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Neue Beziehung als Alleinerziehende*r in der Schweiz: So gelingt der Neustart

Eine Trennung mit Kind ist ein grosser Einschnitt – und irgendwann taucht die Frage auf: Darf ich mich neu verlieben, ohne mein Kind zu überfordern? In der Schweiz leben viele Familien getrennt, alleinerziehend oder in Patchwork-Konstellationen. Dieser Artikel hilft dir, deinen Weg zu finden: vom ersten Date über das Vorstellen bei deinem Kind bis zum Alltag als Patchwork-Familie – mit konkreten Tipps, Formulierungshilfen und Hinweisen auf Schweizer Unterstützungsangebote.

Zwei Erwachsene treffen sich im Park und haben ein Kind dabei
Als Alleinerziehende(r) ist es oft schwer, eine neue Beziehung aufzubauen © pixdeluxe / Getty Images

Bevor du startest: Bist du bereit – und was braucht dein Kind jetzt?

Check-in nach der Trennung 

Bevor du dich auf Partnersuche machst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf euch beide: Wie geht es dir emotional nach der Trennung? Und wie stabil ist der Alltag deines Kindes? Studien aus der Familienpsychologie zeigen, dass Kinder nach einer Trennung vor allem eines brauchen: Verlässlichkeit, klare Strukturen und emotional präsente Bezugspersonen. Wenn diese Basis steht, können sie neue Bezugspersonen meist besser annehmen.

Hilfreiche Fragen für deinen inneren Check-in:

Fühlst du dich überwiegend in der Gegenwart und Zukunft orientiert – oder kreisen deine Gedanken noch stark um die Trennung, Wut oder Schuldgefühle? Hast du einen Alltag, der grundsätzlich funktioniert (Betreuung, Finanzen, Schlaf, eigene Gesundheit)? Spürst du wieder echte Neugier und Freude auf neue Begegnungen – nicht nur das Bedürfnis, eine Leere zu füllen? Wenn du hier überwiegend «Ja» sagen kannst, ist das ein gutes Zeichen, dass du für einen Neustart bereit bist.

Für dein Kind ist wichtig: Gibt es einen berechenbaren Rhythmus (Kita/Schule, Freizeit, Umgang mit dem anderen Elternteil)? Zeigt es Anzeichen von Entlastung – oder ist es noch stark mit der Trennung beschäftigt? Laut entwicklungspsychologischen Untersuchungen ist es hilfreich, wenn Kinder mindestens einige Monate einen stabilen Alltag erleben, bevor grössere neue Veränderungen (wie eine neue feste Beziehung im Alltag) dazukommen. Eine konkrete Mindestfrist gibt es nicht – wichtiger sind Stabilität und emotionale Verfügbarkeit der Elternperson.

Warnsignale, dass es (noch) zu früh ist

Manchmal zeigt sich, dass eine neue Beziehung (noch) mehr Druck als Entlastung bringen würde. Warnsignale können sein:

Du fühlst dich innerlich ständig erschöpft, weinst häufig oder schläfst kaum. Du bist vor allem auf der Suche nach Bestätigung, nicht nach einem Gegenüber auf Augenhöhe. Du hoffst, dass ein neuer Mensch dein Leben «rettet» oder dein Kind «ersetzt», was der Ex-Partner nicht gegeben hat. Du verheimlichst Dates vor deinem Kind, obwohl ihr eng zusammenlebt, und hast dabei ein starkes Unwohlsein.

Bei deinem Kind können folgende Signale auf Überforderung oder unverarbeitete Trennung hinweisen: anhaltende Schlafstörungen, wiederkehrende Bauch- oder Kopfschmerzen ohne medizinische Ursache, deutlicher Rückzug, starke Anhänglichkeit oder massive Wutausbrüche über Wochen, Schul- oder Kita-Verweigerung. Wenn du solche Veränderungen über längere Zeit beobachtest, kann es sinnvoll sein, zuerst Unterstützung für dich und dein Kind zu suchen – zum Beispiel in einer familienpsychologischen Beratung.

Dating in der Schweiz: realistisch, sicher und ohne schlechtes Gewissen

Zeitmanagement: Dates in «kinderfreien Fenstern» und Mikro-Dates

Als Alleinerziehende*r hast du selten endlos Zeit. Das muss kein Hindernis sein – aber es braucht Planung. Ideal ist es, wenn du Dates vor allem in kinderfreien Fenstern planst: wenn dein Kind beim anderen Elternteil, bei Grosseltern, in der Kita oder im Hort ist. So musst du nichts verheimlichen und dein Zuhause bleibt zunächst ein sicherer, vertrauter Raum nur für euch.

