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Gesundheit > Kinderkrankheiten

Zeckenstich? So entfernst du Zecken richtig

Gefährliche Krankheitsübertragungen nach einem Zeckenstich lassen sich oft verhindern – indem du die Zecke möglichst schnell und richtig entfernst. Hausmittel sind bei der Zeckenentfernung übrigens keine gute Idee. So hilfst du dir, Kindern oder deinem Hund nach einem Zeckenstich.

Zecken richtig entfernen.
Zecken sollten so rasch wie möglich entfernt werden. Bild: iStock

Zecken beissen eigentlich nicht – sie stechen und saugen Blut. Für dich als betroffene Person ist vor allem eines entscheidend: Die Zecke muss weg, und zwar möglichst rasch und ohne sie zu quetschen. So senkst du das Risiko, dass Erreger übertragen werden. Ob es sich sprachlich um einen Zeckenbiss oder Zeckenstich handelt, ist dabei nebensächlich.

Ein Zeckenstich kann bei Erwachsenen, Kindern und Tieren Krankheitserreger übertragen. Wichtig für die Einordnung: Nicht jede Zecke ist infiziert, und nicht jede Infektion entsteht sofort. Bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) kann eine Übertragung früh passieren, weil der Erreger im Speichel vorkommen kann. Bei Borreliose (Lyme-Borreliose) steigt das Risiko typischerweise mit der Saugdauer – deshalb ist schnelles Entfernen so wichtig. 

Wenn du eine Zecke früh entfernst, reduzierst du also insgesamt das Infektionsrisiko. Trotzdem gilt: Auch nach einer korrekten Entfernung lohnt sich eine gute Nachsorge über mehrere Wochen – denn typische Warnzeichen (zum Beispiel die Wanderröte) treten oft erst später auf. 

Sofort: Zecken richtig entfernen 

Zecken richtig entfernen.
Bild: iStock

1. Zeckenentfernung: Hausmittel sind tabu

Sekundenkleber, Nagellack, Öl, Alkohol oder «Ersticken» sind keine gute Idee. Solche Hausmittel können die Zecke stressen oder dazu führen, dass sie vermehrt Speichel abgibt – und damit steigt das Risiko, dass Erreger übertragen werden. Ebenfalls ungünstig: die Zecke mit den Fingern herauszuziehen. Dabei drückst du fast immer auf den Körper der Zecke.

2. Zeckenentfernung: Zeckenzange oder Pinzette benutzen

Am besten eignen sich eine feine Pinzette, eine Zeckenzange oder eine Zeckenkarte. Wichtig ist nicht das «perfekte» Werkzeug, sondern die Technik: Du musst die Zecke möglichst hautnah fassen – dort, wo sie eingestochen hat. Wenn du mit Kindern unterwegs bist, ist es sinnvoll, eine Zeckenkarte oder eine feine Pinzette in der Hausapotheke oder im Rucksack zu haben.

3. Bei der Entfernung der Zecke: hautnah fassen, ruhig und gerade herausziehen

So gehst du praktisch vor: Setz die Pinzette oder Zeckenzange direkt über der Haut an und greif die Zecke so nah wie möglich an den Mundwerkzeugen (nicht am prallen Hinterleib). Dann ziehst du sie mit einem gleichmässigen Zug langsam heraus. Vermeide ruckartige Bewegungen und quetsche den Körper nicht. Ein häufiges Missverständnis ist, dass man Zecken «herausdrehen» müsse: Das ist nicht nötig. Entscheidend ist, dass du sie möglichst vollständig entfernst und dabei nicht zerdrückst. Wenn Kinder Angst haben, hilft es, kurz zu erklären, was du machst, und sie in eine bequeme Position zu bringen (zum Beispiel auf dem Schoss, mit einer Geschichte oder Ablenkung).

4. Danach: reinigen, desinfizieren, kurz kontrollieren

Nach dem Entfernen kann eine kleine gerötete Stelle zurückbleiben – das ist häufig und klingt oft nach wenigen Tagen ab. Reinige die Stichstelle (zum Beispiel mit Wasser und Seife) und desinfiziere sie anschliessend. Kontrolliere, ob noch Teile der Zecke sichtbar sind. Wenn kleine Mundwerkzeugreste stecken bleiben, ist das meist kein Notfall: Der Körper stösst Fremdmaterial häufig von selbst ab. Wenn sich die Stelle aber zunehmend entzündet oder du unsicher bist, ist es sinnvoll, eine Ärzt:in draufschauen zu lassen.

5. Zecke aufheben und Notizen machen

Bewahre die Zecke möglichst auf (zum Beispiel in einer kleinen, fest verschlossenen Tüte) und notiere Datum, ungefähren Stichort am Körper und wo ihr euch aufgehalten habt. Ein Foto der Stichstelle am selben Tag kann bei der Verlaufskontrolle helfen. 

Nachsorge: Was in den nächsten Tagen und Wochen wichtig ist

Nach einem Zeckenstich ist die beste Strategie: ruhig bleiben, richtig entfernen, dann aufmerksam beobachten. Viele Eltern sind verunsichert, weil Symptome nicht sofort auftreten müssen. Genau deshalb ist die Nachsorge so wichtig.

Was ist noch normal?

Eine kleine lokale Rötung oder ein Juckreiz direkt nach dem Stich ist häufig – ähnlich wie bei einem Mückenstich. Diese Reaktion bleibt meist klein, wird in den nächsten Tagen weniger und breitet sich nicht deutlich aus.

