Gesundheit > KinderkrankheitenZeckenimpfung ja oder nein? Wann eine Impfung bei Kindern sinnvoll ist Gil Waeger Die Schweiz gilt heute in vielen Regionen als FSME-Risikogebiet, und Zecken sind wegen milderer Temperaturen oft länger aktiv als früher. Viele Eltern fragen sich deshalb: Braucht mein Kind die «Zeckenimpfung»? Wichtig zu wissen: Gemeint ist fast immer die FSME-Impfung (gegen ein Virus). Gegen Borreliose (Bakterien) gibt es weiterhin keine Impfung – hier zählt vor allem Zeckenschutz und schnelles Handeln nach einem Stich. Dieser Artikel hilft dir, die Empfehlung für dein Kind in der Schweiz einzuordnen: nach Alter, Region und Alltag. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Zecken fühlen sich da wohl, wo Kinder gerne spielen. © GettyImages Plus, Ladislav Kubeš Zeckenimpfung bei Kindern: Das Wichtigste in Kürze In der Schweiz ist die FSME-Impfung (umgangssprachlich «Zeckenimpfung») grundsätzlich ab 2 Jahren möglich; ob sie sinnvoll ist, hängt vor allem von Region und Zecken-Exposition ab. Wann sie infrage kommt. Die Impfung schützt vor FSME, aber nicht vor Borreliose. Nach Zeckenstich sind Kontrolle, richtiges Entfernen und Beobachten zentral. Was du sofort tun kannst. Für einen guten Schutz sind 3 Dosen nötig; danach braucht es Auffrischungen in definierten Intervallen. Impfschema und Booster. Nebenwirkungen sind meist mild (z.B. lokale Reaktion, Müdigkeit, Fieber); schwere Reaktionen sind selten. Mehr zu Risiken. Zecken gehören für viele Familien in der Schweiz zum Alltag: Spielplatz am Waldrand, Kindergartenweg durchs Grüne, Garten, Wandern, Pfadi. Gleichzeitig verunsichern Berichte über FSME und Borreliose. Die gute Nachricht: Du kannst dein Kind wirksam schützen – mit einer Kombination aus kluger Prävention, richtigem Verhalten nach einem Stich und (wenn passend) der FSME-Impfung. Und: Kinder sollen aus Angst vor Zecken nicht aufs Draußensein verzichten müssen. Man sollte Kinder aus Angst vor Zecken nicht vom Spiel im Freien abhalten! Das Risiko einer Infektion ist um ein Vielfaches kleiner als der Nutzen vom Spiel und Spass im Wald. Dr. med. Irmela Heinrichs, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Achtung Zecken! Wann und wo Zecken aktiv sind Sobald es nicht mehr frostig ist und kein Schnee mehr liegt, werden Zecken aktiv. Normalerweise ist dies von März bis November. Bei milden Temperaturen können die Spinnentiere jedoch auch im Winter zubeissen und Krankheiten auf den Menschen übertragen. Zecken leben vor allem in hohen Wiesen und im Unterholz von Wäldern, an Waldrändern, auf Waldlichtungen und auch in der Nähe von Flüssen und in waldnahen Parkanlagen bis zu einer Höhe von etwa 1'500 Metern über Meer. Diese Karte des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt die aktuellen Risikogebiete. Zecken in der Schweiz: Welche Krankheiten sind für Kinder besonders relevant? Zecken können verschiedene Erreger übertragen. Für Familien sind in der Schweiz vor allem zwei Erkrankungen wichtig, weil sie am häufigsten vorkommen und weil das Vorgehen unterschiedlich ist: FSME und Borreliose. FSME vs. Borreliose: der wichtigste Unterschied FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird durch ein Virus ausgelöst. Sie kann grippeähnlich beginnen und in einem Teil der Fälle das Nervensystem betreffen (z.B. Hirnhaut-/Gehirnentzündung). Gegen FSME gibt es keine spezifische ursächliche