Hilfreich sind ausserdem Mikro-Dates: kurze Treffen für einen Kaffee in der Mittagspause, einen Spaziergang, ein gemeinsames Take-away auf einer Parkbank. Du lernst jemanden in kleinen Schritten kennen – das passt gut zu einem vollgepackten Familienalltag und gibt dir Zeit, zu prüfen, ob eure Werte zusammenpassen.

Wichtig ist auch dein innerer Umgang: Du darfst deine Paarbedürfnisse ernst nehmen, ohne deswegen eine «schlechte Mutter» oder ein «schlechter Vater» zu sein. Psychologische Studien zeigen, dass Eltern, die sich selbst nicht völlig aufgeben, langfristig oft stabiler und zugewandter für ihre Kinder sein können. Selbstfürsorge schliesst Liebe zum Kind nicht aus – sie stärkt sie oft.

Online-Dating sicher nutzen

Viele Alleinerziehende in der Schweiz lernen neue Partner:innen online kennen. Das kann gut funktionieren, wenn du klare Sicherheitsregeln beachtest:

Gib persönliche Daten sparsam preis (Nachname, Adresse, Schule deines Kindes, genaue Wohngegend). Teile keine Fotos deines Kindes und sprich nicht zu früh über Details des Familienlebens. Für erste Treffen eignen sich ausschliesslich öffentliche Orte (Café, Restaurant, Park mit vielen Menschen, Bahnhofshalle). Informiere eine vertrauenswürdige Person, wo du bist, und vereinbare ein kurzes «Check-in» per Nachricht. Achte darauf, wie dein Gegenüber mit deinen Grenzen umgeht: Wer drängt («Du kannst mir doch vertrauen»), reagiert beleidigt auf Sicherheitsmassnahmen oder will dich möglichst schnell in deine Wohnung einladen, setzt ein klares Warnsignal.

Sprich Online-Dating mit deinem Kind erst an, wenn sich aus den Kontakten etwas entwickelt, das längerfristig wichtig werden könnte. Jüngere Kinder müssen nicht jeden Chat und jedes Date kennen – sie brauchen vor allem Stabilität und eine emotional ansprechbare Bezugsperson.

Worauf du bei der Partnerwahl mit Kind besonders achten solltest

Wenn du ein Kind hast, verändern sich deine Kriterien bei der Partnerwahl. Neben Anziehung und gemeinsamen Interessen werden andere Fragen zentral:

Respektiert diese Person, dass dein Kind an erster Stelle steht? Kann sie damit umgehen, dass du nicht jederzeit verfügbar bist? Zeigt sie Interesse an deinem Familienalltag, ohne sich aufzudrängen oder Besitzansprüche zu stellen? Teilt sie grundlegende Werte zu Erziehung, Gewaltfreiheit, Respekt, Datenschutz und Mediennutzung? Ist sie geduldig, wenn es langsam geht und du Zeit brauchst, um dein Kind einzubeziehen?

Achte gezielt auf das Konfliktverhalten deines Gegenübers: Wie spricht die Person über Ex-Partner:innen, Arbeit, Familie? Wird schnell abwertend oder aggressiv gesprochen, ist das ein Alarmsignal. Gewaltfreie Kommunikation, Kompromissbereitschaft und Selbstreflexion sind für eine spätere Patchwork-Familie besonders wichtig.

Kinder dem neuen Partner vorstellen – Schritt für Schritt

Ein Guide je nach Alter der Kinder 

Kinder unterschiedlicher Altersgruppen brauchen unterschiedliche Informationen und Schritte, wenn eine neue Person ins Familienleben kommt.

0–5 Jahre: Kleinkinder verstehen Trennung und Partnerschaft noch nicht wie Erwachsene. Für sie zählt vor allem das Gefühl von Sicherheit und die Verlässlichkeit der Hauptbezugsperson. Ein neues Gegenüber kann zunächst als «Freund:in von Mama/Papa» vorgestellt werden. Halte erste Treffen kurz, spielerisch und ohne Druck. Wenn dein Kind zurückhaltend reagiert, ist das normal – dränge es nicht zu Nähe, Umarmungen oder Küssen.

