Der erste Eindruck zählt- Bereiten Sie sich gut auf das Vorstellungsgespräch vor

Bringen Sie Kind und Job unter einen Hut.

Zeigen Sie Ihrem Arbeitgeber, dass Sie trotz Kind gut organisiert sind.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Stellensuche: Alleinerziehende sind auf qualifizierte Teilzeitstellen angewiesen. Stellen, die ihnen mit wenig Aufwand ermöglichen, die materielle Existenz der Familie zu sichern. Der Arbeitsmarkt bietet jedoch zu wenig solcher Teilzeitstellen an. Seit der Krise nimmt die Zahl der Arbeitgeber, die für (werdende) Mütter konstruktive Lösungen bieten, eindeutig ab.

Das Vorurteil, dass verheiratete Mütter eine Konkurrenz für Alleinerziehende sind, weil sie nicht unbedingt auf einen existenzsichernden Verdienst angewiesen sind, widerlegt Simon Lanz. Obschon die Gefahr für Lohndumping sicherlich etwas grösser sei, gelte dies nicht unbedingt nur für Alleinerziehende. Wenn das Salär für die Existenzsicherung nicht gebraucht werde, sinke die Bereitschaft, hart zu verhandeln. Gemäss Nico Lutz arbeitet Unia auf verbindliche Mindestlöhne hin, um das zu vermeiden. Auch Christine Flitner kann diese Aussage nicht bestätigen, da in Zukunft immer mehr Familien auf zwei Löhne angewiesen sind und die Alleinerziehenden meistens Alimente erhalten. Dass Frauen in der Wirtschaft eine Pufferfunktion haben, d.h. angestellt werden, wenn die Wirtschaft sie braucht, aber dann in der Krise als Erste entlassen werden, zeigt sich auch in dieser Krise.

Frauen werden eher entlassen, da sie nur kleine Pensen oder ein befristetes Arbeitsverhältnis haben oder nicht so gut ausgebildet sind. Dies gilt sowohl für Doppelverdienerinnen als auch für allein erziehende Frauen, die oft ein höheres Pensum haben. Gemäss Simon Lanz ist diese Aussage kein Vorurteil. In einem angespannten Arbeitsmarkt können die Arbeitgeber viel wählerischer sein. Nico Lutz bestätigt diese Aussage: «Das ist leider eine Einschätzung, die wir teilen. Zum Teil müssen sie auch Pensenreduktionen in Kauf nehmen. Noch gravierender ist die Situation für Temporärangestellte. Sie werden als Erste entlassen oder nicht weiterbeschäftigt.»

Haben alleinerziehende Mütter bei der aktuellen Wirtschaftslage überhaupt eine Chance, angestellt zu werden? Christine Flitner beantwortet diese Frage wie folgt: «Ob eine Frau angestellt wird, hängt von ihrer Ausbildung und Qualifikation und von der Branche ab. Der Familienstand spielt da keine so grosse Rolle. Wenn sie bereit ist, ein grösseres Pensum zu arbeiten, erhöhen sich ihre Chancen». Simon Lanz beantwortet diese Frage folgendermassen: «Klar haben sie Chancen angestellt zu werden. Sie sind jedoch geringer als in konjunkturell starken Phasen. Das gilt aber für alle Arbeitnehmenden. Der Stellenabbau bei der UBS etwa betrifft mehr Männer als Frauen. Dies muss aber auch relativiert werden. Die UBS beschäftigt sowieso mehr Männer als Frauen.» Eine ähnliche Aussage machte auch Stephanie Seguino, Professorin für Ökonomie, an ihrem Vortrag vom 17. Juni 2009 im World Trade Institute in Bern: «In den USA verlieren Männer ihren Job schneller als Frauen, weil ein hoher Anteil an Männer im Bau- und Produktionssektor beschäftigt ist. Ausserdem arbeiten Frauen öfter Teilzeit als Männer, so dass die Stundenanzahl nach unten angepasst wurde.»

Sind Alleinerziehende motivierter, weil sie auf den Verdienst angewiesen sind und daher auch interessanter für potenzielle Arbeitgeber? Simon Lanz antwortet: «Nein, eine derartige Aussage wäre problematisch. Alleinerziehende haben sicherlich einen gefüllteren Terminkalender als kinderlose Arbeitnehmende. Arbeitgeber befürchten eher eine Überforderung als besondere Motivation. Wir empfehlen in Bewerbungsgesprächen das Blatt zu wenden: Alleinerziehende haben enorme Managerqualitäten. Dies kann für Arbeitgeber durchaus attraktiv sein.» Nico Lutz kann diese Aussage bestätigen: «Alleinerziehende sind oft Organisationstalente, weil sie viel unter einen Hut bringen müssen.»

Das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann, Art. 3 Diskriminierungsverbot, lautet wie folgt:


  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen aufgrund ihres Geschlechts weder direkt noch indirekt benachteiligt werden, namentlich nicht unter Berufung auf den Zivilstand, auf die familiäre Situation oder, bei Arbeitnehmerinnen, auf eine Schwangerschaft.
  • Das Verbot gilt insbesondere für die Anstellung, Aufgabenzuteilung, Gestaltung der Arbeitsbedingungen, Entlöhnung, Aus- und Weiterbildung, Beförderung und Entlassung.

 

Quelle: Erschienen in EinElternForum 3/ 2009, Alleinerziehende Mütter erwerbslos, herausgegeben von: Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter SVAMV, Caritas Bern, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Verein frabina Beratungsstelle für Frauen und binationale Paare. www.einelternforum.ch

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