Das Wohl des Kindes beim gemeinsamen Sorgerecht

Mädchen mit streitenden Eltern im Hintergrund

Bei einer Trennung oder Scheidung steht das Wohl des Kindes oft nicht im Mittelpunkt. Bild: g-stockstudio/iStock, Thinkstock

Hinter der Idee des gemeinsamen Sorgerechts steht der Gedanke, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. «Die gemeinsame elterliche Sorge wird unabhängig vom Zivilstand der Eltern in Zukunft zur Regel. Im Zentrum dieser neuen Regelung steht das Kindswohl», heisst es in der Mitteilung des Bundesrates von 2011. Aber «für das Kind ist nicht die Regelung der elterlichen Sorge entscheidend, sondern die Regelung des Alltags», sagt die Psychologin Heidi Simoni in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS. Das Kind sollte wissen, wo es zu Hause ist oder wie es seine Freizeit gestalten kann. Simoni, unter deren Leitung die bereits erwähnte Nationalfondsstudie entstand, plädiert dafür, Kinder einzubeziehen. Sowohl Eltern als auch Gerichte sollten Kinder anhören.

«Die Beteiligung der Kinder an der Reorganisation des Familienlebens wird in der Praxis von Gerichten und im Alltag von Familien noch kaum sinnvoll umgesetzt», schreibt Simoni zusammen mit der Privatrechtsprofessorin Andrea Büchler im Faktenblatt zur Nationalfondsstudie. Die Expertinnen empfehlen, dass auf eine Anhörung der Kinder im Scheidungsverfahren nicht verzichtet werden darf. Bislang wird nur etwa jedes zehnte Kind angehört. Wenn Kinder angehört werden, sollten Erwachsene bereit sein, eigene Meinungen von den Kindern in Frage stellen zu lassen. «Selbstverständlich darf es dabei nicht darum gehen, die Last der Entscheidung den Kinder zu übergeben», sagen Simoni und Büchler.

Die Psychologin und die Rechtsprofessorin haben die Erfahrung gemacht, dass eine Scheidung für viele Kinder mit einer grossen Unsicherheit verbunden ist. Kinder stellen sich viele Fragen. Deshalb ist es wichtig, dass eine «echte Auseinandersetzung mit den Interessen des Kindes stattfindet», schreibt Simoni in einem Beitrag zur «Alltags- und Beziehungsgestaltung mit getrennten Eltern». Das setze voraus, dass sich das Kind selber mit seinen Fragen, seinem Erleben und seinen Vorschlägen einbringen kann. Eltern sollten gemeinsam mit den Kindern nach Lösungen suchen. Zudem sollten sie die Signale ihres Kindes feinfühlig beachten, sie richtig einordnen und Antworten darauf suchen.

Weitere Informationen zum gemeinsamen Sorgerecht

  • Ratgeber für Eltern in Trennung oder Scheidung zum Einbezug ihrer Kinder: www.mmi.ch
  • Hilfe und Beratung für Eltern: www.elternnotruf.ch und www.143.ch
  • Fachbeiträge zur elterlichen Sorge des Marie Meierhofer Instituts für das Kind finden Sie hier.

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