Therapie – darum ist die Impfung der wirksamste Schutz, wenn dein Kind in einem Risikogebiet häufig Zecken ausgesetzt ist. Borreliose (Lyme-Borreliose) wird durch Bakterien verursacht. Eine Impfung gibt es nicht. Entscheidend ist: Zecke rasch entfernen, Stichstelle beobachten und bei Verdacht ärztlich abklären lassen (z.B. bei typischer Wanderröte oder anhaltenden Beschwerden). Laut BAG stehen für Borreliose Diagnose und antibiotische Behandlung im Vordergrund – nicht eine Impfung. Diese Krankheiten werden von Zecken übertragen Lyme-Borreliose Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) Anaplasmose Rickettsiose Babesiose Neoehrlichiose Tularämie. Zeckenimpfung: Die wichtigsten Infos (FSME-Impfung) Die Zeckenimpfung schützt nicht vor einem Zeckenstich an sich – jedoch von einer Infektion mit FSME. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose gehören zu den Krankheiten, die am häufigsten von Zecken übertragen werden. Während Lyme-Borreliose nur durch die richtige Kleidung und Vorsicht vorgebeugt werden kann, schützt die Zeckenimpfung vor einer Ansteckung mit FSME. Dr. med. Irmela Heinrichs ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in Uster und Vorstandsmitglied von Kinderärzte Schweiz, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen. Die Impfstoffe gegen Zecken-Meningoenzephalitis enthalten abgetötete Viren. Ihre Wirkung wird durch ein Aluminiumsalz unterstützt. Hat man sich mit FSME angesteckt, gibt es derzeit keine spezifische Behandlung. Die Schutzimpfung gegen FSME ist die einzige praktikable Lösung für Leute, die sich wirksam gegen FSME schützen möchten. FSME-Impfung: Wann ist sie für dein Kind in der Schweiz sinnvoll? Für die Entscheidung sind drei Fragen besonders hilfreich: Wo lebt ihr? Wie oft ist dein Kind im Grünen unterwegs? und wie wahrscheinlich sind Zecken-Kontakte im Alltag? Das BAG beurteilt die FSME-Impfung nach Risikoexposition: Wer sich in FSME-Risikogebieten aufhält (auch im eigenen Garten, auf Spielplätzen am Waldrand oder in waldnahen Parks), kann von der Impfung profitieren – besonders bei regelmässiger Exposition. Schweiz-Check: Region und Risiko realistisch einschätzen FSME-Risikogebiete verändern sich. Darum ist nicht entscheidend, was «früher mal» galt, sondern der aktuelle Stand. Nutze dafür die BAG-Risikokarte (siehe Link oben). Sie hilft dir, einzuordnen, ob Wohnort, Schule/Kindergarten, Freizeitorte oder Ferienregionen deines Kindes im Risikogebiet liegen. Ab wann die Zeckenimpfung bei Kindern möglich ist Kinder können bereits ab dem zweiten Lebensjahr gegen FSME geimpft werden. Fachärztin Irmela Heinrichs Heinrichs fügt an, dass FSME-Infektionen bei Kleinkindern nur sehr selten vorkommen. Sie wie auch das BAG empfiehlt eine Zeckenimpfung ab sechs Jahren. Die Impfung verspricht einen 95-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit FSME. Was ist mit 1- bis 2-jährigen Kindern oder knapp davor? Wenn dein Kind sehr jung ist und ihr in einem Gebiet mit regelmässigen Zecken-Kontakten lebt (z.B. tägliches Draussensein im hohen Gras/Unterholz, Waldrand, viel Outdoor-Betreuung), ist eine individuelle Risikoabwägung sinnvoll. Besprich das konkret mit deiner Kinderärzt:in: Wie häufig sind Stiche bei euch wirklich? Gibt es bekannte FSME-Fälle in der Region? Und wie gut könnt ihr Zeckenschutz im Alltag umsetzen? Für viele Familien reicht in diesem Alter