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Gesundheit > Prävention

Der Weg der Milch: Jogurt und Käse mit Kindern selber machen – vier Rezepte Schritt für Schritt

Sicher, die meisten Kinder wissen, dass Jogurt, Quark und Käse aus Milch gemacht werden. Wo aber liegen die Unterschiede bei der Herstellung? Kinder, die Milchprodukte zu Hause selber machen, bekommen einen ganz neuen Bezug zu diesen Nahrungsmitteln.

Selbstgemachtes Jogurt schmeckt gleich doppelt so gut.
Jogurt selber machen macht Spass und schmeckt doppelt so gut. Foto: Pixland, Thinkstock.

Wo kommt die Milch her? Gut, wenn Kinder die Antwort kennen. Noch besser, wenn sie Gelegenheit haben, auf einem Bauernhof beim Melken der Kühe zuzuschauen. Ein solches Erlebnis schafft Bezug zu weiteren Milchprodukten wie Jogurt, Quark, Käse und Dickmilch.

Der Weg der Milch endet aber nicht im Tetrapak. Von der Kuh geht sie in die Molkerei, wird dort erhitzt und abgefüllt. Erst danach beginnt, was Jogurt, Quark und Käse voneinander unterscheidet: das Säuern und das Gerinnen. Diesen letzten Schritt könnt ihr in der eigenen Küche nachbauen. Gemeinsames Kochen macht ohnehin Lust aufs Probieren.

Die Unterschiede zwischen Dickmilch, Jogurt, Quark und Käse

· Dickmilch wird aus Milch und Säuerungskulturen hergestellt.

· Jogurt entsteht aus Milch und Jogurt-Kulturen.

· Für Käse braucht man Milch und/oder Rahm sowie Säuerungs- und/oder Jogurtkulturen sowie Lab. Lab ist ein Enzym aus dem Labmagen von Kälbern, das Milch gerinnen lässt.

Bevor ihr anfangt: Milch, Hygiene und heisse Schritte

  • Pasteurisierte Milch aus dem Laden verwenden. Rohmilch ab Hof oder aus dem Verkaufsautomaten ist kein konsumfertiges Produkt und muss vor dem Konsum auf mindestens 70 Grad erhitzt werden [1]. Kalt verarbeitet bleibt sie ein Risiko, auch wenn der Hof in der Nachbarschaft liegt.
  • Für kleine Kinder gilt das besonders. Untersuchungen von Rohmilch aus Schweizer Verkaufsautomaten fanden darin Campylobacter, Listerien, STEC und Yersinien [1]. Als seltene, aber schwere Folge einer STEC-Infektion kann das hämolytisch-urämische Syndrom auftreten. Davon waren 2025 in der Schweiz vor allem Kinder unter fünf Jahren und Menschen über 65 betroffen [1]. Wir haben zusammengefasst, ab wann Babys Kuhmilch und Jogurt vertragen.
  • Hände und Gefässe zuerst. Vor dem Start Hände gründlich mit Seife waschen. Gläser, Töpfe, Schneebesen und Tücher mit heissem Wasser und Seife reinigen [2].
  • Fertiges kühl stellen. Selbst gemachte Milchprodukte gehören in den Kühlschrank bei unter 5 Grad, so wie alle verderblichen Lebensmittel [2].
  • Die heissen Schritte macht ihr Erwachsenen. Auf den hinteren Platten kochen, Pfannenstiele nach hinten drehen, und ein Gefäss mit kochendem Inhalt nie unbeaufsichtigt lassen [3]. Rühren, messen und abschmecken bleibt fürs Kind.

Dickmilch mit Kindern selber machen

Grosseltern können sich noch erinnern: Dickmilch wurde früher zu Hause oft selbst gemacht. Unbehandelte Milch blieb einfach viele Stunden lang stehen, bis sie dick war. Denn Milchsäurebakterien lassen mit Hilfe des Milchzuckers die Milcheiweisse, das Kasein, gerinnen.

