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Kawasaki-Syndrom: Coronavirus kann Entzündungen bei Kindern auslösen

COVID-19 stellt für Kinder offenbar keine so grosse Gefahr dar. Sorge bereitet Eltern und Ärzten aber eine andere Diagnose, die bei kleinen Patienten in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestellt wird: Eine Entzündung, die dem sogenannten Kawasaki-Syndrom gleicht und weltweit bei positiv getesteten Kindern aufgetreten ist.

COVID-19 kann bei Kindern zu schweren Entzündungen führen.

COVID-19 kann bei Kindern zu schweren Entzündungen führen. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich und Ihre Kinder schützen. Bild: evgenyatamanenko, Getty Images

Die Cornakrise ist noch lange nicht ausgestanden. Weltweit steigt die Zahl der positiv getesteten Personen weiterhin an. Auch in der Schweiz steigen die Fallzahlen offenbar wieder. Viele machen sich anhand der aktuellen Schlagzeilen Sorgen um ihre Gesundheit. Ein Lichtblick für uns Eltern: Kinder haben nach derzeitigem Wissensstand kein erhöhtes Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Viele Kinder entwickeln keine oder nur leichte Symptome, COVID-19 hat aber ansonsten keinen grossen Einfluss auf ihre Gesundheit. Meldung über eine andere Krankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird bei kleinen Patienten schreckt darum auf. So könnte bei positiv getesteten Kindern das sogenannte Kawasaki-Syndrom auftreten.

Beim Kawasaki-Syndrom handelt es um eine Entzündung der Blutgefässe. Was die Situation gefährlich macht: Auch die Herzkranzgefässe können betroffen sein. Die Entzündungserkrankung wurde nach dem japanischen Kinderarzt Tomisaku Kawasaki benannt, der sie vor rund 50 Jahren zum ersten Mal beschrieben hat. Nun gerät sie in Zusammenhang mit dem Coronavirus erneut in den Fokus.

Symptome des Kawasaki-Syndroms

Zu der Entzündungserkrankung gehören mehr als fünftägiges Fieber sowie Bindehautentzündung, Ausschlag der Schleimhäute, Ausschlag der Haut, Schwellung oder Rötung der Hände und Füsse sowie Schwellung der Hals-Lymphknoten. Liegen weniger als vier Symptome vor, wird von einem «inkompletten Kawasaki-Syndrom» gesprochen.

Häufung der Fälle seit der Corona-Krise

Schon früh gaben Experten Entwarnung, was die Ansteckung von Kindern mit dem Coronavirus anging. Doch schon bald folgte eine andere Schreckensmeldung: Die Gesundheit unserer Kinder könnte doch gefährdet sien. Mehrere Kinder erkrankten nach leichten Symptomen ausgelöst durch COVID-19 schwer, es kam sogar zu Todesfällen.

Bereits Anfang April berichtete das Journal Hospital Pediatrics von einem Mädchen, das sich mit dem Coronavirus infiziert hatte und auch Symptome des Kawasaki-Syndroms zeigte. Bald folgten Berichte von weiteren Fällen, zum Beispiel im Fachjournal The Lancet. Demnach häuften sich Fälle, in denen Kinder mit COVID-19 Antikörpern wegen Symptomen, ähnlich denen des Kawasaki-Syndroms, behandelt werden mussten. Auch in der Schweiz wurden mehrere Kinder mit einem Kawasaki-ähnlichen Syndrom behandelt.

Umstrittene Diagnose: PIMS-TS statt Kawasaki-Syndrom

Die These, dass die Zahl von Kindern, die am Kawasaki-Syndrom erkranken, im Zuge der Corona-Pandemie wächst, ist nicht verwunderlich. Denn dem Fachmagazin Frontiers zufolge wird vermutet, dass das Kawasaki-Syndrom dann entsteht, wenn das Immunsystem nach einer anderen Infektion überreagiert. Doch ob es sich bei den Symptomen wirklich um das Kawasaki-Syndrom handelt, ist dennoch zweifelhaft.

Nachdem zwei neue Fallserien veröffentlicht wurden, urteilt das Ärzteblatt: «Die schweren entzündlichen Erkrankungen, die seit dem Auftreten des Coronavirus vereinzelt bei Kindern beobachtet wurden, unterscheiden sich … deutlich vom Kawasaki-Syndrom.»

Dafür gibt es drei Gründe:

1. Zum einen zeigen die erkrankten Kinder in diesen Studien eher wenige der typischen Kawasaki-Syndrom-Symptome.

2. Zum anderen sind viele der betroffenen Kinder mit ca. acht Jahren älter, als es für Kinder mit Kawasaki-Syndrom typisch ist. Normalerweise erkranken eher Kinder unter fünf Jahren am Kawasaki-Syndrom.

3. Darüber hinaus wurden die aktuellen Erkrankungen in ethnischen Gruppen beobachtet, in denen das Kawasaki-Syndrom eher nicht auftritt. «Das klassische Kawasaki-Syndrom wird vor allem in Asien beobachtet», heisst es im Ärzteblatt. „Die jetzt mit SARS-CoV-2 assoziierte Erkrankung trat in Grossbritannien vor allem bei Kindern afroamerikanischer, karibischer und hispanischer Abstammung auf.»

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sieht daher deshalb nicht das Kawasaki-Syndrom als Ursache für die Erkrankungen. Man geht nun geht von einer eigenständigen entzündlichen Erkrankung aus. Die Die neue Erkrankung wird als das «Pädiatrische entzündlichen Multisystem-Syndrom» (PIMS-TS) bezeichnet.

Seltene Erkrankung und neue Gefahr für die Gesundheit?

Der Forschungsbedarf ist hoch: «Es ist wichtig, dieses Syndrom und seine Risikofaktoren zu charakterisieren, die Kausalität zu verstehen und Behandlungsinterventionen zu beschreiben», liess die Weltgesundheitsbehörde (WHO) verlauten. «Es ist noch nicht klar, ob das gesamte Krankheitsspektrum bereits bekannt ist und ob die geografische Verteilung in Europa und Nordamerika ein echtes Muster widerspiegelt, oder ob die Erkrankung an anderer Stelle einfach nicht erkannt wurde.»

PIMS-TS hat Ähnlichkeit mit dem Kawasaki-Syndrom aber möglicherweise einen schwereren Verlauf. Doch die genaue Abgrenzung beider Krankheitsbilder ist noch unklar. Die Forschung muss hier - wie auch beim Coronavirus - noch viele Fragen klären.

Doch Eltern sollten sich nicht unnötig Sorgen machen. Gleichgültig, welchen Namen die Symptome tragen: Trotz ihrer aktuellen Häufung bleiben sie sehr selten.

Informieren und schützen Sie sich

Zum Thema Coronavirus kursieren viele verschiedene Informationen im Internet. Achten Sie immer auf die Quellen. Seriöse Informationen zu Regelungen in der Schweiz finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit BAG. Hier finden Sie auch alle wichtigen Informationen rund um die Schutzmassnahmen und Schutzkonzepte im Umgang mit COVID-19, die in der Schweiz gelten.