6–11 Jahre: Schulkinder stellen oft konkrete Fragen («Ist das jetzt dein neuer Mann/deine neue Frau?»). Sie verstehen Beziehungskonzepte besser und können auch Eifersucht gegenüber einem neuen Partner empfinden. Wichtig sind Ehrlichkeit und klare Botschaften: Du kannst offen sagen, dass du jemanden kennenlernst und dass du nicht weiss, wie sich alles entwickeln wird. Gleichzeitig braucht dein Kind die Sicherheit, dass die Beziehung zu Mama und Papa bleibt, unabhängig von der neuen Person.

12+ Jahre: Jugendliche haben oft eigene, klare Meinungen zum Liebesleben ihrer Eltern – von neugierig-unterstützend bis ablehnend. Sie brauchen Respekt für ihre Sicht, aber nicht die Rolle einer «Berater:in» oder Entscheider:in. Du kannst sie mehr einbeziehen, zum Beispiel nach ihrer Meinung zu praktischen Fragen fragen, solltest ihnen aber keine Verantwortung für deine Paarentscheidung geben. Transparenz, gegenseitige Grenzen und Freiräume sind in diesem Alter besonders wichtig.

Vorbereitung: Was du sagst – und was du nicht versprichst

Überlege dir vor dem Gespräch mit deinem Kind, was du bereits klar sagen kannst – und was (noch) offen ist. Vermeide Versprechen, die du nicht halten kannst, zum Beispiel: «Wir werden bestimmt ganz lange zusammenbleiben.» Besser sind ehrliche, behutsame Formulierungen.

Mögliche Sätze für das Gespräch mit deinem Kind:

«Ich möchte dir etwas Wichtiges erzählen: Es gibt einen Menschen, den ich sehr gernhabe und mit dem ich Zeit verbringe. Ich weiss noch nicht genau, wie sich alles entwickelt, aber ich möchte ehrlich mit dir sein.»

«Du bleibst für mich immer die wichtigste Person. Niemand kann Mama/Papa für dich ersetzen, und auch du wirst für mich nie ersetzt.»

«Du musst diese Person nicht sofort mögen. Du darfst Zeit brauchen und ehrlich sagen, wenn dir etwas unangenehm ist. Ich höre dir zu.»

Vermeide es, dein Kind zu überfordern – etwa indem du es fragst: «Findest du es gut, wenn wir zusammenziehen?» oder «Magst du sie/ihn lieber als XY?». Dein Kind soll sich mitteilen dürfen, aber nicht für deine Entscheidung verantwortlich sein.

Erstes Treffen plus «Debrief» danach

Das erste Kennenlernen sollte kurz, entspannt und gut planbar sein. Gut eignen sich neutrale Orte, an denen sich niemand «eingedrungen» fühlt – zum Beispiel ein Spielplatz, ein Tierpark, eine Badi, ein Café mit Spielecke oder ein Spaziergang. Dein Zuhause bleibt anfangs besser ein geschützter Raum, bis klarer ist, ob die Beziehung stabil ist.

Die Dauer darf lieber zu kurz als zu lang sein – bei jüngeren Kindern etwa eine Stunde, bei älteren Kindern je nach Situation etwas länger. Wähle eine Aktivität, bei der niemand die ganze Zeit reden «muss»: etwas spielen, gemeinsam Glacé essen, Tiere beobachten. Dein neuer Partner sollte sich eher zurückhaltend verhalten, neugierig sein, Fragen stellen, aber nicht zu viel erzählen oder sich «aufdrängen».

Wichtig ist ein ruhiger Moment danach – ein «Debrief» mit deinem Kind:

Du kannst zum Beispiel sagen: «Wie war das für dich heute? Gab es etwas, das dir gefallen hat – oder auch etwas, das du komisch gefunden hast?» oder «Ich möchte gern hören, was du gedacht und gefühlt hast, auch wenn es nicht nur schön war.» Höre zuerst zu, ohne zu relativieren («Ach, so schlimm war das doch nicht»). Später kannst du erklären oder einordnen – aber nimm Gefühle immer ernst.

Der/die Ex und neue Partner: Co-Parenting ohne Drama

Welche Infos sind sinnvoll – und wo sind Grenzen?

Wenn du mit deinem Ex-Partner gemeinsam Kinder hast, ist es fair und oft auch rechtlich sinnvoll, ihn oder sie über wichtige Veränderungen im Familienleben zu informieren. Dazu gehört eine neue, stabile Partnerschaft, vor allem wenn dein neuer Partner dein Kind kennenlernen oder regelmässig sehen wird.

