Das Nierenlager: Zusammenhalt wie in einer Familie

Das Kinderspital führt für Nierenpatienten ein Nierenlager durch.

David und Dr. Samuel Nef im Nierenlager.

Es ist das 31. Nierenlager, welches das Kinderspital Zürich für seine Nierenpatienten und deren Geschwister durchführt und David nimmt bereits zum 10. Mal daran teil. Dieses Mal findet das Nierenlager in Parpan statt. Das Programm ist abwechslungsreich: Die Kinder und Jugendlichen verbringen eine gemeinsame Woche, essen zusammen, spielen, basteln, wandern, singen und bereiten tolle Vorführungen für den Schlussabend vor. Das Nierenlager fördert die ohnehin bereits sehr intensive Beziehung zwischen den jungen Patienten, den Ärzten und dem Pflegepersonal – es entsteht, ohne zu übertreiben, eine Familie.

Gutes erleben und zurück geben

Der eindrücklichste Beweis für die Bedeutung und die Wirkung dieses Nierenlagers: Ehemalige junge Patienten unterstützen die Durchführung des Lagers, indem sie heute – unterdessen erwachsen und selbständig – freiwillig als Leiter oder Leiterinnen am Lager teilnehmen, um etwas von dem, was sie selber als Kinder oder Jugendliche mit auf ihren ganz persönlichen Weg bekommen haben, an die neuen jungen Patienten und Patientinnen weiter geben zu können.

Blick in die Zukunft

David geniesst das Lager in vollen Zügen, auch wenn das ziemlich turbulente Lagerleben ihn bisweilen doch noch ziemlich ermüdet. Den ganzen Tag hat er Programm und abends kommt er – wie alle anderen – verhältnismässig spät ins Bett. Doch es sind zwei andere Dinge, die David in Parpan zu schaffen machen: Einerseits vermisst der junge Mann, der zu seinen Eltern eine ganz besonders enge und innige Beziehung pflegt, den aufgrund des schlechten Handy-Empfangs im Lagerheim unmöglichen Kontakt zu seinen Eltern und andererseits macht sich David bereits schon Gedanken, was ihm die Zukunft bringen wird.

Als junger Erwachsener wird er von der Pädiatrie des Kinderspitals in die Erwachsenenabteilung des Unispitals Zürich wechseln müssen. Damit ist diese 10. Lagerteilnahme auch Davids letzte. Er gehört nun zu den ältesten Teilnehmern und der Abstand zu den Jüngsten ist mittlerweile gross. Doch der Abschied, die Abnabelung von dieser grossen Gemeinschaft, die neben seinen Eltern auch Teil seiner Familie geworden ist, schlägt David – trotz Vorfreude auf alles Neue – etwas auf sein sonst stets sonniges Gemüt.

Erster Schritt in die Selbständigkeit

Mit viel Glück hat David, der als Neugeborener nebst seiner Nierenerkrankung auch eine schwere Hirnblutung erlitt, die eine zerebrale Bewegungsstörung sowie eine geistige Behinderung zur Folge hatten, vor ein paar Monaten einen Tagesplatz im Wohnheim Moos in Knutwil gefunden. Das Wohnheim ist eine Institution der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL und bietet in herrlichster ländlicher Umgebung rund zwanzig Frauen und Männern einen Wohn- und Beschäftigungsplatz.

David hatte schon zwei Nierentransplantationen.

David arbeitet nach seiner zweiten Nierentransplantation im Atelier Wäsche in einem Wohnheim.

Das Leben unter Erwachsenen

David arbeitet zur Zeit im Atelier Wäsche und ist gemeinsam mit seinen Kollegen dafür verantwortlich, dass die täglichen riesigen Wäscheberge, die im Heim anfallen, bewältigt werden können. David macht die Arbeit Spass und er geniesst insbesondere den Austausch mit seinen Kollegen, die – wie er nun auch – alles Erwachsene sind. Das Wohnheim bietet deshalb auch eine Wohngruppe an und vielleicht wird David schon bald stark und selbständig genug sein, um selber auch in dieser Wohngruppe zu leben und einen nächsten Schritt in Richtung Selbständigkeit machen zu können.

Noch wird David aber täglich mit einem Fahrdienst zur Arbeit und dann wieder nach Hause gefahren, wo er sich nach ungewohnt langen und strengen Arbeitstagen voller neuer Eindrücke und Erlebnisse immer noch am besten erholen kann. Das innige Band zwischen Vater, Mutter und Sohn wird wohl nicht ganz so einfach zu lockern sein. Muss es auch nicht, denn im Augenblick ist es einfach gut so, wie es ist.

Weitere Informationen zu Nierentransplantationen

Text: Rita Angelone im Januar 2013

Rita AngeloneRita Angelone ist mit dem Familienoberhaupt verheiratet, hat zwei Kinder – der Grosse (6 1/2) und der Kleine (4 1/2) – und schreibt jede Woche im «Tagblatt der Stadt Zürich» unter der Rubrik «Die Angelones» über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags. Sie führt zudem den gleichnamigen Familienblog und gibt unverblümt zu, dass das Schwangersein viel einfacher war als das Kinderhaben. Und nicht selten ärgert sie sich, dass niemand offen zugeben will, dass eine Familie zu haben wahrlich alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Rita Angelone bloggt wöchentlich auch für den wir eltern-Blog. Mehr infos unter www.dieangelones.ch

 

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter