Burnout: Wenn Eltern die Erschöpfungsfalle droht

Längst ist bekannt, dass nicht nur Manager vom Burnout betroffen sind. Auch Eltern, ob berufstätig oder nicht, erleben das Ausbrennen, die totale Erschöpfung. Stress bei der Arbeit und im Familienleben machen ihnen zu schaffen.  Was Betroffenen nach einem Burnout helfen kann und wie Sie vorbeugen, lesen Sie hier.

Wenn Eltern unter Dauerstrom stehen, droht ein Burnout.

Manche Eltern kommen im Beruf und im Familienleben an ihre Grenzen. Dann ist ein Burnout vorprogrammiert. Foto: iStock, Thinkstock

«Seit Monaten stehe ich unter Dauerstrom und nun ist der Akku leer.» So beschreibt eine Mutter in einem Internetforum bildhaft ihr Burnout. «Inzwischen bin ich so gereizt, dass ich hier nur noch rumschnauze und von jetzt auf gleich auf die Palme gehe», sagt sie. Burnout kommt aus dem Englischen und heisst wörtlich übersetzt «ausbrennen». Die Gesundheitsplattform sprechzimmer.ch spricht von einem «Zustand von innerer Leere, totaler seelischer und körperliche Verausgabung».

Betroffene sind total erschöpft. Meist kommen sie morgens nur schwer aus dem Bett. Manche haben das Gefühl, sie könnten den ganzen Tag schlafen. Viele sind über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen. Sie empfinden eine allgemeine Lustlosigkeit. Hinzu kommen körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Muskelverspannungen oder Fieberzustände. Typisch für das Burnout-Syndrom ist gemäss der Gesundheitsplattform, dass sich Betroffene nicht mehr erholen können, selbst, wenn sie sich ein paar freie Tage oder Ferien gönnen.

Eltern und Burnout

Burnout, das kann auch Eltern treffen. Entweder, weil ihr Beruf oder ihr Familienleben sie überfordert oder sogar beides. Gemäss Psychotherapeut Prof. Dr. Marcel Schär von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sind von Burnout meistens Personen betroffen, die in einem sozialen Beruf arbeiten. Dazu zählen Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer  oder Psychologen. Betroffen sind daneben Familien in schwierigen sozialen Verhältnissen oder Familien mit gesundheitlichen Problemen. «Wenn ein Kind beispielsweise viel Pflege braucht, sei es wegen einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit», sagt Schär, «können Eltern an ihre Grenzen kommen und überfordert sein.»

Vorstufen von Burnout

Bereits vor über 15 Jahren gab etwa ein Drittel der Schweizer Bevölkerung in einer repräsentativen Untersuchung* an, sich überfordert zu fühlen. Besonders betroffen waren 15- bis 39-Jährige, darunter vor allem Frauen und Personen aus Familien mit zwei oder mehr Kindern. Überfordert fühlten sich die meisten, weil sie zu wenig Zeit mit der Familie verbringen konnten oder zu wenig Zeit für Erholung und Freizeit hatten. Manche nannten als Grund für die Überforderung den Zeitdruck bei der Arbeit. Aber auch finanzielle Schwierigkeiten wurden genannt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Befragung der Gesundheitsförderung Schweiz. Ein Drittel der Befragten steht demnach unter Stress. Stress ist eine Vorstufe vom Burnout.  Betroffen ist die Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren. Roxane Goetschel, Psychologin und Projektleiterin Entspannung bei der Gesundheitsförderung Schweiz führt dieses Ergebnis darauf zurück, dass diese Personen gleichzeitig grossem beruflichem und privatem Stress durch Familie und Kinder ausgesetzt sind.

Potentielle Burnoutopfer

Gefährdet, einen Burnout zu erleiden, sind häufig diejenigen, die zu hohe Anforderungen an sich selbst stellen und diese nicht mehr erfüllen können. Es sind beispielsweise Eltern, die immer alles perfekt machen wollen. Sie liefern im Job glanzvolle Präsentationen ab, sie können unaufgeräumte Kinderzimmer nicht ausstehen oder backen, auch wenn noch so wenig Zeit ist, selbst einen Kuchen statt einen aus dem Supermarkt mitzubringen. Die Journalistin Caren Battaglia hat beobachtet, dass vor allem Mütter Perfektionistinnen sind: «Sie wollen perfekte Kinder haben und ein perfektes Haus, das ist einfach nicht zu schaffen», erklärte sie in einem Radiointerview.  

Zu den Burnoutopfern zählen aber auch Eltern, die sich für alles zuständig fühlen und nicht Nein sagen können. Es sind Menschen, die immer ein offenes Ohr für ihre Freunde haben, die den Hund der Nachbarn ausführen, das Kind der Schwester hüten und dabei ihre eigenen Bedürfnisse vergessen. Es sind zudem diejenigen, die sich nicht helfen lassen wollen und alles im Griff haben. Gelingt es diesen Personen nicht, die hohen Anforderungen zu erfüllen und sich ausreichend zu erholen, ist ein Burnout vorprogrammiert.

Wie sich ein Burnout bemerkbar macht, schildert der ehemalige Journalist Thomas Knapp in einem Beitrag der Gesundheitsförderung Schweiz: «Bei mir hat es sich schon drei Jahre vor dem Zusammenbruch angekündigt. Allerdings ging es mir damals blendend: Ich hatte einen tollen Job mit Verantwortung. Meine Frau hat aber oft zu mir gesagt: Pass auf, die Arbeit frisst dich auf. Und ein guter Kollege sagte mir, dass ich mich als Mensch verändert hätte. Einige Monate vor dem Zusammenbruch spürte ich, dass mit mir etwas nicht stimmen konnte. Ich litt unter Nackenschmerzen, Magenproblemen und ständiger Müdigkeit. Rückblickend war ich längst in der Abwärtsspirale drin. Am Schluss spitzte sich die Situation zu: Vor Sitzungen musste ich mich übergeben, ich entwickelte eine Angst vor Menschen, ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.»

* Repräsentativer Bevölkerungssurvey zur Beschreibung von Einstellung und Verhalten der Schweizer Bevölkerung in Bezug auf Bewegung, Entspannung, Velofahren, Umwelt- und Rauchverhalten (TRAMProjekt) ISPM Zürich: Stiftung für Gesundheitsförderung

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