsch-positiver Befund bedeutet nicht «die Mammographie war schlecht», sondern ist eine bekannte Folge davon, dass man sehr genau hinschaut, um möglichst wenig zu übersehen. Überdiagnose bedeutet nicht, dass «Krebs erfunden» wurde – sondern dass manche sehr langsam wachsenden Veränderungen medizinisch als Krebs gelten, aber biologisch nicht immer gefährlich werden.

Für wen ist Screening sinnvoll?

Der Nutzen von Mammographie Untersuchungen ist allerdings umstritten. Das haben Studien gezeigt. Denn manche Frauen erhalten einen auffälligen Befund und müssen weitere Abklärungen machen lassen, obwohl sie keinen Brustkrebs haben. Warum empfiehlt die Krebsliga trotzdem Mammographie-Screening-Programme?

Die Krebsliga ist der Meinung, dass die Vorteile des Mammographie-Screenings grösser sind als die Nachteile. Der Bericht des SMB hat Mängel, die Krebsliga ist daher mit den Schlussfolgerungen und Empfehlungen nicht einverstanden. Das Mammographie-Screening hat – wie jede medizinische Massnahme – positive und negative Auswirkungen. Mit dem Screening können Todesfälle verhindert werden. Aber es gibt eben auch Frauen, die die Nachteile, wie die von dir angesprochenen falsch-positiven Befunde, in Kauf nehmen müssen.

Vielen Frauen sind diese aber nicht bewusst, bevor sie sich für eine Mammographie Untersuchung entscheiden.

Genau deshalb ist es wichtig, dass du genau über die Vor- und Nachteile informiert wirst und basierend darauf entscheiden kannst, ob du eine Mammographie machen willst oder nicht.

Für viele ist der wichtigste Punkt die persönliche Ausgangslage. Screening ist nicht für alle gleich sinnvoll. Besonders wichtig ist eine individuelle Beratung, wenn:

  • Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie vorkommt (vor allem bei mehreren Angehörigen oder bei Diagnosen in jüngerem Alter).
  • du selbst schon einmal eine auffällige Abklärung hattest.
  • du sehr dichtes Brustgewebe hast und schon erlebt hast, dass Mammographie-Befunde schwer einzuordnen sind (das muss eine Ärzt:in mit dir besprechen; manchmal sind ergänzende Untersuchungen sinnvoll).

Wenn du unsicher bist, ist ein Gespräch mit deiner Hausärzt:in oder Gynäkolog:in der beste nächste Schritt: «Wie hoch schätzt du mein persönliches Risiko ein – und welche Früherkennung passt zu mir?»

So läuft ein Mammographie-Screening in der Schweiz ab

In der Schweiz gibt es kantonal organisierte Programme zur Brustkrebs-Früherkennung. Je nach Kanton wirst du in einem bestimmten Alter regelmässig zur Mammographie eingeladen oder du kannst dich anmelden. Typisch ist:

  • Einladung oder Anmeldung: Du erhältst Informationen und entscheidest selbst.
  • Untersuchung: Mammographie in einem dafür zugelassenen Zentrum.
  • Befund: Du bekommst das Resultat, und bei Auffälligkeiten werden weitere Schritte empfohlen.

Wichtig für dich als Elternteil: Plane bei Bedarf Betreuung ein. Auch wenn die Untersuchung kurz ist, können Warten und mögliche Rückfragen Zeit brauchen. Und falls ein Befund «unklar» ist: Das heisst sehr häufig nicht Krebs, sondern «wir müssen genauer hinschauen».

Ernährung & Lebensstil – was wirklich nützt 

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung soll Brustkrebs vorbeugen. Wie viel nützt das wirklich?

Das Brustkrebsrisiko kann durch die Lebensweise leider nicht so stark beeinflusst werden wie beispielsweise das Lungenkrebsrisiko durch Nichtrauchen.

Warum nicht?

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Brustkrebsrisiko erhöhen. Die wichtigsten – zum Beispiel das Alter, die familiäre Belastung oder hormonelle Faktoren – sind nicht beeinflussbar. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für Brustkrebs gehören Alkohol und Übergewicht. Der Alkoholkonsum sollte möglichst gering sein. Das Gewicht sollte im Normalbereich gehalten werden. Eine ausgewogene Ernährung und Bewegung helfen dabei.

