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Gesundheit > Prävention

Cholesterin: Wie du deine Cholesterinwerte senkst – und wann zum Arzt

Wenn die Ärztin einen erhöhten Cholesterinspiegel feststellt, ist das ein Warnsignal für Herz und Gefässe. Zu viel Cholesterin im Blut gehört neben Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes zu den entscheidenden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten [1]. Zum Glück lässt sich gegen hohe Cholesterinwerte einiges tun – und du erfährst hier auch, wann Ernährung allein nicht genügt.

Die wichtigsten Tipps rund um deinen Cholesterinspiegel
Eine ausgewogene Ernährung hilft dabei, den Cholesterinspiegel zu senken. Bild: sefa ozel, iStock, Getty Images Plus

Anna H. steckt der Schreck noch in den Gliedern. Bei einer Vorsorge-Untersuchung hat ihr Hausarzt einen zu hohen Cholesterinspiegel festgestellt. Bleibt zu viel LDL-Cholesterin im Blut, lagert es sich in den Innenwänden der Arterien ab, erklärt ihr der Arzt. Es bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, die das Gefäss verengen und den Blutstrom behindern.

Reisst eine solche Plaque ein, kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Verstopft ein Gefäss ganz, führt das je nach betroffener Stelle zu einem Herzinfarkt, einem Hirnschlag oder einer Durchblutungsstörung der Beine [1].

Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, den der Körper zum grössten Teil selbst herstellt – nur ein kleiner Teil stammt aus der Nahrung. Jeder Mensch braucht Cholesterin: Es ist Baustein der Zellmembranen, die jede Zelle umhüllen.

Ohne Cholesterin kann der Körper ausserdem keine Gallensäure herstellen, die er zur Verdauung braucht, kein Vitamin D bilden, das für den Aufbau der Knochen nötig ist, und keine Sexualhormone produzieren. Doch wie für viele Dinge im Leben gilt auch beim Cholesterin: Zu viel des Guten ist ungesund.

Neben dem Cholesterin sind die Triglyzeride (Neutralfette) die zweite wichtige Fettgruppe. Rund 90 Prozent des Nahrungs- und Körperfetts sind Triglyzeride [4]. Sie stammen einerseits aus der Nahrung, andererseits wandelt der Körper in der Leber und im Fettgewebe Kohlenhydrate in Triglyzeride um. Auch sie sind im Überschuss schlecht für Herz und Gefässe.

«Schlechtes» und «gutes» Cholesterin

Schlechtes Cholesterin

Fett ist im Blut nicht löslich. Für den Transport braucht es deshalb eine Art Container: die Lipoproteine. Wird Cholesterin von der Leber zu den Zellen gebracht, sind es Lipoproteine niedriger Dichte – LDL (Low Density Lipoproteine). Man spricht dann vom LDL-Cholesterin.

Verbleibt zu viel LDL-Cholesterin im Blut, lagert es sich in den Innenwänden der Arterien ab. Die Ablagerungen verdicken die Gefässinnenwand, fördern Entzündungen und können einreissen – dann drohen lebensgefährliche Blutgerinnsel. Kein Wunder, wird das LDL-Cholesterin deshalb oft das «schlechte» Cholesterin genannt.

Im Normalfall holen LDL-Rezeptoren das LDL wieder aus dem Blut heraus, vor allem in die Leber. Ist ihre Funktion gestört, wie bei der familiären Hypercholesterinämie, bleibt dauerhaft zu viel LDL-Cholesterin im Blut zurück [2].

Daneben gibt es das Lipoprotein (a), das dem LDL sehr ähnlich ist. Auch es lagert Cholesterin an den Gefässwänden ab. Zudem greift es in die Blutgerinnung ein und behindert so das Auflösen von Blutgerinnseln (Thromben).

Gutes Cholesterin

Die Lipoproteine hoher Dichte – HDL (High Density Lipoproteine) – nehmen überschüssiges Cholesterin aus dem Blut und den Geweben auf und transportieren es zurück in die Leber, die es in Gallensäuren umwandelt. Diese werden über den Darm ausgeschieden. Weil hohe HDL-Werte die Blutgefässe schützen, heisst das HDL-Cholesterin das «gute» Cholesterin.

Wann du deine Blutfette messen lassen solltest

Hohe Blutfettwerte tun nicht weh. Man bemerkt sie in der Regel überhaupt nicht – erst eine einfache Blutuntersuchung schafft Klarheit, in der Arztpraxis oder in der Apotheke. Die Schweizerische Herzstiftung empfiehlt, ab 40 Jahren mindestens alle fünf Jahre die Blutfette kontrollieren zu lassen [1].

