Beziehung zum Partner mit Kind

Es braucht Zeit bis zwei Familien zu einer Patchworkfamilie zusammen wachsen.

Patchworkfamilien: Es braucht Zeit und Geduld, bis zwei Familien zusammen wachsen.

Was einem Vater oder einer Mutter im Umgang mit ihrem Kind selbstverständlich erscheint, kann ein neuer Partner völlig unangemessen finden. Greift er jedoch ein, kann er damit den Vater oder die Mutter genauso verprellen wie das Kind. Auch in der neuen Paar-Beziehung, in der Beziehung zwischen einem Elternteil und einem neuen Partner, gibt es also Konfliktpotential.

«Stiefeltern sollten sich möglichst wenig einmischen», rät die Fachstelle für Paare und Familien in Solothurn. «Es ist hilfreich, Kritik an kindlichen Verhaltensweisen zuerst unter den Erwachsenen zu besprechen.»

Wichtig ist, über die Rolle des neuen Partners in der Familie zu reden. Er ist kein Elternteil und somit ist es zunächst nicht seine Sache, das Kind zu leiten. «Die Erziehungsverantwortung liegt in der Stieffamilie beim leiblichen Elternteil. Bei dessen Abwesenheit kann aber der Stiefelternteil erzieherisch handeln, wenn er vom leiblichen Elternteil dafür den Auftrag erhält», darauf weist die Fachstelle für Paare und Familien in Solothurn hin. Konkret heisst das: Die leibliche Mutter oder der leibliche Vater erklärt dem Kind, dass jetzt der Stiefelternteil die Verantwortung übernimmt. Dies setzt voraus, dass sich die Erwachsenen in grundsätzlichen Fragen der Erziehung einigen können.

Sicher gibt es immer wieder Situationen, in denen sich der eine Partner mehr Nähe wünscht, als der andere Partner geben kann, weil er sich gerade um das Kind kümmern muss und will. Das mag manchmal schwer zu akzeptieren sein, doch ein Kind benötigt ein besonderes Mass an Aufmerksamkeit. Sinnvoll ist es dann, den Partner nicht zu kritisieren, sondern die eigenen Bedürfnisse zu formulieren. «Ich verstehe, dass du mit deinem Sohn spielen willst, aber ich wünschte, wir hätten mehr Zeit zu zweit.» So vorwurfsfrei lässt sich leichter nach Lösungen suchen.

Vielleicht können die Wochenenden, an denen das Kind den anderen Elternteil besucht, gemeinsam besonders genossen werden? «Eine wichtige Aufgabe für die zwei Erwachsenen in der Stieffamilie ist die Pflege der Partnerschaft. Sie brauchen einen eigenen, privaten Bereich, um ihrer Paarbeziehung ausserhalb von familiären Aufgaben die Möglichkeit zum Wachsen und Vertiefen zu geben», so die Fachstelle für Paare und Familien in Solothurn.

Beziehungen der Geschwister

Leibliche Geschwister, Halb-Geschwister, Stief-Geschwister: Sie alle wollen gerecht behandelt werden. Lena darf bei Mama nicht bis 22 Uhr fernsehen, obwohl Papa das an den Wochenenden erlaubt. Noch gemeiner findet sie, das die Schwester sogar bis 22.30 Uhr ihre Lieblingssendung sehen darf, obwohl sie nur zwei Jahre älter ist. Manchmal ist es für Eltern gar nicht einfach, einen gerechten Weg zu finden. Für alles gibt es gute Argumente und ebenso gute Gegenargumente.

«Gerechtigkeit gibt es nicht. Hingegen existiert ein altes, kluges Wort, demzufolge man Menschen nur dann ordentlich behandelt, wenn man sie verschieden behandelt – weil sie verschieden sind und demzufolge unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen haben», sagt Jesper Juul.

Sein Tipp: Erklären Sie Ihren Kindern, dass es in jeder Familie zwei verschiedene Arten von Regeln und Normen gibt: diejenigen, die für alle gelten, und diejenigen, die nur für einige gelten. Dabei handelt es sich genauso um Privilegien wie um Pflichten und Einschränkungen.»

Patchworkfamilien: Viel Geduld

Sicher, jeder möchte in einer harmonischen Familie leben. «Doch das Zusammenwachsen einer Familiengemeinschaft benötigt ungeheuer viel Zeit und Feingefühl», so Natascha Becker, Autorin des Buches «Leben in der Patchworkfamilie» in einem Interview. Eine realistische Erwartungshaltung ist wichtig. «Wer vorschnell auf Normalität und Harmonie drängt, überfordert damit nicht nur den Partner und die Kinder, sondern meist auch sich selbst.»

  • Beiträge, Interviews, eine Diskussionsplattform und Tipps zu allen Problemen die sich im Zusammenhang mit einer Patchworkfamilie ergeben: www.patchwork-familie.ch
  • Eltern helfen Eltern: www.eltern-hilfe.ch
  • Buchtipp: Aus Stiefeltern werden Bonus-Eltern. Chancen und Herausforderungen für Patchwork-Familien. Von Jesper Juul. Kösel-Verlag 2011.

 

Text: Sigrid Schulze

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