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Keine Angst vor der Curettage – was bei der Ausschabung auf dich zukommt

Eine Curettage – auf Deutsch Ausschabung – ist der häufigste Eingriff, der nach einer Fehlgeburt zur Sprache kommt. Er dauert meist nur wenige Minuten und findet in der Regel ambulant statt. Aber er ist nicht in jedem Fall der einzige Weg: Wenn kein Notfall vorliegt, hast du nach einer frühen Fehlgeburt in der Regel die Wahl zwischen drei Vorgehensweisen.

Eine Curettage ist eine kleinere Operation, die meist ambulant durchgeführt wird.
Eine Curettage wird meist ambulant durchgeführt. Foto: Tatyana Sokolova, iStock, Thinkstock

Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet Ausschabung oder Auskratzung. Gemeint ist damit nicht nur die Gebärmutter: In der Medizin bezeichnet eine Kürettage allgemein das Abtragen von Gewebe, auch bei zahnärztlichen, orthopädischen oder hautmedizinischen Behandlungen. Zur Unterscheidung lautet der vollständige lateinische Name für die Gebärmutterausschabung deshalb Abrasio uteri.

Klassischerweise wird dabei eine löffelartige Kürette benutzt. Diese stumpfe Methode ist heute allerdings weitgehend abgelöst: Standard ist die Saugkürettage (Vakuumaspiration), bei der ein Gerät das Gewebe mit leichtem Sog abträgt. Das bedeutet weniger Blutverlust, weniger Schmerzen, eine kürzere Operationsdauer und ein geringeres Risiko, die Gebärmutterwand zu verletzen. Die aktuelle Leitlinie der Fachgesellschaften – getragen unter anderem von gynécologie suisse (SGGG) – empfiehlt deshalb ausdrücklich, die Abortkürettage als Saugkürettage durchzuführen [1].

Die Gründe für eine Curettage

Die Anlässe sind unterschiedlich. Am häufigsten geht es um eine Schwangerschaft, die nicht weitergeht: eine Missed Abortion, bei der der Embryo gestorben ist, ohne dass eine Blutung einsetzt, oder ein Windei, bei dem sich gar kein Embryo entwickelt hat. Auch nach einem Schwangerschaftsabbruch oder einer unvollständigen Fehlgeburt kann eine Ausschabung nötig werden, damit kein Gewebe zurückbleibt. Bei einer Blasenmole ist sie zwingend und lässt keine Wahl [2].

Ausserhalb einer Schwangerschaft dient die Ausschabung vor allem der Abklärung: Bei unklaren oder ungewöhnlich starken Blutungen lässt sich so Schleimhaut gewinnen und im Labor untersuchen. Treten nach den Wechseljahren erneut Blutungen auf, ist das immer ein Grund, das bei der Frauenärztin abklären zu lassen. Auch Polypen oder Myome in der Gebärmutterhöhle können dabei entfernt werden, häufig kombiniert mit einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) [3].

Keine Behandlung ist die Curettage bei Endometriose. Dabei siedelt sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutterhöhle an – dorthin kommt eine Kürette nicht. Behandelt wird eine Endometriose mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, einer Hormontherapie oder operativ über eine Bauchspiegelung [4].

Nach einer Fehlgeburt hast du meist die Wahl

Das ist der Punkt, der in vielen älteren Texten fehlt: Die Ausschabung ist bei einer frühen Fehlgeburt nicht automatisch das Standardverfahren. Solange keine Notfallsituation und keine Gegenanzeigen vorliegen, sollen dir alle drei Wege angeboten werden – die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass Patientinnen auch das abwartende Vorgehen angeboten werden soll [1]. Und eine diagnostizierte Fehlgeburt ist in der Regel kein Notfall: Du hast Zeit, in Ruhe zu entscheiden [2].

  • Abwarten (natürlicher Abgang): Der Körper stösst das Gewebe von selbst ab. Das kann Tage bis mehrere Wochen dauern, mit stärkeren Blutungen als bei der Periode und krampfartigen Schmerzen. Die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Abgangs liegt je nach Ausgangslage und Wartedauer bei 66 bis 91 Prozent.
  • Medikamentös: Ein Misoprostol-Präparat öffnet den Muttermund und löst Kontraktionen aus, ambulant. Nach acht Tagen und gegebenenfalls einer zweiten Dosis sind es rund 84 Prozent vollständige Abgänge.
  • Operativ (Curettage): Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewebe vollständig entfernt wird, liegt bei 97 Prozent. Der Eingriff ist planbar und schnell, und es treten kaum Schmerzen und Blutungen auf [2].