Warnzeichen: Dann solltest du ärztlich abklären lassen

Bitte lass dein Kind (oder dich selbst) zeitnah ärztlich beurteilen, wenn eines dieser Zeichen auftritt – auch dann, wenn die Zecke schon entfernt ist:

  • Eine Rötung, die grösser wird oder ringförmig nach aussen wandert («Wanderröte»/Erythema migrans) – oft erst Tage bis Wochen nach dem Stich
  • Fieber, ausgeprägte Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen ohne klare andere Ursache
  • Nackensteifigkeit, starke Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel
  • Neurologische Auffälligkeiten (zum Beispiel Lähmungserscheinungen, ungewohnte Gefühlsstörungen)
  • Deutlich geschwollene, schmerzhafte Gelenke
  • Starke Rötung, Überwärmung, Eiter oder zunehmender Schmerz an der Stichstelle (Hinweis auf lokale Entzündung)

Diese Warnzeichen passen unter anderem zu Borreliose oder FSME und sollten medizinisch eingeordnet werden. 

Schweiz-Fokus: Borreliose vs. FSME – das solltest du unterscheiden

In der Schweiz sind vor allem zwei Erkrankungen nach Zeckenstich relevant: Borreliose und FSME. Beide können ernst werden – aber sie unterscheiden sich in Übertragung, Nachsorge und Vorbeugung.

Borreliose (Lyme-Borreliose)

Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) verursacht. Typisch – aber nicht immer vorhanden – ist die Wanderröte. Wichtig für Eltern: Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Wenn der Verdacht besteht (zum Beispiel bei Wanderröte oder passenden Beschwerden), wird die Diagnose ärztlich gestellt und bei Bedarf antibiotisch behandelt. Eine «vorsorgliche» Antibiotikagabe nach jedem Stich ist nicht Standard – entscheidend sind Symptome und medizinische Beurteilung.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME ist eine Virusinfektion, die das zentrale Nervensystem betreffen kann. Gegen FSME gibt es eine Impfung. In der Schweiz richtet sich die Empfehlung nach Region und Risiko: Der Schweizerische Impfplan beschreibt, für wen die FSME-Impfung empfohlen ist. Wenn ihr viel im Grünen seid (Wald, Waldrand, hohes Gras), lohnt es sich, das Thema mit eurer Kinderärzt:in oder Hausärzt:in zu besprechen – besonders, wenn ihr in einem Gebiet mit FSME-Risiko lebt oder häufig dort unterwegs seid.

Vorbeugen: So schützt du Kinder draussen

Zecken lassen sich nicht komplett vermeiden – aber du kannst das Risiko deutlich senken, ohne dass Kinder auf Natur und Abenteuer verzichten müssen.

Kleidung und Verhalten

  • Helle Kleidung hilft, Zecken schneller zu entdecken.
  • Wenn möglich: lange Hosen, geschlossene Schuhe, Socken über die Hosenbeine ziehen.
  • Auf Wegen bleiben, hohes Gras und Unterholz eher meiden – besonders in der Zeckensaison.
  • Bei Picknick oder Spielpausen im Gras: eine Decke als Unterlage verwenden.

Repellents und Körpercheck

  • Nach dem Draussensein: konsequenter Zecken-Check am ganzen Körper – bei Kindern besonders Kopfhaut/Haaransatz, hinter den Ohren, Hals, Achseln, Bauchnabel, Leisten, Kniekehlen und Po-Falte.
  • Zecken krabbeln oft erst eine Weile, bevor sie stechen – regelmässiges Suchen kann daher Stiche verhindern.
  • Wenn du Repellents verwendest, halte dich an die Altersangaben und Anwendungshinweise auf dem Produkt.

Wann du nach einem Zeckenstich zum Arzt solltest

Nicht jede Zecke überträgt automatisch Krankheiten. Eine ärztliche Abklärung ist vor allem dann sinnvoll, wenn in den Folgetagen oder -wochen Symptome auftreten, zum Beispiel Grippegefühl, Fieber, Kopfschmerzen, auffällige Müdigkeit, geschwollene Gelenke, eine zunehmende oder wandernde Rötung oder neurologische Beschwerden. Auch wenn du unsicher bist, ob die Zecke vollständig entfernt wurde oder sich die Stichstelle entzündet, ist es absolut ok, das kontrollieren zu lassen.

Mögliche Virus-Erkrankungen:

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch den FSME-Virus ausgelöst und kann Hirnhäute und das zentrale Nervensystem angreifen. Wie hoch das Risiko ist, hängt stark davon ab, ob ihr in einem FSME-Risikogebiet lebt oder dort unterwegs wart. Für die Schweiz sind Empfehlungen zur Impfung und zur Risikoeinschätzung im Schweizerischen Impfplan beschrieben und in den Zecken-Informationen des BAG zusammengefasst.

Borreliose (Lyme-Borreliose)

Die Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) ausgelöst. Die Erkrankung kann sich schleichend entwickeln; ein typisches frühes Zeichen ist die Wanderröte. Weil es keine Impfung gibt, sind frühes Erkennen, korrektes Entfernen der Zecke und eine ärztliche Abklärung bei Warnzeichen besonders wichtig.

Zecken-Impfung ist in Risikogebieten empfohlen

Bei Hunden haben sich zur Vorbeugung von Zeckenstichen spezielle Zeckenmittel oder Halsbänder bewährt. Bei Menschen kann eine Impfung sinnvoll sein: Die FSME-Impfung schützt vor FSME, aber nicht vor Borreliose. Welche Impfung wann empfohlen ist, beschreibt der Schweizerische Impfplan. Ob du in einer Region mit erhöhtem Risiko wohnst oder häufig dort unterwegs bist, kannst du hier nachsehen.

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