Verzicht auf Ferien und Ausflüge

Eine Mutter, die ihr Kind allein erzieht, kann oft nur Ausflüge in den Wald unternehmen, weil sie nichts kosten.

Viele Alleinerziehende können mit ihren Kindern nur Ausflüge unternehmen, die nichts kosten.

Mittlerweile hat Maria eine Weiterbildung in Angriff genommen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. «Ich musste feststellen, wie sehr sich die Arbeitswelt verändert hat in der Zwischenzeit. Und: Ich war als alleinerziehende Mutter auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht gefragt! Teilzeitstellen waren Mangelware und wenn es eine gab, dann bewarben sich immer so viele Leute darauf, dass ich schlicht keine Chance hatte. Arbeit hätte ich sofort gefunden, doch ohne oder nur mit geringer Bezahlung, die für mich nicht existenzsichernd war. So hab ich mir zum 40. Geburtstag Geld für meine Weiterbildung gewünscht und mit der zusätzlichen Unterstützung von Stiftungen konnte ich diese finanzieren. Die Sozialhilfe hat nichts dazu beigesteuert.»

Heute arbeitet Maria freiberuflich Teilzeit und auch jetzt reicht das Geld nicht immer aus, so dass die sozialen Dienste gelegentlich die Löcher stopfen müssen. «Ich bin froh darum, denn es nimmt mir einen grossen Druck weg.» Ihre Haupttätigkeit sieht sie immer noch darin, die Kinder zu versorgen und zu erziehen, für sie da zu sein, und die Arbeit, die sich damit und im Haushalt ergibt, zu erledigen. «Ich bin für alles verantwortlich: vom Besorgen der Zahnpasta bis zum Flicken eines kaputten Velos, von der Krankenpflege bis zur Freizeitgestaltung.» Dass sie den beruflichen Einstieg wieder geschafft hat, kommt noch dazu und sie ist darüber sehr glücklich. «Es geht in kleinen Schritten voran und ich bin zuversichtlich, dass ich eines Tages gar keine Unterstützung mehr brauche!»

Verzicht auf Auto, Ausflüge und Ferien

Die Familie verzichtet auf vieles. So kann sie sich zum Beispiel kein Auto leisten. Ausflüge oder Unternehmungen liegen selten drin. Ferien schon gar nicht. «Ich bin jedesmal frustriert, wenn ich in einem Ferienkatalog die Preise während der Hochsaison sehe.» Dass ausgerechnet Familien so tief ins Portemonnaie greifen müssen, während zwei Wochen vor oder nach den Schulferien der gleiche Urlaub nur die Hälfte kostet, empfindet sie als ungerecht.

Die Kinder standen auch noch nie auf den Skiern. «Das Schlimme ist nicht nur das Verzichten an und für sich, sondern auch die Isolation, die dadurch entsteht. Man kann einfach nicht mithalten - und mitreden schon gar nicht. Leider geht vieles nur noch übers Geld.» Es gibt Momente, da fragt sich Maria, wofür sie dies alles tut. Sie hat das Gefühl, auf keinen grünen Zweig zu kommen. Doch die Not macht auch erfinderisch und stark. «Die Kinder sind meine Motivation, nicht aufzugeben. Doch ein Schleck ist es nicht!» Gerade letzte Woche machte Maria auf dem Sozialamt das neue Budget. «Mir ist es wichtig, den Überblick über meine Finanzen zu haben.» Und es war ziemlich frustrierend: kein Teuerungsausgleich trotz teurerem Strom, teureren Lebensmitteln, teurerer Miete usw. «Ich hab dadurch immer weniger Geld zur Verfügung und manchmal weiss ich fast nicht mehr, wie ich das bewältigen soll. Wir sitzen immer mehr zuhause.»

Was ihr am meisten fehlt, ist die Anerkennung für das, was sie tut. «Und dann gibt es noch Leute, die einen beneiden. Das nagt dann schon ein paar Tage und die Wut steigt, vor allem wenn ich sehe, wie der Staat Milliarden an die Banken verschleudert. Doch dann werde ich wieder zufrieden und blicke nach vorn. Ich habe dadurch auch gelernt, meine Energie gut einzuteilen und mich nicht unnötig aufzuregen.» Sie hat nicht das Gefühl, dass ihre Kinder unter der Armut leiden. Oft dient ihr diese sogar als Argument. «Und die Kinder lernen von Anfang an, dass sie nicht alles haben können. Vielleicht lernen sie auch, zufriedener zu sein mit dem, was sie haben.»

Sozialhilfe in der Schweiz

Wer Sozialhilfe geltend machen will, meldet sich beim Sozialamt der Wohngemeinde. Dort wird ein Budget erstellt und abgeklärt, ob überhaupt ein Anspruch besteht. Im Sozialhilfegesetz ist geregelt, wer anspruchsberechtigt ist. Die Höhe der ausgerichteten Unterstützung richtet sich in den meisten Kantonen nach den SKOS-Richtlinien (SKOS – Schweizerische Konferenz der öffentlichen Sozialhilfe). Das Sozialamt informiert über die Konsequenzen wie z.B. Verwandtenunterstützung oder Rückzahlbarkeit.

Text: Christine Reber

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