Gesundheit > PräventionHitzepickel: Mit den Tipps der Expertin wirst du sie wieder los – und weisst, wann du zum Arzt gehst Sigrid Schulze Hitzepickel auf der Haut sind unschön, lästig und können einem den Sommer vermiesen. Oft treten sie auf der Haut von Babys und Kleinkindern auf. Mit den Tipps unserer Expertin wirst du die Pickel wieder los. Weiter unten liest du ausserdem, woran du Hitzepickel von anderen Ausschlägen unterscheidest, wann ein Arztbesuch nötig ist und welche Hausmittel du besser weglegst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Dein Kind soll natürlich keine Zugluft abbekommen, doch zu warme Kleidung im Sommer kann Hitzepickel verursachen. Foto: ljubaphoto, E+, Getty Images Plus Hitzepickel: Tipps der Expertin für einen unbeschwerten Sommer Die Ursache der Hitzepickel liegt in der Hitze des Sommers: Wenn die Ausführungsgänge der Schweissdrüsen blockiert sind, kann der Schweiss nicht austreten. Deshalb bilden sich die Bläschen auf der Haut. Fachleute sprechen von Miliaria. Die häufigste Form mit den roten, juckenden Pünktchen heisst Miliaria rubra; sitzt der Verschluss ganz oben in der Hornschicht, entstehen die hellen, schnell platzenden Bläschen einer Miliaria cristallina. [1] Babys sollten bei Hitze luftig gekleidet sein. Eltern haben zwar manchmal die Befürchtung, das Kind könne Zugluft abbekommen, doch leicht kann es unter der Kleidung auch zu heiss werden. In der Regel sind Hitzepickel auf der Haut harmlos. Wichtiger Tipp: Die Pickel nicht aufkratzen, sonst können Bakterien eindringen. Frau Dr. Stengel, wie lässt sich erkennen, dass es sich bei Pusteln um Hitzepickel handelt? Dr. Monique Stengel Hitzepickel treten vor allem an bedeckten Körperarealen auf. Bei Säuglingen entstehen Hitzepickel deshalb oft im Windelbereich, bei Kindern und Erwachsenen am Rumpf unter eng anliegender Kleidung. Gut zu wissen: Hitzepickel gibt es nie im Gesicht und nie an Hand- und Fussflächen. Wie entstehen Hitzepickel? Wenn wir uns körperlich anstrengen oder es sehr warm ist, produzieren die Schweissdrüsen Schweiss. Auf der Haut entsteht eine Schweissschicht, die für Abkühlung sorgt und vor Überhitzung schützt. Doch manchmal kann der Schweiss nicht austreten, weil die Ausführungsgänge der Schweissdrüsen blockiert sind. In diesen Fällen entstehen Hitzepickel. Die Haut quillt auf, es bilden sich kleine Bläschen. Ist die Hornschicht betroffen, sind die Pickel hell und hirsekorngross und platzen relativ schnell auf. Möglicherweise aber liegt der Verschluss tiefer in der Ober- oder Lederhaut. Was passiert dann? Dann tritt der Schweiss in das umliegende Gewebe ein und verursacht eine Entzündung, es kommt zum Auftreten von rötlichen kleinen Pickeln. Häufig findet man Hitzepickel bei Menschen in den Tropen, die noch nicht an das feucht-warme Klima gewöhnt sind. Eng anliegende Kleidung, welche die Verdunstung behindert, fördert das Auftreten von Hitzepickel auch in unseren Breitengraden. Ein Säugling kann dann nicht sagen: «Hallo, mir ist zu heiss.» Wichtig ist deshalb, immer mal wieder zum Beispiel am Nacken zu fühlen, ob das Kind schwitzt. Ist das der Fall, braucht das Baby luftigere Kleidung. Hitzepickel kommen vor allem bei Babys und Kindern immer wieder vor. Warum? Aus eigener Erfahrung als dreifache Mutter weiss ich, dass Eltern oft Sorge haben, ihr Baby könne auskühlen oder Zugluft abbekommen. Sie meinen es dann zu gut und ziehen es zu warm an. Ein Säugling kann dann nicht sagen: «Hallo, mir ist zu heiss.» Wichtig ist deshalb, immer mal wieder zum Beispiel am Nacken zu fühlen, ob das Kind schwitzt. Ist das der Fall, braucht das Baby luftigere Kleidung. Es kommt also zu