Nachbauen solltest du dieses alte Verfahren nicht. Rohmilch gehört vor dem Konsum erhitzt [1], und damit verliert sie genau die Bakterien, auf die es ankommt. Bei gekaufter Milch funktioniert das Prinzip aus demselben Grund nicht: Sie enthält keine Milchsäurebakterien mehr. Deshalb führst du sie ihr zu, und zwar mit fertiger Dickmilch.

Das brauchst du

1 l pasteurisierte Milch
2 Esslöffel fertige Dickmilch
1 Lebensmittel-Thermometer

So geht es:
Die Milch soll nicht kalt aus dem Kühlschrank kommen. Zimmertemperatur genügt, also rund 20 Grad. Deinem Kind macht es sicher Spass, das mit dem Thermometer nachzumessen. Nun rührst du die Dickmilch ein. Die Milch kommt in ein sauberes Gefäss und wird verschlossen. Bei Zimmertemperatur etwa 14 Stunden stehen lassen. Schon ist die Dickmilch fertig, die im Kühlschrank rund eine Woche frisch bleibt [2]. Mit Zimt und Zucker schmeckt sie übrigens besonders gut.

Jogurt selber machen

Jogurt ist nichts anderes als Sauermilch, die ganz einfach hergestellt werden kann.

Das brauchst du

1 l pasteurisierte Vollmilch
100 g Naturjogurt
2 EL Zucker (nach Geschmack)
Fruchtmus
1 Lebensmittel-Thermometer

So geht es:
Zunächst gilt es, die Milch auf 40 Grad zu erwärmen. Dann rührst du das Naturjogurt mit dem Schneebesen ein, den Zucker nach Geschmack. Nun giesst du die Milch in sechs Gläser mit Schraubdeckeln.

Der Zucker ist übrigens nicht nötig, damit das Jogurt gelingt. Die Kulturen leben vom Milchzucker, der ohnehin in der Milch steckt. Wer weniger süssen möchte, rührt später Fruchtmus darunter. Wie viel Süsses Kinder vertragen, haben wir separat zusammengefasst.

Die vollen und nun gut verschlossenen Gläser müssen nun etwa 12 Stunden warm gehalten werden. Warm bleiben sie in einem dicken Handtuch, auf der Heizung, mit Hilfe einer Wärmflasche oder in einer verschlossenen Kühltasche.

Was nicht sofort gegessen wird, kommt in den Kühlschrank. Dort hält sich das Jogurt etwa drei Tage. Kinder, die es fruchtiger mögen, mischen Fruchtmus darunter.

Frischkäse selber machen

Quark ist ein einfacher Frischkäse. «Die Bereitung von Quark ist mit Sicherheit die älteste Art der Käseherstellung», so Karl-Friedrich Schmidt, Autor des Buches «Käse, Jogurt, Butter: Leicht selbstgemacht». «Er wurde aller Wahrscheinlichkeit nach schon vor Jahrhunderten hergestellt.»

Das brauchst du

2 l pasteurisierte Vollmilch oder fettarme Milch
150 g Vollmilchjogurt
1 Lab-Tablette
Feinmaschiges, vorher ausgekochtes Baumwolltuch (am besten echtes Käse-Leinen, weil die Webstärke ideal durchlässig ist. Sind Tücher zu dicht gewebt, läuft die Molke schwer ab.)

So geht es:
Erwärme die Milch auf 43 Grad. Dann rührst du das Jogurt in die Milch ein. Topf zudecken und 1,5 Stunden bei ca. 35 Grad warm halten, zum Beispiel im Backofen. Währenddessen kann sich die Säure in der Milch entwickeln.

Nun löst du die Lab-Tablette in einer halben Tasse Wasser auf und rührst sie ein. Schon ist wieder «Warten» angesagt: Die Masse bleibt stehen, bis die Milch eingedickt ist. Das dauert mindestens eine halbe Stunde, evtl. aber auch mehrere Stunden. Sie ist erst dann dick genug, wenn Messerschnitte stehen bleiben und nicht gleich wieder zusammenlaufen.