Jeder Weg hat auch seelische Seiten. Beim Abwarten und beim medikamentösen Vorgehen ist ein bewusstes Abschiednehmen möglich, was für die Trauerarbeit wichtig sein kann; viele Frauen berichten, dass sie so das Vertrauen in ihren Körper zurückgewonnen haben. Umgekehrt kann eine schnelle Abfolge von Diagnose und Operation emotional überfordern, und ein fehlender Abschied kann den Trauerprozess erschweren. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch – nur das, was zu dir passt. Deutlich zu einer Operation geraten wird dagegen bei starker Blutung, Kreislaufinstabilität, Hinweisen auf eine Infektion oder niedrigem Hämoglobinwert [1].

So läuft der Eingriff ab

Die Ausschabung wird meist ambulant und in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt [3]. Vorher wird der Gebärmutterhals in der Regel medikamentös vorbereitet – üblicherweise mit Misoprostol einige Stunden vor dem Eingriff. Das macht das Gewebe weich und soll ein mechanisches Aufdehnen weitgehend vermeiden [2]. Häufig wird die Ausschabung mit einer Gebärmutterspiegelung kombiniert, damit die Gebärmutterhöhle besser beurteilt werden kann.

Der Eingriff selbst dauert nur kurz. Danach wirst du im Aufwachraum überwacht, damit Komplikationen wie Nachblutungen früh erkannt werden. Weil die Narkose nachwirkt, darfst du an diesem Tag nicht selbst Auto fahren – lass dich abholen oder nimm ein Taxi. Das entnommene Gewebe wird in der Regel feingeweblich untersucht; das kann Hinweise auf die Ursache der Fehlgeburt geben und Betroffenen die Verarbeitung erleichtern.

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Bist du rhesus-negativ, brauchst du nach einer Abortkürettage eine Anti-D-Prophylaxe – unabhängig davon, in welcher Schwangerschaftswoche du warst [1]. Sprich das aktiv an, falls es niemand erwähnt.

Welche Risiken die Ausschabung hat

Die Curettage gilt als komplikationsarmer Routineeingriff – harmlos ist sie deswegen nicht, und du hast ein Recht darauf, die Zahlen zu kennen. Die Leitlinie beziffert Komplikationen im Rahmen der Narkose mit unter 0,2 Prozent, Gebärmutterdurchbrüche und transfusionsbedürftige Blutungen mit unter 0,1 Prozent und Entzündungen der Gebärmutter beziehungsweise im kleinen Becken mit unter 2 Prozent. Verletzungen des Gebärmutterhalses treten in etwa 0,1 bis 1 Prozent der Fälle auf, und in 0,7 bis 3 Prozent bleibt Gewebe zurück und macht eine zweite Behandlung nötig [1].

Selten kann die Gebärmutterschleimhaut so geschädigt werden, dass sie vernarbt oder verklebt – das sogenannte Asherman-Fritsch-Syndrom, nach einer Abortkürettage bei rund 0,7 Prozent der Frauen. Das Risiko steigt vor allem bei wiederholten Ausschabungen. Genau deshalb ist die Saugkürettage der stumpfen Methode vorzuziehen [1].

Die Tage danach: Was normal ist – und was nicht

In den ersten Tagen nach dem Eingriff bestehen meist nur leichte Blutungen und leichte Bauchkrämpfe; gegen Schmerzen eignen sich Ibuprofen oder Metamizol. Bei den Verhaltensregeln danach lohnt ein genauer Blick, denn hier gehen die Empfehlungen auseinander. Die Leitlinie hält fest, dass pauschale Verbote – Verzicht auf Tampons, Menstruationstassen, Geschlechtsverkehr oder körperliche Anstrengung – mangels Evidenz unterlassen werden sollen: Es gibt keine Studien, die belegen, dass sich das Infektionsrisiko dadurch senken lässt [1]. Das UniversitätsSpital Zürich empfiehlt für die ersten Tage trotzdem Binden statt Tampons und körperliche Schonung [3]. Halte dich im Zweifel an das, was dir dein Behandlungsteam persönlich sagt – es kennt deinen Verlauf. Sicher ist: Ein pauschales, wochenlanges Verbot mit der Begründung eines hohen Infektionsrisikos ist durch die Datenlage nicht gedeckt.

Diese Anzeichen gehören ärztlich abgeklärt – melde dich bei deiner Frauenärztin oder in der Klinik, in der du behandelt wurdest [2]:

  • sehr starke oder lang anhaltende Blutungen. Als Richtwert gilt: Eine Blutung ist stark, wenn du über mehr als zwei Stunden mehr als zwei dicke Binden pro Stunde durchblutest
  • auffällig oder übel riechender Ausfluss
  • starke oder anhaltende Unterbauchschmerzen
  • Fieber – die Patientinnen-Information nennt über 38 °C; melde dich aber auch bei leicht erhöhter Temperatur, wenn du dich krank fühlst
  • Appetitlosigkeit und allgemeines Unwohlsein

Bei einer sehr starken Blutung, die nicht aufhört, bei Schwindel, Schwäche oder drohender Ohnmacht wartest du nicht auf einen Termin, sondern rufst den Sanitätsnotruf 144 [5]. Ein starker, transfusionsbedürftiger Blutverlust bis zum Kollaps ist zwar selten, aber möglich [2].