den besagten Pickeln... Darüber hinaus sind die Schweissdrüsen bei Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift. Die Schutzfunktionen der Haut samt Schweiss- und Talgproduktion müssen erst noch reifen. Auch bei Kindern sind die Schweissdrüsenausführungsgänge im Vergleich zu denen von Erwachsenen noch relativ klein und können daher leichter verstopfen. Sind Hitzepickel harmlos? In der Regel sind Hitzepickel harmlos, aber auch lästig, weil sie jucken können. Wer sie aufkratzt, riskiert, dass Bakterien ungehindert eintreten. Dann kann es zu ausgedehnten Entzündungen mit nässenden Flächen kommen. Hitzepickel sind auch immer ein Zeichen dafür, dass der Körper Abkühlung braucht. Sehr ausgedehnte Hitzepickel können deshalb gefährlich werden. Weil der Schweiss nicht an die Hautoberfläche gelangt, entstehen Temperaturregulationsstörungen, die bis zum Hitzschlag führen können, einem medizinischen Notfall. Dann hat sich der Körper auf mehr als 40 Grad erhitzt. Was lässt sich tun, um Hitzepickel schnell loszuwerden? Der erste und wichtigste Schritt ist, die Ursache zu beseitigen, also schnell für Abkühlung zu sorgen. Konkret heisst das: Lockere atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle oder Leinen anziehen. Schatten aufsuchen. Säuglingen die Windel wenn möglich mal ausziehen, damit Luft an den Popo kommt. Eine Zinkschüttelmixtur hemmt die Entzündung. Bei starkem Juckreiz kann ein freiverkäufliches Antihistaminikum aus der Apotheke eingenommen werden. Dr. Monique Stengel ist Fachärztin für Dermatologie & Venerologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie und Naturheilverfahren. Sie ist dreifache Mutter und unter anderem auch auf Kinderdermatologie spezialisiert. Ihre Dermatologische Privatpraxis befindet sich in Starnberg. Das Interview führten wir im August 2019; die Angaben zur Person geben den damaligen Stand wieder. Hitzepickel oder etwas anderes? Der einfachste Test Der zuverlässigste Hinweis ist die Zeit. Die meisten Hitzeausschläge heilen innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, sobald das Kind in eine kühlere Umgebung kommt – oft ganz ohne Behandlung. [4] Bleibt der Ausschlag trotz Abkühlung, luftiger Kleidung und Schatten bestehen, steckt vermutlich etwas anderes dahinter. Bei Kindern zeigen sich Hitzepickel typischerweise am Rumpf und in den Hautfalten von Hals, Achseln und Leiste. [4] Zwei Verwechslungen kommen im Familienalltag besonders häufig vor: Ein geröteter, wunder Po unter der Windel muss kein Hitzepickel sein. Was dann hilft, steht im Ratgeber Wunder Po beim Baby: Das hilft gegen Windeldermatitis. Trockene, stark juckende Haut, die in Schüben kommt und geht und sich von Kühlung nicht beeindrucken lässt, passt eher zu Neurodermitis beim Baby. Fachlich abzugrenzen sind ausserdem Herpes-simplex-Infektionen, Pilzinfektionen, eine bakterielle Follikulitis und das Erythema toxicum des Neugeborenen. [4] Diese Unterscheidung gehört in die Praxis und nicht auf den Wickeltisch. Ein Punkt noch zur Lokalisation: Im Gesicht sind Hitzepickel untypisch, ausgeschlossen sind sie dort aber nicht. Fachliteratur nennt für die oberflächliche Form bei Neugeborenen ausdrücklich Kopf, Hals und oberen Rumpf als häufige Stellen. [4] Wenn du unsicher bist, lässt du es besser anschauen. Wann du mit dem Ausschlag zur Ärztin gehst Hitzepickel sind in aller Regel harmlos. Diese vier Situationen gehören trotzdem abgeklärt: Fieber bei einem Säugling bis drei Monate. Babys in diesem Alter müssen bei Fieber schnellstmöglich ärztlich untersucht werden – unabhängig davon, wie der Ausschlag aussieht. [2] Eiterbläschen, nässende oder sich ausbreitende