Gesundheit > PräventionSaisonküche: Wie du bewusst und regional kochst und isst – und woran du gute Ware erkennst Ronja Lindt Saisonale und regionale Ernährung wird oft mit Verzicht verbunden. Dabei schmeckt reif geerntetes Obst und Gemüse aus der Nähe meist besser und stärkt die Betriebe in der Region. Fürs Klima zählt allerdings weniger die Herkunft als die Frage, wie ein Lebensmittel angebaut und transportiert wurde. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Bewusster und regionaler Konsum ist mit dem Saisonkalender möglich. Bild: Prostock-Studio, Getty Images Im Juli, wenn Erdbeeren in der Schweiz Hochsaison haben, duften sie fantastisch, sind tiefrot und saftig. Zwischen Ernte und Verzehr liegen nur wenige Tage. Die Erdbeeren, die es im Dezember im Supermarkt gibt, sind dagegen oft hellrot, fest und schmecken nach wenig. Dahinter steckt vor allem Botanik: Erdbeeren reifen nach der Ernte nicht mehr nach. Was früh gepflückt wird, damit es den Transport übersteht, wird auch unterwegs nicht mehr süss. Woher die Winterbeeren stammen, ist unterschiedlich. Bio Suisse etwa ergänzt das Angebot ausserhalb der Schweizer Saison mit Früchten aus Spanien und Italien [4]. Ins Gewicht fällt vor allem Flugware: Für die Klimabilanz ist das Transportmittel wichtiger als die zurückgelegte Distanz [2]. Manche heimische Birnensorten entwickeln ihr Aroma erst im Lager. Lagersorten wie Kaiser Alexander halten sich bis in den Frühling [4]. Mit einem Saisonkalender kaufst du Früchte und Gemüse dann, wenn sie hier reif werden. Was bedeutet saisonale Ernährung? Saisonal zu essen bedeutet, Gemüse und Obst dann zu konsumieren, wenn sie am eigenen Aufenthaltsort reif oder aus der Lagerung verfügbar sind. Während Kirschen und Erdbeeren frisch geerntet im Sommer gut schmecken, sind Äpfel und Birnen Lagerobst für die kalten Monate. Welche Früchte und Gemüse wann Saison haben, zeigt der Saisonkalender von Bio Suisse [4]. Damit lassen sich Rezepte fürs ganze Jahr zusammenstellen, von Salaten über Kartoffeln und Bohnen bis zu Beeren und Kräutern. Was bedeutet «regional»? Der Begriff «Region» lässt sich sehr unterschiedlich fassen. Heisst regional einkaufen, dass das Gemüse aus dem eigenen Kanton kommt? Aus der Schweiz? Aus Europa? Je enger du «Region» fasst, desto direkter ist der Effekt: Wer beim Hof in der Nähe kauft, lässt einen grösseren Teil des Preises beim Betrieb selbst. Gerade kleine Betriebe sind auf solche Kundschaft angewiesen. Ob daraus auch bessere Arbeitsbedingungen entstehen, hängt vom einzelnen Betrieb ab. Ein Automatismus ist es nicht. Saisonküche: was sie bringt und was nicht Saisonal einkaufen ist eine gute Faustregel, aber kein Selbstläufer. Eine Ökobilanz der ETH Zürich im Auftrag des WWF hat 25 Gemüse- und Früchtesorten aus den wichtigsten Importländern verglichen. Das Ergebnis: Nicht die Jahreszeit oder die Herkunft entscheiden, sondern die Produktionsart und das Transportmittel [1]. Zwei Beispiele daraus: Ein Kilo sonnengereifte Tomaten aus Spanien belastet das Klima im Winter mit rund 0,5 Kilo CO2. Tomaten aus einem fossil beheizten Schweizer Gewächshaus im Mai kommen auf das Zehnfache. Grünspargel aus der Schweiz schlägt mit knapp 1 Kilo CO2 pro Kilo zu Buche, geflogener Spargel aus Peru mit 15 Kilo [1]. Der Nutzen bleibt trotzdem gross. Wer saisonal einkauft, vermeidet Flugware und Ware aus fossil beheizten Gewächshäusern fast von