konsequente Prävention – in Einzelfällen kann eine frühe Impfung aber diskutiert werden. Impfschema und Auffrischung: So bleibt der Schutz verlässlich Wie lange hält FSME-Impfung bei Kindern? Um vom kompletten Schutz zu profitieren, empfehlen Expertinnen und Experten drei Dosen. Danach verspricht der Impfstoff einen Schutz von 95 Prozent für mindesten 10 Jahre. Wie oft ist die Zeckenimpfung bei Kindern nötig? Nach der ersten Impfung kann bereist ein bis drei Monate später die zweite Dosis verabreicht werden. Für den kompletten Schutz von 95 Prozent sollte dann nach etwa sechs Monaten eine dritte Impfung erfolgen. Danach empfiehlt das BAG sowie die Fachärztin eine Auffrischimpfung alle 10 Jahre. Wann sollte dein Kind mit der Grundimmunisierung starten? Praktisch ist es, so zu planen, dass die ersten beiden Dosen rechtzeitig vor der zeckenaktiven Zeit abgeschlossen sind. Wenn der Start erst kurz vor einer intensiven Outdoor-Phase (z.B. Frühlingsferien, Pfadilager) liegt, frag deine Ärzt:in nach dem passenden Schema und wie schnell ein guter Schutz aufgebaut werden kann. Welche Abstände genau gelten, kann je nach Impfstoff und Alter variieren; halte dich hier an die Empfehlung deiner Ärzt:in und die BAG-Vorgaben. Wo kann die Zeckenimpfung gemacht werden? Die Zeckenimpfung erfolgt durch den Hausarzt oder die Hausärztin. Ab dem 16. Geburtstag können sich Teenager und junge Erwachsene auch bei ausgewählten Apotheken impfen lassen. Zeckenstich: Was du sofort tun kannst - und was du besser lässt 1) Zecke richtig entfernen Entferne die Zecke möglichst rasch. Das reduziert das Risiko für Borreliose, weil die Übertragung typischerweise nicht sofort passiert. So gehst du vor: Zecke mit feiner Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange hautnah fassen. Langsam, kontrolliert und gerade herausziehen. Wenn ein Teil stecken bleibt: ruhig bleiben – die Haut stösst Reste oft selbst ab. Bei Unsicherheit ärztlich abklären. Nicht vorher Öl, Klebstoff oder andere Mittel auftragen und die Zecke nicht quetschen. Stichstelle danach reinigen/desinfizieren und Hände waschen. 2) Datum notieren und beobachten Schreibe dir auf, wann und wo der Stich war (z.B. Handy-Notiz, Foto der Stelle). Beobachte die Haut in den folgenden Wochen. Ärztlich abklären solltest du vor allem: eine sich ausbreitende Rötung (typisch: Wanderröte), Fieber, starke Kopf- oder Gliederschmerzen, ausgeprägte Müdigkeit, neu auftretende Nackensteife, neurologische Auffälligkeiten oder starke Verschlechterung des Allgemeinzustands. Wichtig: Eine kleine Rötung direkt um die Einstichstelle kann auch eine harmlose lokale Reaktion sein. Entscheidend ist eine zunehmende, sich ausbreitende Rötung oder das Auftreten von Krankheitszeichen. So schützen sich Kinder vor einem Zeckenstich Um Kinder vor Zeckenstichen zu schützen, gelten die folgenden Massnahmen zu den effektivsten: Körperbedeckende Kleidung tragen Kopfbedeckung tragen Kleider, Schuhe und exponierte Körperteile mit Anti-Zeckenspray einsprühen Hund und Katze mit einem Anti-Zeckenprodukt einsprühen Beim Spazieren Berührungen mit Gras und Gebüsch meiden und breite Wege bevorzugen Kleidung und unbedeckte Körperteile kontrollieren (auf heller Kleidung sind Zecken besser sichtbar) Zudem empfiehlt die Kinder- und Jugendärztin Irmela Heinrichs nach dem Besuch im Wald oder auf hohen Wiesen Folgendes: «Absuchen des Körpers