Sinnvoll ist eine sachliche, respektvolle Information – idealerweise bevor das Kind die neue Person trifft. Zum Beispiel per Nachricht oder in einem kurzen Gespräch, je nach eurer Kommunikationsbasis. Du musst keine intimen Details preisgeben, aber grundlegende Infos sind hilfreich, um Vertrauen zu erhalten und Konflikte zu vermeiden.

Gleichzeitig gibt es Grenzen: Dein Privatleben als Paar ist nicht vollständig Auskunftspflicht. Auch dein neuer Partner hat ein Recht auf Privatsphäre. Halte dich an das, was für das Kind relevant ist: Wer ist diese Person? Wie oft wird das Kind sie voraussichtlich sehen? Verändern sich Betreuungszeiten oder Wohnsituation?

Wenn der/die Ex blockiert oder abwertet: Deeskalations-Tools

Nicht alle Ex-Partner reagieren gelassen auf eine neue Beziehung. Manche fühlen sich bedroht, eifersüchtig oder sorgen sich um das Kindeswohl. Deeskalation hilft, das Kind nicht zusätzlich zu belasten.

Konkrete Formulierungshilfen können sein:

«Ich verstehe, dass diese Situation für dich nicht einfach ist. Mir ist wichtig, dass wir beide das Beste für unser Kind im Blick behalten.»

«Du musst meine neue Beziehung nicht gut finden. Aber ich wünsche mir, dass wir vor unserem Kind respektvoll über einander sprechen.»

«Wenn du dir Sorgen machst, lass uns konkret darüber sprechen. Vielleicht können wir gemeinsam eine Lösung finden, die für unser Kind stimmig ist.»

Vermeide Abwertungen («Du gönnst mir nichts») und Schuldzuweisungen. Bleibe bei Ich-Botschaften («Ich wünsche mir…», «Ich sehe…»). Wenn Gespräche immer wieder in Vorwürfen enden, kann eine neutrale Fachperson – zum Beispiel eine Mediation – helfen, klare Regeln für Kommunikation und Übergaben zu finden.

Wann Beratung oder Mediation in der Schweiz hilft

In der Schweiz gibt es verschiedene Angebote, die dich bei Co-Parenting und Patchwork-Fragen unterstützen können. Fachstellen für Familienberatung, Mediation und Kinder- und Jugendhilfe arbeiten nach wissenschaftlich fundierten Konzepten zum Wohl des Kindes.

Eine Mediation oder Beratung kann sinnvoll sein, wenn ihr euch über das Tempo des Kennenlernens uneinig seid, ein Elternteil den Kontakt zur neuen Person grundsätzlich verbieten will (ohne Sicherheitsgründe) oder euer Kind sich zwischen euch hin- und hergerissen fühlt. Eine neutrale Fachperson kann helfen, Vereinbarungen zu treffen: etwa wann und wie neue Partner vorgestellt werden oder wie ihr miteinander kommuniziert, um das Kind nicht in Loyalitätskonflikte zu bringen.

Patchwork im Alltag: Rollen, Regeln, Zusammenziehen

Bonuseltern-Rolle: Nähe aufbauen, ohne Eltern zu ersetzen

Als neue Partner:in eines Elternteils bist du oft so etwas wie eine Bonusmama oder ein Bonuspapa – auch wenn ihr euch vielleicht (noch) nicht so nennt. Fachleute empfehlen, dass Bonuseltern langsam in ihre Rolle hineinwachsen und nicht versuchen, Mutter oder Vater zu ersetzen.

Hilfreich ist eine Haltung von freundlicher, interessierter Erwachsenenperson: Du begleitest, hörst zu, setzt angemessene Grenzen im Alltag, aber grosse erzieherische Entscheidungen bleiben zunächst bei den leiblichen Eltern. Nähe entsteht durch gemeinsame, freiwillige Aktivitäten (spielen, kochen, Sport, Gespräche), nicht durch Druck. Gerade ältere Kinder und Jugendliche brauchen das Gefühl, dass sie selbst mitentscheiden dürfen, wie viel Nähe sie zulassen.

Hausregeln und Verantwortung 

Wenn ihr als Patchwork-Familie Zeit im gleichen Haushalt verbringt, werden klare, gemeinsam besprochene Hausregeln wichtig. Sie geben Kindern Orientierung und schützen alle Beteiligten.

