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Gesundheit > Psychische Gesundheit

Stress abbauen und Energie für den Alltag mit Kindern tanken – und wann Hilfe nötig ist

Die meisten Eltern kennen es: Was bei anderen, in Filmen, Werbungen und Zeitungen immer so harmonisch aussieht, entpuppt sich in der Realität als anstrengend. Im Alltag mit Babys und Kleinkindern ist das Chaos oft vorprogrammiert. Wir haben ein paar Ideen, wie du Stress abbauen und vermeiden kannst – und woran du merkst, dass aus Alltagsstress etwas geworden ist, das in fachliche Hände gehört.

Mit diesen Tipps kannst du Stress abbauen und Energie für den Alltag mit Kindern tanken
Wer den eigenen Stress ernst nimmt, entlastet damit auch die Familie: Belastung überträgt sich zwischen Familienmitgliedern. Foto: Roob, iStock, Thinkstock

Die Kinder sind glücklich, die Wohnung ist aufgeräumt und strahlend sauber, die Wäsche gebügelt und das Essen – natürlich frisch gekocht und gesund – steht pünktlich auf dem Tisch. Vor allem wenn du deinen Alltag mit einem Kleinkind teilst: Verabschiede dich von dieser Vorstellung. Verabschiede dich vom Perfektionismus – das ist der erste Schritt zum Stressabbau. Es muss nicht immer alles perfekt sein. Niemand verhungert, wenn das Essen später fertig ist als gehofft.

Und keiner kommt um, wenn die Spielsachen von gestern heute immer noch im Wohnzimmer verteilt herumliegen. Setz die Messlatte tiefer: Eine saubere Küche, ein geputztes Bad und eine gewisse Grundordnung reichen in stressigen Zeiten völlig aus. Und auch wenn eine gesunde Ernährung wichtig ist: An Tagen mit vielen Terminen ist es völlig legitim, schnell eine Pizza in den Ofen zu schieben oder einfach nur Pasta mit Tomatensauce zu servieren.

Hab Mut zur Lücke in deinem Terminkalender

Montags zur Krabbelgruppe, dienstags zum Schwimmen, mittwochs Musikschule und am Donnerstag zum Grosi, dazwischen noch Arztbesuche, in den Supermarkt gehen und Hausarbeit erledigen: Wer ständig unterwegs ist, kommt zu nichts. Reduziere deine Termine zur Stressbewältigung so weit wie möglich. Die meisten Kinder freuen sich weniger über viele verschiedene Aktivitäten ausser Haus als darüber, einfach mit entspannten Eltern daheim oder draussen spielen zu dürfen. Denk zurück an deine eigene Kindheit!

Du musst nicht alles alleine schaffen

Gerade wenn dein Partner Vollzeit arbeitet oder du alleinerziehend bist, hast du oft das Gefühl, die ganze Last allein tragen zu müssen. Aber um Hilfe zu bitten ist keine Schande – im Gegenteil: «Unterstützung annehmen» ist einer der sechs Impulse, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die psychische Gesundheit empfiehlt, gleich neben «Beziehungen pflegen» und «Gespräch suchen» [1]. Spann Grosseltern oder Freunde ein. Such dir einen Babysitter, der ein- oder zweimal in der Woche für eine Stunde die Kinder übernimmt. So hast du Freiräume und kannst ungestört Liegengebliebenes erledigen oder die freie Zeit zur Entspannung nutzen.

Oft ist es gar nicht die sichtbare Arbeit, die müde macht, sondern das ständige Mitdenken: an das Znüni, den Elternabend, das Geschenk fürs Geburtstagskind. Diese unsichtbare Planungsarbeit lässt sich benennen und verteilen – wie das konkret geht, zeigt unsere Checkliste zum Mental Load. Und wenn du alleinerziehend bist, findest du in der Schweiz Netzwerke, die genau für diesen Austausch da sind.

Wann Stress mehr ist als Alltagsstress

Nicht jede Erschöpfung verschwindet mit einem freien Abend. Das BAG nennt Stress, Erschöpfung, Schlafprobleme, Rückzug und anhaltende Niedergeschlagenheit ausdrücklich als Anzeichen, die man ernst nehmen sollte – und hält fest: Je früher Unterstützung gesucht wird, desto besser lassen sich Krisen bewältigen [1]. Das gilt auch dann, wenn von aussen alles funktioniert.

Eine konkrete Faustregel liefert die Dauer. Von einer Depression spricht man laut dem Universitätsspital Zürich, wenn gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Interessenverlust mindestens zwei Wochen anhalten und stark ausgeprägt sind [2]. Wenn du dich darin wiedererkennst, ist der Gang zur Hausärztin keine Übertreibung, sondern der richtige nächste Schritt: Eine Depression ist grundsätzlich gut behandelbar [2]. Woran du frühe Warnzeichen erkennst, liest du in unserem Beitrag über erschöpfte und ausgebrannte Eltern.

