Nur von gut ausgebildeten Trainern lernen

Regelmässig schwappen neue Fitnesstrends nach Europa wie seit Ende der 1970er-Jahre Jane Fonda mit ihren Aerobicvideos und seit einigen Jahren auch Pilates, das in keinem Fitnessstudio im Kursangebot fehlen darf. Ist dies wirklich eine effiziente Bewegungsart, die den Trainierenden gut aussehen lässt, ansprechend, effizient und zeitsparend ist, oder könnte die Pilates praktizierende Sarah ihre Figur auch mit herkömmlichen Leibesübungen erhalten, wie sie schon ihr Grossvater im Sportverein tätigte?

2007 wurde vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln der Einfluss von Pilates auf die Befindlichkeit von Frauen untersucht. Getestet wurden normale Gymnastik und Pilates. Bei der Pilatesgruppe wurde eine signifikante Verbesserung der körperlichen und psychischen Befindlichkeit festgestellt. Auch die Gymnastikgruppe erzielte Verbesserungen im allgemeinen Wohlbefinden. So schenken sich Pilates und herkömmliche Gymnastik laut dieser Studie im Prinzip nichts. Nichts Positives weiss Pilatestesterin Britta Groth in einem Spiegel-Artikel: «Ich hoffte, meine Nackenschmerzen würden weggehen - stattdessen wurden sie schlimmer, und ich bekam auch noch Kopfschmerzen. »

Pilates braucht professionelle Anleitung

Wenn Fitnessbegeisterte in Magazinen von neuen Trendsportarten lesen, möchten sie dies ausprobieren. Die Fitnessstudiobetreiber kommen der Nachfrage nach und bieten Kurse an. Nicht jeder der Trainer ist optimal ausgebildet, ein professioneller Pilatestrainer sollte 700 bis 800 Stunden in seine Ausbildung investiert haben. Bei bodywerk.ch erklärt Cornelia Hauser, Leiterin Physiotherapie und Sportrehabilitation an der Schulthess Klinik in Zürich, dass auch Bücher oder CDs kein optimaler Einstieg in den Pilateshimmel sind: «Pilates ist ein anspruchsvolles Training und braucht eine professionelle Instruktion. Die Gefahr ist zu gross, dass man die Übungen falsch macht.» So kann das Training kontraproduktiv sein und gesundheitlichen Schaden anrichten. Wer sich näher mit der Sportart beschäftigen möchte, kann in vielen Fitnessstudios ein Probetraining absolvieren. Sie können sich nach der Qualifikation des Pilateslehrers erkundigen oder beim Schweizerischer Pilates Verband nachfragen, welche Studios zu empfehlen sind.

Tipps für Anfänger: Entscheidend ist die Ausführung

Um Schmerzen und Haltungsprobleme durch fehlerhafte Ausführung zu vermeiden, sollten besonders Anfänger das Tempo reduzieren, sanft beginnen und die Übungen sorgfältig ausüben. Folgende sechs Grundprinzipien von Joseph Pilates werden in den Lektionen angewandt:

  1. Atmung: Durch bewusstes Atmen werden die Übungen wirksamer. Statt Bauchatmung wird die Technik der Zwischenrippenatmung trainiert.
  2. Konzentration: Die Übungen werden bei voller Aufmerksamkeit durchgeführt, dabei kommt die Bewegung aus dem Körperzentrum.
  3. Zentrieren/Stabilisieren: Kraftquelle, um die Übungen kontrolliert ausführen zu können, ist die zentrale Muskulatur der Körpermitte.
  4. Kontrolle: Jede Position und Bewegung wird kontrolliert sowie die genaue Reihenfolge. So erlangt der Trainierende wahre Körperbeherrschung und Anspannung und Entspannung werden bewusst erlebt.
  5. Präzision: Bewegungen werden präzise ausgeführt und stets kontrolliert. So genügt es, selektierte Übungen nur wenige Male zu wiederholen, um effektive Trainingsresultate zu erhalten.
  6. Bewegungsfluss: Die Übungen werden langsam ausgeführt und stets aneinandergehängt, um abrupte Bewegungen zu vermeiden. Durch die fliessenden Übergänge kommt es zum «Flow».

Die besten Übungen für Zuhause

Die Brücke – für einen starken Rücken und festen Po

Legen Sie sich rücklings auf den Boden und stellen die Beine im Winkel von ca 45 Grad auf. Atmen Sie regelmässig und heben Sie beim Einatmen Ihr Gesäss so weit vom Boden, dass Rücken und Oberschenkel eine gerade Linie bilden. Halten Sie die Position und senken Sie Ihr Gesäss wieder. Wiederholen Sie diesen Vorgang einige Male.

Unterarmstütz – für einen straffen Bauch

Legen Sie sich mit dem Bauch auf den Boden. Stellen Sie nun die Fussspitzen auf und stützen Sie sich auf die Unterarme, sodass die Arme im 90 Grad-Winkel zum Oberkörper stehen. Spannen Sie den gesamten Körper an und heben Sie ihn vom Boden ab. Halten Sie die Liegestützposition einige Sekunden, bevor Sie sich wieder entspannen und den Vorgang etwa drei bis fünf Mal wiederholen.

Armlift – für einen starken Nacken und Schultern

Legen Sie sich flach auf den Bauch und stellen die Fussspitzen auf. Die Arme legen Sie seitlich in U-Haltung und mit einem 90 Grad-Winkel zwischen Ober- und Unterarm neben den Körper, den Daumen zur Decke gerichtet. Die Muskeln anspannen und dann das Brustbein vorsichtig vom Boden abheben, dabei bleibt der Blick nach unten gerichtet. Abwechselnd die Arme nach vorne und wieder zurückführen.

Ausführliche Beschreibungen mit Videos finden Sie auf femininleben.ch.

Pilates für die Gesundheit: Krankenkassen-Engagement

Wer mit Fitness wie beispielsweise Pilates seine Gesundheit fördert, wird häufig von Krankenkassen finanziell unterstützt, so zum Beispiel von der Helsana. Diese informiert dazu ausführlich über anerkannte Fitnesscenter und Kursleiter, die Gesundheitskurse anbieten. So können sich Kunden gezielt für FItnessabos anmelden, Muskelkraft trainieren und Beiträge erstattet bekommen.

Link- und Buch-Tipps zum Thema Pilates

  • Schweizerischer Pilatesverband und helsana.ch: Anerkannte Studios und Pilates Trainer finden
  • DVD: Barbara Becker - Mein Pilates Core Training
  • Buch: Pilates-Buch, Das grosse: Die Original-Übungen für alle Könnensstufen von Michael Bimbi-Dresp

 

Text: Natascha Mahle

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