nach möglichen Zecken, vor allem an bevorzugten Stichstellen wie Hals, Nacken, Haaransatz, Achselhöhlen, Leistengegend, Kniekehlen und Armbeugen.» Vorbeugung im Alltag: das bringt am meisten - auch wenn dein Kind geimpft ist Zecken-Check als Familienroutine Am wirksamsten ist eine einfache Routine nach dem Draussensein: Kleidung aus, Duschen oder Waschlappen, dann systematisch absuchen (Haaransatz, hinter den Ohren, Nacken, Achseln, Bauchnabel, Leisten, Kniekehlen, zwischen den Zehen). Gerade bei jüngeren Kindern lohnt sich ein kurzer «Zecken-Check» vor dem Zubettgehen. Repellents bei Kindern: sinnvoll, aber richtig eingesetzt Anti-Zeckenmittel können helfen, besonders bei Ausflügen in hohes Gras oder an Waldränder. Achte auf altersgerechte Produkte, halte dich an die Gebrauchsanweisung (Menge, Häufigkeit, Anwendung nicht auf gereizter Haut) und spare Gesicht sowie Hände aus. Bei kleinen Kindern ist Kleidung plus Absuchen oft die wichtigste Basis; Repellent ist dann eine zusätzliche Schicht Schutz. Garten und Umfeld Wenn ihr einen Garten habt, kann es helfen, hohes Gras kurz zu halten und Spielbereiche möglichst zeckenunfreundlich zu gestalten (z.B. nicht direkt am dichten Unterholz). Das ersetzt keine persönliche Prävention, senkt aber die Wahrscheinlichkeit von Kontakten. Wie gefährlich ist die Zeckenimpfung? Wie jede andere Impfung kann auch die Zeckenimpfung Nebenwirkungen hervorrufen. Schwere Folgen wie neurologische Nebenwirkungen (1 auf 70’000 bis 1 auf Million Dosen) oder schwere allergische Reaktionen (1 bis 2 Reaktionen auf 1 Million Dosen) sind jedoch sehr selten. Die häufigsten Nebenwirkungen der Zeckenimpfung Die Zeckenimpfung kann auch unerwünschte Reaktionen auslösen. Viele davon verschwinden schon nach wenigen Tagen wieder. Gemäss INFOVAC, der Schweizer Informationsplattform für Impffragen, sind dies dies bekannte Nebenwirkungen: Örtliche Reaktionen (Rötung, kleine Schwellung, Schmerz) Kopfschmerzen Müdigkeit Muskelschmerzen Übelkeit Gelenkschmerzen Fieber Schwerere allergische Reaktionen Schwere neurologische Nebenwirkungen Wie sinnvoll ist eine Zeckenimpfung? «Die ganze Schweiz, mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin, gilt als FSME-Risikogebiet, so dass für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren eine Impfung empfohlen ist», so die Fachärztin Irmela Heinrichs. FAQ: Häufige Fragen von Eltern Hilft die Impfung gegen Borreliose? Nein. Die FSME-Impfung schützt ausschliesslich vor FSME. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Darum bleiben Zeckenschutz, rasches Entfernen und Beobachten nach einem Stich immer wichtig – auch bei geimpften Kindern. Was kostet die FSME-Impfung in der Schweiz? Die Kosten können je nach Situation (Empfehlung, Risiko, Franchise/Selbstbehalt) unterschiedlich sein. Am einfachsten klärst du es vorab bei deiner Kinderärzt:in oder direkt bei deiner Krankenkasse. Wenn die Impfung gemäss BAG-Empfehlung angezeigt ist, ist die Kostenübernahme häufig besser geregelt als bei Impfungen ohne Empfehlung. Wann soll ich nach einem Zeckenstich ärztlichen Rat holen? Wenn du die Zecke nicht vollständig entfernen konntest oder unsicher bist, wenn dein Kind krank wirkt oder Fieber entwickelt, oder wenn sich eine Rötung ausbreitet (Wanderröte). Bei starken Kopfschmerzen, Nackensteife oder neurologischen Symptomen solltest du umgehend medizinische Hilfe holen.