Für eine erste Einordnung gibt es den kostenlosen Selbst-Check der nationalen Kampagne «Wie geht's dir?»: fünf Fragen zur eigenen Stimmung in den letzten Wochen [3]. Er ersetzt keine Diagnose, macht aber sichtbar, wo du gerade stehst.

Diese Stellen sind rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich:

  • Elternnotruf, 0848 35 45 55 – Beratung für Eltern bei Erziehungsfragen, in Krisen, bei Überforderung und Gewalt. Telefonisch rund um die Uhr, auf Wunsch anonym; nachts zwischen 23 und 8 Uhr übernimmt die Dargebotene Hand [4].
  • Pro Juventute Elternberatung, 058 261 61 61 – 24/7 kostenlose und vertrauliche Unterstützung zu Erziehung, Entwicklung und Familienalltag sowie in akuten Belastungssituationen [5].
  • Die Dargebotene Hand, Telefon 143 – rund um die Uhr für Erwachsene in psychischen Notsituationen [5].
  • Pro Juventute, Telefon 147 – rund um die Uhr für Kinder und Jugendliche [5].

Stress abbauen: Was sonst noch hilft

1 Mit anderen austauschen: Oft hilft es schon, zu merken, dass es anderen genauso geht. Unterhalte dich mit Eltern von Kindern in ähnlichem Alter, und du wirst sehen, dass fast alle die gleichen Probleme haben. Über Belastungen zu sprechen, ist auch fachlich einer der wirksamsten Alltagsschritte für die psychische Gesundheit [1].

2 Gönn dir Auszeiten: Wenn du zur Ruhe kommst, spürt das die ganze Familie. «Wenn in Familien Stressepisoden erlebt werden, dann ist meistens nicht nur eine einzelne Person daran beteiligt. Stress kann von einem Familienmitglied auf das andere übertragen werden», schrieb der Psychologe Dr. Yves Hänggi, der an der Universität Freiburg das kostenlose Online-Elterntraining zur Bewältigung von Familienstress leitete. Dieses Angebot gibt es nicht mehr: Die Website elterntraining.ch wurde nach über 20 Jahren Betrieb per 1. September 2023 eingestellt [6]. Wie ihr als Paar trotz Elternrolle Zeit füreinander findet, zeigen diese Beziehungstipps einer Psychologin.

3 Unternimm hin und wieder etwas allein, mit einer Freundin oder mit deinem Partner: ein Kinobesuch, eine Behandlung bei der Kosmetikerin, ein Einkaufsbummel. Danach kannst du dich mit neuem Elan um deine Kinder kümmern – sie werden es dir danken. Wer nur arbeitet und Stress hat, den nerven irgendwann auch die eigenen Kinder.

4 Setz Prioritäten: Man kann nicht alles an einem Tag schaffen. Schreib dir nach dem Aufstehen eine Liste mit wenigen, wichtigen Dingen, die heute wirklich erledigt sein müssen, und konzentriere dich auf diese Punkte. Alles andere kann warten. Nimm dir dabei so wenig wie möglich vor.

5 Achte auf Bewegung, Schlaf und kurze Pausen: Das BAG zählt Lebensstil, soziale Kontakte und Entspannung zu den Faktoren, die sich im Alltag gezielt stärken lassen – auch in kleinen Schritten [1]. Zehn Minuten an der frischen Luft sind mehr wert als der perfekte Wochenplan, den du nie umsetzt.

6 Konzentriere dich auf das Wesentliche – das sind deine Kinder. Sie haben mehr von einer gemeinsamen Stunde auf dem Spielplatz, einem Picknick im Wald oder einem Schwimmbadbesuch als von einer glänzend sauberen Wohnung.

Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit BAG: Was tun für die psychische Gesundheit?. Abgerufen am 11.08.2026.
  2. UniversitätsSpital Zürich: Depressive Störungen. Abgerufen am 11.08.2026.
  3. Kampagne «Wie geht's dir?»: Selbst-Check. Abgerufen am 11.08.2026.
  4. Elternnotruf: Beratung. Abgerufen am 11.08.2026.
  5. Bundesamt für Gesundheit BAG: Hilfsangebote zur psychischen Gesundheit. Abgerufen am 11.08.2026.
  6. Elterntraining.ch: Hinweis auf der Startseite zur Einstellung des Online-Elterntrainings per 1. September 2023 (die Website wird nicht mehr betrieben, deshalb ohne Verlinkung). Abgerufen am 11.08.2026.

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