Wann du wieder schwanger werden kannst

Hier hält sich hartnäckig die Vorstellung, man müsse monatelang warten. Die Leitlinie sieht das anders: Nach einer Fehlgeburt im ersten Trimenon kann Frauen empfohlen werden, ohne Zeitverzögerung wieder schwanger zu werden, sofern keine individuellen Gründe dagegensprechen – etwa eine noch ausstehende Abklärung, die fehlende seelische Bereitschaft oder die körperlichen Folgen einer Operation [1].

Speziell nach einer Ausschabung kann es sinnvoll sein, eine Periode abzuwarten, damit sich die Schleimhaut wieder aufbaut und der Gebärmutterhals stabilisiert. Rechne ausserdem damit, dass es losgehen kann, bevor du damit rechnest: Ein Eisprung ist in Einzelfällen schon 8 bis 10 Tage nach der Fehlgeburt möglich, bei 90 Prozent der Frauen innerhalb eines Monats. Die erste Blutung kommt meist nach etwa fünf bis sechs Wochen, manchmal später [2]. Wie sich der Zyklus danach wieder einpendelt, ist von Frau zu Frau verschieden.

Das Wiederholungsrisiko für eine weitere Fehlgeburt liegt nach einem Verlust bei 20 Prozent, nach zwei bei 28 Prozent. Das Risiko für Fruchtbarkeitsstörungen, Frühgeburten oder Eileiterschwangerschaften ist nach heutigem Kenntnisstand wahrscheinlich nicht erhöht [2].

Wenn die Seele nachkommt

Der Eingriff ist nach kurzer Zeit vorbei, der Verlust nicht. Ein früher Schwangerschaftsverlust ist für viele Frauen eine erhebliche Belastung: Trauer, Angstsymptome, depressive Beschwerden und posttraumatische Reaktionen sind häufig. In einer Studie mit 537 Frauen lag neun Monate nach dem Ereignis die Häufigkeit einer posttraumatischen Belastungsstörung bei 18 Prozent, mässige bis schwere Angst bei 17 Prozent [1]. Trauer ist eine normale und gesunde Reaktion auf den Verlust – und sie folgt keinem Schema.

Und noch etwas gehört hierher: Niemand, und du am allerwenigsten, hat einen Fehler gemacht. Die allermeisten Schwangerschaftsverluste gehen auf Faktoren zurück, die eine Frau nicht beeinflussen kann – in den ersten 20 Wochen sind in 45 Prozent der Fälle spontane Genveränderungen die Ursache. Auch «normaler» Stress ist kein nachgewiesener Risikofaktor [2].

Die Fachgesellschaften empfehlen, Frauen aktiv auf die seelische Verarbeitung anzusprechen und Unterstützung anzubieten. Auch Partnerinnen und Partner sind betroffen, wenn auch oft anders und weniger sichtbar – die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, die Belastung bei beiden anzusprechen [1]. Falls das niemand tut, darfst du selbst danach fragen. In der Schweiz berät die Fachstelle kindsverlust.ch kostenlos unter 031 333 33 60, dienstags und donnerstags von 8.30 bis 11.30 Uhr, sonst per Mail [6]. Wie andere Eltern Abschied nehmen und Erinnerungen schaffen, liest du im Beitrag über Sternenkinder.

Wenn du merkst, dass du allein nicht zurechtkommst und die Trauer dein Leben beherrscht, hol dir fachliche Hilfe – früh und ohne schlechtes Gewissen.

Quellen

  1. DGGG, OEGGG und SGGG (gynécologie suisse): S2k-Leitlinie «Früher Schwangerschaftsverlust im 1. Trimenon», AWMF-Registernummer 015/076, Stand Januar 2025, gültig bis 31.08.2029. Langfassung (PDF). Abgerufen am 07.08.2026.
  2. Leitliniengruppe AWMF 015/076: «Frühe Fehlgeburt (Abort) – Informationsblatt für Patientinnen (Schweiz)», Stand Juni 2025. Patientinnen-Information (PDF). Abgerufen am 07.08.2026.
  3. UniversitätsSpital Zürich: «Trophoblasterkrankungen Behandlung» – Beschreibung der Kürettage, Narkose, Hysteroskopie und Nachsorge. usz.ch. Abgerufen am 07.08.2026.
  4. UniversitätsSpital Zürich: «Endometriose: Symptome & Behandlung». usz.ch. Abgerufen am 07.08.2026.
  5. UniversitätsSpital Zürich: «Notfall» – 144 Sanität für akute Notfälle. usz.ch. Abgerufen am 07.08.2026.
  6. Fachstelle kindsverlust.ch: «Beratung» – kostenloser Beratungsdienst 031 333 33 60. kindsverlust.ch. Abgerufen am 07.08.2026.

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