Im Alltag hat sich bewährt, wenn die Hauptverantwortung für grössere erzieherische Konsequenzen (z.B. bei Schulschwänzen oder gravierenden Regelbrüchen) zunächst bei der leiblichen Elternperson liegt. Bonuseltern können im Rahmen der vereinbarten Hausregeln Grenzen setzen (z.B. Bildschirmzeiten einhalten, Tischregeln), ohne «Strafchef:in» zu werden.

Respektiere die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen: Klopf an, bevor du ein Zimmer betrittst. Lies keine Nachrichten oder Tagebücher. Sprich klar darüber, wer wann welche Räume nutzen darf. Für Übernachtungen deines Partners gilt: Solange dein Kind sich sehr unwohl fühlt oder die Beziehung noch sehr frisch ist, sind regelmässige Übernachtungen im Kinderhaushalt meist zu früh. Ein schrittweises Herantasten – zuerst Besuche am Tag, später einzelne Übernachtungen – schafft Sicherheit.

Zusammenziehen: Checkliste und häufige Fehler

Gemeinsam einzuziehen ist ein grosser Schritt – für dich, dein Kind und deinen neuen Partner. Fachlich wird empfohlen, diesen Schritt erst zu gehen, wenn eure Beziehung schon eine stabile Phase durchlaufen hat und dein Kind die neue Person kennt und eine erste Beziehung aufbauen konnte. Typische Fehler sind: zu schnelles Zusammenziehen aus finanziellen Gründen allein, die Hoffnung, dass sich Konflikte «von selbst lösen», wenn ihr zusammenlebt, oder der Versuch, Widerstand des Kindes zu übergehen («Du gewöhnst dich schon daran»).

Fragen, die ihr vor dem Zusammenziehen klären solltet, sind unter anderem: Wie werden Zimmer verteilt? Welche Rückzugsräume hat jedes Kind und jede erwachsene Person? Wie organisieren wir Finanzen, Haushalt und Care-Arbeit? Wie regeln wir Erziehung und Grenzen – wer entscheidet was? Wie bleiben Kontakte zu Ex-Partnern und Grosseltern organisiert? Es kann hilfreich sein, diese Fragen schriftlich festzuhalten und nach einigen Monaten nochmals gemeinsam anzuschauen.

Sicherheits- und Kindeswohl-Block: Klare Grenzen zum Schutz deines Kindes

Bei aller Romantik und Hoffnung auf einen Neustart hat das Kindeswohl immer Vorrang. Das bedeutet auch, klare Grenzen zu setzen – und Warnsignale ernst zu nehmen.

Wichtige Grundregeln sind:

Lass niemanden zu schnell sehr tief in euren Alltag – kein schnelles Einziehen, keine häufigen Übernachtungen unmittelbar nach dem Kennenlernen, keine frühzeitige Einbindung deines Kindes in Paarprobleme. Respektiere den Körper und die Intimsphäre deines Kindes: Kein Erwachsener darf ein Kind zu körperlicher Nähe drängen (Umarmen, Küssen, Sitzen auf dem Schoss), wenn es das nicht möchte. Wenn dir etwas im Verhalten deines Partners deinem Kind gegenüber «komisch» vorkommt (unangemessene Witze, Kommentare zum Körper, «Geheimnisse» zwischen ihnen, die du nicht kennen darfst), nimm dein Bauchgefühl ernst.

Kinder zeigen Belastung oft indirekt: durch Rückzug, plötzliches Klammern, Wut, Schlafstörungen oder psychosomatische Beschwerden. Wenn dein Kind wiederholt sagt, dass es eine Person «nicht mag», «Angst hat» oder sich unwohl fühlt, hör genau hin. Du musst nicht jede Abneigung sofort erfüllen, aber Sicherheit geht immer vor Loyalität zum neuen Partner. Im Zweifel kannst du Fachstellen für Kinderschutz oder Familienberatung kontaktieren und die Situation anonym schildern.

Wenn es schwierig wird: Hilfe holen ist Stärke

Anlaufstellen in der Schweiz

In der Schweiz gibt es verschiedene professionelle Angebote, die dich bei Fragen zu Trennung, Patchwork und Kinderschutz unterstützen können. Dazu gehören Kinder- und Jugendberatungsstellen, Familienberatungen, psychologische Praxen, schulpsychologische Dienste sowie Kinderschutz-Fachstellen. Sie arbeiten mit wissenschaftlich fundierten Methoden und orientieren sich am Wohl des Kindes.