Ist das der Fall, kannst du die Masse in Würfel schneiden und in ein mit einem Baumwolltuch ausgelegtes Sieb schöpfen. Baumwolltuch über dem Käse schliessen. An einem kühlen Ort 4-6 Stunden abtropfen lassen.

Der Quark hält sich höchstens zwei Tage. Mit Konfitüre schmeckt er besonders fein.

Süsser körniger Frischkäse

Aus dem Faible, Käse zu machen, kann man einen ganzen Beruf machen. Wer aber Kindern zeigen will, wie käsen geht, fängt mit den leichten Sorten an. Dazu gehören neben dem Quark der süsse, körnige Frischkäse.

Das brauchst du

2 l pasteurisierte Vollmilch
1 Lab-Tablette
2 EL Rahm
1 Prise Zimt zum Bestreuen

So geht es:
Milch unter Rühren auf 40 Grad Celsius erwärmen. In ½ Tasse Wasser die Lab-Tablette auflösen, schnell einrühren. An einem warmen Ort die Milch 1-2 Stunden eindicken lassen.

Der nächste Schritt gehört in Erwachsenenhände: Der Topf kommt auf den Herd, und das Molke-Bruch-Gemisch wird unter ständigem, vorsichtigem Rühren mit dem Schneebesen auf Siedetemperatur gebracht, bis die gesamte Molke verdampft ist. Ein Gefäss mit kochendem Inhalt bleibt nie unbeaufsichtigt, und Kinder halten dabei Abstand zum Herd [3]. Dein Kind schaut zu und übernimmt danach.

Zurück bleiben süsse Frischkäse-Körner. Es ist das geronnene Milcheiweiss; süss schmeckt es, weil der Milchzucker aus der eingedampften Molke daran haften bleibt. Vermische die Körner kalt oder warm mit dem Rahm und bestreue sie nach Belieben mit etwas Zimt.

Auch dieser Frischkäse ist ein Frischprodukt ohne Konservierung. Was übrig bleibt, kommt sofort in den Kühlschrank und wird am selben oder am nächsten Tag gegessen [2].

(Quelle: Jogurt, Käse, Rahm & Co: Gesundes aus Milch selbst gemacht! Von Lotte und Ingeborg Hanreich. Stocker Verlag.)

Wer einmal daran Gefallen gefunden hat, Jogurt und Käse selber zu machen, gewinnt Nahrungsmittel ganz ohne Zusatzstoffe. «Bei Ihren eigenen Milchprodukten bestimmen Sie selbst, was reinkommt, nämlich das Beste aus der Milch und Verfeinerungen ganz nach Gusto: Gewürze, Nüsse und mehr», erklärt Cosima Bellersen Quirini, Autorin des Ratgebers «Jogurt, Quark und Käse: Natürlich selbst gemacht.» Günstiger sei es ausserdem, schreibt sie: «Die Jogurt- und Käseherstellung selbst in die Hand zu nehmen, spart etwa die Hälfte des Kaufpreises ein.» Ob die Rechnung bei dir aufgeht, hängt am Milchpreis und daran, wie viel du sonst fürs Jogurt ausgibst.

Wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid: Brotaufstrich lässt sich genauso einfach selber machen.

Buchtipps:

  • Jogurt, Quark und Käse: Natürlich selbst gemacht. Von Cosima Bellersen Quirini. Ulmer Verlag.
  • Jogurt, Käse, Rahm & Co: Gesundes aus Milch selbst gemacht! Von Lotte und Ingeborg Hanreich. Stocker Verlag.
  • Käse, Jogurt, Butter: Leicht selbstgemacht. Von Karl-Friedrich Schmidt. Hädecke Verlag.

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit BAG und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Bericht zur Überwachung von Zoonosen und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen 2025 (PDF), abgerufen am 20.08.2026.
  2. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln, abgerufen am 20.08.2026.
  3. Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU: Schutz vor Feuer und Hitze, abgerufen am 20.08.2026.

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