Stellen. Eine bakterielle Zweitinfektion, meist durch Staphylokokken, ist die häufigste Komplikation von Hitzepickeln und wird ärztlich behandelt. [4] Keine Besserung nach ein bis zwei Tagen in kühler Umgebung. [4] Das Kind wirkt schlapp oder verwirrt, ist schwindlig, erbricht oder hat Muskelkrämpfe. Das sind mögliche Zeichen einer hitzebedingten Erkrankung. Bring das Kind an einen kühlen oder schattigen Ort, kühle es mit feuchten Tüchern und gib ihm zu trinken. Geht es ihm nach kurzer Zeit nicht besser, ruf unverzüglich eine Ärztin oder die 144. [3] Säuglinge und Kleinkinder zählen bei Hitze ausdrücklich zu den Risikogruppen, ebenso wie sehr alte Menschen und Schwangere. [3] Woran du einen Hitzschlag von einem Sonnenstich unterscheidest, liest du in unserem Beitrag Erste Hilfe bei einem Sonnenstich. Puder, dicke Cremes, Tabletten: Was du besser weglegst Babypuder. Gegen Hitzepickel wird Puder oft empfohlen, auf Babyhaut gehört er trotzdem nicht. Atmet ein Kind den feinen Staub ein, kann er in die Lunge gelangen und dort zu einer Verlegung der Atemwege oder zu schweren Lungenschäden führen. Die Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz dokumentierten zwischen 1979 und 2008 113 Aspirationsunfälle mit Babypuder, in den meisten Fällen bei Kindern zwischen einem halben und zwei Jahren. [5] Die typische Unfallsituation: Das Kind liegt beim Wickeln auf dem Rücken, die Dose öffnet sich unbeabsichtigt und der Puder rieselt über das Gesicht. Aus medizinischer Sicht ist talkumhaltiger Babypuder nach Einschätzung vieler Kinderärztinnen und Kinderärzte gar nicht nötig. [5] Dicke Salben und Fettcremes. Sie verschliessen die Haut zusätzlich und sollten bei Miliaria gemieden werden – ebenso enge, luftundurchlässige Kleidung. [1] Antihistaminikum auf eigene Faust. Freiverkäuflich heisst nicht automatisch babytauglich. Das Universitäts-Kinderspital beider Basel rät, Kindern unter drei Monaten überhaupt keine Medikamente ohne Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu geben. [2] Auch bei älteren Babys und Kleinkindern klärst du die Einnahme besser vorher ab. Was hilft, ist unspektakulär: kühlen und trocken halten, schweisstreibende Situationen meiden, atmungsaktive Baumwolle statt enger Synthetik, nasse Kleidung sofort wechseln, kühle Umschläge oder ein kühles Bad. [1][4] Eine austrocknende Schüttelmixtur mit Zink oder Calamin lindert den Juckreiz; weil sie die Haut austrocknet, braucht es danach manchmal eine leichte Pflege. [4] Bei einem ausgeprägten Ausschlag kommen ärztlich verordnete milde Kortison-Präparate infrage. [1][4] Vorbeugen: weniger anziehen, mehr Luft Die wirksamste Vorbeugung ist die, die Dr. Stengel im Interview nennt – das Kind nicht zu warm anziehen. Bemerkenswert dabei: Miliaria entsteht ausdrücklich auch bei kühlem Wetter, wenn jemand zu dick eingepackt ist. [1] Ein Hitzeausschlag im Mai ist also kein Widerspruch. Was Babys im Sommer wirklich brauchen, steht im Ratgeber Babykleidung im Sommer; für die ganze Familie haben wir 10 Tipps gegen Hitze gesammelt. Quellen MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Miliaria, Stand März 2024 (abgerufen am 9. August 2026). Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): Fieber im Kindesalter (abgerufen am 9. August 2026). Bundesamt für Gesundheit (BAG): Schutz vor Hitze (abgerufen am 9. August 2026). DermNet (Neuseeland), fachärztlich redigierte Dermatologie-Datenbank: Miliaria (abgerufen am 9. August 2026). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Deutschland: Talc-containing baby powder is a health risk, Presseinformation (nur noch in englischer Fassung abrufbar, abgerufen am 9. August 2026).