Das ist für viele ein wichtiger, auch entlastender Punkt: Du kannst nicht «alles richtig machen» und damit Brustkrebs sicher verhindern. Gleichzeitig gibt es ein paar wirksame Stellschrauben, die realistisch in einen Familienalltag passen – und die auch insgesamt Herz-Kreislauf und Stoffwechsel guttun.

Wie viel Sport muss ich pro Woche machen und wie gesund muss ich mich ernähren, damit ich das Brustkrebsrisiko tatsächlich etwas senken kann?

Meines Wissens gibt es keine für Brustkrebs spezifischen Empfehlungen. Allgemein wird empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren, viel Gemüse und Früchte und wenig tierische Lebensmittel zu essen. Während zweieinhalb Stunden pro Woche sollte man sich so bewegen, dass man etwas ausser Atem kommt. Das kannst du auch mit Gartenarbeit oder zügigem Spazieren erreichen.

Mythen-Check: «Krebsdiäten», «Entgiften» und Nahrungsergänzung

Im Netz kursieren viele Versprechen: Zucker «füttere» Krebs, Detox-Kuren «reinigen» den Körper, einzelne Pulver oder Vitamininfusionen sollen schützen. Dafür gibt es keine verlässliche wissenschaftliche Basis, die eine Brustkrebsprävention belegt. Was hingegen gut belegt ist: Extreme Diäten können zu Mangelernährung führen, und hoch dosierte Supplemente können – je nach Präparat und Situation – auch schaden oder Therapien beeinträchtigen. Wenn du Nahrungsergänzung einnehmen möchtest, kläre das am besten mit einer Ärzt:in oder einer Ernährungsberater:in (insbesondere bei Schwangerschaft/Stillzeit, chronischen Erkrankungen oder Medikamenten).

Schützt Stillen vor Brustkrebs?

Studien zeigen, dass Frauen, die über längere Zeit gestillt haben, ein etwas tieferes Brustkrebsrisiko haben.

Und wie ist es mit Stress? Verursacht er Brustkrebs?

Auch wenn dies immer wieder behauptet wird, konnte bis heute kein direkter Zusammenhang zwischen Stress und Brustkrebs oder anderen Krebsarten nachgewiesen werden.

Dr. med. Karin Huwiler ist Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Krebsliga Schweiz. Foto: Krebsliga

Familiäres Risiko und Genetik: Was heisst das für dich?

Die Schauspielerin Angelina Jolie hat aus Angst vor Brustkrebs ihre Brüste amputieren lassen. Ist das für Frauen, die erblich vorbelastet sind, sinnvoll?

In der Schweiz haben weniger als ein Prozent der Frauen eine solche genetische Veränderung wie Angelina Jolie. Ihr Risiko an Brustkrebs und auch an Eierstockkrebs zu erkranken, ist deutlich erhöht. In dieser Situation gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist der Weg, den Angelina Jolie gewählt hat – die Brüste oder die Eierstöcke vorsorglich entfernen zu lassen. Ein anderer Weg ist der, regelmässige Untersuchungen durchzuführen, um Brustkrebs möglichst früh zu entdecken. Zudem gibt es Medikamente, mit denen das Risiko gesenkt werden kann. Es gibt hier meiner Meinung nach keinen a priori besseren oder schlechteren Weg.

Wenn in deiner Familie mehrere Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs vorkommen, kann eine ärztliche Beratung helfen, dein Risiko besser einzuschätzen. Das Ziel ist nicht, dir Angst zu machen – sondern dir einen passenden Plan zu geben: Welche Früherkennung in welchem Alter? Welche Untersuchungen sind sinnvoll? Und welche Optionen gibt es, falls das Risiko tatsächlich deutlich erhöht ist?

Wenn Symptome auftreten: Nicht abwarten

Screening ist freiwillig – Symptome solltest du hingegen immer zeitnah abklären lassen. Typische Warnzeichen sind:

  • neuer Knoten in Brust oder Achsel
  • Einziehung der Haut oder Brustwarze
  • ungewöhnliche, einseitige Sekretion aus der Brustwarze (besonders blutig)
  • neu auftretende, einseitige Formveränderung oder anhaltende Rötung/Schwellung

Das bedeutet nicht automatisch Krebs. Aber je früher abgeklärt wird, desto schneller bekommst du Entlastung oder – falls nötig – Behandlung.

 

 

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren