Wie gehen die Kinder damit um?

Gemeinsame Ausflüge zwischen Vater und Sohn müssen warten.

Gemeinsame Ausflüge zum Angeln müssen warten, wenn der Vater im Gefängnis oder im Spital ist. Foto: David De Lossy, Photodisc, Thinkstock

Wie gehen die Kinder damit um, wenn sie ihren Vater im Gefängnis besuchen?

Gemäss Herrn Wyss ist es schwierig, dies zu beurteilen. Es gibt noch kein Feedback von Kindern, dies ist noch in Arbeit. In Witzwil hat es wenige Väter von Teenagern. Die Kinder werden in den Besuchsraum begleitet und von dort wieder abgeholt. Es gibt Kinder, die Schuldgefühle haben, wenn der Vater rückfällig wird und sie leiden unter der ungewissen Situation.

Wenn das Umfeld herausfindet, dass der Vater eines Kindes im Gefängnis ist, kann es sein, dass das Kind gemobbt wird. Darunter leiden auch die Väter und benötigen Unterstützung. Ein Vater möchte seinen Kindern ein Vorbild sein, wird aber von der Gesellschaft geächtet. Dies kann beim Kind auch Minderwertigkeitskomplexe auslösen. Die Kinder leiden auch unter dem Trennungsschmerz und hoffen auf Veränderung.

Es gibt auch Mütter, die ihren Kindern verschweigen, dass der Vater im Gefängnis ist, vor allem bei kurzen Strafen. Es heisst dann: «Papi ist wegen der Arbeit im Ausland». Diese Mütter hoffen, ihren Kindern dadurch Ausgrenzung oder Mobbing zu ersparen. Herr Wyss erwähnt auch, dass es Unterstützungsangebote für fast alle Bereiche gibt, nicht aber für Kinder von Straffälligen. Die Kinder entwickeln Schamgefühle und die Mütter leiden auch unter dieser Situation. Sie tragen eine grosse Bürde und gehen oft bewundernswert damit um.

Herr Caccivio hat festgestellt, dass in der Regel alleine der Umstand, dass Insassen von ihren Kindern besucht werden, zu einer eher grösseren Ruhe des betreffenden Vaters führt. In den letzten Wochen wurden bei ihm mehrmals Gesuche von Insassen eingereicht, die sich anlässlich von Besuchen zusammen mit ihren Kindern fotografieren lassen wollten. Obwohl private Kameras ansonsten innerhalb des Anstaltsgeländes nicht erlaubt sind, hat Herr Caccivio diese Gesuche immer bewilligt. Die auf Grund dieser Bewilligungen entstandenen Bilder werden von Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes so aufgenommen, dass auf den Aufnahmen keine Thorberg-spezifischen Details zu erkennen sind. Die Fotos werden dann von den Insassen meistens mit grossem Stolz in der Zelle aufgehängt und auch gerne gezeigt.

In St. Johannsen werden die Besuche eher als belastend erlebt, weshalb es gemäss Frau Sargent wichtig ist, dass die Kontakte möglichst rasch ausserhalb der Institution stattfinden können.

Das Recht des Kindes auf Umgang mit inhaftierten Elternteilen

Gemäss Artikel 9 Abs. 3 und 4 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention KRK) hat das Kind das Recht, regelmässige Beziehungen mit dem inhaftierten Elternteil zu unterhalten, soweit dies nicht dem Wohl des Kindes widerspricht.

In Artikel 9 Abs. 3 und 4 der Kinderrechtskonvention (KRK) wird festgehalten, das Recht des Kindes, welches von einem oder beiden Elternteilen getrennt ist, sei insofern zu achten, dass es regelmässige persönliche Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden Elternteilen pflegen kann. Zudem wird das Recht auf Auskunft über den Verbleib des oder der abwesenden Familienangehörigen garantiert, sofern die Bekanntgabe der betreffenden Informationen dem Wohl des Kindes nicht abträglich sind.

 

Zwei Situationen werden unter www.skmr.ch ausführlich beschrieben. Nachfolgend ein Auszug:

Das Kind, das seinen Elternteil im Gefängnis besucht:

Die meisten Kinder möchten eine Beziehung mit dem inhaftierten Elternteil unterhalten. Die Inhaftierung eines Elternteils hat immer Auswirkungen auf das Kind, ungeachtet seines Alters: Auseinanderbrechen der Familie bzw. des Elternpaars, Umzug, Einstellen mit nur einem Elternteil usw.

Das auf Schuldfähigkeit, Strafe und Wiedereingliederung der erwachsenen Täter/innen basierende Justizsystem trägt dem Kind und seinem Wohl nicht Rechnung:

Die Architektur des Gefängnisses, das Besuchszimmer, das Verhalten des Personals und die fehlende Intimität bewirken, dass die Besuche des Kindes im Gefängnis zu einer unerfreulichen Angelegenheit werden. Kinder von Inhaftierten werden stigmatisiert und diskriminiert. Sie werden für die Fehler des Elternteils bestraft: In der Schule durch die Besuchsrechtsregelung und den Spott der Kameradinnen und Kameraden, in ihrem Sozialleben durch die Straftat des Elternteils und im Familienleben durch mangelnde finanzielle Ressourcen.

Autor: Irène Moret, Quelle: Erschienen in EinElternForum 2/2012, herausgegeben von: Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, Caritas Bern, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Verein frabina Beratungsstelle für Frauen und binationale Paare. www.einelternforum.ch

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