Wenn du das Gefühl hast, in eurer Patchwork-Situation «festzustecken», Konflikte mit dem Ex immer wieder eskalieren oder dein Kind stark leidet, ist Unterstützung sinnvoll. Ein neutraler Blick von aussen kann helfen, Muster zu erkennen, neue Wege zu finden und Vereinbarungen zu treffen, die für alle tragfähig sind.

Was du dem Kind sagen kannst, wenn es «Nein» sagt

Nicht alle Kinder freuen sich sofort über die neue Liebe eines Elternteils. Ablehnung kann viele Gründe haben: Loyalität zum anderen Elternteil, Angst vor Veränderung, Eifersucht oder schlechte Erfahrungen mit Streit der Erwachsenen. Wichtig ist, dass dein Kind sich mit seinem «Nein» ernst genommen fühlt, ohne dass es eure Beziehung vollständig blockiert.

Mögliche Sätze können sein:

«Ich sehe, dass du gerade nicht möchtest, dass er/sie da ist. Deine Gefühle sind wichtig, und du darfst sie mir sagen.»

«Es ist nicht deine Aufgabe zu entscheiden, mit wem ich eine Beziehung habe. Aber es ist meine Aufgabe, gut auf dich aufzupassen, und deshalb will ich genau wissen, wie es dir damit geht.»

«Wir werden jetzt nichts überstürzen. Lass uns Schritt für Schritt schauen, was für dich okay ist – und wenn etwas zu viel ist, sagst du mir das, und wir suchen gemeinsam eine Lösung.»

Gegebenenfalls kann es helfen, dass dein Kind mit einer Fachperson spricht, vor allem wenn es sich zurückzieht, seine Gefühle kaum zeigt oder stark zwischen dir und dem anderen Elternteil hin- und hergerissen ist.

Checklisten & Vorlagen

«Sicheres Date»-Checkliste

Diese kompakte Checkliste unterstützt dich dabei, Dates als Alleinerziehende*r sicher und entspannt zu gestalten. Du kannst sie vor jedem Treffen kurz innerlich durchgehen:

Habe ich einen öffentlichen Treffpunkt gewählt und eine Vertrauensperson informiert? Habe ich klare zeitliche Grenzen gesetzt (Beginn, Ende)? Drängt mein Gegenüber mich nicht, mehr zu teilen, als ich möchte (Adresse, Kinderdaten)? Fühle ich mich innerlich frei, jederzeit zu gehen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt? Respektiert die andere Person meine Rolle als Mutter/Vater und drängt nicht auf zu schnelle Treffen mit meinem Kind?

«Erstes Treffen»-Plan

Ein einfacher Plan hilft, das erste Kennenlernen zwischen Kind und neuem Partner stressarm zu gestalten. Überlege dir im Vorfeld:

Wo treffen wir uns, damit sich niemand überrumpelt fühlt (neutraler Ort)? Wie lange soll das Treffen dauern, damit es nicht zu viel wird? Welche Aktivität passt zu Alter und Persönlichkeit meines Kindes (Spielplatz, kurzer Spaziergang, Glacé essen)? Welche Botschaften möchte ich meinem Kind vorher mitgeben (Ehrlichkeit, kein Druck)? Wann und wie spreche ich nach dem Treffen mit meinem Kind über seine Eindrücke?

«Patchwork-Hausregeln»-Vorlage

Gemeinsame Regeln schaffen Orientierung und beugen Konflikten vor. Ihr könnt euch als Erwachsene zuerst untereinander einigen und dann kindgerecht erklären, was für euren Haushalt gilt. Hilfreiche Themenbereiche sind:

Wie gehen wir mit Privatsphäre um (Zimmer, Klopfen, Handy, Tagebuch)? Welche Regeln gelten für Mahlzeiten, Haushalt und Bildschirmzeiten für alle Kinder gleich? Wer ist wofür zuständig (Hausaufgaben begleiten, ins Bett bringen, Freizeitaktivitäten organisieren)? Wie sprechen wir über Abwesenheiten und Übernachtungen des neuen Partners oder des Elternteils? Was tun wir, wenn jemand sich unwohl fühlt – an wen kann sich jedes Kind wenden, und wie werden Beschwerden ernst genommen?

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