Früher und dringlicher gilt das, wenn in deiner Familie Herzinfarkte, Hirnschläge oder Durchblutungsstörungen der Beine in relativ jungem Alter aufgetreten sind oder wenn dort seit jeher hohe Cholesterinwerte gemessen werden. Dann solltest du deine Hausärztin oder deinen Hausarzt ausdrücklich auf eine familiäre Hypercholesterinämie ansprechen: Eine frühe Abklärung ist in diesem Fall entscheidend [2].

Wichtig zu wissen: Ein einzelner Laborwert sagt für sich noch wenig aus. Ob dein Cholesterin behandelt werden muss, beurteilen Ärztinnen und Ärzte immer zusammen mit dem Gesamtrisiko – also mit Blutdruck, Rauchen, Diabetes, Alter und bereits durchgemachten Herz-Kreislauf-Ereignissen [6]. Als Faustregel gilt: Je höher das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko, desto tiefer sollen die Cholesterinwerte liegen [1]. Einen Grenzwert, der für alle gleich gilt, gibt es nicht; in der Schweiz arbeiten Ärztinnen und Ärzte dafür mit einem an die Schweizer Bevölkerung angepassten Risikorechner [5].

Ursachen für einen erhöhten Cholesterinspiegel

Ist von einem erhöhten Cholesterinspiegel die Rede, ist meist das LDL-Cholesterin gemeint. Eine wichtige Ursache liegt im Lebensstil: eine unausgewogene, fettreiche Ernährung und zu wenig Bewegung. Dazu kommt das Alter, denn der Gesamtcholesterinspiegel steigt mit den Jahren deutlich an [5]. Frauen weisen nach der Menopause häufig höhere Cholesterinwerte auf als vorher.

Unabhängig davon oder zusätzlich können Erbfaktoren und Krankheiten die Werte in die Höhe treiben. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie bestimmte Medikamente erhöhen das LDL-Cholesterin; Fachleute sprechen dann von einer sekundären Hypercholesterinämie [5].

Familiäre Hypercholesterinämie: wenn die Gene der Grund sind

Bei der familiären Hypercholesterinämie (FH) ist die Funktion der LDL-Rezeptoren durch ein vererbtes Gen gestört. Betroffene haben oft schon von Geburt an eine gefährliche Menge LDL-Cholesterin im Blut, das Risiko für einen frühen Herzinfarkt oder Hirnschlag ist entsprechend hoch [2]. Wie häufig die FH ist, wird unterschiedlich beziffert: Die Schweizerische Herzstiftung nennt etwa eine von 200 Personen in der Schweiz, das Universitätsspital Zürich zwei bis vier von 1000 [5]. Einig sind sich beide darin, dass viele Fälle unentdeckt bleiben.

Haben Vater, Mutter oder ein Geschwister eine FH, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, sie ebenfalls geerbt zu haben. Entscheidend ist: Bei einer FH genügen Ernährung und Bewegung allein nicht. Behandelt wird mit cholesterinsenkenden Medikamenten, und zwar lebenslang [2].

So senkst du dein Cholesterin

Eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung sind die Basis jeder Behandlung. Die Schweizerische Herzstiftung empfiehlt Menschen mit erhöhten Blutfetten den Verzicht aufs Rauchen, genügend Bewegung, den Abbau von Übergewicht und eine ausgewogene Ernährung – am besten die mediterrane Küche. Ehrlicherweise gehört dazu: Weil der Körper einen Teil der Blutfette selbst herstellt, lassen sich nicht alle Werte über den Lebensstil gleichermassen beeinflussen. Ist eine stärkere Senkung nötig, braucht es zusätzlich Medikamente.

Cholesterin senken mit der Ernährung

Zuerst eine Entlastung, die vielen neu ist: Nicht das Cholesterin auf dem Teller ist der entscheidende Hebel. Sein Einfluss auf die Blutfettwerte wurde lange überschätzt und ist von Mensch zu Mensch verschieden – eine konkrete Höchstmenge in Milligramm pro Tag lässt sich wissenschaftlich nicht angeben [3]. Auch das Universitätsspital Zürich hält fest, dass es heute nicht mehr darum geht, Eier und Butter aus der Ernährung zu verbannen; wichtiger ist das Gesamtbild. Worauf es ankommt, sind die Fettsäuren.

Halte die gesättigten Fettsäuren im Zaum. Sie stecken vor allem in Fleisch- und Wurstwaren, in Butter, Milch und Milchprodukten sowie in Kokos- und Palmkernfett [3]. Die Schweizer Referenzwerte empfehlen weniger als 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr – bei 2000 Kilokalorien sind das höchstens rund 22 Gramm [4]. Bei tierischen Lebensmitteln lohnen sich deshalb die fettärmeren Varianten: mageres Fleisch, fettarme Wurstsorten und Milch.