selbst. Der WWF beziffert die mögliche Entlastung bei Obst und Gemüse auf das Acht- bis Zehnfache [2]. Anzeige Warum regionale Ware nicht in jedem Fall die bessere Wahl ist, zeigt unser Beitrag Regionales Gemüse ist nicht immer umweltfreundlicher. Beim Klima fällt ohnehin etwas anderes stärker ins Gewicht als der Einkaufszettel für Obst und Gemüse: Die grössten Mengen an Treibhausgasen im Schweizer Ernährungssystem entstehen laut Bundesamt für Umwelt bei der Erzeugung von Fleisch und Milchprodukten [3]. Mehr dazu liest du in Weniger Fleisch essen und Klima schonen. Wo beziehe ich lokale und saisonale Lebensmittel? Wer direkt beim Erzeuger einkaufen möchte, sucht am besten nach Hofläden in der Umgebung. In Städten sind Wochenmärkte eine Option, dort bieten Bauern aus dem Umland ihre Produkte an. Ein Pluspunkt: Den netten Plausch gibt's gratis dazu. Bequemer ist die Gemüsekiste, individuell zusammengestellt oder je nach bestellter Grösse verpackt. Sie wird direkt vom Hof nach Hause oder ins Büro geliefert. Danach kannst du loslegen, etwa mit Wintergemüse-Rezepten, die auch Kindern schmecken. Wie erkenne ich regionale Produkte im Supermarkt? Auch im Supermarkt gibt es regionale Produkte. Labels wie «Aus der Region. Für die Region» von Migros oder «Lokal» von Manor zeigen an, nach welchen Kriterien ein Lebensmittel hergestellt wurde. Die Auflagen dahinter sind allerdings unterschiedlich streng. Bei Migros richtet sich die Region nach dem Gebiet der jeweiligen Genossenschaft, das mehrere Kantone umfassen kann. Bei Manor müssen «Lokal»-Produzenten nach den eigenen Richtlinien höchstens 30 Kilometer Luftlinie vom belieferten Geschäft entfernt liegen. Im Tessin und im Wallis gilt stattdessen die Kantonsgrenze. Einen guten Überblick über die verschiedenen Labels, auch über den Lebensmittelbereich hinaus, was sich dahinter verbirgt und wie gut die Vorgaben eingehalten werden, bietet die Plattform labelinfo.ch der Stiftung Pusch – Praktischer Umweltschutz. Und wenn es doch mal exotisch sein soll? Dann lohnt sich der Blick auf das Transportmittel. Leicht verderbliche Ware wie erntereife Papayas oder Babybananen wird eingeflogen, darauf verzichtest du besser. Normale Bananen und Kokosnüsse kommen dagegen meist per Schiff, was deutlich weniger ins Gewicht fällt [2]. Das Problem: Auf der Ware steht das selten. Wer saisonal einkauft, ist auch hier auf der sicheren Seite [2]. Food Waste Selbsttest Finde in unserem Test heraus, wie verschwenderisch du mit Lebensmitteln umgehst. Die Kinder meckern, weil sie nicht schon wieder Brokkoli essen wollen und schon landet die letzte Portion Gemüseauflauf im Kübel – dieses Szenario kommt dir bekannt vor? Damit bist du nicht allein. In der Schweiz fallen pro Person und Jahr rund 330 Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle an [3]. Wer den Einkauf plant, wirft weniger weg. Wie das geht, zeigt unser Wochenplan fürs Essen. Zum Test: Wie verschwenderisch gehst du mit Lebensmitteln um? Quellen WWF Schweiz: Beheizt und eingeflogen: WWF fordert Transparenz bei Früchten und Gemüse. Medienmitteilung vom 13. März 2017 zur Ökobilanz-Studie der ETH Zürich. Abgerufen am 19.08.2026. WWF Schweiz: Früchte und Gemüse. Abgerufen am 19.08.2026. Bundesamt für Umwelt BAFU: Auswirkungen der Ernährung auf die Umwelt. Abgerufen am 19.08.2026. Bio Suisse: Saisonkalender für Gemüse, Obst und Fleisch. Abgerufen am 19.08.2026.