Patchwork-Familie: drei Fallbeispiele

Patchwork-Familien stehen vor besonderen Herausforderungen.

Eine Patchwork-Familie braucht Zeit, um zueinander zu finden. Foto: © Getty Images, Jupiterimages, Thinkstock

Sie stellen im Buch neun Themen vor, unter anderem Sexualität. Warum?

In der Phase der Trennung, spielt Erotik meist keine Rolle mehr. Da kann es sehr schön sein, wenn plötzlich ein Mann oder eine Frau kommt, bei dem oder der man sich wieder attraktiv fühlt. Guter Sex allein genügt aber nicht für eine Partnerschaft und sicher nicht für eine Patchwork-Familie.

In Ihrem Buch bieten Sie für solche Situationen aber keine konkreten Rezepte zur Lösung an.

Wir vermitteln ein Basiswissen. Aber wir haben in jedem Kapitel Fragen für die Patchwork-Familie. Sie sollen das Gespräch zwischen den Partnern anregen. Jede Patchwork-Familie soll in der Auseinandersetzung miteinander sein ureigenstes Beziehungsgeflecht finden, das zu ihnen passt.

Zum Schluss noch drei Fallbeispiele. Was würden Sie in diesen Fällen raten? Das erste: Die Tochter beschwert sich beim Vater, weil sie der Meinung ist, dass er ihre Stiefgeschwister bevorteilt.

Das wäre happig. Es ist wichtig, dass der Vater der Tochter zuhört und versucht zu verstehen, warum sie das Gefühl hat, dass er die anderen lieber hat. Er muss das ernst nehmen. Vielleicht denkt er, er muss höflich zu den anderen Kindern sein, um den Kontakt zu ihnen zu gewinnen. Wichtig ist, dass das Kind merkt, Papa hat mich gern.

Mutter und Tochter haben fünf Jahre allein gelebt. Jetzt zieht der neue Partner der Mutter in die gemeinsame Wohnung. Die Tochter fühlt sich hintergangen und beschliesst kein Wort mit dem neuen Mann zu reden.

Das ist eine Protesthaltung, die öfter vorkommt. Es stellt sich die Frage, wie die Mutter die Tochter vorbereitet hat. Wird der neue Mann einfach vor die Nase gestellt? Macht es wirklich Sinn, dass sie zusammenziehen? Wenn ja, braucht die Tochter Zeit. Der Mann muss Geduld haben. Die Mutter muss vermitteln. Was könnte die beiden zueinander bringen? Notfalls muss man sich Beratung holen.

Die Kinder leben beim Vater und seiner neuen Partnerin. Die Ex-Frau hat das Gefühl, dass die Kinder, seit dem die neue Frau mit dort wohnt, zu viel erlaubt bekommen und mit Geschenken überhäuft werden. Sie hat Angst, dass ihre Kinder verwöhnt werden.

Vielleicht hat die Mutter auch Angst, dass die neue Frau ihre Kinder mit Geschenken kauft. Am Schluss haben sie die Neue lieber als mich, denkt sie vielleicht. Deshalb sollten die Eltern miteinander das Gespräch suchen. Sie sollten darüber sprechen, welche Erziehungsansichten sie haben und ob sie sich einig sind. Dann sollte der Vater mit der neuen Partnerin sprechen und mit ihr klären, welche Vorstellungen er in Bezug auf Geschenke etc. hat. Wichtig ist, dass nicht die beiden Frauen miteinander das Problem lösen. Die eine ist die jetzige Partnerin des Vaters, die andere ist die leibliche Mutter. Wenn die Frauen miteinander sprechen, könnte es einen Zickenkrieg geben. Der Vater kommt nicht darum herum, sich zu positionieren, wo er bezüglich Erziehung steht.

Interview: Angela Zimmerling im Oktober 2012

Zur Person

Doris Beerli hat ein Buch für Patchwork-Familien geschrieben.Doris Beerli ist Paar- und Familientherapeutin. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie an einer öffentlichen Paarberatungsstelle im Kanton Zürich und in eigener Praxis.
Foto: © by Priott

 

Zum Buch «Patchwork-Familie, ja! 9 Bedingungen, damit’s gelingt»

Buch: «Patchwork-Familie, ja! 9 Bedingungen, damit?s gelingt»Das Buch will mithilfe von Fragen, Denkanstösse für Paare in Patchwork-Familien bieten. Die beiden Zürcher Paar- und Familientherapeuten Doris Beerli und Stefan Ecker haben neun Bedingungen formuliert, die ein erfolgreiches Miteinander in einer zusammengewürfelten Familie ermöglichen.

Das Buch ist im Verlag Hirschi+Troxler erschienen und kostet 22 Franken. Es kann unter www.beziehungskiste.ch bestellt werden.

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