Meide industrielle Trans-Fettsäuren. Sie entstehen bei der Teilhärtung von Ölen und stecken zum Beispiel in Backwaren oder Müesliriegeln mit teilweise gehärteten Fetten. Sie verschlechtern die Blutfette und steigern dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch in der eigenen Küche entstehen sie, wenn Öl mit vielen ungesättigten Fettsäuren zu stark erhitzt wird [3].

Setze auf pflanzliche Öle – aber nicht, weil sie fettarm wären. Rapsöl enthält 90 Gramm Fett pro 100 Milliliter und damit sogar mehr als Butter mit 82 Gramm [4]. Entscheidend ist die Zusammensetzung: Raps- und Olivenöl liefern vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren, Raps-, Lein- und Sojaöl zusätzlich Omega-3-Fettsäuren. Cholesterin enthalten pflanzliche Öle keines – es kommt ausschliesslich in tierischen Lebensmitteln vor [3]. Sparsam dosieren lohnt sich trotzdem, denn Öl ist der energiereichste Nährstoff überhaupt.

Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse, Früchte und Nüsse gehören ins Zentrum des Speiseplans. Sie liefern Nahrungsfasern und stehen im Mittelpunkt einer herzgesunden Ernährung, wie sie auch das Universitätsspital Zürich empfiehlt.

Fisch darf ruhig fett sein. Fettreicher Fisch wie Lachs liefert die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA; empfohlen sind 250 Milligramm pro Tag [4].

Bei Alkohol und bei zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken lohnt sich Zurückhaltung. Sind die Triglyzeride erhöht, rät die Schweizerische Herzstiftung sogar zum vollständigen Verzicht auf Alkohol [1].

Cholesterin senken mit Sport und Bewegung

Bewegung ist der zweite Pfeiler. Das Universitätsspital Zürich empfiehlt mehrmals pro Woche mindestens eine halbe Stunde schweisstreibenden Sport [5]. Alltagsbewegung und Ausdauersportarten wie Velofahren, Wandern, Walking, Joggen, Schwimmen oder Wintersport bringen den Puls in Schwung und steigern die Herz-Kreislauf-Fitness. Wie viel Training sinnvoll ist und wo die beste Dosis liegt, liest du im Beitrag Wie viel Sport ist gesund?.

Bewegung hilft ausserdem, das Gewicht zu regulieren – und der Abbau von Übergewicht gehört zu den Massnahmen, die die Schweizerische Herzstiftung Menschen mit erhöhten Blutfetten ausdrücklich empfiehlt.

Wann Medikamente nötig werden

Reicht der Lebensstil nicht aus, kommen Lipidsenker zum Einsatz. Am häufigsten verwendet werden Statine: Sie vermindern die körpereigene Produktion von LDL-Cholesterin. Weitere Medikamente hemmen die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm oder steigern die Aufnahme von LDL-Cholesterin in die Leber. Verschrieben werden sie, wenn die Ärztin oder der Arzt das Herz-Kreislauf-Risiko als hoch oder sehr hoch einschätzt oder wenn der Blutfettspiegel sehr stark erhöht ist [1].

Statine haben einen zwiespältigen Ruf. Manche Patientinnen und Patienten berichten über Muskelschmerzen. Das sei eher selten und manchmal auch dem Nocebo-Effekt zuzuschreiben, sagt Isabella Sudano, Spezialistin für kardiovaskuläre Risikofaktoren am Universitätsspital Zürich; bei Beschwerden lasse sich das Präparat wechseln, und bei einer generellen Unverträglichkeit stehen heute weitere Wirkstoffe zur Verfügung [6]. Cholesterinsenker sind rezeptpflichtig – ob und womit behandelt wird, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Kennst du weitere Tipps zum Senken des Cholesterinspiegels? Dann schreib einen Kommentar zum Artikel.

Quellen

  1. Schweizerische Herzstiftung: Blutfette (Cholesterin). Abgerufen am 10.08.2026.
  2. Schweizerische Herzstiftung: Familiäre Hypercholesterinämie. Abgerufen am 10.08.2026.
  3. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Zusatzinformationen Fette (PDF), 2025. Abgerufen am 10.08.2026.
  4. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Fette (PDF), 2026, mit den Schweizer Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr des BLV. Abgerufen am 10.08.2026.
  5. Universitätsspital Zürich: Hypercholesterinämie. Abgerufen am 10.08.2026.
  6. Schweizerische Herzstiftung: Blutfette unter die Lupe nehmen, aktualisiert am 09.07.2026. Abgerufen am 10.08.2026.

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